Da stand ich plötzlich in einem düsteren Hofe und sah durch einen
rötlichen Torbogen gegenüber -- jenseits der engen, schmutzigen Straße
-- einen jüdischen Trödler an einem Gewölbe lehnen, das an den
Mauerrändern mit altem Eisengerümpel, zerbrochenen Werkzeugen,
verrosteten Steigbügeln und Schlittschuhen und vielerlei anderen
abgestorbenen Sachen behangen war.
Und dieses Bild trug das quälend Eintönige an sich, das alle jene
Eindrücke kennzeichnet, die tagtäglich so und so oft wie Hausierer die
Schwelle unserer Wahrnehmung überschreiten, und rief in mir weder
Neugierde noch Überraschung hervor.
Ich wurde mir bewußt, daß ich schon seit langer Zeit in dieser Umgebung
zu Hause war.
Auch diese Empfindung hinterließ mir trotz ihres Gegensatzes zu dem, was
ich doch vor kurzem noch wahrgenommen und wie ich hierher gelangt,
keinerlei tieferen Eindruck. -- --
Ich muß einmal von einem sonderbaren Vergleich zwischen einem Stein und
einem Stück Fett gehört oder gelesen haben, drängte sich mir plötzlich
der Einfall auf, als ich die ausgetretenen Stufen zu meiner Kammer
emporstieg und mir über das speckige Aussehen der Steinschwellen
flüchtige Gedanken machte.
Da hörte ich Schritte die oberen Treppen über mir vorauslaufen, und als
ich zu meiner Tür kam, sah ich, daß es die vierzehnjährige, rothaarige
Rosina des Trödlers Aaron Wassertrum gewesen war.
Ich mußte dicht an ihr vorbei, und sie stand mit dem Rücken gegen das
Stiegengeländer und bog sich lüstern zurück.
Ihre schmutzigen Hände hatte sie um die Eisenstange gelegt, -- zum Halt
-- und ich sah, wie ihre nackten Unterarme bleich aus dem trüben
Halbdunkel hervorleuchteten.
Ich wich ihren Blicken aus.
Mich ekelte vor ihrem zudringlichen Lächeln und diesem wächsernen
Schaukelpferdgesicht.
Sie muß schwammiges, weißes Fleisch haben wie der Axolotl, den ich
vorhin im Salamanderkäfig bei dem Vogelhändler gesehen habe, fühlte ich.
Die Wimpern Rothaariger sind mir widerwärtig wie die eines Kaninchens.