»I glaub', jetzt kommt der Herr Doktor nimmer!« sagte Fräulein Berta,
die Kellnerin, mit ihrem huldvollsten Lächeln und versuchte, mir
heimtückisch das leere Bierglas zu entziehen, um es frisch füllen zu
lassen.
»Stehen lassen, Berta! Ich #hab'# heute schon meine Bettschwere! Und
überdies füllt man zehn Minuten vor Eintritt der Polizeistunde keine
Biergläser mehr!«
»Jesses, fressen S' mi nur net glei!«
Sie zog sich schmollend zurück und widmete sich wieder dem Stricken
eines Kriegerstrumpfs von respekteinflößender Fußgröße.
War ich, in meiner Ungeduld über Walters Ausbleiben, zu grob gewesen? --
Ich wollte mein Unrecht wieder gut machen und leitete die
Friedensverhandlungen durch einen jener Blicke ein, die Fräulein Berta
mit der lächelnden Drohung zu quittieren pflegt: »Sie, das sag' i Ihrer
Frau Gemahlin!«
Aber Fräulein Berta war schon zu tief in das Maschenzählen versunken, um
sich weiter um ihre Gäste kümmern zu können.
Ich nahm also zum zehnten Male das Zeitungsblatt in die Hand, das vor
mir auf dem Tisch lag. Vielleicht stand doch irgendwo noch eine
versteckte Notiz darin, die ich erst #dreimal# gelesen hatte?
Wo nur _Dr._ Heßberg blieb! Ich bin es ja gewöhnt, daß Walter das
akademische Viertel zu »Nur Dreiviertelstündchen« ausdehnt, ich ertrage
es auch ohne Vorwürfe, wenn er sogar noch ein viertes Viertelstündchen
zulegt, denn auch ich leiste im Punkte Pünktlichkeit Bedenkliches --
aber mich auf neun Uhr ins Kaffeehaus zu bestellen und fünf Minuten vor
Mitternacht nicht einmal telephoniert zu haben, das war der Rekord.
»Berta, zahlen!«
»Ham S' was g'sagt?« tönte es unter Stricknadelgeklapper herüber.
»Ich war so frei. Zahlen möcht' ich!«