132 Mil. St.G.B. vom 15. Jan. 1855, § 490; Tod durch den Strang.

_ 133 England_; für piracy juris gentium Tod und forfeiture of lands and

goods durch 28 Hen. 8 c. 15 (1536); so auch in allen Fällen der

stat. pir. (zit. o. S. 32, N. 2). Die Todesstrafe ist für sämtliche

Fälle durch 7 Will. 4 u. 1 Vict. c. 88 s. 1 beseitigt, die forf. of

lands and goods durch 33 u. 34 Vict. c. 23 überhaupt aufgehoben.

Jetzt als Resultat aus 7 Will. 4 u. 1 Vict. c. 88 s. 3 und 20 u. 21

Vict. c. 3 s. 2 penal servitude bis auf Lebenszeit. Ein Teil der

Literatur bezieht 1 Vict. c. 88 s. 3 nicht auf die piracy juris

gentium, so daß durch das Gesetz zwar die bisherige Strafe

aufgehoben, aber keine neue bestimmt wäre, so _Stephen_, Art. 108,

_Russell_, S. 263, N. o, die beide dann, um eine Bestrafung

überhaupt zu ermöglichen, auf die allgemeineren Bestimmungen

zurückgreifen, durch die im Jurisdiktionsbereich der Admiralty

begangene Handlungen derselben Strafe unterworfen werden, der sie

unterliegen würden, wenn sie im Inlande begangen wären. Richtig u.

a. _Blackstone-Stephen_ IV, S. 185, _Kenny_, S. 316. Todesstrafe

gegen pirates, aber nicht für piracy in 7 Will. 4 u. 1 Vict. c. 88

s. 2 (s. o. S. 20, N. 2). _Ver. Staaten_; die in der Akte vom 30.

April 1790 und in allen späteren Bestimmungen über piracy (s. o.

S. 32, N. 2) angedrohte Todesstrafe ist durch die Akte vom 15.

Januar 1897 beseitigt. — Das französ. Gesetz von 1825 hat ein

kompliziertes Strafensystem, Todesstrafe in sechs Fällen; auf

piratische Akte im Sinne des Völkerrechts steht Todesstrafe für die

„commandants, chefs et officiers“, für die anderen Mitglieder der

Besatzung lebenslängliche Zwangsarbeit; eine kaum mit Sicherheit

lösbare, in der Literatur anscheinend gar nicht behandelte Frage ist

die der Einwirkung des Art. 5 der Konstitution vom 4. Nov. 1848, der

die Todesstrafe „en matière politique“ beseitigt, auf Art. 4, Nr. 2

und namentlich Art. 3, Nr. 2 des Gesetzes von 1825; Art. 75 Code

pénal, von dem letztere Bestimmung ein Anwendungsfall, aber immerhin

eigenartiger Natur, ist, wird allgemein zur matière politique

gezählt. — Auch die umfangreiche Spezialabhandlung von _Viaud_, La

peine de mort en matière politique (Pariser These 1902) übergeht das

Gesetz von 1825 mit Stillschweigen.

134 Es ist die Form, in die sich nicht selten bei ihm neue, dem

römischen Rechte widersprechende Rechtsgedanken kleiden.

135 Einer Fortbildung der Lehre bei _Pufendorf_ steht dessen These der

Unzulässigkeit der Bestrafung fremder Staatsbürger entgegen.

_ 136 Loccenius_, S. 963: „a privatis invadi possunt ... salva tamen

magistratui loci jurisdictione, et instructione de modo prosequendi

piratas.“

137 Auffälligerweise findet sich die Ansicht besonders in der deutschen

Literatur. _Heffter_, § 104 (Der Sieger hat „Recht auf Leben und

Tod“, wenn sie auf der Tat begriffen werden und von Waffen Gebrauch

machen); _Holtzendorff_ in seinem Rechtslexikon unter „Seeraub“

(„auf frischer Tat überwältigt, darf der Seeräuber sofort vom Leben

zum Tode gebracht werden“); _Perels_ int. öff. Seer., S. 119;

_Binding_, Handb., S. 379, N. 6. Ferner _Bluntschli_, § 348 für den

Fall, daß das Handelsschiff nicht imstande ist, die Gefangenen

festzuhalten; so auch _Pradier-Fodéré_, § 2494 a. E.

138 So _Pradier-Fodéré_, § 2491 a. E. und 2493 a. E.; _Ortolan_ I,

S. 233; _Piédelièvre_ I, S. 580; _Wheaton_ I, S. 142; _Wharton_,

Crim. Law, § 1864; _Hartmann_, S. 204.

139 Daß der Staat völkerrechtlich verpflichtet sei, sie zu begründen

oder nicht zu begründen, ist noch nirgends behauptet worden.

140 So u. a. _Gareis_ bei _Holtzendorff_ II, S. 575; _Ullmann_, S. 214;

_Rivier_ I, S. 250.

141 D. h. es fehlt eine von dem allgemeinen Rechte abweichende

Spezialbestimmung; die (in der völkerrechtlichen Literatur durchweg

übersehene) Befugnis der vorläufigen Festnahme auf frischer Tat

betroffener und fluchtverdächtiger Personen (§ 127 St.P.O.) steht

natürlich auch Handelsschiffen zu.

142 Rev. Stat. s. 4298 (5. Aug. 1861): „The President is authorized to

instruct the commanders of the public armed vessels, ferner die

Führer der Kaperschiffe, or the commanders of any other suitable

vessels, to subdue, seize, take, and, if on the high seas, to send

into any port of the United States, any vessel or boat built,

purchased, fitted out or held for the purpose of being employed in

the commission of any piratical aggression.“

143 Die Festnahmebefugnis eines selbst angegriffenen Handelsschiffes

dürfte in jedem Landesrechte bestehen (Deutschland § 127 St.P.O.).

Ob Art. 10 des franz. Gesetzes von 1825 sich hierauf oder auf ein

allgemeines Festnahmerecht bezieht, ist nicht klar (für die weitere

Auffassung _Pistoye_ et _Duverdy_, S. 55 f.; im übrigen bringt die

französische Literatur generelle Behauptungen, s. Anm. 3, S. 51,

statt das eigene Landesrecht einer Prüfung zu unterziehen).

144 Zur Ausübung der vertragsmäßig begründeten internationalen

seepolizeilichen Befugnisse können sich die Staaten regelmäßig nur

der Kriegsschiffe bedienen; die Nordseefischereikonvention, Art. 26,

läßt seitens Belgiens auch „Staatsschiffe“, die Kabelkonvention,

Art. 10, allgemein außer Kriegsschiffen besonders dazu bestellte

Schiffe anderer Art zu.

145 Die alte und der größte Teil der neueren Literatur und Praxis

stimmen überein. Typisch _Hedges_ (Judge of the Admiralty) 1696:

„Piracy is only a sea term for robbery, piracy being a robbery

committed within the jurisdiction of the Admiralty.“ Ferner u. a.

_Stephen_, Crim. Law, Art. 108; _Russell_ I, S. 260; _Wharton_,

Crim. Law, § 1860.

146 Quaest. Jur. Publ. L. I, C. XVII: „Qui autem nullius principis

auctoritate, sive mari sive terra rapiunt, piratarum praedonumque

vocabulo intelliguntur.“ Diese meistzitierte aller

Pirateriedefinitionen wird gewöhnlich mißverstanden; es ist keine

Frage, daß sie die Lebensführung trifft, nicht einzelne Handlungen

(rapiunt, nicht rapuerunt).

_ 147 Baud_, S. 2, 3, Seeräuber im Sinne des Völkerrechts ist, wer „de

zee eigenmachtig doorkruist met inzigt om de schepen van vriend of

vijand, in tijd van vrede of van oorlog zonder onderscheid, aan te

randen en te berooven“; leider findet diese in allen Punkten

zutreffende Definition keine nähere Ausführung. Bei _Baud_, S. 3,

N. 1, _Casaregis_: „Proprie pirata ille dicitur, qui sine patentibus

alicuius principis et propria tantum auctoritate, per mare discurrit

praedandi causa.“ Daselbst S. 3 _de Broglie_: „La piraterie ...

c’est la profession de voleur de grand chemin sur la mer.“

_ 148 Wheaton_ I, S. 141: „Les pirates sont ceux qui courent les mers, de

leur propre autorité, pour y commettre des actes de déprédation,

pillant à main-armée, soit en temps de paix, soit en temps de

guerre, les navires de toutes les nations, sans faire d’autre

distinction que celle qui leur convient pour assurer l’impunité de

leurs méfaits.“ Wörtlich übereinstimmend (wie mehrfach in seiner

Darstellung) _Ortolan_ I, S. 232. _Pradier-Fodéré_, § 2491: „Le

propre de la piraterie, le caractère essentiel du pirate, c’est de

courir les mers pour son compte sans y être autorisé par le

gouvernement d’aucun Etat, dans le but de commettre des actes de

déprédation.“ _Bluntschli_, Art. 343: „Als Piraten-, Räuber-,

Seeräuberschiffe werden die Schiffe betrachtet, welche ohne

Ermächtigung eines kriegführenden Staates auf Beute fahren.“

_ 149 Perels_ int. öff. Seer., S. 109: „Man versteht unter Piraterie ein

ohne staatliche Autorisation in gewinnsüchtiger Absicht auf die

Ausübung von Gewaltakten auf See gerichtetes bewaffnetes

Unternehmen.“ _Bonfils_, § 594: „Quiconque entreprend en mer une

expédition armée, sans l’autorisation préalable d’un Etat, c’est un

pirate.“ — Daß die auch in der englischen Literatur übliche

Bezeichnung des Piraten als eines hostis humani generis mit der

kriminalistischen Auffassung nicht verträglich ist, liegt auf der

Hand. — Sehr bemerkenswert _Stephen_, Crim. Law, S. 79: „It is

doubtful, whether persons cruising in armed vessels with intent to

commit piracies, are pirates or not,“ und dazu S. 78, N. 1. Er hält

die Aufbringung für zulässig, die Bestrafung für bedenklich. Seine

Zweifel beheben sich mit der Unterscheidung des

völkerrechtlich-seepolizeilichen und des

landesrechtlich-strafrechtlichen Tatbestandes.

150 Der „faktischen Denationalisierung“ in einem anderen, weiteren oder

engeren als dem unten § 11 a. E. bestimmten Sinne.

_ 151 Woolsey_, Introd. S. 233 (Personen, nicht „at the time pertaining

to any established state“). Ähnlich _Bluntschli_ (§ 350: „Schiff,

welches sich dem Verbande mit einem geordneten Staate entzogen

hat“), der aber als Anhänger der seepolizeilichen Auffassung (s.

Anm. 3, S. 54) nicht hierhin zu stellen ist.

152 S. 259 („its essence consists in the pursuit of private, as

contrasted with public, ends“), s. aber näher unten § 14. Ferner

_Rougier_, S. 285 („le but purement privé“).

_ 153 Kents_ Definition (Commentaries on American Law, 12. Aufl. 1873, I,

S. 184): „Robbery, or a forcible depredation on the high seas,

without lawful authority, and done animo furandi, and in the spirit

and intention of universal hostility,“ siehe auch Report zum Penal

Code 1901, S. XXVI (der sie annimmt) und _Kent_, Int. Law, S. 399;

ferner _Bishop_, § 1058 (und dort, Note 3, Richter _Nelson_); Th. S.

_Woolsey_, Right of search, S. 16; auch Mr. _Seward_, Sec. of State,

to Mr. _Van Valkenburgh_, 19. Febr. 1869 (_Wharton_, Int. Law, §

380). Abweichend _Wharton_, s. o. Anm. 1, S. 53 (streng

kriminalistisch) und _Wheaton_, s. S. 54, Anm. 3 (seepolizeilich).

_ 154 Attlmayr_, Internat. Seer. 1872 I, S. 19; _Den Beer Poortugael_,

S. 181; _Fiore_, Droit international, § 494 f.; _Dalloz_,

Organisation maritime 941; _Piédelièvre_ I, S. 578; _Samios’_

Dissertation ist auf dem Gedanken aufgebaut (hier wie meist stark

durch _Pradier-Fodéré_ beeinflußt. Die Arbeit ist unbedeutend). Von

Engländern namentlich _Kenny_, S. 316; _Phillimore_, S. 491, zitiert

in diesem Sinne Richter _Jenkins_, im entgegengesetzten, S. 501, Dr.

_Lushington_ in The Magellan Pirates (typischer Ausdruck der

herrschenden englischen Überzeugung, streng kriminalistisch: „All

persons are held to be pirates who are found guilty of piratical

acts, and piratical acts are robbery and murder upon the high

seas.... it was never, so far as I am able to find, deemed necessary

to inquire whether the parties so convicted had intended to rob or

to murder on the high seas indiscriminately.“ The Mag. Pir. waren

chilenische Aufständische).

155 § 23, Nr. 21; Instruktion von 1877, II: „Wird ein Kommandant auf

hoher See ... den Akt einer Seeräuberei _oder deren Vorbereitung_

gewahr, so steht ihm das Recht zu ...“

156 s. 4297, 5. Aug. 1861. Dagegen setzen die Queens Regulations von

1899, Art. 450, Begehung piratischer Akte voraus.

157 Die Möglichkeit strafrechtlicher Tatbestände dieser Art (formell

strafrechtliche, materiell polizeiliche Tatbestände) ist natürlich

vorhanden. Die Bedingung der Strafe durch eine effektiv

verwirklichte bezw. versuchte Rechtsgüterverletzung ist nicht mehr

als eine rechtspolitische Forderung.

Als Grund für den Bruch mit sonst herrschenden strafrechtlichen

Prinzipien könnte man die Schwierigkeit des Nachweises der einzelnen

piratischen Akte ansehen; aber diese ist für die in Betracht

kommenden Staaten nicht größer als für diejenigen, deren

Strafbestimmungen gegen die Piraterie eine geschehene

Rechtsgüterverletzung voraussetzen.

158 Nur setzt der strafrechtliche Tatbestand Zurechnungsfähigkeit

voraus.

Der Tatbestand der Piraterie nach geltendem Völkerrecht · 第 26 / 38 题