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DER UNTERKIEFER DES HOMO HEIDELBERGENSIS
AUS DEN SANDEN VON MAUER BEI HEIDELBERG
EIN BEITRAG
ZUR PALÄONTOLOGIE DES MENSCHEN
VON
OTTO SCHOETENSACK
MIT 13 TAFELN, DAVON 10 IN LICHTDRUCK
LEIPZIG
VERLAG VON WILHELM ENGELMANN
1908
ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DER ÜBERSETZUNG, VORBEHALTEN.
* * * * *
VORWORT.
Der den Gegenstand vorliegender Abhandlung bildende menschliche
Unterkiefer wurde in den 10 km südöstlich von Heidelberg anstehenden, in
der Literatur als Sande von Mauer bekannten fluviatilen Ablagerungen
aufgefunden. Das Alter dieser Sande wird nach den darin angetroffenen
Säugetierresten gemeinhin als altdiluvial angegeben; einige darin
vertretene Arten lassen aber auch deutliche Beziehungen zu dem jüngsten
Abschnitte des Tertiärs, dem Pliocän, erkennen. So durfte man vermuten,
daß etwa in diesen Schichten sich findende Menschenknochen bedeutsame
Aufschlüsse über die Morphogenese des menschlichen sowie überhaupt des
Primatenskelettes geben würden. Diese Annahme hat nunmehr durch den Fund
der Mandibula Bestätigung erfahren.
Ich habe mich bemüht, in dieser Schrift vor allem eine möglichst
erschöpfende Beschreibung des Fundobjektes und der -- bei fossilen
Menschenresten äußerst wichtigen -- Fundumstände zu geben. Bei den
vergleichenden Studien habe ich mich im wesentlichen auf das von den
Direktoren der hiesigen Universitätssammlungen, den Herren O. BÜTSCHLI,
M. FÜRBRINGER und W. SALOMON, sowie von Herrn H. KLAATSCH in Breslau mir
in entgegenkommendster Weise zur Verfügung gestellte Material gestützt.
Letztgenannter Freund sowie Herr G. PORT standen mir bei meinen
Untersuchungen mit ihren reichen Erfahrungen bei, die mir insbesondere
bei den diagraphischen und Röntgenaufnahmen sehr zustatten kamen. Die
Herren GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER in Agram und J. FRAIPONT in Brüssel
waren so liebenswürdig, mir Gipsabgüsse fossiler Unterkiefer zu
überlassen. Ferner lieh mir Herr Assistent W. SPITZ bei den
photographischen Aufnahmen freundlichst seinen Beistand. -- Allen diesen
Herren sei hiermit herzlicher Dank ausgesprochen.
Universität Heidelberg im September 1908.
OTTO SCHOETENSACK.
* * * * *
DER UNTERKIEFER DES HOMO HEIDELBERGENSIS
AUS DEN SANDEN VON MAUER BEI HEIDELBERG
GEOLOGISCHER TEIL
ANTHROPOLOGISCHER TEIL
ANHANG ZUM ANTHROPOLOGISCHEN TEIL
* * * * *
I. Geologisch paläontologischer Teil.
Das Dorf Mauer, auf dessen Feldmark unser Fund am 21. Oktober 1907
gemacht wurde, ist 10 km südöstlich von Heidelberg und 6 km südlich von
Neckargemünd, dicht an der südlichen Grenze des Odenwaldgebirges
gelegen. Dieses wird in seinem südlichen Teile von dem aus dem
schwäbischen Muschelkalkgebiete kommenden Neckar durchbrochen, der
unterhalb Neckarelz auf den Buntsandstein stößt, den er bis zum Eintritt
in die Rheinebene in vielfach gewundenem Laufe erodiert hat. Diese
Talbildung reicht, worauf E. W. BENECKE[8] zuerst hingewiesen hat und
was auch A. SAUER[70] in den Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte
des Großherzogtums Baden, Blatt Neckargemünd, bestätigt, bis in die
Tertiärzeit zurück.
Wenige Kilometer südlich von Neckargemünd verschwindet der Buntsandstein
dauernd unter der Oberfläche, und das Muschelkalkgebirge stellt sich
ein. Mannigfach zergliedert und reichlich mit Löß und Lehm bedeckt,
bietet es fruchtbares Ackerland dar, das, von der bei Neckargemünd in
den Neckar sich ergießenden Elsenz durchflossen, frühzeitig zur
Besiedelung einlud. -- Schon in alter Zeit führte eine Verkehrsstraße
von hier aus in das Schwabenland, der jetzt auch die Eisenbahnlinie
Heidelberg-Neckargemünd-Jagstfeld folgt, die uns von Heidelberg in
30 Minuten an den Fundort bringt.
Die geologischen und topographischen Verhältnisse des unteren
Elsenztales lassen sich an der Hand der oben genannten Karte, von der
auf Taf. I, Fig. I ein Ausschnitt auf 1:50000 reduziert gegeben
ist[I.], leicht übersehen. Im nördlichen Teile herrscht der
Buntsandstein vor, der in ostwestlicher Richtung von dem Neckar
durchfurcht wird. Senkrecht zu diesem Flusse erblicken wir zwei parallel
verlaufende Täler, die »in ihrer engen felsigen Beschaffenheit dem
Haupttale des Neckars unter- und oberhalb Neckargemünds gleichen«. Es
sind dies, wie SAUER gezeigt hat, Teile einer alten =Neckarschlinge=, die
weiter südlich, wo sie in das leichter zerstörbare Muschelkalkgebirge
eintrat, eine beträchtliche Talerweiterung erfuhr und den
terrassenförmigen Absatz der unter dem Namen »=Sande von Mauer=«
bekannten, von SAUER als altdiluvial bezeichneten Aufschüttungen
veranlaßte, deren Ursprung auch durch typische =Neckargerölle= bezeugt
wird.
[I.] Die Signaturen auf dieser Karte sind mit Hilfe eines
Vergrößerungsglases lesbar.
Von den beiden vom Neckar verlassenen Paralleltälern wird das westliche
von der Elsenz zum Abfluß benutzt, während das östliche, durch welches
jetzt die Landstraße von Wiesenbach nördlich zum Neckar führt, trocken
liegt. Daß dies schon seit der mittel-diluvialen Zeit der Fall ist, wird
durch die Verbreitung der Ablagerungen von älterem und jüngerem Löß
erwiesen, die sich auf und nahe der Sohle des Wiesenbacher Tales
vorfinden.
Die »Sande von Mauer«, auf der Karte (Taf. I, Fig. 2) mit der Signatur
»dun« versehen und großpunktiert eingezeichnet, sind namentlich an dem
rechten Elsenzgehänge durch Gruben erschlossen, die schon zu BRONNS
Zeiten (in den dreißiger und vierziger Jahren des vor. Jahrh.)
paläontologisches Material lieferten.
Seit 30 Jahren hat die etwa 500 m nördlich vom Dorfe Mauer im Gewann
Grafenrain gelegene, von Herrn J. RÖSCH in Mauer zur Gewinnung von
Bausand betriebene Sandgrube zahlreiche Tierreste ergeben, die von dem
genannten Herrn mit großer Sorgfalt geborgen und in uneigennütziger
Weise, hauptsächlich durch Schenkung an badische Staatssammlungen, der
Wissenschaft zugänglich gemacht wurden.
Bei dem lebhaften Abbau des Sandes, von dem nach gütiger Mitteilung des
Herrn RÖSCH seit 1877 159750 cbm gewonnen sind, wobei 182250 cbm Abraum
beseitigt, insgesamt also 342000 cbm bewegt werden mußten, entstehen
beständig frische Anbrüche, die entsprechend dem wechselnden Bilde, das
fluviatile Ablagerungen darzubieten pflegen, in den einzelnen Schichten
wohl stark variieren, in der Gesamterscheinung aber, wie die von
E. W. BENECKE und E. COHEN[9] gegebene Beschreibung und die von A. SAUER
mitgeteilten Profile erkennen lassen, Übereinstimmung mit dem
nachstehenden Profile zeigen, das 12 Tage nach Auffindung des
menschlichen Unterkiefers unter freundlicher Mitwirkung von
Prof. W. SALOMON, Herrn W. SPITZ und den Praktikanten des Heidelberger
geologisch-paläontologischen Instituts aufgenommen wurde:
=Profil der Sandgrube im Grafenrain (Grundstück Nr. 789), Gemarkung Mauer
(Amtsbezirk Heidelberg), aufgenommen am 2. November 1907= (vgl. Taf. III,
Fig. 5).
Richtung der Grubenwand Nord 26 West. Fußpunkt 1,40 m nördlich von der
Fundstelle des menschlichen Unterkiefers.
Ordnungszahl Mächtigkeit
der Schichten in Metern
Jüngerer { 27 5,74 Jüngerer =Löß=, unten mit kleinen
Löß { Lößkindeln.
{ 26 2,25 Brauner =Lehm= ohne sandige Lagen.
{ 25 1,30 Brauner =Lehm=, stellenweise etwas
Älterer { sandig, aber ohne ausgesprochene
Löß bzw. { Sandschmitzchen.
Sandlöß { 24 1,63 =Letten=, meist stark sandig, mit
{ vereinzelten Sandschmitzchen und
{ Lagen von Lößkindeln.
{ 23 etwa 1,80 Grauer, mittelkörniger =Sand=, in
{ abwechselnden Lagen ± verfestigt
{ (etwa 15 Gesimse).
{ 22 0,36 Graue feste =Sand=bank,
{ mittelkörnig, mit HCl ganz schwach
{ brausend, gesimsbildend.
{ 21 1,30 Lockerer eisenschüssiger =Sand=,
{ bald gröber, bald feiner, mit HCl
{ ganz schwach brausend.
{ 20 0,07 Festere, sehr eisenschüssige
{ mittelkörnige =Sand=bank.
{ 19 0,40 Eisenschüssiger =Sand=.
{ 18 0,70 Grauer mittelkörniger =Sand=, mit
{ HCl nicht brausend, unmittelbar
{ über dem Letten stark
{ eisenschüssig.
{ 17 0,70 Brauner =sandiger Letten= und
{ lettiger Sand; oben reiner, unten
{ ziemlich reiner Letten;
{ gesimsbildend.
{ 16 0,22-0,25 =Sand=schicht mit dünnen
{ eisenschüssigen Lagen nach S.
{ anschwellend, nach N. auskeilend.
{ 15 etwa 0,20-0,23 =Geröll=schicht mit
{ Eistransportblöcken und
{ Unioresten.
{ 14 etwa 0,34 Grauer bis gelbbrauner =Sand= mit
{ Andeutung von Schrägschichtung und
{ Neigung zur Windpfeilerbildung.
{ 13 etwa 0,50 =Sand=, reich an kleinen Geröllen,
{ z. T. eisenschüssig.
{ 12 etwa 0,50 Grauer mittelkörniger =Sand= mit
{ einer schwach eisenschüssigen
{ Schicht.
{ Lettenbank.
{ 11 2,25 Sehr fester =Letten=, mit HCl
{ schwach brausend.
{ 10 1,65 Abwechselnde Schichten von schwach
{ eisenschüssigem =Sand= und grauem,
Mauerer { manchmal auch braunem Letten. Die
Sande. { jüngste der nach oben an
{ Mächtigkeit zunehmenden etwa 9
{ Lettenschichten enthält nur sehr
{ wenig Sand.
{ 9 etwa 0,55 Reiner =Sand= mit unregelmäßig
{ verteilten eisenschüssigen
{ Stellen.
{ 8 etwa 0,25 Mittelkörniger, grauer =Sand= mit
{ vereinzelten kleinen Geröllen und
{ vielen Lettenbrocken.
{ 7 1,35 Mittelkörniger =Sand= mit
{ vereinzelten kleinen Geröllen und
{ Lettenbröckchen.
{ 6 0,60-0,65 Grauer, mittelkörniger =Sand= mit
{ vereinzelten Geröllen und kleinen
{ Geröllschmitzchen. (Die Lage mit
{ den vereinzelten Geröllen tritt
{ nur stellenweise auf.)
{ 5 etwa 0,23 Grobkörniger, mit HCl nicht
{ brausender =Sand= mit
{ eisenschüssigen Bändern.
{ 4 etwa 0,10 =Geröll=schicht, durch
{ kohlensauren Kalk etwas verkittet,
{ mit ganz dünnen Lagen von Letten,
{ der mit HCl schwach braust.
{ $(Fundschicht des menschlichen
{ Unterkiefers.)$
{ 3 0,22 Gröberer =Sand=, mit HCl nicht
{ brausend.
{ 2 etwa 0,20 =Geröll=schicht, z. T. deutlich
{ zu einem Conglomerat verkittet.
{ Der verkittende Sand ist stark
{ eisenschüssig, mit HCl nicht
{ brausend. Weiß-Juragerölle und
{ Reste von Unio sind häufig.
{ 1 etwa 0,45 Mittelkörniger, mit HCl nicht
{ brausender =Sand=.
Grubensohle.
Hiernach wurde der menschliche Unterkiefer etwa 0,87 m über der Sohle
und etwa 24,10 m =unter der Oberkante der Sandgrube= aufgefunden, welch
letztere Zahl der vom Geometer festgestellten 24,63 m (vgl. Taf. II,
Fig. 3) bis auf 0,53 m nahekommt. Um diesen Punkt für die Zukunft
festzulegen, ließ ich auf dieser Stelle einen kubischen Sandstein mit
der eingemeißelten Inschrift »Fundstelle des menschlichen Unterkiefers
21. Oktober 1907« errichten. Dieser Stein soll liegen bleiben, auch wenn
die Grube wieder zugeworfen wird. Es soll dann oben ein neuer Stein mit
entsprechender Inschrift gesetzt werden.
Die in dem vorstehenden Profil mit No. 23-1 bezeichneten, von 5,18 m
älterem Löß und 5,74 m jüngerem Löß überlagerten Mauerer Sande haben
wegen ihres Reichtums an Tierresten seit langer Zeit die Aufmerksamkeit
der Geologen auf sich gelenkt. So führt A. BRAUN[13] in der auf der
Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Mainz 1842 gegebenen
vergleichenden Zusammenstellung der lebenden und diluvialen
Molluskenfauna des Rheintals mit der tertiären des Mainzer Beckens unter
der Rubrik »Ältere Diluvialbildung« die Sande bei Bruchsal, =bei Mauer im
Elsenztal= und bei Mosbach zwischen Mainz und Wiesbaden an. Während er
von Mosbach auf Grund der Untersuchungen des Bergsekretärs RAHT
66 Conchylienarten zu verzeichnen in der Lage ist, muß er sich für Mauer
auf folgende Bemerkung beschränken: »Der dortige, durch seine
interessanten Säugetierknochen bekannte, hoch von Löß bedeckte Sand
enthält eine Menge von Unionen und größeren Helices, jedoch sämtlich so
weich und mürbe, daß eine vollständige Herauslösung und genaue
Bestimmung bis jetzt nicht möglich war.«
FR. SANDBERGER[69] bemerkt sodann in seinem 1870/75 erschienenen Werke
»Die Land- und Süßwasserconchylien der Vorwelt«, in dem über die
Binnenmollusken der Mittelpleistocänschichten handelnden Kapitel
folgendes: »Im Neckartale selbst sind in keiner sonstigen unter dem
Tallöß gelagerten Ablagerung Binnenmollusken nachgewiesen, wohl aber in
dem bei Neckargemünd in dasselbe einmündenden Elsenztale. Hier finden
sich bei Mauer etwa 100' über dem Spiegel der Elsenz Sand- und
Geröllbänke, welche schon A. BRAUN als Lagerstätte fossiler Wirbeltiere
und Binnenmollusken bekannt waren. Im Jahre 1868 beobachtete ich hier
von oben nach unten in einer Sandgrube:
1. Tallöß mit zahlreichen Conchylien 20 Fuß.
2. =Rötlichen Sand= mit diagonaler Schichtung und einzelnen
Stücken von =Helix rufescens=, =Helix hispida= und =Succinea
oblonga=, an der Grenze gegen 3 auch mit zerbrochenen Unionen 36 »
3. Groben Kies, bestehend aus Geröllen von Buntsandstein,
Wellenkalk, Muschelkalk, Hornstein und Feldspatbrocken mit
Equus caballus und Elephas primigenius (?) 40 »
Da von Binnenmollusken nur die oben genannten Arten, von Säugetieren
aber nur noch Rhinoceros Merckii Jaeg. und Ursus spelaeus gefunden
worden sind, so läßt sich das Alter der Sande noch nicht genauer
feststellen, doch deutet das Fehlen von Rhinoceros tichorhinus, Felis
spelaea und Hyaena spelaea auf ein höheres Alter, als das des
Cannstatter Tuffes, und vielleicht hat A. BRAUN recht, wenn er den Sand
von Mauer mit jenem von Mosbach bei Wiesbaden parallelisiert.«
BENECKE und COHEN[9] erwähnen bereits 12 Conchylienarten von Mauer, die
auf einigen Exkursionen gesammelt wurden, und weisen darauf hin, daß man
hier eine reiche Fauna zusammenbringen könne, welche wahrscheinlich für
die schon mehrfach gemachte Annahme, daß der Sand von Mauer mit dem
Sande von Mosbach bei Wiesbaden gleichalterig sei, sichere Anhaltspunkte
ergeben würde.
A. ANDREAE[5] hat nun in seiner für das Gebiet der Diluvialgeologie und
der Malakozoologie gleich wichtigen Abhandlung über den Diluvialsand von
Hangenbieten im Unterelsaß, Straßburg 1884, dieses Desiderat namentlich
in bezug auf die Mollusken erfüllt, indem er in einer tabellarischen
Übersicht der Fauna des Diluvialsandes von Hangenbieten, verglichen mit
der Fauna des Diluvialsandes von Mosbach bei Biebrich und von Mauer bei
Heidelberg, sowie mit der recenten Fauna des Elsaß und des
Oberrheingebietes, =von Mauer= 35 Arten angibt, welche Zahl aber, wie er
bemerkt, noch sehr der Vervollständigung bedarf; denn von Hangenbieten
sind 79 und aus dem Diluvialsand von Mosbach 93 Molluskenarten bekannt
geworden. Von Mauer werden folgende angeführt, die sämtlich auch in
Mosbach vertreten sind:
Hyalinia (Polita) nitidula Drap. sp.
» » radiatula Ald. sp.
» (Vitrea) crystallina Müll. sp.
* Patula (Goniodiscus) solaria Menke sp.
» (Patulastra) pygmaea Drap. sp.
Helix (Vallonia) pulchella Müll.
» » costata Müll.
* » » tenuilabris Braun.
* » (Petasia) bidens Chemn. sp.
» (Trichia) hispida L.
» » rufescens Penn.
» (Eulota) fruticum Müll.
» (Arionta) arbustorum L.
Buliminus (Ena) montanus Drap.
Cochlicopa (Zua) lubrica Müll. sp.
Pupa (Pupilla) muscorum L. sp.
» (Vertigo) pygmaea Drap.
* Clausilia (Pirostoma) pumila (Ziegl.) C. Pfeiff.?
Succinea (Tapada) putris L. sp.?
» » Pfeifferi Rossm.
» » oblonga Drap.
Valvata (Concinna) antiqua Sow.
» » piscinalis Müll. sp.
* » » naticina Menke.
Bythinia tentaculata L. sp.
Limnaeus (Limnophysa) palustris Müll. sp.
Planorbis (Gyraulus) Rossmaessleri [II.] (Auersw.) S. Schm.
Ancylus fluviatilis Müll.
Unio pictorum L. sp.
» batavus Lam.
* Sphaerium rivicola Leach sp.?
* » solidum Norm. sp.
Pisidium amnicum Müll. sp.
* » supinum A. Schm.
» Henslowianum Shepp.
NB. Die mit ? bezeichneten Arten sind in Fragmenten oder angezweifeltem
Vorkommen vorhanden.
[II.] Nach gütiger Mitteilung von O. BOETTGER eine zweifelhafte Art, auf
die keine Schlüsse zu bauen sind.
Wie ANDREAE bemerkt, fehlen die mit einem Stern bezeichneten Mollusken
jetzt in der Fauna des Oberrheingebietes. Um darüber Klarheit zu
erhalten, ob dies auch auf das Neckargebiet zutrifft, wandte ich mich an
den ausgezeichneten Kenner desselben, Herrn D. GEYER in Stuttgart, der
so freundlich war, hierüber, sowie über die weitere Frage Auskunft zu
geben, welche Schlüsse auf das derzeitige Klima die in den Sanden von
Mauer abgelagerten Mollusken gestatten. Ich teile das Wesentlichste aus
diesem Berichte hier mit: Es handelt sich bei den Ablagerungen von Mauer
offenbar um fluviatile Bildungen, welche durch den Neckar zustande
gekommen sind. Nun wäre es aber durchaus irrig, anzunehmen, daß die in
den Sanden abgelagerten Schalen aus größeren Entfernungen bzw. aus einem
weiten Gebiete hierher geführt und Vertreter der gesamten Fauna seien.
Die große Masse stammt vielmehr aus der nächsten Nähe, da die
zahlreichen scharfen Windungen bzw. Schleifen des Neckars ebenso viele
Dämme bildeten, welche die auf den Fluten schwebenden leeren Schalen zur
Ablagerung nötigten; denn nur um solche handelt es sich, da die mit
lebenden Tieren gefüllten Schalen untersinken und im Sande und Geröll
zerrieben werden. Felsen-, Berg-, Heide- und großenteils auch
Waldbewohner sucht man vergeblich in Ausspülungen; diese setzen sich
zusammen aus Wasser-, Ufer-, Wiesen- und Gebüschbewohnern, denen nur
einzelne Waldschnecken sich zugesellen.
Von den in obiger Liste angeführten 35 Arten sind 21 Land- und 14
Wassermollusken. Von ersteren sind nur 3 Baumtiere: Helix fruticum,
eigentlich Buschtier; Helix arbustorum, die aber auch gern auf dem
Boden am Wasser lebt, und Buliminus montanus, der sich am meisten von
den dreien an Bäume hält. Helix rufescens lebt meist am Boden und steigt
nur zuweilen an Krautpflanzen auf. Die übrigen =Landschnecken= sind alle
ausschließlich Bodentiere. Die Busch- und Baumtiere leben heute noch in
nächster Nähe von Mauer.
Die in obiger Liste mit einem Stern bezeichneten Arten fehlen heute auch
im Neckargebiete bis auf Sphaerium rivicola, Sph. solidum und Pisidium
supinum. Sie leben aber größtenteils noch im Osten, wie aus den in der
Fußnote[III.] auszugsweise wiedergegebenen Mitteilungen des Herrn
D. GEYER hervorgeht. Sein Resumé lautet: »=Sollen Folgerungen in bezug auf
das Klima aus den in den Sanden von Mauer zur Ablagerung gelangten
Molluskenschalen gemacht werden, so kann man allenfalls auf ein mehr
kontinentales Klima, als wir es heute haben, schließen=.«
[III.] =Patula solaria Menke=, auch aus den diluvialen
Kalktuffablagerungen von Cannstatt bei Stuttgart bekannt, fehlt jetzt dem
ganzen Neckargebiete. Es ist eine östliche Art, verbreitet in
Siebenbürgen, Nordungarn, Galizien, Mähren (ferner relictoid auf dem
Zopten und im Moschwitzer Walde in Schlesien), Erzherzogtum Österreich
(von hier in die südöstliche Ecke Bayerns übergreifend), Steiermark,
Kärnten, Krain, Dalmatien und Lombardei. Die Art lebt am Boden, im Grase,
unter Laub und Steinen im Walde.
=Helix tenuilabris Braun= fehlt dem Neckargebiete, lebt in Sibirien. Man
hat bis in die neueste Zeit die in den schwäbischen Juratälern lebende
H. adela Westerl. fälschlich für tenuilabris Braun gehalten.
=Helix bidens Chemn.= gehört Mittel- und Osteuropa an, lebt in sehr
feuchten schattigen Orten, besonders gern an Bachrändern, im
Erlengebüsch. Sie fehlt dem deutschen Nordwesten, ist aber sonst in
Norddeutschland nicht selten, auch in Thüringen nicht; sie geht bis zum
Main, im Regnitztal auch über den Main nach Süden über Erlangen hinaus.
Aus den bayr. Alpen und dem ganzen Jurazuge ist sie nicht bekannt,
findet sich dagegen auf der zwischen beiden Gebirgszügen liegenden
bayerischen Hochebene; sie fehlt in Württemberg, Baden und im Elsaß.
=Clausilia pumila Ziegl.= lebt gern an denselben Orten wie Helix bidens.
Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich CLESSIN zufolge nach Osten bis
Siebenbürgen, nach Süden bis Kroatien, nach Norden bis Livland und
Schweden; in Deutschland findet sie ihre Westgrenze, die noch nicht
genau angegeben werden kann. Sie findet sich noch in Mecklenburg und
Holstein, ebenso in Thüringen und geht bis zum Main bei Koburg und
Ochsenfurt. Südlich des Mains ist in Deutschland noch kein Fund bekannt
geworden, wie sie denn jetzt im Neckargebiete sicher fehlt.
=Valvata naticina Menke= lebt in schlammigen Stellen ruhigen Wassers der
größeren Flüsse. Ihre Verbreitung ist eine östliche: Donau bei Budapest,
Südrußland, Moskau, Livland, Ostpreußen, Landsberg a. d. Warthe. Im
Neckargebiet fehlt sie jetzt sicher.
=Sphaerium rivicola Leach. sp.= ? lebt im Neckar, etwa von Marbach
an; sie steckt im Sande zwischen den Steinen der Steindämme. Dem
Oberlauf der Flüsse, die rasch fallen und viel Geröll führen, fehlt sie,
wie die meisten großen und kleinen Bivalven. Sie ist über den größten
Teil Europas verbreitet.
=Sphaerium solidum Normand.= hat nach CLESSIN in Deutschland fast
dasselbe Verbreitungsgebiet wie Sph. rivicola; ist D. GEYER aus dem
Neckar noch nicht bekannt, dürfte aber auch hier aufzufinden sein.
=Pisidium supinum A. Schm.= wurde von D. GEYER selbst im Neckar bei
Besigheim gesammelt, scheint aber selten zu sein. Nach O. BOETTGER im
Main zwischen Frankfurt und Mainz häufig. Da sie schwer aufzufinden ist,
so ist ihr Verbreitungsgebiet nur ungenügend bekannt.
Die von ANDREAE a. a. O. mitgeteilte Liste der in den Mauerer Sanden
festgestellten Säugetiere ist namentlich durch W. v. REICHENAU[64 u.
65], Beiträge zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von
Mauer und Mosbach, erweitert und berichtigt worden, auf welche wichtige
Arbeit bei den Bemerkungen zu den einzelnen Species Bezug genommen
werden soll. Hinzufügen konnte ich selbst noch Sus scrofa var. cfr
priscus Marcel de Serres, Cervus (Alces) latifrons Johns. und Felis cfr
catus. Zwei von ANDREAE angeführte Arten: Elephas primigenius Blumenb.
und Bos primigenius Boj. mußten ausgeschieden werden, da deren Reste
wahrscheinlich aus der die Mauerer Sande überlagernden Lößstufe stammen.
Da in letzter Zeit ausschließlich die im Profil der Sandgrube am
Grafenrain mit 1-10 bezeichneten Sandschichten abgebaut wurden, so
stammen die von mir selbst jüngst gesammelten Tierreste sämtlich aus
diesem Horizonte, =in welchem, und zwar in Schicht 4 0,87 m über der
Sohle, der menschliche Unterkiefer gefunden wurde=. Daß aber auch die
oberen über der Lettenbank lagernden Sandschichten 12-23, die früher
ausgebeutet wurden, ergiebig an Säugetierresten waren, kann ich aus
eigner Erfahrung bestätigen. Auch A. SAUER[70] bekräftigt dies in bezug
auf Elephas antiquus, der, einer Bemerkung in den Erläuterungen zu Blatt
Neckargemünd S. 67 zufolge, »in der Sandschicht b wie d, also nicht bloß
im Liegenden, sondern auch im Hangenden der Lehmbank c (vgl. das
untenstehende Profil[IV.]) aufgefunden wurde«.
[IV.] Anfang des Jahres 1898 bot die Sandgrube im Grafenrain nach SAUER
folgendes Profil dar:
{0,5 m jüngerer Löß;
Lößstufe {2 m Lößlehm;
{3,5 m Löß und Lößlehm, in Wechsellagerung nach unten} älterer
{zu deutlich geschichtet und sandig werdend } Löß, bzw.
} Sandlöß.
Durch eine scharfe, nach NW einfallende Erosionsfläche getrennt, welche
z. T. noch durch Anhäufung großer Gerölle von Buntsandstein markiert ist,
folgen darunter:
{a. 0-2,5 m wohlgeschichteter, feiner, lichtgrauer
{ Sand;
{b. 5 m licht-rötlichbrauner, scharfer Sand;
Altdiluviale {c. 2,5 m sandiger, fester Lehm;
Neckaraufschüttungen {d. 4-6 m gelb bis rotbrauner, scharfer Sand mit
(Mauerer Sande) { Kieslagen, in den oberen Teilen mit
{ zwei etwa 0,5-1 dm starken Streifen
{ eines zähen, blauen Tones.
Ich lasse nun eine mit Erläuterungen versehene Aufzählung der in den
Sanden von Mauer festgestellten Säugetiere folgen, wobei die in der
Sammlung des Heidelberger geologisch-paläontologischen Instituts
vorhandenen Fossilien besonders berücksichtigt sind. Um etwas
Vollständiges zu bieten, wäre eine gründliche Bearbeitung des gesamten,
in den verschiedenen Sammlungen vorhandenen Materials erforderlich --
eine Aufgabe, der sich erfreulicherweise in letzter Zeit einige
Spezialforscher zugewendet haben.
=Felis leo fossilis = Felis spelaea Goldfuß?= Von einer großen Katze aus
den Mauerer Sanden befinden sich im geologisch-paläontologischen
Institut Heidelberg ein isolierter P 4 (Reißzahn) des Oberkiefers und
das Bruchstück eines linken Unterkiefers mit M 1 (Reißzahn), von dem die
vordere Zacke fehlt; von P 4 und P 3 ist außerdem die Krone abgebrochen,
und von C steckt nur noch ein Teil der Wurzel in der Alveole[V.]. Nach
W. v. REICHENAU[65], der diese Objekte bestimmt, in seinen Beiträgen zur
näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von Mauer und Mosbach
S. 303/4 beschrieben und auf Taf. IX, Fig. 1 und Taf. X, Fig. 1 abgebildet
hat, rühren sie von einem Individuum her, das, wie der stark abgenutzte
P 4 sup. zeigt, in einem vorgeschrittenen Alter stand. Besagter Zahn
weist relativ kleine Dimensionen auf: Seine Länge -- Vorderrand des
Innentuberkels mitgemessen -- beträgt nämlich nur 36 mm, während sie
sich sonst bei Felis spelaea zwischen 39-43 bewegt.
=Felis cfr catus=. Hiervon liegt ein 3. oder 4. Rückenwirbel vor, den ich
jüngst in dem unteren Horizonte der Mauerer Sande angetroffen habe.
Derselbe stimmt gut überein mit dem im Heidelberger zoologischen
Institut befindlichen Skelet einer recenten Wildkatze aus der Umgegend
von Heidelberg, nur sind die Dimensionen bei dem Wirbel von Mauer
beträchtlich größer. Herr H. G. STEHLIN hatte die Freundlichkeit,
unabhängig von mir eine Bestimmung des letzteren vorzunehmen, die mit
der meinigen übereinstimmt. Er schreibt: »Sollte Felis catus ferus auch
in den Mosbacher Sanden festgestellt sein, so würde ich den Wirbel auf
diese Species beziehen; anderenfalls wäre er am passendsten als Felis
cfr catus zu rubrizieren.« In der Revision der Mosbacher Säugetierfauna
von H. SCHRÖDER[80] ist Felis catus ferus nicht aufgeführt.
=Canis Neschersensis (Croizet) de Blainville=. W. v. REICHENAU
beschreibt in seinen Beiträgen S. 195-201 und Taf. X, Fig. 2-4 drei
Unterkieferhälften aus den Mosbacher Sanden sowie zwei P 4 des
Oberkiefers, einer ebendaher, der andere von Mauer -- letzterer im
Museum Hildesheim --, die er dem C. Neschersensis zuteilt, der, in Größe
zwischen Wolf und Schakal stehend, fast genau mit dem lebenden
Pyrenäenwolf (C. Lycaon Erxl.) übereinstimmt.
[V.] Jüngst wurde noch ein Schädelfragment aufgefunden, dessen
Zusammensetzung noch nicht beendet ist.
=Ursus arvernensis Croizet=. Von einem verhältnismäßig kleinen Bären
wurden mehrfach Reste von Unterkiefern sowie auch einzelne Zähne in den
Sanden von Mauer und Mosbach aufgefunden, die von W. v. REICHENAU
bestimmt, in den bereits erwähnten Beiträgen beschrieben und z. T. auch
abgebildet sind. Die mannigfachen Abweichungen, die Ursus arvernensis
von den von RISTORI zu dem gleichen Formenkreise gestellten Ursus
ruscinensis Depéret und Ursus etruscus Cuvier zeigt, sind in der v.
REICHENAUSCHEN Schrift durch Maße belegt. Unter anderem geht daraus
hervor, daß der Kiefer des Ursus arvernensis beträchtlich kleiner, bzw.
kürzer ist, als die von RISTORI veröffentlichten italienischen.
Die Reste des Ursus arvernensis von Mauer sind leider in
alle Himmelsrichtungen zerstreut. Es befinden sich: 1) Im
K. Naturalienkabinett in Stuttgart: eine linke Unterkieferhälfte mit der
Zahnreihe, abgebildet bei v. REICHENAU Taf. VIII, Fig. 4. 2) Im
Römermuseum zu Hildesheim: Bruchstück eines rechten Unterkiefers mit
abgebrochenem Caninus, den Alveolen von P 1-3, mit P 4 und M 1
(v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 3); ferner isoliert: ein oberer Caninus und
zwei untere (v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 11-13), sowie die Krone eines
solchen. 3) Im geologisch-paläontologischen Institut der Universität
Heidelberg: Ein oberer dritter Incisivus (v. REICHENAU Taf. IX,
Fig. 15), sowie die Krone eines an der Wurzel abgebrochenen Caninus, den
ich jüngst noch in der Schicht des menschlichen Unterkiefers zu sammeln
Gelegenheit fand.
=Ursus Deningeri v. Reichenau=. Dieser neue Formenkreis von großen Bären
ist von W. v. REICHENAU an Resten aus den altdiluvialen Sanden von Mauer
und Mosbach erkannt, die bisher dem Ursus spelaeus Rosenmüller
zugesprochen wurden. Allein der Ursus Deningeri weist im Vergleich mit
den Höhlenbären beträchtliche Differenzen auf. So besitzt z. B. sein
vierter unterer Prämolar »an der Innenseite des kräftigen Protoconids
zwei bis drei Sekundärhöcker, die durch eine Furche vom Protoconid
getrennt sind«, was ihn vom Höhlenbären auf den ersten Blick
unterscheiden läßt. Ursus Deningeri hat Verwandtschaftsbeziehungen zu
dem ihm voraufgegangenen Ursus etruscus Cuvier, an den er sich bezüglich
der Formen- und Größenverhältnisse, namentlich auch hinsichtlich
der starken Variation des Schädels und Kiefers anschließt.
Insbesondere zwingt, wie v. REICHENAU bemerkt, die Vergleichung des
Unterkiefergebisses von Ursus etruscus und Deningeri geradezu zu der
Annahme, daß letzterer aus ersterem hervorgegangen ist. Ursus Deningeri
erreichte eine beträchtliche Größe, die derjenigen des Höhlenbären nicht
nachsteht, wie der im Mainzer Museum aus dem Mosbacher Sande stammende
Schädel erkennen läßt, dessen Schädelbasis vom Vorderrande des Foramen
magnum bis zum Vorderrande der Alveole des mittleren Schneidezahnes
457 mm mißt. Das Profil des Ursus Deningeri-Schädels ähnelt am meisten dem
recenten Ursus beringianus; nur sind die Nasalia des Ursus Deningeri
mehr gewölbt und die Prämaxillaria mehr gestreckt. Die Schädelbasis des
Ursus beringianus mißt übrigens nur 363 mm.
In einem Nachtrage zu seinen Beiträgen führt W. v. REICHENAU aus, daß in
den ihm aus der Sammlung der Senckenbergischen Naturforschenden
Gesellschaft zugegangenen oberen Molaren von Mosbach sich Ursus
Deningeri so sehr dem echten Höhlenbären nähert, daß ihm in ersterem
eine Ahnenform der Spelaearctos spelaeus-Gruppe vorzuliegen scheine.
»Aus der Etruscus-Arvernensis-Reihe würde sich zunächst die noch mehr
polymorphe Deningeri-Reihe entwickelt haben, aus welcher dann diejenigen
Höhlenbären hervorgingen, denen die drei vorderen Prämolaren des
Unterkiefers fehlen.«
Von Ursus Deningeri aus den Sanden von Mauer befinden sich: 1) Im
geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg: Ein Oberkieferfragment
mit Gaumenplatte und Gebiß (M 2, M 1, P 4 gut erhalten, C z. T.
abgebrochen, Incisivi fehlend); ferner die Kronen eines Caninus des
linken Unterkiefers und eines M 2 des rechten Oberkiefers. 2) Im
Römermuseum Hildesheim: ein Caninus. -- Die beiden letztgenannten
Objekte sind abgebildet bei W. v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 5 u. 10.
=Sus scrofa var. cfr priscus Marcel de Serres=. Hiervon befinden sich im
geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg zwei noch in den
Alveolen steckende Molaren (M 3-M 2 inf. dext.), die nach einer
Bestimmung des Hr. W. v. REICHENAU als Sus priscus Serres bezeichnet
sind. Auch Hr. H. G. STEHLIN, der so freundlich war, sein Urteil über
diese Zähne abzugeben, ist der Meinung, »daß sie ihren beträchtlichen
Dimensionen nach ganz wohl zu Sus scrofa priscus Serres gehören können,
obwohl sie in der relativen Breite ihren Äquivalenten an der
Typusmandibel von Lunel-Vieil etwas nachzustehen scheinen. Die Frage,
inwiefern Sus scrofa priscus für älteres Quartär charakteristisch ist,
bedarf noch sehr der genaueren Prüfung. Tatsache scheint zu sein, daß
S. scrofa des älteren Quartärs meist bedeutendere Körpergröße erreichte,
als dasjenige der späteren Zeiten. Allein ich kenne neolithische
Suszähne vom Rinnehügel am Burtnecksee, welche in Größe und Struktur
auffallend mit der von HARLÉ im Altquartär von Montsaunés entdeckten
übereinstimmen. Auch wird man gut tun, nicht zu übersehen, daß unter den
vorderhand als S. scrofa priscus zusammengefaßten Materialien gewiß
Differenzen bestehen, welche vielleicht noch einmal zur Unterscheidung
=mehrerer= Varietäten führen könnten. Beim gegenwärtigen Stand unserer
Kenntnisse ist das Tier von Mauer am passendsten als Sus scrofa var. cfr
pricus Marcel de Serres zu rubrizieren.« -- Auch in den Mosbacher Sanden
sind mehrfach einzelne Zähne von Sus scrofa aufgefunden. NEHRING, ein
ausgezeichneter Kenner der Quartärfaunen Mitteleuropas, gibt an, daß er
selbst bei seinen Ausgrabungen in dem Diluvium von Thiede (unweit
Braunschweig), Westeregeln (zwischen Magdeburg und Halberstadt),
Oberfranken, am Rhein usw. niemals den geringsten Rest von Sus gefunden
habe, nur aus präglacialen und aus altdiluvialen Ablagerungen seien ihm
solche bekannt geworden. Es ist dies verständlich, wenn man in Betracht
zieht, daß die Wildschweine durch anhaltenden Frost ganz besonders
leiden; sie können in dem festgefrorenen Boden nicht wühlen und sind
somit in der Aufsuchung ihrer Nahrung sehr behindert. Weiteres hierüber
findet sich bei O. SCHOETENSACK[79], Beiträge zur Kenntnis der
neolithischen Fauna Mitteleuropas 1904 S. 13.
=Cervus (Alces) latifrons Johns=. Zu den häufigsten Resten gehören nach H.
SCHRÖDER in den Mosbacher Sanden Skeletteile, Gebisse und Geweihe dieses
riesenhaften Elches, dessen Schaufeln an einer sehr langen und kräftigen
Stange sitzen. Auch mir fielen die überaus starken Molaren eines
Cerviden in den Sanden von Mauer auf, die M. SCHLOSSER zu bestimmen die
Freundlichkeit hatte. Einzelne Zähne dieses Elches sind schon in den
alten Beständen der Heidelberger Sammlung vorhanden. Es gelang mir,
solche aber auch in mehreren Exemplaren in der Fundschicht des
menschlichen Unterkiefers festzustellen. -- So häufig wie in Mosbach
scheint Cervus (Alces) latifrons in Mauer nicht gewesen zu sein. Von
zwei zusammengehörigen Prämolaren des rechten Unterkiefers (Nr. 18 d.
Heidelb. Sammlg.) mißt P 3 mesiodistal 24,7 mm und P 4 29 mm; der
linguobuccale Durchmesser steigt bei ersterem bis zu 17,2 mm, bei
letzterem bis zu 20,5 mm an; die Schmelzleisten sind ungemein kräftig
ausgebildet.
=Cervus elaphus L. var.= Reste des Edelhirsches sind häufig in den
Mauerer Sanden. Außer Skeletteilen der Extremitäten finden sich
besonders oft isolierte Zähne sowie mehr oder weniger fragmentarische
Unterkieferhälften. Eine solche (rechte) mit vollständig erhaltener
Zahnreihe schließt sich in bezug auf die Länge dieser genau einem uns
vorliegenden recenten Cervus elaphus aus der Schweiz an: Die Gesamtlänge
von 3 P + 3 M beträgt bei beiden 118 mm; dagegen beträgt die Länge vom
Angulus bis zum Incisivrand bei dem Mauerer Exemplar etwa 320 mm, bei
unserem recenten aber nur 285 mm. RÜTIMEYER[67], Fauna der Pfahlbauten
S. 59, gibt für den Unterkiefer des recenten Edelhirsches 300 mm und für
den großen Pfahlbauhirsch sogar 345 mm an. -- Von einem mitten
durchgebrochenen, sonst aber -- auch an beiden Gelenkflächen
-- vollkommen erhaltenen Metatarsus gebe ich nachstehend die Maße,
verglichen mit den von RÜTIMEYER mitgeteilten:
Mauer Pfahlbauhirsch Recent
Metatarsus, volle Länge 320 370 260
» obere Gelenkfläche quer 38,8 38 30
» untere » » 45 45 34
Von Geweihen, die leider nur in Bruchstücken vorliegen, scheinen sich
hauptsächlich die kräftigsten erhalten zu haben. Diese gleichen z. T.
den von POHLIG[62] in seiner Abhandlung »Die Cerviden des thüringischen
Diluvial-Travertines« als Cervus (elaphus) Antiqui abgebildeten von
Taubach; doch ist der Umfang der Stange unmittelbar über der Rose bei
zwei von Mauer vorliegenden Exemplaren beträchtlicher (20 und 24 cm!).
Ich möchte mir daher in der Bestimmung der Geweihreste des Edelhirsches
von Mauer dieselbe Vorsicht auferlegen, wie sie H. SCHRÖDER »in Ansehung
der ganz außerordentlichen Variabilität der Geweihe und der noch
größeren Meinungsverschiedenheiten der Autoren über die Beziehungen und
gegenseitige Abgrenzung der Varietäten, namentlich fossiler Hirsche« in
seiner Revision der Mosbacher Säugetierfauna für geboten hält.
=Cervus capreolus L.= Reste vom Reh sind in den Mauerer Sanden nicht
häufig. In der Heidelberger Sammlung befinden sich ein oberes und ein
unteres Ende von zwei verschiedenen Geweihstangen, die von
ausgewachsenen Tieren herrühren; ferner das Unterkieferfragment eines
jugendlichen. Abweichungen von dem recenten Reh vermag ich nicht daran
zu erkennen.
=Bison= sp. nov. ind. Ebenso wie in dem Mosbacher Sande ist ein Bison auch
in Mauer häufig. Leider sind die seit Jahrzehnten hier aufgefundenen
Reste in alle Himmelsrichtungen zerstreut, so daß ein Studium derselben
sehr erschwert ist. Nach den Messungen, die ich an den in dem
geologisch-paläontologischen Institut der Universität Heidelberg
befindlichen zwei Schädelfragmenten, drei isolierten Hornzapfen und
einem Unterkiefer vornehmen konnte, weicht der Bison von Mauer
beträchtlich von dem in dem europäischen Diluvium weit verbreiteten
Bison priscus Boj. ab. Er schließt sich, soweit sich dies nach den
wenigen vorliegenden Resten beurteilen läßt, mehr an den recenten Bison
europaeus Ow. an. Da eine erschöpfende Bearbeitung dieser Frage nicht in
dem Rahmen dieser Abhandlung liegt, so beschränke ich mich darauf, den
von mir genommenen Maßen einige von L. RÜTIMEYER[67], Die Fauna der
Pfahlbauten S. 74 und H. v. MEYER[52], Nova Acta Acad. Leopold., 1835,
S. 138 angeführte Vergleichszahlen beizufügen:
Masse des Unterkiefers[VI.] in Millimetern
Spaltenüberschriften:
A: Mauer
B: Bojanus }
C: Nordmann Paläontologie Südrußlands } nach Rütimeyer
D: Robenhausen Pfahlbau }
A B C D
Höhe hinter M 3 68,2 65 68 --
Höhe vor P 1 42 38 -- --
Länge der Backenzahnreihe etwa 153 164 147 145
M 3 Länge 42,8 45 42 42
Breite 19,6 -- -- 17,5
M 2 Länge 27,9 31 27 27
Breite 19,4 -- -- 17,5
M 1 Länge 23,9 31 22 23
P 1-3 Länge etwa 56 56 57 50
[VI.] An demselben sind die bereits stark abgekauten Backzähne bis auf
P 1 erhalten; Ast und Symphyse fehlen.
------------------------+---------------------+----------------------+
| Bison von Mauer | Bison europaeus |
+---------------------+----------------------+
|Schädelfragment 1 | |
| |Schädelfragment 2[VII.] |
| | |Isolierter Hornzapfen 201 |
| | | |Isolierter Hornzapfen 202 |
| | | | |Isolierter Hornzapfen 211 |
| | | | | +----------------------+
| | | | | |Berlin |
| | | | | | |Paris |
| | | | | | | |Petersburg |
| | | | | | | | |Schönbrunn|
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+------+
Breite der Stirn | | | | | | | | | | |
zwischen d. über d. | | | | | | | | | | |
Einbiegungen | | | | | | | | | | |
Augenhöhlen nach einer| | | | | | | | | | |
geraden Linie | 264| 275| --| --| --|258|220|270|231| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Breite der Stirn | | | | | | | | | | |
zwischen der Basis der | | | | | | | | | | |
Hornzapfen | 260| -- | --| --| --|234|230|280|230| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Umfang der | | | | | | | | | | |
Hornzapfenbasis | -- | -- | --| --|330|290| --| --| --| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Länge der geraden Linie | | | | | | | | | | |
v. untern Teile der | | | | | | | | | | |
Hornzapfenbasis bis | | | | | | | | | | |
zur Spitze des Zapfens| -- | -- |300|295|230|285| --| --|230| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Dieselbe Länge nach der | | | | | | | | | | |
Krümmung des Zapfens | -- | -- |330|330|290|498| --| --|320| |
| | | | |[a]| | | | | |
| | | | |385| | | | | |
| | | | |[b]| | | | | |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Längendurchmesser des | | | | | | | | | | |
Hinterhauptsloches |44,5|43,5| --| --| --| 38| --| --| 30| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Entfernung vom | | | | | | | | | | |
Hinterhauptskamme bis | | | | | | | | | | |
zum oberen Rande des | | | | | | | | | | |
Hinterhauptsloches | 102| 101| --| --| --|100| --| --|110| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Größte Breite des | | | | | | | | | | |
Hinterhauptes nach | | | | | | | | | | |
einer geraden | | | | | | | | | | |
Grundlinie | 260| 260| --| --| --|246|200|265|240| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
Entferng. v. ein. | | | | | | | | | | |
Hornzapfenbasis zur | | | | | | | | | | |
anderen am hintern | | | | | | | | | | |
Teil des Schädels nach| | | | | | | | | | |
ein. geraden Linie | 273| 300| --| --| --|302| --| --| --| |
------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+------+
[a] vordere Curvatur [b] hintere Curvatur
------------------------+--------------------------------------------+
| Bison priscus |
+--------------------------------------------+
|Diluvium (Niederterrasse Kirchheim bei |
|Heidelberg). Städt. Sammlungen Heidelberg. |
|Eig. Messung. |
| |Aus dem Rhein bei Sandhofen Mannheim |
| |Mus. Frankfurt a. M. |
| | |Aus dem Rhein |
| | |Mus. Darmstadt |
| | | |Aus dem Rhein |
| | | |Mus. Darmstadt |
| | | | |Aus dem Rhein |
| | | | |Mus. Speyer |
------------------------+---+---+---+---+---+------------------------+
Breite der Stirn | | | | | | |
zwischen d. über d. | | | | | | |
Einbiegungen | | | | | | |
Augenhöhlen nach einer| | | | | | |
geraden Linie |330|301|304|345|315| |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Breite der Stirn | | | | | | |
zwischen der Basis der | | | | | | |
Hornzapfen |325|355|437|404|379| |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Umfang der | | | | | | |
Hornzapfenbasis |390|380|364|382|458| |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Länge der geraden Linie | | | | | | |
v. untern Teile der | | | | | | |
Hornzapfenbasis bis | | | | | | |
zur Spitze des Zapfens|460|477|448|382|351| |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Dieselbe Länge nach der | | | | | | |
Krümmung des Zapfens |520|514|546|487|465| |
|[a]| | | | | |
|650| | | | | |
|[b]| | | | | |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Längendurchmesser des | | | | | | |
Hinterhauptsloches | 40| 48| 47| 51| 48| |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Entfernung vom | | | | | | |
Hinterhauptskamme bis | | | | | | |
zum oberen Rande des | | | | | | |
Hinterhauptsloches |117|107|118|110|128| |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Größte Breite des | | | | | | |
Hinterhauptes nach | | | | | | |
einer geraden | | | | | | |
Grundlinie | --|297|291|310| --| |
------------------------+---+---+---+---+---+ |
Entferng. v. ein. | | | | | | |
Hornzapfenbasis zur | | | | | | |
anderen am hintern | | | | | | |
Teil des Schädels nach| | | | | | |
ein. geraden Linie |320|359|400|312|358| |
------------------------+---+---+---+---+---+------------------------+
[a] vordere Curvatur [b] hintere Curvatur
[VII.] A. PAGENSTECHER, Frühlings landwirtschaftliche Zeitung, 1878.
XXVII, 2. Heft, S. 25, schätzt das Alter dieses Individuums auf Grund der
beiden bei dem Fossil gefundenen Backzähne -- oberer Molar und unterer
Milchmolar -- auf höchstens zwei Jahre. Die Zugehörigkeit des letzteren
zu dem Schädelfragment ist jedenfalls sehr fraglich, da sonst nichts von
dem Unterkiefer vorliegt.
A. ANDREAE[5] führt unter der Fauna von Mauer auch Bos primigenius Boj.
an. Ich konnte unter den im Heidelberger geologisch-paläontologischen
Institut befindlichen Tierresten aus den Mauerer Sanden nur Bison
priscus feststellen. Auch in den Mosbacher Sanden kommt nach
F. KINKELIN[31 u. 38] und H. SCHRÖDER[80 u. 81] nur Bison vor. Es liegt
daher die Vermutung nahe, daß es sich bei den von ANDREAE erwähnten
Resten um solche handelt, die aus der Lößstufe stammen.
=Equus= sp. Nach brieflicher Mitteilung des Herrn W. v. REICHENAU, der mit
der Bearbeitung der Equidenreste aus den Sanden von Mosbach und Mauer
beschäftigt ist, stellen die aus letzterem Fundorte vorliegenden
einzelnen Zähne von Equus in ihrem sehr variablen Verhalten eine
=Übergangsreihe dar, ausgehend von der Form Equus Stenonis Cocchi= (mit
kurzachsigem vorderen Innenpfeiler der Kaufläche), bis zur Taubacher
Form hinüberleitend. Dasselbe ist bei dem großen Equus Mosbachensis der
Fall. Equus germanicus Wüst = E. caballus var. germanica Nehring ist in
Mauer nicht vertreten.
=Rhinoceros etruscus Falc.= ist häufig in den Sanden von Mauer.
Namentlich vom Kopfskelet sind zahlreiche Reste aufgefunden; darunter
Unterkieferfragmente mit Zahnreihen und isolierte Zähne. Das
Gliedmaßenskelet ist u. a. durch ein leidlich gut erhaltenes Becken
vertreten; von dem Rumpfskelet kommen häufig Rippen vor. Alles für die
Bestimmung der Species wichtige Material, das sich in der Heidelberger
Universitätssammlung vorfindet, ist zurzeit in Händen von HENRY
SCHRÖDER, dem ausgezeichneten Kenner der Rhinozeroten, der so freundlich
war, mir folgendes vorläufige Ergebnis seiner Untersuchungen zur
Verfügung zu stellen: »Betreffend die =Rhinocerosreste von Mauer= kann
ich heute noch auf meiner vor 10 Jahren in der Revision der Mosbacher
Säugetierfauna gegebenen Bestimmung des Rhinoceros etruscus Falc.
beharren; mir ist bisher kein Stück unter die Hände gekommen, das man
als Rhinoceros Merckii deuten könnte, wenn man als Typus dieser Art die
Taubacher Form annimmt.« Die von SCHRÖDER angezogene, Rhinoceros etrusc.
Falc. betreffende Stelle lautet: »Diese aus dem oberen Pliocän des
Arnotales und aus dem Forestbed Englands bekannte Rhinocerosart ist in
Mosbach häufig. Die besterhaltenen Stücke besitzt das Museum der
Landesanstalt und das Mainzer Museum, beide je einen Schädel mit
Prämolaren und Molaren, letzteres einen vollständigen Unterkiefer und
ersteres vollständig erhaltene Reihen des definitiven und des
Milchgebisses. Rhinoceros etruscus unterscheidet sich durch nur sanft
aufsteigende Parietalia, starke, fast horizontal verlaufende Cingula an
der Innenseite der Prämolaren des Oberkiefers und größere Niedrigkeit
der Zahnkronen von dem echten Rhinoceros Merckii, das zudem noch
erheblich größer ist. Die Übereinstimmung der Mosbacher Zähne mit
solchen aus dem italienischen Pliocän ist vollkommen. Übrigens vermutete
bereits SANDBERGER Rhinoceros etruscus in Mosbach.«