Gottfried erhob den Kopf: »Was sagst Du?«

»Daß Du ungerecht bist, zum ersten Mal in Deinem Leben; ungerecht und

grausam gegen einen edlen und guten Menschen ... Es ist herzlos und

thut ihm weh -- gerade von Dir -- denn Du bist es ja ...« Ihre Lippen

zitterten, der Ausdruck des bittersten Schmerzes zuckte über ihr

Gesicht -- »der ihm der Liebste ist von uns Allen ...«

Sie hielt tiefathmend inne, Gottfried murmelte ein zorniges Wort, und

der Vater stand in stummer Betroffenheit vor seinen beiden Kindern.

In einer bisher ahnungslosen Seele dämmerte das Bewußtsein zerstörter

Hoffnungen, eines nahenden Unglücks auf. Eh' er sich's versah, bevor

ihm zu einer Befürchtung Zeit geblieben, war der Friede aus seinem

stillen Hause entwichen und aus den Herzen seiner Kinder ...

In dem Augenblicke wurde an der Hausglocke gestürmt, bald darauf

durcheilten leichte Schritte das Vorgemach.

»Da ist er doch,« sagte Feßler.

Halwig erschien auf der Schwelle, er schwenkte seinen Hut und sah so

glücklich aus, als ob er eben eine Welt erobert hätte.

Gesammelte Schriften von Marie von Ebner-Eschenbach (3/10) · 第 13 / 33 题