Vor ihr her lief immer, wie ein Licht, ein weißer Spitz.
Der hieß Kony.
Sie hieß Beate.
Und Beate bewegte sich prustend, unermüdlich den Mauern der
Infanteriekaserne entlang. (. . . vom »General Finkenkeller« bis »Zu
unserem lieben Kronprinz« . . .) Hier standen sie, Wally und Mizzl, und um
sie herum ein Haufen Lärm-Infanteristen, betrunken. Bis endlich zwei aus
der Masse losbröckelten. Die übrigen trollten sich schreiend weiter.
Die Werthergasse war entleert. Sie war staubig, ein ausgetrocknetes
Flußbett. Trotzdem es Samstag war. --
Und Wally und Mizzl standen, das zweitemal, beim »Zu unserem lieben
Kronprinz«, und um sie herum ein Haufen Lärm-Infanteristen, betrunken. Bis
zwei aus der Masse losbröckelten.
Die Laternen wurden gelöscht. Die einzige Helligkeit verbreiteten
Leucht-Wolken am Himmel, und Kony, der wie ein Licht vor Beate herlief. Und
das Dunkel stürzte sich wie ein böses Raubtier, plötzlich, laut gähnend,
offenen Rachens über den »General Finkenkeller« und »Zu unserem lieben
Kronprinz« und fraß die. Das polterte, tobte, schrie, flackerte rot und
feucht, hier einige Male, dort einige Male, dann war auf einmal Schluß.
Da mußte Beate heiß an ihren Kony denken. Der war Athlet. Drei Preise hatte
er errungen, zwei zweite, einen ersten, Eichenkränze, ganz grün, mit
schwarz-weißen Seidenschleifen und Goldschrift. Und alles schrie »Hoch!«
und laut »Hurra!«, und die Musik blies furchtbar, als der Vorstand der
»Stämmigen Brüder«, der Gerichtssekretär Huber (der graue, der mit dem
Bismarck auf dem Bauch! ) sie ihm aufs Haupt setzte. Und Kony war ganz rot
vor Freude, sein großer aufgedrehter Schnurrbart glänzte. Und er betrank
sich diesen Abend, den Siegeskranz um das Haupt.
Und sie entsann sich, wie ihm jene glänzende Medaille angesteckt ward (--
und das war auf der Siegesfeier des »Freideutschen Stemmklubs von 1893« --)
und sie ihm der Schiller, der Oberbaurat Schiller, höchst eigenhändig auf
die Brust heftete. Und alles schrie »Hoch!« und laut »Hurra!«
Und die Musik blies furchtbar. Und Kony, vor Freude ganz rot, aufgedrehten,
glänzenden Schnurrbarts, kam an ihren Tisch, setzte sich zu ihr und er
tätschelte ihr (-- die Medaille auf der Brust! --) auf den Hintern.
Und sie lächelte. Ihr Spitz hieß Kony.
Der schnupperte.
Beim »General Finkenkeller« aber stand stramm, hochaufgerichtet ein Soldat,
ein Riesenkerl. Der stieß den langen Schleppsäbel immer eigensinnig
klirrend auf das Pflaster. Er sang dazu und kommandierte laut. Plötzlich
war er an Beatens Seite, hatte den Arm um sie gelegt, der kalt war und
eisern, wie eine Klammer. Und Kony, der Spitz, lief ganz unbeirrt den
beiden wie ein Licht voran, doch immer, wenn der Säbel klirrend ins
Pflaster fuhr, ruckte er aufgeschreckt, mechanisch vor.
Es war ein Dragoner.
Und beim »Zu unserem lieben Kronprinz« standen sie, Wally und Mizzl, zum
drittenmal, und um sie herum ein Haufen Lärm-Infanteristen, betrunken. Und
sie stiegen daher, Arm in Arm, die Beate heiß, unermüdlich, prustend,
gereckt, der Dragoner enorm, ganz gelb, eine ungeheuere Zigarre mitten ins
Gesicht gesteckt, glänzenden, aufgedrehten Schnurrbarts, von Rauchwolken
umhüllt. Und Wally: »Nacht, Beate . . .«