Jetzt kam mir mein Nebenmann zur Hilfe. Er hatte sich Papier und

Bleifeder geholt, setzte sich auf eine der Bänke und fing an, den

Indianerkopf, den ich an die Wandtafel machte, nachzuzeichnen.

Die Indianerjungen wollten doch, neugierig wie sie sind, wissen, was

der Mann tat. Auf den Zehenspitzen näherte sich erst einer, dann der

zweite, der dritte, der vierte, der letzte der Jungen dem Zeichner. Der

tat, als bemerke er es nicht. Er saß am Ende einer der langen Bänke,

deren jede etwa zehn Kindern Platz bot.

Wie gesagt, mein Gehilfe kümmerte sich nicht um die Jungen. Er

zeichnete ruhig weiter. Als aber einer derselben dicht an die Bank

herankam, rückte er ein wenig weiter, als wolle er dem Jungen Platz

machen, daß er sich neben ihm setzen könne. Und wirklich, der Junge

setzte sich! Nun wollten aber auch der nächste und die andern drei

sitzen. Mein Gehilfe mußte rücken. Und wie gern tat er das! Bald

saßen alle fünf Jungen neben ihm auf der Bank. Die am äußersten Ende

Sitzenden konnten aber nicht recht sehen, wie der Mann zeichnete. Da

sprang der letzte auf, lief um die Bank herum und rutschte vom andern

Ende her in die Bank hinein, so daß er ganz dicht neben meinem Gehilfen

saß und ihm genau auf die Finger sehen konnte. Noch zwei andere Jungen

folgten seinem Beispiel. Nun saß mein Gehilfe mitten zwischen den

Jungen, zwei hatte er an der einen, drei an der andren Seite.

Jetzt war es an mir, ihm zu Hilfe zu kommen. Ich holte Papier und

Bleifedern und gab jedem Knaben das Nötige. Es waren keine kleinen

Knaben. Sie waren alle im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren, aber wie

gesagt noch nie in einer Schule gewesen. Sie schienen zu verstehen,

was sie tun sollten. Es währte auch garnicht so sehr lange, da saßen

sie alle fünf und versuchten Indianerköpfe zu zeichnen. Sie taten

das nicht ohne Geschick, und als ich nach einiger Zeit noch einen

Indianerfrauenkopf zu dem Männerkopf zeichnete, gerieten sie geradezu

in Eifer bei ihrer Arbeit. Mein Gehilfe spielte mit Schuljunge. Bessere

Hilfe konnte er mir nicht leisten.

Als ich nach einiger Zeit nach meiner Uhr sah, bemerkte ich, daß

wir schon eine Viertelstunde länger Schule gehalten hatten, als

vorgeschrieben war.

So konnten wir denn unsern ersten Schultag schließen. Wir entließen die

Kinder, die fröhlich und ausgelassen davonliefen, nachdem wir ihnen

klargemacht hatten, daß sie morgen und alle Tage wieder kommen, auch

die andern alle Kinder mitbringen müßten.

In dem Bericht, den wir über unsern ersten Schultag nach Washington

sandten, schrieben wir folgendes:

Schülerzahl: Fünf Knaben und zwei Mädchen.

Beschäftigung: Die Mädchen haben mit jungen Hunden gespielt.

Die Knaben haben Indianerköpfe gezeichnet.

Besondere Bemerkungen: Die Knaben haben ihre Hüte abgenommen und

auf den Bänken gesessen.

Dieser Bericht trug uns eine lobende Anerkennung für unsere Tätigkeit

an unserem ersten Schultage ein. Die Leute in Washington haben nämlich

ein Verständnis dafür, was es heißt, mit Indianerkindern, die noch

nichts von einer Schule wissen, eine solche anzufangen.

Die lieben Leser und Leserinnen möchten vielleicht ganz gerne noch

wissen, wie es in der Schule am nächsten und an den folgenden Tagen

weiter gegangen ist. Das kann ich ihnen aber in diesem Bericht nicht

sagen, denn er trägt die Überschrift: „Mein erster Schultag“, und

dieser war mit der Entlassung der Schulkinder zu Ende.

Das erste Wort der kleinen Elinontis, und andere Indianergeschichten · 第 5 / 5 段