Das schien Eindruck auf Elinontis zu machen. Sie steckte ein

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[Illustration:

S. 27.

Da konnte Ina schon die schöne Orange in die Hand des kleinen

Indianermädchens legen.]

Das erste Wort

der kleinen Elinontis

und andere

Indianergeschichten

von

Gustav Harders.

[Illustration]

Konstanz.

Buch- und Kunstverlag Carl Hirsch A.-G.

Inhalt.

Seite

Das erste Wort der kleinen Elinontis 3

Der alte Norisso 72

Mein erster Schultag 86

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika leben heutzutage noch viele

Indianer. Die meisten derselben wohnen auf sogenannten Reservationen.

Eine Reservation ist ein großes, großes Stück Land, das die Regierung

den Indianern gibt. Hier müssen sie wohnen und das Land bebauen.

Auf diesen Reservationen hat die Regierung Beamte, die dafür sorgen

müssen, daß die Leute arbeiten lernen und auch wirklich arbeiten. Auf

jeder Reservation ist auch eine Anzahl Schulen, dahin die Kinder gehen

müssen, um Lesen und Schreiben zu lernen und vor allem die englische

Sprache, die Landessprache in den Vereinigten Staaten. Außerdem

arbeiten dort von der Regierung angestellte Damen, die man Feldmatronen

nennt. Diese reiten alle Tage zu den Hütten der Indianer, um die Frauen

zu unterweisen, wie man seinen Haushalt zu führen hat. Die meisten

Indianer haben noch keine Häuser, wie die weißen Leute sie haben. Sie

bauen sich Hütten aus Sträuchern, die sie mit Fellen oder mit Leinwand

überspannen. In solch einer Hütte ist nicht Raum für Bett und Tisch,

für Stuhl oder Schrank. Die Indianer sitzen, essen, trinken, schlafen

auf dem Erdboden. Auf der Erde liegen ihre Bettdecken, auf der Erde

steht ihr Koch- und Eßgeschirr umher -- kurz, es geschieht alles auf

der Erde.

Nun ist da aber eine sehr schlimme Sache. Die Indianer und besonders

die Indianerfrauen sind in der Regel sehr faul und sehr unsauber.

Sie haben keine Lust, ihre Kleider zu waschen und zu flicken. Sie

tragen sie bei Tag und Nacht, bis sie so schmutzig und zerrissen

sind, daß sie ihnen vom Leibe fallen und sie dieselben einfach nicht

mehr tragen können. Dann kaufen sie sich neue Sachen. Männer, Frauen

und Kinder treten den Tag über auf den Decken herum, unter denen

sie bei Nacht schlafen. Die Frauen haben keine Lust, dieselben am

Morgen zusammenzurollen und beiseite zu schaffen. Sie sind zu träge,

die Decken einmal ins Freie zu bringen, um sie auszuklopfen und zu

reinigen. Das Koch- und Eßgeschirr wird, wenn es hoch kommt, ein

bißchen mit kaltem Wasser ausgespült, aber meistens nach dem Gebrauch

einfach in einen Winkel gestellt und bei der nächsten Mahlzeit

ungereinigt wieder benutzt. Die Indianerfrauen sind sehr geschickt im

Nähen. Die meisten nähen mit der Hand, man findet aber auch etliche,

die mit einer Nähmaschine nähen. Es gibt einige große Kaffeegeschäfte,

die in jedes Paket Kaffee, das sie auf den Markt bringen, einen Schein

legen. Wer diese Scheine sammelt und an die Firma einsendet, erhält je

nach der Anzahl der gesandten Scheine ein bestimmte Geschenk. Etliche

Hundert solcher Scheine bringen eine gute Handnähmaschine. Nun trinken

die Indianer sehr vielen und sehr starken Kaffee. Sie trinken Kaffee

zu jeder Mahlzeit und verbrauchen infolgedessen sehr viel Kaffee. Die

meisten Indianerfrauen lassen sich für ihre gesammelten Scheine Ringe

oder Armbänder kommen, denn sie lieben es, sich mit Gold und Perlen zu

schmücken, aber gelegentlich findet sich einmal eine Frau, die so lange

Scheine sammelt, bis sie sich dafür eine Nähmaschine bestellen kann. So

kommen Nähmaschinen in die armseligen Indianerhütten.

Wie gesagt, die Indianerfrauen sind fast ohne Ausnahme sehr geschickte

Näherinnen. Haben sie ein Kleid für sich oder ihre Tochter, ein Hemd

für ihren Mann oder Jungen fertig gestellt, so ist an der Arbeit nichts

auszusetzen, aber sie halten die Sachen nicht in stand. Die Frauen

waschen, flicken und stopfen nicht.

So sieht es im Haushalt der Indianer aus. Da stellt nun die Regierung

die vorher erwähnten Feldmatronen an. Diese haben die Aufgabe,

die Indianerfrauen anzuleiten und anzuhalten, ihren Haushalt in

ordentlicher Weise zu führen. Sie zeigen ihnen auch und helfen

ihnen, wie man eine gesunde und schmackhafte Mahlzeit bereitet und

dergleichen andere nützliche Dinge mehr. Diese Feldmatronen, meistens

unverheiratete Damen im Alter von dreißig bis vierzig Jahren, sind ohne

Zweifel die den größten Segen stiftenden Angestellten in dem großen

Heer von Beamten, das die Regierung der Vereinigten Staaten unterhält,

um Kultur unter die Rothäute zu bringen. Dies ist ganz besonders der

Fall, wenn diese Betreffenden christliche Persönlichkeiten sind, die

zugleich das Wort Gottes und die Kunde von dem Erlöser der Welt in die

Hütten der armen Heiden bringen.

Leider ist die Zahl der Feldmatronen, die die Regierung anstellt, nur

eine sehr geringe, darum ist von einem eigentlichen Erfolg ihrer Arbeit

noch nicht viel zu sehen. Der christlichen Feldmatronen sind noch

weniger, denn häufig wird es ihnen noch von den sogenannten Agenten,

den obersten Herrschern auf den Indianerreservationen, verboten, den

Indianern etwas aus Gottes Wort zu erzählen.

Von einer frommen, christlichen Feldmatrone, die sich um solches Verbot

einfach nicht kümmerte und etwas von dem Sinn der Apostel hatte, die

erklärten, daß sie sich das Reden von Christo nicht verbieten ließen,

soll hier erzählt werden.

Die Indianer nannten diese Feldmatrone Ina. So wollen auch wir sie

nennen, obgleich Ina nicht ihr eigentlicher Name ist. Ina war dreißig

Jahre alt, als sie auf die Reservation kam und ist dort viele Jahre

geblieben. Sie stammte aus einem reichen, vornehmen Hause in Neuyork,

wo ihr Vater Besitzer einer Bank war. Sie hatte eine sehr gute

Erziehung genossen und viel von den Indianern gehört und gelesen.

So war eine besondere Liebe zu den armen Leuten in ihrem Herzen

entstanden und sie meldete sich bei der Regierung zum Eintritt in die

Erziehungsarbeit unter den Indianern auf einer Reservation in Arizona.

Ina wohnte in einem kleinen aus Lehm gebauten Hause. Dasselbe hatte nur

zwei Zimmer. In dem einen kochte und aß Ina, in dem andern schlief und

wohnte sie. Ina war aber eigentlich nur am Morgen früh und am Abend in

ihrem Hause zu finden. Den Tag über hielt sie sich unter den Indianern

auf. Ihre Hauptmahlzeit bereitete und aß sie am Abend, für den Mittag

nahm sie sich etwas in ihrer Satteltasche mit auf den Weg.

In der ersten Nacht, die Ina nach ihrer Ankunft auf der Reservation

in ihrem kleinen Hause zubrachte, konnte sie nicht viel schlafen.

Sie war noch nicht an das Geheul der Wölfe gewöhnt, die bei Nacht

meistens in die Nähe der Wohnungen der Menschen kommen. Auch sangen

und trommelten die ganze Nacht hindurch nicht weit von ihrem Hause in

einer Indianerhütte etliche Medizinmänner. Dort lag ein krankes Weib,

das nach dem Aberglauben der Indianer durch diesen wüsten, eintönigen,

nächtlichen Gesang gesund gemacht werden sollte.

Ina stand am Morgen früh auf, kleidete sich an und trat hinaus vor ihre

Haustüre. Etwa siebenzig Schritt weit von dem Hause entfernt befand

sich ein Ziehbrunnen. Ina hatte denselben schon am Tage zuvor gesehen,

auch Wasser dort geholt und etlichen Indianerfrauen zugeschaut, die

gekommen waren, um Wasser zu holen. Heute morgen stand da am Brunnen

ein kleines Indianermädchen, struppig und schmutzig, in zerrissenen

Kleidern. Die Kleine mochte etwa sechs Jahre alt sein. Sie wollte

gerade den Eimer in den Brunnen hinablassen, als sie die aus dem Hause

tretende weiße Frau erblickte. Schnell stellte sie den Eimer wieder an

seinen Platz, ergriff ihren Krug, hängte sich denselben an einem Riemen

über den Kopf, warf noch einen scheuen, bösen Blick auf die unbekannte,

neu angekommene Weiße und lief, so schnell sie konnte, davon.

Ina rief hinter ihr her: „Ich tue dir nichts, ich tue dir nichts,“

aber das Kind verstand ihre Sprache nicht, und hätte sie dieselbe

verstanden, so wäre sie doch nicht stehen geblieben. Das kleine Mädchen

hatte oft von seiner Mutter gehört, daß alle weißen Leute böse seien,

daß man ihnen immer aus dem Wege gehen und nie mit ihnen reden müsse.

Es wohnten Furcht und Haß in dem Herzen des Kindes, sie wollte gleich

ihrer Mutter von den Weißen nichts wissen und nichts mit ihnen zu tun

haben.

Ina wußte, daß die Indianer so zu den Weißen standen. Heute machte

sie die erste Erfahrung davon und, das tat ihr weh. Sie grollte aber

dem kleinen Mädchen nicht, im Gegenteil nahm sie sich vor, alles

zu versuchen, um mit Gottes Hilfe das Herz des kleinen Mädchens zu

gewinnen.

Während Ina noch mit ihrem Frühstück beschäftigt war, klopfte jemand

an ihre Haustür. Sie stand auf und öffnete. Vor der Tür stand ein

großer stattlicher Indianer. Er war in eine blaue, mit gelben Streifen

besetzte Uniform gekleidet. Auf der linken Brust trug er einen großen

silbernen Stern. Ina erkannte sofort, daß sie einen Indianerpolizisten

vor sich hatte. Der Mann nahm seinen Hut ab und sagte, er sei vom

Agenten gesandt, um sie auf ihren Ritten zu den Indianerhütten zu

begleiten. Er würde jeden Tag kommen außer Sonnabends und Sonntags.

Die beiden Tage seien Ruhetage. Er werde jetzt in den Stall gehen, das

Pferd reinigen, füttern und satteln und in etwa einer kleinen Stunde

alles fertig haben, um mit dem Fräulein fortzureiten.

„Es freut mich, daß du alle Tage kommen willst,“ sagte Ina. „Ich hoffe,

wir werden gute Freunde werden.“ Sie reichte dem Indianer die Hand.

Der Mann schaute verwundert drein; er schien nicht gewohnt zu sein, daß

Regierungsbeamte ihm die Hand reichten, ergriff aber Inas Rechte und

drückte sie herzlich.

„Ich sehe, daß du ein Polizist bist,“ sagte Ina, „das ist ja recht

schön, aber wenn du mit mir gehst, darfst du nicht als ein Polizist mit

mir gehen.“

„Das muß sein,“ fiel ihr der Indianer in die Rede, „die Indianerfrauen

tun sonst nicht, was du ihnen sagst.“

„Ich denke anders darüber,“ sagte Ina, „ich will nicht, daß die Frauen

tun, was ich ihnen sage, weil sie denken, sie +müssen+. Ich möchte

nicht, daß sie gezwungenermaßen gehorchen, sondern daß sie tun, was ich

ihnen sage, weil sie es tun +wollen+.“

„Sie werden nie tun wollen, was du ihnen sagst, wenn man sie nicht

zwingt,“ meinte der Polizist.

„Das laß meine Sorge sein,“ sagte Ina, „sie werden es lernen und gerne

tun. Ich bringe Ihnen etwas, was sie willig macht.“

„Was ist das?“ fragte scheinbar sehr interessiert der Indianer.

„Das wirst du schon ausfindig machen, wenn du erst eine Weile mit mir

zusammen gewesen bist. Aber nun nimm deinen Polizistenstern ab. Du

kannst ihn unter deinem Rock tragen, so daß ihn niemand sieht, aber

nicht auf dem Rock. Du gehst mit mir, um mir mit deiner Kenntnis der

englischen Sprache zu dienen, um mir zu zeigen, wo die Indianer alle

wohnen, um mir zu helfen, wo ich Männerhilfe brauche, aber nicht als

Polizist.“

„Du gefällst mir,“ sagte der Indianer, „ich will jetzt an meine Arbeit

gehen.“ Aber zuvor löste er den großen silbernen Polizistenstern von

seinem Rock, knüpfte letzteren auf und befestigte den Stern an seinem

Hemde. Dann knöpfte er den Rock wieder zu.

„So gefällst du mir auch,“ sagte Ina. Der Indianer lachte und ging. Er

drehte sich aber noch einmal um und rief Ina zu: „Wie heißt du?“

Ina nannte ihren Namen und setzte hinzu: „Aber du mußt mir auch deinen

Namen sagen, denn Herr ‚Polizist‘ werde ich dich nicht nennen.“

„Ich heiße Majull,“ sagte der Indianer und ging in den hinter dem Hause

gelegenen Stall.

Ina kehrte in ihr Zimmer zurück und machte sich reitfertig. Einen

für den Westen, wo die Frauen nach Art der Männer reiten, passenden

Reitrock hatte sie sich schon im Osten herstellen lassen, einen großen

Sombrero hatte sie sich in El Paso gekauft, wo sie etliche Stunden

Aufenthalt gehabt hatte, -- eine leichte seidene Bluse und ein buntes

Band um den Hals vervollständigten den anmutigen Anzug der Dame.

Als Majull mit den beiden Pferden zurückkam, betrachtete er Ina mit

Wohlgefallen, und sagte wieder: „Du gefällst mir, du siehst auch hübsch

aus, wenngleich du ein weißes Gesicht und blaue Augen hast. Alle andern

weißen Frauen hier sind häßlich. Sie gleichen den Gänsen, die hier im

Herbst vom Süden her durchkommen, sich in unserem Flusse baden und von

uns geschossen und verspeist werden. Dabei denken wir der alten Zeiten,

wo der rote Mann noch den weißen Mann und dessen Frauen niederschießen

konnte. Heute können wir das nicht mehr; unsere Kraft ist gebrochen,

des weißen Mannes Gewalt ist über uns.“

„Warum sagst du mir das?“ fragte Ina.

„Damit du dich nicht vor uns fürchten sollst.“

„Ich fürchte mich nicht vor euch.“

„Aber die andern fürchten sich.“

„Wenn ich mich vor euch fürchtete, wäre ich nicht zu euch gekommen. Ich

habe euch lieb. Aber ihr fürchtet euch vor mir.“

„Wieso?“ fragte Majull.

„Heute morgen war ein kleines Mädchen am Brunnen. Sobald sie mich sah,

lief sie davon. Sie hat nicht mal erst Wasser geschöpft. Da ist sie

wieder,“ rief Ina hastig und sichtbar freudig überrascht. Sie wies

auf ein kleines Mädchen, das aus einer Hütte gekommen war, der sie

sich näherten. Sobald die Kleine Ina erblickte, lief sie schnurstracks

davon und war schnell zwischen dem Gestrüpp, das dort reichlich wuchs,

verschwunden.

„Wer ist die Kleine?“ fragte Ina ihren Begleiter.

„Sie ist das einzige Kind einer kranken Frau, einer Witwe, zu der ich

dich eben führen will.“

„O das freut mich,“ sagte Ina. „Nicht daß die Frau krank und eine Witwe

ist, sondern daß du mich zu ihr führen willst und daß ich dann gewiß

auch die Kleine kennen lernen werde.“

„Was liegt dir an dem Kinde?“

„Viel. Besonders da sie von mir wegläuft, muß ich ihr doch zeigen, daß

ich sie lieb habe und ihr nichts Böses tun will. Wie heißt das Kind?“

„Ihr Name ist Elinontis.“

„Elinontis,“ wiederholte Ina, „ein sehr schöner Name! Majull gefällt

mir auch. Mir gefallen die Indianernamen. Sie klingen fast alle als

wäre schon in dem Namen eine Seele.“

Die beiden waren an der Hütte angelangt, stiegen von ihren Pferden

und Ina betrat zum ersten Male in ihrem Leben eine Indianerhütte.

Eigentlich war es kein Betreten. Die kleine, durch ein Stück

Leinwand verhängte Öffnung war so niedrig, daß man nur auf den Knieen

hindurchrutschen konnte. In dem engen runden Raum lag auf schmutzigen

zerrissenen Decken eine kranke, sehr abgemagerte Frau. Sie mußte

schon lange krank gewesen sein und keinerlei Pflege gehabt haben.

Ringsherum auf dem Erdboden lagen Lumpen, leere Blechkannen, schmutzige

Papierstücke, Knochen usw. Ina hatte noch nie solchen Schmutz in einer

menschlichen Behausung gesehen.

„Zuerst müssen wir aufräumen und alles rein machen,“ sagte Ina, „du

mußt mir helfen, Majull.“

Majull war bereit. „Sie hat niemand als das Kind, die Elinontis,“ sagte

Majull, „und dasselbe ist noch zu klein, um viel Arbeit tun zu können.“

Nun wurde all der Unrat hinausgeschafft. Dann wurde das Geschirr und

darnach die kranke Frau gewaschen. Die Bettdecken wurden hinausgetragen

und ausgeschüttelt. „Das ist nur für heute,“ sagte Ina, „später machen

wir es besser; es geht nicht alles mit einem Male.“

Ina untersuchte hierauf die Kranke, gab ihr Medizin und bereitete ihr

etwas zu essen und zu trinken. Als sie damit fertig war, schaute sie

nach ihrer Uhr. Es war bereits elf Uhr.

„Unsere Morgenarbeitszeit ist jetzt vorüber,“ sagte Ina zu Majull,

„aber willst du mir noch ein paar Minuten helfen?“

„Gewiß,“ antwortete Majull.

„Dann komm und setze dich her zu mir neben die Kranke. Nachher gehen

wir hinaus und essen zusammen.“

Ina zog ein Neues Testament aus der Tasche. „Was ich in meiner freien

Zeit tue, geht niemand etwas an, selbst den Herrn Agenten nicht,“

sagte sie zu sich selber, „Regierungsbeamte sollen zwar keine Religion

treiben, aber in meiner freien Zeit kann ich tun, was ich will. Da kann

mir niemand wehren, von Christo zu zeugen.“

Ina las der Kranken einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift vor und

Majull mußte die Worte in die Sprache der Indianerin übertragen.

Ehe die beiden fortgingen, ließ Ina der Kranken noch verdolmetschen,

sie solle der kleinen Elinontis sagen, daß sie sich nicht vor ihr zu

fürchten brauche, sie sei ihre Freundin und täte ihr nichts zuleide,

sie solle nur getrost kommen und ihr Wasser holen. Die Frau antwortete

nicht, sie hatte überhaupt noch kein Wort gesprochen. Sie hatte nur

halb verwundert halb unwillig der weißen Unbekannten zugeschaut, die

sich in ihrem Hause betrug, als ob alles was darin war, ihr gehöre.

Ina wollte ihr zum Abschied die Hand reichen. Die Indianerin tat aber,

als sähe sie es nicht. Das ließ Ina sich nicht gefallen, sie nahm

einfach die Hand, die ihr verweigert wurde, und drückte sie herzlich

und die Indianerin ließ das geschehen.

Es war von nun an Inas erste Arbeit an jedem Morgen, wenn sie mit

Majull ausritt, daß sie die kranke Mutter der kleinen Elinontis mit

allem versorgte, dessen sie bedurfte. Die Zeit vor ihrem Frühstück aber

widmete sie der Kleinen. Ina hatte sich ja vorgenommen, sie wolle alles

tun, um das Vertrauen und die Liebe dieses Kindes zu gewinnen.

Am nächsten Morgen stand sie zeitig auf und setzte sich mit einem Buch

auf die kleine Steintreppe vor der Tür ihres Lehmhauses. Ina meinte,

Elinontis würde sich weniger fürchten, wenn sie sie schon dort sitzen

sähe, wenn sie käme, als wenn sie plötzlich aus dem Hause träte wie

gestern.

Ina brauchte nicht lange zu warten. Sie hatte noch keine Seite in ihrem

Buch gelesen, da sah sie die Kleine kommen. Ina tat, als sähe sie das

Kind nicht. Sie las ruhig weiter, beobachtete aber, über den Rand des

Buches hinüberblickend, das Indianerkind.

Elinontis ließ die weiße Frau keinen Augenblick aus dem Auge. Sie

näherte sich langsam und in einem großen Bogen dem Brunnen. So schnell

sie konnte, schöpfte sie Wasser, füllte ihren Krug, hängte sich

denselben über den Kopf und eilte, nachdem sie noch einen scheuen Blick

auf die eifrige Leserin geworfen, davon.

Das wiederholte sich eine Zeitlang jeden Morgen. Dann aber dachte Ina,

sie wolle es nun doch einmal versuchen, sich der Kleinen zu nähern. Sie

meinte, dieselbe müsse sich nun doch allmählich an sie gewöhnt haben

und könne sich nicht mehr fürchten, daß sie, Ina, ihr etwas zuleide

tun werde. Elinontis hatte ihren Krug auf den Boden gestellt und griff

gerade nach dem Eimer, als Ina sich langsam erhob und dem Brunnen

zuwendete. Da aber stieß das Kind einen leisen Schrei aus und sprang

davon, garnicht daran denkend, ihren Krug zu füllen oder denselben doch

wenigstens wieder mit sich zu nehmen.

Ina sagte nichts, sie rief dem Kinde auch nichts zu, ging aber zum

Brunnen. Sie hatte einen Plan, den sie ausführen wollte. Elinontis lief

nicht nach Hause, sondern sie lief nur eine Strecke weit fort, dann

blieb sie stehen, um zu sehen, wohin Ina ging und was sie vorhatte.

Wie gesagt, Ina ging zum Brunnen. Dort angelangt, nahm sie den Eimer,

ließ ihn in den Brunnen hinab und füllte den Krug der kleinen Elinontis

mit Wasser. Dann ging sie wieder an ihren Platz vor dem Hause zurück.

Zuvor aber winkte sie dem Kinde zu kommen und seinen Krug zu holen.

Elinontis rührte sich nicht vom Fleck. Sie schaute nur starr auf die

Frau. Wohl zehn Minuten mochten vergangen sein. Elinontis kam nicht,

ihren Krug zu holen. Ina ging in ihr Haus zurück, beobachtete aber das

Kind durch das Fenster.

Da sah sie nun, wie Elinontis langsam, immer hin und wieder

stillstehend und nach der Haustür schauend, herankam. Jetzt war sie am

Brunnen angelangt.

Elinontis bückte sich über ihren Krug und schaute in denselben hinein.

Eine kleine Weile stand sie still, als ob sie überlege. Dann blickte

sie auf, ballte und schüttelte ihre kleine Faust nach dem Hause zu, gab

dem Krug einen Stoß mit dem Fuß, so daß er umfiel und alles Wasser, das

Ina eingeschöpft hatte, auf den Erdboden floß. Eilig schöpfte das Kind

neues Wasser und ging dann mit dem Kruge davon.

Ina stand sprachlos. Was war das für ein Gebahren von einem

sechsjährigen Kinde? War es Furcht, die Weiße möchte ihr das Wasser

vergiftet haben, oder war es ein solcher Haß, daß sie keinen

Liebesdienst von ihr annehmen wollte? Wahrscheinlich beides. Ina wollte

Majull den Vorgang erzählen und ihn fragen, was er denn wolle.

Das tat sie auch, als Majull bald darauf kam, um seine Herrin zu den

Besuchen bei den Indianern abzuholen. Wie alle Tage ritten die beiden

zuerst zum Hause der kranken Mutter der kleinen Elinontis.

„Majull,“ sagte Ina, „ich muß dir etwas erzählen.“

„So erzähle,“ erwiderte Majull.

Ina erzählte und als sie zum Schluß fragte, ob Majull denke, daß

Elinontis aus Haß oder aus Furcht so gehandelt habe, lachte Majull laut

auf.

„Die Kleine haßt dich gar nicht mehr und hat auch keine Furcht vor

dir,“ sagte Majull.

„Aber sie ist doch nie da, wenn wir zu ihrer Mutter kommen,“ entgegnete

Ina.

„Das kann sie nicht,“ erwiderte Majull, „sie muß jeden Morgen zur

Agentur gehen und Lebensmittel holen. Kranke und Arme erhalten gratis

Mehl, Kaffee, Fleisch und Zucker von der Regierung. Sie läuft nicht

deinetwegen fort.“

„Aber heute morgen lief sie fort.“

„Du hast sie wahrscheinlich erschreckt.“

„Aber warum hat sie denn das Wasser ausgegossen und nach meinem Hause

hin mit der Faust gedroht?“

„Ich kann mir schon denken, was die Ursache war,“ sagte Majull. „Wenn

die Kinder gehen, um Wasser zu holen, nehmen sie sich gewöhnlich eine

Handvoll geröstetes Welschkorn mit auf den Weg. Das tun sie in den Krug

und nehmen es heraus, ehe sie letzteren mit Wasser füllen. Sie essen

dann das Korn auf dem Heimwege. Das ist ihr Frühstück. Das Korn war

sicherlich noch im Kruge, als du das Wasser hinein gossest. Du hast dem

Kinde sein Frühstück verdorben. Darüber war die Kleine böse. Kannst du

ihr das verargen?“

„Nein, gewiß nicht, wenn sich die Sache so verhält,“ erwiderte Ina.

Nach einer Weile setzte sie nachdenklich hinzu: „Ich wollte, es wäre

wie du sagst, daß das Kind mich weder haßt noch fürchtet.“

„Es ist so, glaube es nur. Aber vom Nichtfürchten und Nichthassen zum

Vertrauen ist noch ein großer Schritt. Du kannst nicht erwarten, daß

die Kleine dir bereits vertraut. Du hast ja noch nicht einmal mit ihr

geredet.“

„Sie läßt mich ja gar nicht an sich herankommen, daß ich zu ihr reden

könnte,“ sagte Ina.

„Das wird sich schon finden,“ meinte Majull, und sie stiegen von ihren

Pferden, um in die Hütte der kranken Frau einzutreten.

Am nächsten Morgen saß Ina wie an den vorhergehenden Tagen vor ihrer

Hütte. Neben ihr lag ein großes Stück weißes Brot, dick mit Honig

bestrichen. Sie wollte das nicht selber essen, sondern versuchen, es

der kleinen Elinontis zu geben, um ihr das Frühstück von gestern zu

ersetzen, was sie ihr verdorben hatte.

Elinontis kam. Wie gewöhnlich stellte sie ihren Krug hin und schöpfte

dann Wasser. Heute aber bemerkte Ina, die ihr genau auf die Finger

schaute, daß sie bevor sie den Krug füllte, in denselben hineingriff

und die Hand geschlossen wieder herausnahm. Es war also wie Majull

gesagte hatte. Elinontis hatte etwas in dem Kruge.

Als Elinontis gleich darauf zu Ina hinüberblickte, hob diese das schöne

Stück Brot auf, zeigte es dem Kinde und winkte, es solle kommen und

sich es holen.

Elinontis schüttelte sehr energisch mit dem Kopf. Ina ließ sich

dadurch nicht abschrecken. Sie wiederholte mit freundlichem Lächeln

die Aufforderung. Elinontis schüttelte wieder mit dem schwarzen

Strubbelkopf. Ina machte nun mit Geberden und Zeichen dem Kinde klar,

wie gut das Brot schmecke.

Das schien Eindruck auf Elinontis zu machen. Sie steckte einen Finger

in den Mund und schaute verlegen, begehrlich und nachdenklich zu Ina

hinüber. Plötzlich zog sie den Finger aus dem Munde, streckte den

rechten Arm aus und wies auf einen großen Stein, der weit abseits,

ungefähr in gleicher Entfernung von ihr und Ina lag.

Ina wußte nicht, was Elinontis wollte. Diese aber ließ nicht nach. Sie

wies auf den Stein, auf Ina, auf das Brot in ihrer Hand und machte dann

eine Bewegung, die anzudeuten schien, daß Ina zum Stein gehen sollte.

Jetzt verstand Ina. Sie stand auf und ging langsam zum Stein hinüber.

Dort blieb sie stehen und wartete. Aber es war noch nicht richtig.

Elinontis wies wieder auf das Brot, das Ina mitgenommen hatte, dann auf

den Stein und schließlich auf das Haus.

Endlich wußte Ina Bescheid. Sie sollte das Stück Brot auf den Stein

legen und dann wieder zum Hause zurückgehen. Dann wollte Elinontis

hingehen und sich das Brot holen. Ina war glücklich, daß sie verstand,

glücklich, daß das Kind das Brot nehmen wollte, und die Art, wie sie,

die Geberin dabei zu verfahren hatte, kränkte sie gar nicht. Sie legte

das Brot auf den Stein, nachdem sie denselben zuvor mit der Hand von

Staub gereinigt hatte und ging dann zu ihrem Sitz vor dem Hause zurück.

Kaum hatte Ina sich gesetzt, da sprang auch schon Elinontis leichtfüßig

zu dem Stein hinüber, ergriff das Stück Brot, leckte gleich zweimal

am Honig und lief dann zum Brunnen zurück. Schnell füllte sie ihren

Wasserkrug und ging, ohne noch einmal zu Ina hinüberzusehen, ihrer

Hütte zu. Ina schaute ihr glücklich nach. Siehe da, gerade an der Ecke,

wo das Kind umbiegen mußte und wo es den letzten Blick auf Inas Haus

werfen konnte, drehte es sich noch einmal um. Als es aber sah, daß Ina

ihr mit ihren Blicken folgte, wandte es den Kopf schnell wieder ab.

„Ja, drehe deinen Kopf nur schnell um,“ sagte Ina vor sich hin und

lächelte, „das wird schon noch anders werden. Jetzt haben wir einen

Anfang.“ Ina war sehr glücklich über diesen Morgen. Als Majull kam, sah

er sie verwundert an.

„Was ist dir begegnet?“ fragte er, „du machst ja ein so fröhliches

Gesicht und in deinen Augen strahlt es, als scheine die Sonne hinein,

und du stehst doch ganz im Schatten.“

„Elinontis hat mein Brot genommen,“ sagte Ina.

„Dein Brot genommen? Was du sagst!“ Er ging, um das Pferd zu besorgen.

„Ein wunderliches Weib,“ murmelte er in seiner Indianersprache vor sich

hin, so daß Ina ihn schon darum nicht verstand, „sie ist ganz anders

wie die andern.“

Am nächsten Morgen dachte Ina: Heute bleibe ich einmal im Hause und

gehe gar nicht hinaus. Ich will vom Fenster aus sehen, ob sie mich

vermißt oder sie sich gar nicht um meine Abwesenheit kümmert. So machte

sie es.

Elinontis kam. Wie alle Tage setzte sie ihren Krug hin, griff nach

dem Eimer und fing an, Wasser aus dem Brunnen heraufzuziehen. Sie tat

das alles aber heute viel langsamer als sonst, und beständig flogen

die schwarzen Augen zu der Tür des Lehmhauses hinüber, in dem die

weiße Frau wohnte. Ina schaute sehr aufmerksam zu. Sie hätte gar zu

gern gewußt, ob das Kind wieder nach einem Stück Honigbrot verlangte

oder ob sie die Frau vermißte, die sie sonst jeden Morgen vor der Tür

angetroffen hatte. Endlich war Elinontis fertig, sie ging aber auch

dann noch nicht gleich, sie machte sich noch an ihrem Krug und an dem

Riemen zu schaffen und warf noch einen langen fragenden Blick nach dem

Hause, ehe sie schließlich ihren Krug aufhob und von dannen ging.

Majull erzählte an diesem Morgen der Feldmatrone, daß seine Ehefrau,

seine Klaschimba, gestern abend bei Elinontis Mutter gewesen sei. Die

kranke Frau habe ihr erzählt, die Kleine sei gestern morgen mit einem

großen Stück Honigbrot heimgekommen, habe ihr die größere Hälfte davon

abgegeben und gesagt, die weiße Frau habe das Brot auf den Stein gelegt

für sie, und sie sei nicht böse. Da leuchtete es wieder in Inas Augen,

und sie stand doch wieder im Schatten. Es mußte etwas anderes sein, was

das Leuchten in ihre lieben Augen brachte, als die Sonne. Majull sah

nichts davon, Ina hatte sich nämlich schnell umgewandt. So konnte er

auch keine Bemerkungen über das Leuchten machen.

Noch eine andere Freude hatte Ina an diesem Tage. Während sie an

Elinontis Mutter Bett kniete und die kranke Frau wusch, wie sie das

alle Tage tat, tupfte die Frau mit ihrem Zeigefinger auf einen schönen

goldenen Ring, den Ina an einem Finger ihrer rechten Hand trug. Freudig

überrascht über diese Annäherung, streckte Ina ihr die Hand hin und

sagte: „Ein schöner Ring, nicht wahr?“ sagte sie, „den hat mir meine

Mutter geschenkt und selbst an den Finger gesteckt, als ich ein Mädchen

von sechzehn Jahren war.“

Majull übersetzte der Kranken, was Ina gesagt hatte. Diese nickte

und sagte, nachdem sie ihre Pflegerin eine Weile prüfend angesehen

hatte: „Du mußt eine gute Mutter gehabt haben. Nicht alle Mütter sind

gut. Gute Mütter haben gute Kinder, schlechte Mütter haben schlechte

Kinder. Du mußt eine gute Mutter gehabt haben,“ wiederholte sie. Es

war das erstemal, daß die Frau sprach, seit Ina angefangen hatte,

sie regelmäßig zu besuchen und ihr zu dienen. Was sie sagte gab Ina

Gelegenheit, die Sprache auf die kleine Elinontis zu bringen. Sie

sagte zu der Frau: „Du bist auch eine Mutter. Du hast ein liebes

kleines Mädchen. Du willst auch eine gute Mutter sein, das weiß ich.

Da will ich dir etwas sehr Gutes sagen, was eine gute Mutter für

ihr Kind tun muß. Ich lese dir immer Geschichten vor, wenn ich hier

bin. Diese Geschichten sollst du der kleinen Elinontis erzählen. Ich

möchte sie ihr auch gern erzählen, kann aber nicht. Sie läuft vor mir

fort, und wenn ich hierher komme, ist sie nicht da. Der Sohn Gottes,

von dem ich dir immer vorlese, hat die Kinder sehr lieb und er will,

daß alle Kinder ihn kennen lernen. Die Mütter müssen dafür sorgen,

daß die Kleinen von dem Sohn Gottes hören. Du bist sehr krank, du

könntest eines Tages sterben. Dann ist Elinontis ganz allein; wenn

sie aber den Sohn Gottes kennt, dann ist Er immer bei ihr und sorgt,

daß ihr kein Unheil zustößt und daß sie einmal in den Himmel kommt,

wohin du auch gehst. Ich weiß, der Sohn Gottes bringt dich dorthin, er

hat alles für dich gut gemacht.“ So sprach Ina zu der Kranken. Diese

hörte aufmerksam zu. Sie sagte aber nichts, doch wandte sie sich an

Majull, als Ina mit ihm fortgehen wollte und sagte etwas zu ihm. Als

Ina nachher Majull fragte, während sie nebeneinander dahinritten, was

die Frau gesagt habe, erwiderte er: „Sie hat gesagt, so etwas Gutes

wie das, was du ihr aus dem Buch vorlesest, könne keine Mutter für

sich behalten; sie erzähle jeden Tag ihrer Elinontis, was sie von dir

gelernt habe.“

Ehe Ina an diesem Tage nach Hause ritt, sprach sie bei dem Kaufmann

vor, bei dem die Indianer und die weißen Angestellten der Reservation

ihre Waren kauften. Sie kaufte dort eine Orange, und zwar suchte sie

die größte und schönste aus, die der Mann in seinem Laden hatte.

Diese Orange lag am nächsten Morgen neben Ina auf der Steintreppe vor

ihrem Hause, wohin sie sich wieder mit ihrem Buche gesetzt hatte und

las. Ina ließ das Kind erst seinen Krug füllen. Dann zeigte sie ihm

die Orange und winkte. Elinontis schaute Ina verwundert an, als wollte

sie sagen: Wie kannst du nur so etwas denken, daß ich zu dir kommen

sollte! Ina winkte noch einmal. Da schüttelte Elinontis den Kopf, ging

aber nicht fort, sondern blieb mit dem Krug auf dem Rücken stehen und

schaute bald Ina, bald die Orange in ihrer Hand an.

Ina stand jetzt auf. Da zuckte Elinontis zusammen, es schien fast, als

wolle sie davonlaufen, -- sie tat es aber doch nicht, sondern zog den

Fuß, den sie schon angesetzt hatte, wieder zurück.

„Es ist etwas viel verlangt, wenn das Kind gleich hierher kommen soll,“

dachte Ina, „gehe ich aber zu ihr, so läuft sie mir sicher wieder

fort.“ Da kam ihr ein Gedanke. Ina wies auf die Stelle, die ungefähr

mitten zwischen ihr und Elinontis war und machte mit Zeichen dem Kinde

klar, daß es bis zu dieser Stelle gehen und daß sie, Ina, auch dorthin

kommen wolle. Elinontis wollte aber noch nichts davon wissen. Statt

aller Antwort wies sie wieder auf den Stein, auf den Ina zwei Tage

vorher das Honigbrot gelegt hatte. Sie sollte es wieder so machen wie

damals. Das wollte Ina aber nicht. Sie schüttelte sehr bestimmt den

Kopf, so daß Elinontis sofort merken konnte, daß daraus nichts werden

würde.

Ina wies wieder auf die Stelle halbwegs zwischen sich und Elinontis,

winkte und zeigte die Orange. Elinontis streckte die schmutzige kleine

Hand aus. Da machte Ina einen Schritt vorwärts und bedeutete Elinontis,

daß sie nun das gleiche zu tun habe. Noch zögerte das Kind, da winkte

Ina noch einmal und -- welche Freude -- Elinontis hob den rechten Fuß

und machte einen kleinen Schritt vorwärts, wie Ina getan hatte. Nun

ging Ina einen Schritt weiter und zeigte Elinontis, daß sie nun an der

Reihe sei, wieder einen Schritt zu tun, und wirklich, Elinontis machte

einen Schritt. Dieses Mal war letzterer nicht mehr so klein, es war

schon ein ordentlicher, richtiger Schritt, wie ihn kleine sechsjährige

Mädchen machen. Wieder machte Ina einen Schritt. Diesmal mußte sie

noch winken und locken, aber das nächste Mal folgte Elinontis ganz von

selbst, und nach ein paar weiteren Schritten von beiden Seiten, da

konnte Ina die schöne Orange in die Hand des kleinen Indianermädchens

legen.

Aber, sobald das Kind die Orange in seinem Besitz hatte, drehte es sich

auch um und lief, so schnell es laufen konnte, davon, so daß das Wasser

aus ihrem Krug herausspritzte und es über und über naß wurde. Gerade

kam Majull angeritten. Er sah das laufende Kind und reimte sich wohl

zusammen, warum es so lief. Er sprang von seinem Pferde und hielt die

kleine Elinontis auf.

„Warum läufst du so?“ sagte er, „sie kommt nicht hinter dir her, sie

tut dir nichts. Schau dich doch mal um, da steht sie ganz ruhig. Du

mußt nicht vor ihr weglaufen. Sie ist eine gute weiße Frau.“

Elinontis schaute sich um. Sie machte ein ganz beschämtes Gesicht.

Richtig, da, ganz weit weg von ihr, stand Ina, und sie, Elinontis,

hatte gedacht, sie sei hinter ihr her. Sie hatte gemeint, ihre Schritte

hinter sich zu hören, zu fühlen, daß sie ihren Kleiderrock gepackt

hatte. Wie dumm sie doch gewesen war.

Als Majull die Kleine wieder los ließ, ging sie ruhig und langsam

nach Hause zu ihrer Mutter. Die Orange drückte sie letzterer in die

abgemagerte Hand, die Mutter sollte sie ganz allein haben. Diese

wollte aber nicht, ein Stückchen nahm sie, den Rest aber bekam die

kleine Elinontis. Und dann sprach die Mutter mit ihr ganz leise, denn

sie konnte nicht sehr laut mehr reden, aber Elinontis hörte es, und

auch die Engel im Himmel hörten, was die Mutter ihrem Kinde sagte, und

es war etwas, woran sie ihre helle Freude hatten. Es waren Worte, die

dazu beitrugen, den Haß, die Furcht, die Feindschaft, die die Mutter

in das Herz des Kindes gesät hatte, zu brechen, wie diese in ihrem

eigenen Herzen mehr und mehr gebrochen worden waren durch die warme,

selbstverleugnende Liebe, die die fremde weiße Frau ihr in ihrem Elend

hatte zuteil werden lassen.

Ina legte sich an jenem Abend früh zur Ruhe. Sie war müde, denn

sie hatte einen sehr weiten Ritt mit Majull machen müssen. Gegen

Mitternacht aber wurde sie geweckt durch lärmenden Gesang und wüste

Trommelmusik. Ina setzte sich auf in ihrem Bette und horchte. Das

waren wieder Medizinmänner, wie sie solche in der ersten Nacht ihres

Aufenthalts auf der Indianerreservation gehört hatte. Es waren

Quacksalber und viele andere Leute, die zusammengekommen waren, um mit

Singen und Trommeln eine Kranke gesund zu machen. Ina horchte wieder

auf. Aus welcher Richtung kam wohl der Lärm? Kein Zweifel, er kam

aus der Richtung her, wo die Hütte der kranken Mutter der kleinen

Elinontis stand. Die Quacksalber und andere Sänger bemühten sich um die

Frau. Nein, so etwas durfte und wollte Ina sich nicht gefallen lassen.

Elinontis Mutter stand jetzt unter ihrer Fürsorge und Behandlung. Die

Medizinmänner hatten mit ihr nichts zu tun. Sie sollten der Kranken

nicht die zu ihrer Genesung so nötige Ruhe durch Singen und Trommeln

rauben. Ina war entschlossen, das nicht zu dulden.

Sie stand auf und kleidete sich an. Ein Licht brauchte sie nicht

anzuzünden. Es war heller, klarer Mondschein, der es so schön hell in

dem kleinen Zimmer machte.

Es war nur eine kleine halbe Meile Weges zu der Hütte. Ina ging zu

Fuß, sie sattelte nicht erst ihr Pferd, obwohl sie gelernt hatte, es

im Notfall selber zu tun. In der Regel kam ja Majull und besorgte alle

Arbeit mit dem Pferde. Also Ina ging zu Fuß. Sie ging sehr schnell.

Es war ihr um jede Minute zu tun, um der Kranken Ruhe zu schaffen.

Der Gedanke, daß die Indianer ihr etwas zu Leide tun möchten, kam ihr

nicht, obwohl sie wußte, daß sie bei solchen nächtlichen Gesängen auch

immer berauschende Getränke zu sich nahmen. Sie trinken dann die ganze

Nacht, Männer, Frauen und Kinder, und gegen Morgen sind meistens alle

betrunken. Häufig gibt es auch Schlägereien und Streitereien, und

zuweilen kommen auch Leute ums Leben. Ina, die wie gesagt, das alles

wußte, dachte gar nicht daran, und hatte darum auch keine Furcht. Sie

dachte nur wie die kranke Frau unter dem Lärm leiden mußte und wie gern

sie doch ruhen und schlafen mochte, und hatte nur den einen Gedanken,

der Frau zu helfen und ihr Gutes zu tun. So war keine Furcht in ihrem

Herzen. Überdies wußte Ina ja, daß sie auf Gottes Wegen ging, und wer

auf Gottes Wegen geht, braucht sich nicht zu fürchten; der hat immer

einen allmächtigen Beschützer bei sich und die heiligen Engel zu seinem

Dienst. Die Engel sind ja dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst

derer, die ererben sollen die Seligkeit. Zu diesen Leuten gehörte Ina

auch.

In zehn Minuten war sie an Ort und Stelle. Etwa dreißig Indianer

lagen und saßen um die Hütte herum. Ganz dicht beim Eingang standen

zwei große Trommeln. Diese hatten die Indianer selber gemacht. Sie

bestanden aus alten eisernen Töpfen, die mit gegerbten Hirschfellen

überspannt waren. Bei jeder Trommel saßen drei Indianer, ältere Männer,

die mit langen dicken Stöcken dreinschlugen. Sie schlugen in schnellem

Takt, immer einer nach dem anderen, während sie wie auch die übrigen

anwesenden Indianer einen eintönigen lauten Gesang dazu ertönen ließen.

Es war ein ohrenbetäubender Lärm.

Ina besann sich nicht lange. Sie ging zu den Trommlern, packte mit

jeder Hand einen der Stöcke, hielt sie fest und ließ die Männer nicht

weiter trommeln. Als die andern sahen, was vor sich ging, hörten sie

auch auf zu trommeln. Und als die Männer aufhörten zu trommeln, hörten

auch die Leute auf zu singen. Es wurde mit einem Male ganz still, und

alle schauten überrascht und unwillig auf den Störenfried.

Ina ließ nun die Trommelstöcke los und begann so gut sie das konnte,

den Leuten mit Zeichen klar zu machen, daß die Frau in der Hütte

schlafen müsse und daß der Lärm, den sie machten, ihr schade. Das

erstere verstanden sie bald, aber mit dem letzteren wollte es nicht

so recht gehen. Ina aber ließ nicht nach in ihren Bemühungen, und

schließlich merkten die Leute, daß sie ihnen sagen wollte, daß ihr

Singen und Trommeln etwas Schlechtes sei. Da wurden sie böse. Das

wollten sie nicht hören. Die meisten von ihnen sprangen auf; etliche

näherten sich der Feldmatrone. Sie machten aber nur wenige Schritte,

dann blieben sie wieder stehen, es schien, als wagten sie doch nicht

recht, etwas zu tun. Ina stand unbeweglich, sie hatte ihren Blick fest

und furchtlos auf die Ankömmlinge gerichtet. Freilich in ihrem Innern

sah es nicht so aus, wie es nach außen hin den Anschein hatte. Da war

doch ein leises Beben und Bangen, was wohl kommen mochte. Aber sie

hatte den Kampf aufgenommen und mußte ihn ausfechten und mit Gottes

Hilfe den Sieg davontragen.

Als die Leute wieder stillstanden, sagte Ina, mit der Rechten auf die

umliegenden Hütten deutend, sie sollten nun alle nach Hause gehen.

„Geht nach Hause,“ die Worte konnte sie in der Sprache der Indianer

sagen. Sie hatte sich dies einmal von Majull sagen lassen, als etliche

Kinder den beiden immer von einer Hütte in die andere folgten und sie

nicht verlassen wollten. Damals hatte Majull ihr lehren müssen, wie man

„Geht nach Hause“ in der Sprache der Indianer sagt. Diese Worte rief

sie den Leuten nun zu. Die Wirkung war aber nicht die von Ina erwartete

und erhoffte. Sie gingen nicht. Es entstand ein allgemeines Gemurmel

und ein paar der Männer machten wieder ein paar Schritte, auf Ina zu,

als wollten sie ihr zu Leibe rücken, um die lästige Friedensstörerin,

wofür sie sie hielten, zu verdrängen.

Da stand plötzlich, wie aus dem Erdboden gesprungen, ein kleines

Mädchen zwischen Ina und den drohenden Indianern. Ihre beiden kleinen

Fäuste hatte sie geballt und redete laut und scheltend auf die Männer

ein. Dabei wies sie bald auf Ina, bald auf die Hütte, wo die kranke

Frau, ihre Mutter, lag -- denn das kleine Mädchen war niemand anders

als Elinontis.

Während sie sprach, blickten die Männer das Kind erst fragend an, dann

begannen sie mit den Köpfen zu nicken, als wollten sie ihre Zustimmung

zu dem Gesagten ausdrücken und schließlich wandte sich erst einer,

dann ein zweiter, ein dritter und bald gingen alle langsam davon.

Ina stand allein in der mondhellen Nacht. Auch Elinontis war fort. Wie

sie gekommen war, so war sie verschwunden. Ein tiefer Seufzer entrang

sich der Brust des Mädchens, es war ein Dankesseufzer, der aufstieg zu

Dem, der die Seinen nie verläßt und auch jetzt in der Stunde drohender

Gefahr ihr einen Engel in Gestalt dieses kleinen braunen Mädchens

gesandt hatte.

Jetzt räusperte sich jemand hinter Ina. Erschrocken blickte sie sich

um. Da stand ein junger Indianer, den sie schon etliche Male gesehen,

wenn auch noch nicht gesprochen hatte.

„Du kannst nun wieder nach Hause gehen,“ sagte er, „die Leute sind alle

in ihre Hütten gegangen und werden sich schlafen legen. Sie werden

nicht wieder kommen, und die kranke Frau kann schlafen. Ich will dich

nach Hause begleiten, denn ich glaube, du fürchtest dich, allein zu

gehen.“

„Ich fürchte mich nicht,“ sagte Ina, „wenn ich mich fürchtete, wäre

ich nicht allein hierher gekommen. Aber, wenn du mit mir gehen willst,

danke ich dir. Komm.“

Und der junge Mann ging mit Ina.

„Wie heißt du?“ fragte Ina.

„Ich heiße Kodaggo.“

„Es ist lieb von dir, Kodaggo, daß du mich nach Hause bringst, ich

muß dir nämlich sagen, ich habe ganz die Richtung verloren, in der ich

gehen müßte. Ich bin noch nie bei Nacht hier gewesen. Am Tage hätte ich

mich schon zurecht gefunden.“

„Du bist eine weiße Frau,“ sagte Kodaggo und lachte, „wir Indianer

verlieren nie den Weg. Einen Weg, den wir einmal gegangen sind, und

wäre er noch so weit, finden wir immer wieder, wir fühlen uns wieder

zurecht. Ihr weißen Leute seid anders. Ihr fragt immer nach den Wegen.

Wir tun das nie.“

„Kodaggo, was hat Elinontis zu den Männern gesagt? Bitte, erzähle mir

das. Ich habe ja kein Wort davon verstehen können und ich möchte doch

gern wissen, was sie sagte und was die Männer bewegte, auf sie zu hören

und fortzugehen. Was hat Elinontis gesagt?“

„Sie hat nicht viel gesagt,“ antwortete Kodaggo. „Zuerst hat sie die

Männer gescholten und gedroht, sie würde ihnen die Augen auskratzen,

wenn sie nicht fortgingen. Dann aber hat sie angefangen zu bitten und

gesagt, ihre Mutter wolle nicht, daß sie noch weiter sängen, wenn die

weiße Frau das nicht haben wolle, sie habe die weiße Frau lieb, ihre

Mutter habe gesagt, alles, was die weiße Frau sage und tue, sei gut.

So hat Elinontis gesagt, und da waren die Männer zufrieden und sind

fortgegangen. Die Leute haben auch Elinontis gern. Sie ist nicht wie

die andern Kinder. Sie läuft nicht den ganzen Tag in den Bergen umher.

So klein und jung sie ist, arbeitet sie immer für die kranke Mutter

und läßt sie nicht länger allein als sie muß. Sie ist ein sehr kluges,

gutes Kind.“

Ina erzählte Kodaggo, daß sie Elinontis kenne, sie sähe sie jeden

Morgen am Brunnen, wenn sie Wasser hole, das Kind habe aber noch nie

mit ihr gesprochen, und sie möchte so gerne einmal mit dem Kinde reden.

„Warte nur,“ erwiderte Kodaggo, „die Zeit wird schon kommen. Heute

nacht hat sie für dich geredet, es wird nicht lange dauern, dann wird

sie auch mit dir reden.“

Mittlerweile waren die beiden in die Nähe von Inas Haus gekommen. Ina

blieb stehen und reichte Kodaggo die Hand.

„Die letzte kleine Strecke kann ich nun allein gehen,“ sagte sie zu

ihrem Begleiter, „habe Dank, daß du soweit mit mir gekommen bist. Ich

hoffe, ich sehe dich bald einmal wieder. Ich freue mich über jede neue

Bekanntschaft, die ich unter euch lieben Leuten mache.“

Kodaggo erwiderte nichts; er lüftete nur seinen Hut und ging eilig

dahin zurück, woher er gekommen war.

Ina trat in ihr Haus, entkleidete sich und legte sich wieder zur

Ruhe. Sie konnte aber nicht einschlafen. Teils war sie noch zu erregt

von ihrem nächtlichen Erlebnis, teils war es so drückend heiß in dem

kleinen Zimmer, daß sie meinte, kaum atmen zu können. Sie stand auf

und öffnete die Haustür, auf daß mehr Luft ins Haus dringe. Ina

dachte, sie werde so bald nicht einschlafen und wollte die Tür wieder

schließen, sobald sie spüren würde, daß Müdigkeit sich einstellte.

Letzteres geschah aber, ohne daß Ina es merkte, und sie schlief ein,

ohne dazu gekommen zu sein, die Haustür wieder zu schließen.

Als Elinontis am nächsten Morgen kam, um ihr Wasser zu holen, fand sie

ihre Freundin nicht an dem gewohnten Platze, sie bemerkte aber die weit

geöffnete Haustür. Das fiel der Kleinen auf. Ina hielt die Tür immer

geschlossen den Tag über, damit ihr die lästigen Fliegen, von denen

es in Arizona so viele gibt, nicht in das Haus kämen. Erst am späten

Abend, nachdem die Fliegen sich ihre Schlafplätze gesucht, pflegte sie

die Haustür zu öffnen. Elinontis kam aber nur am frühen Morgen und in

der Nachmittagsstunde, so daß sie nie die Tür geöffnet gesehen hatte.

Die Kleine stand am Brunnen und überlegte. Wo mochte wohl Ina sein?

Warum stand die Tür so weit geöffnet? Sie kam zu dem Schluß, daß Ina

nicht im Hause sei und auch nicht in der Nähe, denn sonst müßte sie

sie doch sehen können. Das Kind reckte seinen Hals und schaute umher.

Ina war nirgendwo zu erblicken. Sie kletterte behende auf den Rand des

Brunnens, um weiter sehen zu können. Nein, die weiße Frau war nirgendwo

in weitem Umkreise. Glücklich wie einer, der eine erfreuliche

Entdeckung gemacht, sprang Elinontis wieder von dem Brunnenrande auf

die Erde.

Sie stand noch eine Weile und überlegte. Ob sie es wohl wagen

konnte? Sie hätte gar zu gern einmal aus nächster Nähe in das Haus

hineingeblickt, um sich Rechenschaft zu geben, wie es darinnen aussehe

und was die weiße Frau alles darin habe.

Ein schelmisches, verschmitztes Lächeln stahl sich über die sonst so

ernsten Züge des Kindes. Sie ließ ihren Krug am Brunnen stehen. Sie

schien ganz und gar zu vergessen, daß die Schritte, die die kleinen,

bloßen Füße in dem weichen Sande machten, kein Geräusch verursachten.

Auf den Zehenspitzen, die anmutig gekrümmten Ärmchen bei jedem Schritt

hebend, schlich sie vorsichtig an das Haus der weißen Frau heran.

Zuweilen blieb sie stehen, lauschte und schaute umher. Nein, es war

niemand zu hören oder zu sehen. Jetzt war sie an der Ecke des Hauses

angelangt. Noch ein paar Schritte, und das Kind stand an der breiten

hohen Steinstufe, der einzigen, die vor der Tür war, und auf der Ina

sonst immer am Morgen saß.

Das erste Wort der kleinen Elinontis, und andere Indianergeschichten · 第 1 / 5 段