55 S. S. 21, Anm. 2 und S. 9, Anm. 1.

56 Die gesamte bewohnbare Küste, abgesehen von einigen Inseln des

Stillen Ozeans, steht unter staatlicher Herrschaft.

57 Die der Gebietshoheit korrelate Pflicht der Aufrichtung einer

wirksamen Rechtsordnung ist natürlich eine andere als die allgemeine

Pflicht der Staaten zur Aufbringung von Piratenschiffen. Sie ist

besonders in China und Marokko von Bedeutung, s. u. N. 7 und 8.

58 1876 (_Andree_, Geogr. d. Welthandels I, 2. Aufl. 1877, S. 345 f.),

1897 (Rev. gén. d. dr. i. p. 1897, S. 696, N. 2), 1898 (_Samios_,

Piraterie, S. 44).

59 November 1902 Beschießung der türkischen Insel Midi durch

italienische Kriegsschiffe im Einvernehmen mit der türkischen

Regierung. Abkommen vom 10. Nov.: „Die Pforte verpflichtet sich, in

Zukunft die Seeräuberei mit dem größten Nachdruck zu ahnden“ (Köln.

Z. 1902, Nr. 868, 878, 886).

60 1859 Zerstörung von Ras el Cheima durch die Engländer; eine fernere

Expedition 1860 (_Andree_ a. a. O.).

_ 61 Andree_ a. a. O.; _Jagor_, Singapore, Malacca, Java 1866, S. 85 f.;

_Buckley_, An Anecdotal History Of Old Times in Singapore, 1902. In

den letzten Jahrzehnten hat dort die Aufrichtung bezw. tatsächliche

Durchsetzung der englischen und holländischen Herrschaft Ordnung

geschaffen (Das „Engagement with the chiefs of Perak“ vom 20. Jan.

1874 erwähnt noch die Häufigkeit der piracy, s. die englischen

Verträge mit den Eingeborenenstaaten bei _Hertslet_ XVIII,

S. 837 f.).

62 Kämpfe der Franzosen gegen mit annamitischen Aufständischen

verbündete chinesische Piraten; s. _Rambaud_, La France coloniale,

7. Aufl. 1895, S. 521 f.; _Frey_, Pirates et rebelles au Tonkin

1892, S. 37 f.; der Kampf gegen die „Schwarzen Flaggen“ ist aber im

wesentlichen ein Landkampf gewesen, vgl. auch _Frey_, S. 37 über den

Sprachgebrauch: „il nous paraît bon de l’avertir qu’en Indo-Chine

l’Européen confond indifféremment sous cette appellation de

„pirate“, non seulement les maraudeurs, les détrousseurs de grands

chemins, les contrebandiers, aussi bien que les aventuriers de tout

ordre qui ... exercent leurs déprédations, par bandes armées, sur

terre, sur la côte, ou dans les fleuves du Tonkin; mais encore les

indigènes qui, insurgés contre la domination française, luttent pour

reconquérir l’indépendance nationale.“

63 „Vorläufige Instruktion für die Kommandanten deutscher Kriegsschiffe

in Betreff der Unterdrückung der Seeräuberei in den chinesischen

Gewässern“ vom 20. Aug. 1877 (_Perels_, int. öff. Seer., im Anhang),

aufrechterhalten durch die „Bestimmungen für den Dienst an Bord“ vom

21. Nov. 1903, § 23, Nr. 29; nach Zeitungsmeldungen war von 1900 bis

2. Febr. 1904 die deutsche Dampfbarkasse „Schamien“ zur

Unterdrückung der Flußpiraterie in Südchina stationiert. In den

„Friedens-, Freundschafts- und Handelsverträgen“ (_Hertslet_,

Treaties etc. between Great Britain and China; and between China and

foreign powers, 2 BB., London 1896) übernimmt China regelmäßig,

entsprechend dem allgemeinen Völkerrecht, die Verpflichtung, die

Piraten zu verfolgen und zu bestrafen (Verträge mit den Ver. Staaten

vom 3. Juli 1844, Art 26, 18. Juni 1858, Art. 13; Frankreich 24.

Okt. 1844, Art. 29, 27. Juni 1858, Art. 34; Schweden-Norwegen 20.

März 1847, Art. 26; Großbritannien — der Vertrag vom 29. Aug. 1842

und der Zusatzvertrag vom 8. Okt 1843 enthalten die später

regelmäßig wiederkehrenden Bestimmungen noch nicht — 26. Juni 1858,

Art. 19; Zollverein 2. Sept. 1861, Art. 33; Dänemark 13. Juli 1863,

Art. 19; Spanien 10. Okt. 1864, Art. 16; Belgien 2. Nov. 1865, Art.

44; Italien 26. Okt. 1866, Art. 19; Österreich-Ungarn 2. Sept. 1869,

Art. 19; Japan 13. Sept. 1871, Art. 28; Portugal 1. Dez. 1887, Art.

18); außer im großbritannischen und portugiesischen Vertrage ist

hinzugefügt, daß, wenn die Bestrafung sich als unmöglich erweist,

die chinesische Regierung nur zur Bestrafung der Lokalbehörden,

nicht zur Entschädigung der Beraubten verbunden ist. Weiterhin ist

bestimmt, daß in Verfolgung von Piraten begriffene Kriegsschiffe

alle chinesischen Häfen aufsuchen dürfen, worin zugleich wohl die

Erlaubnis der Fortsetzung der Verfolgung in die chinesischen

Küstengewässer liegt (Verträge mit Großbritannien, Art. 52; dem

Zollverein, Art. 30; Dänemark, Art. 52; Italien, Art. 52;

Österreich-Ungarn, Art. 34). Die neueren Verträge lassen diesen

Rechtszustand unberührt (chinesisch-amerikanischer Vertrag vom 8.

Okt 1903, N.R.G. 2. sér. 31, S. 587 f., Art. 17;

chinesisch-japanischer Vertrag, daselbst S. 483 f., Art. 9).

64 Der Sitz der Piraten ist das Küstengebirge Er Rif am Mittelmeer, ein

unzugänglicher und noch heute unerforschter Landstrich

(_Kampfmeyer_, Marokko, 1903); es handelt sich um eine Verbindung

von Strandraub und Piraterie; neuere Fälle 1895 und 1896 (Rev. gén.

1897, S. 425 f.), 1904 (Le Temps 18. Jan. 1904). Weiteres bei

_Godard_, Description et histoire du Maroc 1860 I, S. 159 f., II,

S. 638 f., und sonst. Es ist üblich, Marokko die Nichtverhinderung

von Angriffen als völkerrechtliches Delikt zuzurechnen und die

Regierung für den Schaden haften zu lassen (anders als China, s.

N. 7); die Entschädigungen können sehr hoch sein (vgl. Rev. gén. a.

a. O.); die Entschädigungspflicht wurde von Marokko selbst, nach

_Godard_ II, S. 626, zuerst 1855 Frankreich gegenüber anerkannt.

65 Weitere Literaturangaben betreffend Geschichte und Verbreitung der

Piraterie bei _Goldschmidt_, Universalgesch. d. Handelsrechts, 3.

Aufl. 1891, S. 27, N. 36, 37, S. 117, N. 73; _Perels_ int. öff.

Seer., S. 108, N. 1; _Bonfils_, S. 346, N. 2. Im ganzen zu den

Angaben der Historiker und Geographen _Francis Bacon_: „Versatur ...

infelicitas quaedam inter historicos vel optimos, ut legibus vel

actis judicialibus non satis immorentur ...“ (De dignitate et

augmentis scientiarum Lib. VIII, Cap. III de justitia universali

aph. 29).

66 „But, old and famous though the crime is, there is not, even now,

any authoritative definition of it“ (_Kenny_, S. 315).

67 Die Piraterie betreffende diplomatische Aktenstücke und Verträge

sind nur für einige Spezialpunkte bedeutsam, s. u. § 14 und 15.

68 Es sind die deutschen „Bestimmungen für den Dienst an Bord.

Allerhöchst genehmigt am 21. Nov. 1903“ (bezeichnet als „Entwurf“,

d. h. es ist eine Revision auf Grund der zu sammelnden Erfahrungen

in Aussicht genommen), § 23; die deutsche Instruktion von 1877 (s.

S. 26, N. 7); die Queens Regulations von 1899, Art. 450; die amerik.

Rev. Stat. von 1874, s. 4293–4299.

69 Nur ist die alte staatlich autorisierte Piraterie nunmehr

verschwunden. Aber wenn noch im Jahre 1858 von den englischen

Behörden in Singapore zum Tode verurteilte malayische Piraten

erklärten, daß sie lediglich den Befehlen ihrer Herrscher gehorsam

gewesen seien und nur getan hätten, was in ihrem Lande herkömmlich

und erlaubt sei (_Andree_ a. a. O. I, S. 363), so besteht kein

Unterschied der Anschauung gegen die des Illyrierkönigs Agron, der

229 v. Chr. den römischen Gesandten erklärte, nach illyrischem

Rechte sei der Seeraub ein erlaubtes Gewerbe (_Mommsen_, Röm. Gesch.

I, 9. Aufl., S. 551).

70 Alle Einzelheiten bleiben zur Vermeidung von Wiederholungen der

späteren Darstellung vorbehalten.

71 Wobei zu beachten bleibt, daß das Vorliegen eines

Strafausschließungsgrundes das Gegebensein des völkerrechtlichen

Tatbestandes nicht beeinflußt.

72 Das _belgische_ und das _finnische_ Recht enthalten gar keine

Spezialbestimmung. Das _deutsche_ Recht (§ 250, Nr. 3 St.G.B.)

qualifiziert den Raub auf offener See, das _dänische_ (§ 244 St.G.B.

vom 10. Febr. 1866, Abschnitt: „Raub und Drohungen“) „Seeräuberei“

als schweren Fall des Raubes, _Schweden_ (Kap. 21, § 7 St.G.B. vom

16. Febr. 1864) den Angriff auf Seefahrer auf offener See in

räuberischer Absicht (unter Gleichstellung von Versuch und

Vollendung). _Norwegen_ (St.G.B. vom 22. Mai 1902, § 269, Nr. 2)

bestraft die Ausrüstung und den Beginn der Ausrüstung eines

Schiffes, um Raub zu begehen, als selbständiges Delikt; _Dänemark_

a. a. O. stellt die Ausrüstung eines Schiffes zum Zwecke des

Seeraubes dem Seeraube gleich. Dem deutschen Rechte fehlt eine

solche Vorbereitungshandlungen unter Strafe stellende Bestimmung. —

Auch Chile gehört, anders als die übrigen Länder des spanischen

Rechtsgebietes, in diese Gruppe (St.G.B. vom 12. Nov. 1874, Art.

434).

Der „Raub auf offener See“ in § 250, Nr. 3 des deutschen St.G.B.

entspricht der völkerrechtlichen Piraterie in keiner Weise. Er

umfaßt nicht alle piratischen Akte und schließt andererseits auch

nichtpiratische Handlungen (Raub auf einem Schiffe) ein. _Binding_,

Handb., S. 379, N. 6 scheint, ganz mit Unrecht, dem St.G.B. die

Nichterwähnung der Piraterie zum Vorwurf zu machen.

73 In _England_ gehört die piracy by the law of nations dem Common Law

an; stat. pir. 11 u. 12 Will. 3 c. 7 s. 8 u. 9 (1698), 8 Geo. 1 c.

24 s. 1 (1721), 18 Geo. 2 c. 30 (1744), 5 Geo. 4 c. 113 s. 9 (1824).

In den _Ver. Staaten_ pir. by the l. of n. in Rev. Stat. von 1874 s.

5368 (s. o. S. 23, N. 3); stat. pir. s. 5369 (30. April 1790), 5371

(15. Mai 1820), 5373 (30. April 1790), 5374 (3. März 1847), 5375 u.

5376 (15. Mai 1820); Mischtatbestände, seit 1874 aber wegen s. 5368

für die pir. by the l. of n. nicht mehr von Bedeutung, sind s. 5370

u. 5372 (s. o. S. 23, N. 3). Durch die Unterlassung einer Definition

in s. 5368 („piracy as defined by the law of nations“) ist der

Tatbestand des Common Law auch für das amerikanische Recht maßgebend

geworden.

74 „Loi pour la sûreté de la navigation et du commerce maritime“ vom

10. April 1825. Die bis dahin geltenden strafrechtlichen

Bestimmungen der Ordonnanzen und Kapereireglements gegen die

Piraterie sind damit außer Kraft getreten (Art. 21 des Gesetzes

beschränkt die Anwendung der gewöhnlichen Derogationsgrundsätze

nicht), nicht aber anderweite den Gegenstand betreffende

Bestimmungen des Kapereireglements (arrêté du Gouvernement) vom 2

prairial an XI (22. Mai 1803). Das Gesetz von 1825 hat _Pardessus_

zum Urheber.

75 Codice per la marina mercantile vom 24. Okt. 1877, Teil II, Titel

II, Kap. IV (Della pirateria).

76 St.G.B. vom 30. Aug. 1870, Buch II, Titel I, Kap. IV (Piratería).

Dieses Kapitel, das keine Definition enthält, will offenbar die

wahren piratischen Akte treffen. Einige Fälle meist

landesrechtlicher Piraterie enthält die noch gültige

Kapereiordonnanz vom 20. Juni 1801, Art. 27 u. 29.

77 St.G.B. vom 7. Dez. 1871 „für den Bundesdistrikt und das Territorium

Niederkalifornien bezüglich der gemeinen Vergehen und für die ganze

Republik bezüglich der Vergehen gegen den Bund“, III. Buch, XV.

Abschnitt, Kap. I (Piratería). In den meisten Einzelstaaten stehen

mit diesem im wesentlichen übereinstimmende Strafgesetzbücher in

Kraft, s. „Die Strafgesetzgebungen der Gegenwart“ II (1899), S. 116,

N. 2 und die Übers. des St.G.B. von _Eisenmann_, S. 188.

78 St.G.B. vom 16. Sept. 1886, Art. 162 (sich auf wahre piratische Akte

beziehend).

Der Tatbestand der Piraterie nach geltendem Völkerrecht · 第 18 / 38 题