Leb' wohl für einige Zeit, mein treuer Weggenoß; möchte es nur Gutes
sein, was ich dir ferner anzuvertrauen habe. -- -- --
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Sechs Wochen später.
Wir sind noch für drei Wochen in dem idyllisch gelegenen Seebad Bar
Harbour gewesen. Wie ein kleines Paradies ist dieses Fleckchen Erde, und
ich war glücklich, restlos glücklich.
Keine Angst, keine Sorgen, ein Gatte, der mir jeden Wunsch an den Augen
absieht -- es ist doch schön auf der Welt. --
Schön, solange man jung ist. Auch ohne die vielgepriesene Liebe.
* * * * *
Chikago, den 28. Oktober.
Mein Gatte muß doch reicher sein als ich gedacht. Das »kleine Häuschen«,
das er nach seiner Rückkehr von Europa gekauft, ist ein ganz stattlicher
Bau und liegt in einem prachtvollen, alten Garten am Lake Shore Drive.
Das Haus hat früher einem reichen Schweinezüchter gehört, und mein Mann
hat es hauptsächlich meinetwegen gekauft, da ihm sein altes Haus an
Sheridan Road nicht hübsch genug war.
Ich bin ihm sehr dankbar, wir leben in glücklichster Gemeinschaft und
kein Schatten trübt unser Leben.
Ich will ihm eine treue und gute Gefährtin sein. Nie soll er empfinden,
daß nicht mein volles Herz ihm gehört. --
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Ich habe dich lange nicht in Händen gehabt, kleines Buch. Mein Leben
läuft so glatt und ereignislos dahin, daß ich kaum etwas aufzuzeichnen
habe. Ich lebe, wie eine Amerikanerin der besseren Stände lebt. --
Mit meinem Manne verbindet mich innigste Freundschaft.
Er bespricht alles mit mir und freut sich, daß ich seinem Wirken und
Schaffen so lebhaftes Interesse entgegenbringe. --
Und mir wiederum macht es Freude, daß ich teilhaben darf an seiner
Arbeit. --
Trotzdem bin ich nicht voll befriedigt, ich habe noch zu viel
unausgefüllte Zeit.
Ja, wenn ich ein Kind hätte! Ob ich vergebens auf dies höchste Glück
warte? Auch mein Mann würde sich freuen, und ich würde ihm doch so gern
einmal eine recht große Freude machen. --
Ich muß jetzt oft wieder an den 20. Februar vor zwei Jahren denken.
Welches Glück empfände mein Mann, wenn ich ihm einen Knaben schenkte,
und wie unwillkommen war das arme Kind damals! Ob es wirklich tot ist?
Ich habe ein so sonderbares Gefühl, eine Art Unterbewußtsein, das mir
sagt, mein Kind lebt. --