Ah, ein Brief!
Ich kann ihn kaum öffnen, so zittern mir die Finger. Ein Brief von ihm,
mit zitternder Hand geschrieben:
»Gott schütze Dich, Liebling! Ich fürchte, ich bin sehr krank.
-- Wenn wir uns nicht wiedersehen sollten? -- Lotti, mein süßes
Weib, ich habe Dich sehr geliebt. Bleibe gut, wenn ich von Dir gehen
sollte. Du bist ein seltenes Geschöpf, laß Dich nicht zerbrechen,
laß den Gedanken an mich Dein Leitstern sein, damit Du nicht wieder
untergehst. Möchtest Du nicht doch zu Deinen Großeltern gehen? --
Lottchen, Liebling, seit ich erwachsen bin, habe ich nicht oft
an meinen Gott gedacht -- ich hatte ihn fast vergessen; heut' ist er
mir nah, darum bin ich gefaßt. Er wird auch Dich beschützen. Was er
tut, ist gut. Ich umarme Dich im Geiste und küsse Deinen süßen,
warmen Mund und Deine strahlenden Augen.
Gott schütze Dich!
Dein Werner.«
Ist das das Ende von meinem Paradies? Es ist ja nicht möglich -- nicht
möglich!
Er kann mich nicht verlassen haben!
Ist all das warme pulsierende Leben tot? Hinweggeweht?
Wo ist es? Wo ist sein lieber Körper? Wo ist das, was von ihm übrig
blieb? -- Ich will zu ihm. Wenn ich sonst nichts kann, so will ich an
seinem Grabe knien und will ihm mein Leid klagen.