_ 133 England_; für piracy juris gentium Tod und forfeiture of lands and
goods durch 28 Hen. 8 c. 15 (1536); so auch in allen Fällen der
stat. pir. (zit. o. S. 32, N. 2). Die Todesstrafe ist für sämtliche
Fälle durch 7 Will. 4 u. 1 Vict. c. 88 s. 1 beseitigt, die forf. of
lands and goods durch 33 u. 34 Vict. c. 23 überhaupt aufgehoben.
Jetzt als Resultat aus 7 Will. 4 u. 1 Vict. c. 88 s. 3 und 20 u. 21
Vict. c. 3 s. 2 penal servitude bis auf Lebenszeit. Ein Teil der
Literatur bezieht 1 Vict. c. 88 s. 3 nicht auf die piracy juris
gentium, so daß durch das Gesetz zwar die bisherige Strafe
aufgehoben, aber keine neue bestimmt wäre, so _Stephen_, Art. 108,
_Russell_, S. 263, N. o, die beide dann, um eine Bestrafung
überhaupt zu ermöglichen, auf die allgemeineren Bestimmungen
zurückgreifen, durch die im Jurisdiktionsbereich der Admiralty
begangene Handlungen derselben Strafe unterworfen werden, der sie
unterliegen würden, wenn sie im Inlande begangen wären. Richtig u.
a. _Blackstone-Stephen_ IV, S. 185, _Kenny_, S. 316. Todesstrafe
gegen pirates, aber nicht für piracy in 7 Will. 4 u. 1 Vict. c. 88
s. 2 (s. o. S. 20, N. 2). _Ver. Staaten_; die in der Akte vom 30.
April 1790 und in allen späteren Bestimmungen über piracy (s. o.
S. 32, N. 2) angedrohte Todesstrafe ist durch die Akte vom 15.
Januar 1897 beseitigt. — Das französ. Gesetz von 1825 hat ein
kompliziertes Strafensystem, Todesstrafe in sechs Fällen; auf
piratische Akte im Sinne des Völkerrechts steht Todesstrafe für die
„commandants, chefs et officiers“, für die anderen Mitglieder der
Besatzung lebenslängliche Zwangsarbeit; eine kaum mit Sicherheit
lösbare, in der Literatur anscheinend gar nicht behandelte Frage ist
die der Einwirkung des Art. 5 der Konstitution vom 4. Nov. 1848, der
die Todesstrafe „en matière politique“ beseitigt, auf Art. 4, Nr. 2
und namentlich Art. 3, Nr. 2 des Gesetzes von 1825; Art. 75 Code
pénal, von dem letztere Bestimmung ein Anwendungsfall, aber immerhin
eigenartiger Natur, ist, wird allgemein zur matière politique
gezählt. — Auch die umfangreiche Spezialabhandlung von _Viaud_, La
peine de mort en matière politique (Pariser These 1902) übergeht das
Gesetz von 1825 mit Stillschweigen.
134 Es ist die Form, in die sich nicht selten bei ihm neue, dem
römischen Rechte widersprechende Rechtsgedanken kleiden.
135 Einer Fortbildung der Lehre bei _Pufendorf_ steht dessen These der
Unzulässigkeit der Bestrafung fremder Staatsbürger entgegen.
_ 136 Loccenius_, S. 963: „a privatis invadi possunt ... salva tamen
magistratui loci jurisdictione, et instructione de modo prosequendi
piratas.“
137 Auffälligerweise findet sich die Ansicht besonders in der deutschen
Literatur. _Heffter_, § 104 (Der Sieger hat „Recht auf Leben und
Tod“, wenn sie auf der Tat begriffen werden und von Waffen Gebrauch
machen); _Holtzendorff_ in seinem Rechtslexikon unter „Seeraub“
(„auf frischer Tat überwältigt, darf der Seeräuber sofort vom Leben
zum Tode gebracht werden“); _Perels_ int. öff. Seer., S. 119;
_Binding_, Handb., S. 379, N. 6. Ferner _Bluntschli_, § 348 für den
Fall, daß das Handelsschiff nicht imstande ist, die Gefangenen
festzuhalten; so auch _Pradier-Fodéré_, § 2494 a. E.
138 So _Pradier-Fodéré_, § 2491 a. E. und 2493 a. E.; _Ortolan_ I,
S. 233; _Piédelièvre_ I, S. 580; _Wheaton_ I, S. 142; _Wharton_,
Crim. Law, § 1864; _Hartmann_, S. 204.
139 Daß der Staat völkerrechtlich verpflichtet sei, sie zu begründen
oder nicht zu begründen, ist noch nirgends behauptet worden.
140 So u. a. _Gareis_ bei _Holtzendorff_ II, S. 575; _Ullmann_, S. 214;
_Rivier_ I, S. 250.
141 D. h. es fehlt eine von dem allgemeinen Rechte abweichende
Spezialbestimmung; die (in der völkerrechtlichen Literatur durchweg
übersehene) Befugnis der vorläufigen Festnahme auf frischer Tat
betroffener und fluchtverdächtiger Personen (§ 127 St.P.O.) steht
natürlich auch Handelsschiffen zu.
142 Rev. Stat. s. 4298 (5. Aug. 1861): „The President is authorized to
instruct the commanders of the public armed vessels, ferner die
Führer der Kaperschiffe, or the commanders of any other suitable
vessels, to subdue, seize, take, and, if on the high seas, to send
into any port of the United States, any vessel or boat built,
purchased, fitted out or held for the purpose of being employed in
the commission of any piratical aggression.“
143 Die Festnahmebefugnis eines selbst angegriffenen Handelsschiffes
dürfte in jedem Landesrechte bestehen (Deutschland § 127 St.P.O.).
Ob Art. 10 des franz. Gesetzes von 1825 sich hierauf oder auf ein
allgemeines Festnahmerecht bezieht, ist nicht klar (für die weitere
Auffassung _Pistoye_ et _Duverdy_, S. 55 f.; im übrigen bringt die
französische Literatur generelle Behauptungen, s. Anm. 3, S. 51,
statt das eigene Landesrecht einer Prüfung zu unterziehen).
144 Zur Ausübung der vertragsmäßig begründeten internationalen
seepolizeilichen Befugnisse können sich die Staaten regelmäßig nur
der Kriegsschiffe bedienen; die Nordseefischereikonvention, Art. 26,
läßt seitens Belgiens auch „Staatsschiffe“, die Kabelkonvention,
Art. 10, allgemein außer Kriegsschiffen besonders dazu bestellte
Schiffe anderer Art zu.
145 Die alte und der größte Teil der neueren Literatur und Praxis
stimmen überein. Typisch _Hedges_ (Judge of the Admiralty) 1696:
„Piracy is only a sea term for robbery, piracy being a robbery
committed within the jurisdiction of the Admiralty.“ Ferner u. a.
_Stephen_, Crim. Law, Art. 108; _Russell_ I, S. 260; _Wharton_,
Crim. Law, § 1860.
146 Quaest. Jur. Publ. L. I, C. XVII: „Qui autem nullius principis
auctoritate, sive mari sive terra rapiunt, piratarum praedonumque
vocabulo intelliguntur.“ Diese meistzitierte aller
Pirateriedefinitionen wird gewöhnlich mißverstanden; es ist keine
Frage, daß sie die Lebensführung trifft, nicht einzelne Handlungen
(rapiunt, nicht rapuerunt).
_ 147 Baud_, S. 2, 3, Seeräuber im Sinne des Völkerrechts ist, wer „de
zee eigenmachtig doorkruist met inzigt om de schepen van vriend of
vijand, in tijd van vrede of van oorlog zonder onderscheid, aan te
randen en te berooven“; leider findet diese in allen Punkten
zutreffende Definition keine nähere Ausführung. Bei _Baud_, S. 3,
N. 1, _Casaregis_: „Proprie pirata ille dicitur, qui sine patentibus
alicuius principis et propria tantum auctoritate, per mare discurrit
praedandi causa.“ Daselbst S. 3 _de Broglie_: „La piraterie ...
c’est la profession de voleur de grand chemin sur la mer.“
_ 148 Wheaton_ I, S. 141: „Les pirates sont ceux qui courent les mers, de
leur propre autorité, pour y commettre des actes de déprédation,
pillant à main-armée, soit en temps de paix, soit en temps de
guerre, les navires de toutes les nations, sans faire d’autre
distinction que celle qui leur convient pour assurer l’impunité de
leurs méfaits.“ Wörtlich übereinstimmend (wie mehrfach in seiner
Darstellung) _Ortolan_ I, S. 232. _Pradier-Fodéré_, § 2491: „Le
propre de la piraterie, le caractère essentiel du pirate, c’est de
courir les mers pour son compte sans y être autorisé par le
gouvernement d’aucun Etat, dans le but de commettre des actes de
déprédation.“ _Bluntschli_, Art. 343: „Als Piraten-, Räuber-,
Seeräuberschiffe werden die Schiffe betrachtet, welche ohne
Ermächtigung eines kriegführenden Staates auf Beute fahren.“
_ 149 Perels_ int. öff. Seer., S. 109: „Man versteht unter Piraterie ein
ohne staatliche Autorisation in gewinnsüchtiger Absicht auf die
Ausübung von Gewaltakten auf See gerichtetes bewaffnetes
Unternehmen.“ _Bonfils_, § 594: „Quiconque entreprend en mer une
expédition armée, sans l’autorisation préalable d’un Etat, c’est un
pirate.“ — Daß die auch in der englischen Literatur übliche
Bezeichnung des Piraten als eines hostis humani generis mit der
kriminalistischen Auffassung nicht verträglich ist, liegt auf der
Hand. — Sehr bemerkenswert _Stephen_, Crim. Law, S. 79: „It is
doubtful, whether persons cruising in armed vessels with intent to
commit piracies, are pirates or not,“ und dazu S. 78, N. 1. Er hält
die Aufbringung für zulässig, die Bestrafung für bedenklich. Seine
Zweifel beheben sich mit der Unterscheidung des
völkerrechtlich-seepolizeilichen und des
landesrechtlich-strafrechtlichen Tatbestandes.
150 Der „faktischen Denationalisierung“ in einem anderen, weiteren oder
engeren als dem unten § 11 a. E. bestimmten Sinne.
_ 151 Woolsey_, Introd. S. 233 (Personen, nicht „at the time pertaining
to any established state“). Ähnlich _Bluntschli_ (§ 350: „Schiff,
welches sich dem Verbande mit einem geordneten Staate entzogen
hat“), der aber als Anhänger der seepolizeilichen Auffassung (s.
Anm. 3, S. 54) nicht hierhin zu stellen ist.
152 S. 259 („its essence consists in the pursuit of private, as
contrasted with public, ends“), s. aber näher unten § 14. Ferner
_Rougier_, S. 285 („le but purement privé“).
_ 153 Kents_ Definition (Commentaries on American Law, 12. Aufl. 1873, I,
S. 184): „Robbery, or a forcible depredation on the high seas,
without lawful authority, and done animo furandi, and in the spirit
and intention of universal hostility,“ siehe auch Report zum Penal
Code 1901, S. XXVI (der sie annimmt) und _Kent_, Int. Law, S. 399;
ferner _Bishop_, § 1058 (und dort, Note 3, Richter _Nelson_); Th. S.
_Woolsey_, Right of search, S. 16; auch Mr. _Seward_, Sec. of State,
to Mr. _Van Valkenburgh_, 19. Febr. 1869 (_Wharton_, Int. Law, §
380). Abweichend _Wharton_, s. o. Anm. 1, S. 53 (streng
kriminalistisch) und _Wheaton_, s. S. 54, Anm. 3 (seepolizeilich).
_ 154 Attlmayr_, Internat. Seer. 1872 I, S. 19; _Den Beer Poortugael_,
S. 181; _Fiore_, Droit international, § 494 f.; _Dalloz_,
Organisation maritime 941; _Piédelièvre_ I, S. 578; _Samios’_
Dissertation ist auf dem Gedanken aufgebaut (hier wie meist stark
durch _Pradier-Fodéré_ beeinflußt. Die Arbeit ist unbedeutend). Von
Engländern namentlich _Kenny_, S. 316; _Phillimore_, S. 491, zitiert
in diesem Sinne Richter _Jenkins_, im entgegengesetzten, S. 501, Dr.
_Lushington_ in The Magellan Pirates (typischer Ausdruck der
herrschenden englischen Überzeugung, streng kriminalistisch: „All
persons are held to be pirates who are found guilty of piratical
acts, and piratical acts are robbery and murder upon the high
seas.... it was never, so far as I am able to find, deemed necessary
to inquire whether the parties so convicted had intended to rob or
to murder on the high seas indiscriminately.“ The Mag. Pir. waren
chilenische Aufständische).
155 § 23, Nr. 21; Instruktion von 1877, II: „Wird ein Kommandant auf
hoher See ... den Akt einer Seeräuberei _oder deren Vorbereitung_
gewahr, so steht ihm das Recht zu ...“
156 s. 4297, 5. Aug. 1861. Dagegen setzen die Queens Regulations von
1899, Art. 450, Begehung piratischer Akte voraus.
157 Die Möglichkeit strafrechtlicher Tatbestände dieser Art (formell
strafrechtliche, materiell polizeiliche Tatbestände) ist natürlich
vorhanden. Die Bedingung der Strafe durch eine effektiv
verwirklichte bezw. versuchte Rechtsgüterverletzung ist nicht mehr
als eine rechtspolitische Forderung.
Als Grund für den Bruch mit sonst herrschenden strafrechtlichen
Prinzipien könnte man die Schwierigkeit des Nachweises der einzelnen
piratischen Akte ansehen; aber diese ist für die in Betracht
kommenden Staaten nicht größer als für diejenigen, deren
Strafbestimmungen gegen die Piraterie eine geschehene
Rechtsgüterverletzung voraussetzen.
158 Nur setzt der strafrechtliche Tatbestand Zurechnungsfähigkeit
voraus.