Hradscheck, als er diesen Brief empfangen hatte, hatte nicht gesäumt,
auch seine Frau mit dem Inhalte desselben bekannt zu machen. Diese blieb
anscheinend ruhig, nur um ihre Lippen flog ein nervöses Zittern.
»Wo willst Du's hernehmen, Abel? Und doch muß es geschafft werden. Und
ihm eingehändigt werden ... Und zwar vor Zeugen. Willst Du's borgen?«
Er schwieg.
»Bei Kunicke?«
»Nein. Geht nicht. Das sieht aus nach Verlegenheit. Und die darf es nach
der Erbschaftsgeschichte nicht mehr geben. Und giebt's auch nicht. Ich
glaube, daß ich's schaffe.«
»Gut. Aber wie?«
»Bis zum 30. hab' ich noch die Feuerkassengelder.«
»Die reichen nicht.«
»Nein. Aber doch beinah. Und den Rest deck' ich mit einem kleinen
Wechsel. Ein großer geht nicht, aber ein kleiner ist gut und eigentlich
besser als baar.«
Sie nickte.
Dann trennte man sich, ohne daß weiter ein Wort gewechselt worden wäre.
Was zwischen ihnen zu sagen war, war gesagt und jedem seine Rolle
zugetheilt. Nur fanden sie sich sehr verschieden hinein, wie schon die
nächste Minute zeigen sollte.
Hradscheck, voll Beherrschung über sich selbst, ging in den Laden, der
gerade voll hübscher Bauernmädchen war, und zupfte hier der einen am
Busentuch, während er der andern die Schürzenbänder aufband. Einer Alten
aber gab er einen Kuß. »Einen Kuß in Ehren darf niemand wehren -- nich
wahr, Mutter Schickedanz?«
Mutter Schickedanz lachte.
Der _Frau_ Hradscheck aber fehlten die guten Nerven, deren ihr Gatte
sich rühmen konnte. Sie ging in ihr Schlafzimmer, sah in den Garten und
überschlug ihr Leben. Dabei murmelte sie halb unverständliche Worte vor
sich hin und schien, den Bewegungen ihrer Hand nach, einen Rosenkranz
abzubeten. Aber es half alles nichts. Ihr Athem blieb schwer, und sie
riß endlich das Fenster auf, um die frische Luft einzusaugen.
So vergingen Stunden. Und als Mittag kam, kamen nur Hradscheck und Ede
zu Tisch.