Fritz nickte. »Wohl, wohl. So ist es auch nicht gemeint!«

»Ja wie denn sonst?«

»Ich meine, du könntest bei mir lernen, was noch zu lernen ist.

Entweder warten wir, bis ich mein eigenes Geschäft habe, das dauert

nimmer lang. Du könntest aber auch schon jetzt zu mir kommen. Mein

Meister nähme ganz gern einen Volontär, der geschickt ist und keinen

Lohn will. Dann würde ich dich anleiten, und sobald ich mein eigenes

Geschäft anfange, kannst du bei mir eintreten. Es ist ja vielleicht

nicht leicht für dich, dich dran zu gewöhnen; aber wenn man eine gute

und feine Kundschaft hat, ist es doch kein übles Geschäft.«

Ladidel hörte mit angenehmer Verwunderung zu und spürte im Herzen, daß

hier sein Schicksal sich entschied. War es auch vom Notar zum Friseur

ein gewisser Rückschritt, so empfand er doch zum erstenmal im Leben die

innige Befriedigung eines Mannes, der seinen wahren Beruf entdeckt und

den ihm bestimmten Weg gefunden hat.

»Du, das ist ja großartig,« rief er glücklich und streckte Kleubern die

Hand hin. »Jetzt ist mir erst wieder wohl in meiner Haut. Mein Alter

wird ja vielleicht nicht gleich einverstanden sein, aber er muß es ja

einsehen. Gelt, du redest dann auch ein Wort mit ihm?«

»Wenn du meinst --«, sagte Fritz schüchtern.

Nun war Ladidel so entzückt von seinem zukünftigen Beruf und so voll

Eifers, daß er begehrte, augenblicklich eine Probe abzulegen. Kleuber

mochte wollen oder nicht, er mußte sich hinsetzen und sich von seinem

Freunde rasieren, den Kopf waschen und frisieren lassen. Und siehe, es

glückte alles vorzüglich, kaum daß Fritz ein paar kleine Ratschläge zu

geben hatte. Ladidel bot ihm Zigaretten an, holte den Weingeistkocher

und setzte Tee an, plauderte und setzte seinen Freund durch diese

rasche Heilung von seinem Trübsinn nicht wenig in Erstaunen. Fritz

brauchte länger, um sich in die veränderte Stimmung zu finden, doch riß

Alfreds Laune ihn endlich mit, und wenig fehlte, so hätte dieser wie

in frühern vergnügten Zeiten die Gitarre ergriffen und Schelmenlieder

angestimmt. Es hielt ihn davon nur der Anblick des Briefes an seinen

Vater ab, der noch auf dem Tische lag und ihn am spätern Abend nach

Kleubers Weggehen noch lang beschäftigte. Er las ihn wieder durch, war

nimmer mit ihm zufrieden und faßte am Ende den Entschluß, nun doch

heimzufahren und seine Beichte selber abzulegen. Nun wagte er es, da er

einen Ausweg aus der Trübsal und ein neues Glück seiner warten wußte.

Umwege: Erzählungen · 第 17 / 35 题