Der Kaiser ließ die Augen aufleuchten, lächelte den Grafen warm an.
Der Geheimsekretär: »Welche Antwort soll formuliert werden auf die Replik
der Kurfürsten?«
Die Herren durften sprechen.
Strahlendorf: »Hinhalten. Wenn der kaiserliche Standpunkt so bleibt,
versuchen, die Kurfürsten zu drücken, sie auf die Unmöglichkeit ihrer
Forderungen hinweisen, die Erfüllung des Möglichen zusagen.«
Trautmannsdorf: »Die Majestät wird sich den Eingriff in ihre Autorität und
Präeminenz verbitten. Die Schuld für einen Riß muß von vornherein der
kurfürstlichen Maßlosigkeit zugeschoben werden.«
Der Kaiser dankte. Nach langer, scheinbarer Besinnung dankte er nochmals;
es sei besser, auf diese Replik nicht zu antworten. Er antworte nicht. Er
gäbe den Kurfürstlichen Durchlauchten, die in einem Jähzorn gehandelt
hätten, Zeit sich zu besinnen.
* * * * *
In das Refektorium der Karthause wurde eines regnerischen Abends Pater
Joseph gerufen; es wolle ihn eine hohe Person sprechen. Zwei Damen in
Schleiern, auf deutsche Art gekleidet saßen da; die eine sprach ihn
italienisch an, es war die Kaiserin. Er möchte ihr von seinem Orden
erzählen.
Und als er gesprochen hatte, glühten hinter ihrem Schleier ihre Augen,
Gräfin Khevenhiller trat an das Fenster hinter eine Säule.
Sie freue sich, solche Stimme der Gottesinbrunst zu hören, man vernehme es
so selten in diesem Lande.
Ob er Italien kenne. Und dann plötzlich, kaum das Schluchzen unterdrückend:
so weit sei es gekommen, daß man nicht Anstand nehme, ihre Heimatstadt zu
belagern. Er meinte tröstend, so sei Politik der Deutschen. »Helft Ihr
mir,« bat sie, »ich habe Briefe von meinen Freundinnen, Geschwistern; was
ich Euch tun kann, sollt Ihr haben.« »Wenn unsere Heere siegen werden.«
»Sprecht mit dem Kaiser, mit Lamormain. Ich bin eine Frau; kann man keine
Rücksicht auf ein Frauenherz nehmen; bin ich hier nichts.«
Kopfschüttelnd Joseph: »Es ist nicht der Kaiser oder Lamormain. Es ist der
Herzog von Friedland.«
Sie keifte leise: »Schickt ihn fort; ich hasse ihn, sein Name ist mir
zuwider, der falsche Böhme.«
»Man kann ihn nicht fortschicken. Es ist leichter für ihn, uns alle
fortzuschicken.«
Sie wütete mit ihren Fäusten gegen ihren Schleier: »Ihr habt es gehört. Es
ist unsagbar, wir sind seine Gefangenen. Man soll ihn entlassen.«
»Wer ist Kollalto bei Mantua? Seine Puppe. Der Herzog ist das oberste
Gericht im Reich. Wir spielen hier in seinem Schatten. Der Kaiser fühlt es
nicht.«
Sie sah ihn erstarrt, weitäugig an: »Und dies ist wahr, der Herzog macht
mit uns, was er will?«
Joseph lächelte traurig: »Es ist schon keine Neuigkeit mehr, Majestät.
Fragt Euren Schwager, die bayrische Durchlaucht.«
Die Kaiserin stand von der Bank auf: »Ich will den Kaiser befragen, er soll
hören, wie man spricht.«
»Fahrt lieber zum Herzog; er residiert in Memmingen, nicht weit von Ulm. Er
wird Euch helfen, wenn Ihr dringlich bittet um Mantua. Aber sprecht nicht
von mir zum Kaiser. Die Deutschen lieben nichts Fremdes.«
»Oh, sprecht Ihr wahr, Ehrwürden; ich danke Euch.«
»Dankt nicht, Majestät. Auch mein Land leidet. Der Herzog von Nevers ist
ein Franzose.«
Solche Auseinandersetzung hatte Ferdinand noch nicht mit der Mantuanerin
gehabt. Die Frau war unnachgiebig, bitter, verächtlich gegen ihn. Sie hätte
geglaubt, Kaiserin zu sein. Sie sei Italienerin. Dulde man in Deutschland
solches, so sei das deutsche Art. Sie nehme es nicht an, sei nicht
herübergekommen als Vasallin des emporgekommenen Friedländers. »Zu essen
von seinem Geld, zu leben hinter seinem Rücken, das nehme ich nicht an; ich
bleibe die Tochter des Herzogs von Mantua.« Er war nur erstaunt, welcher
Narr ihr das beigebracht habe. Etwas Haßartiges war in ihr aufgestiegen.
»Narr? So wahr ich selbst Narr bin, sind dies Narren, die mir das
beigebracht haben. Du bist versunken, du träumst. Mir sind die Augen
aufgegangen. Der von Wallenstein muß weg.« »Ich träume, ich bin versunken.
Er dient mir, wie es beinah nicht mehr menschlich ist. Sie beneiden mich um
ihn und beneiden ihn selber, den ich hochgehoben habe.« »Der Giftspritzer,
der Unband, der Teufel. Das gesegnete Geschenk, der von Wallenstein.« »Sie
beneiden ihn, wie sie mich beneiden.« »Keiner wird an unsern Tisch sich
setzen wollen, nur der Teufel. Der Heilige Vater wird seinen Fluch über uns
aussprechen.« »Dir bangt um Mantua.«
Sie schrie und überschrie sich: »Ja, mir bangt um Mantua. Und ich will zu
befehlen haben, daß mir nicht darum bangt. Ich bin Kaiserin, es ist meine
Heimat. Ein Hund soll nicht hingehen können und sie zerreißen.«