»Du bist verrückt,« lachte Krowsky -- »wen? eine der reichen

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Unter Palmen und Buchen.

Dritter Band.

Unter Palmen und Buchen.

Gesammelte Erzählungen

von

Friedrich Gerstäcker.

Leipzig,

Arnoldische Buchhandlung.

1867.

Inhaltsverzeichniß.

Seite

Eine Mesalliance 1

Der Gevatterbrief 177

Ein Ausflug in Java 186

Der Heimathschein 206

Auf der Eisenbahn 320

Eine Mesalliance.

Erstes Capitel.

Der Ball in Tanunda.

In Tanunda -- einem kleinen, fast nur von Deutschen bewohnten Städtchen in

Süd-Australien -- war Ball, und die ganze weibliche Bevölkerung des

Orts befand sich, wie bei all solchen Gelegenheiten, in einer gelinden

Aufregung. Kein Wunder auch; jede Dame wünschte doch so anständig als

möglich zu erscheinen; wer aber dazu nicht alles Nöthige _eigen_ besaß,

gerieth allerdings hier in Verlegenheit, denn in ganz Tanunda existirte

kein einziges Modemagazin.

Schmiede gab es genug, Sattler, Schuhmacher, Schneider, Blechschmiede,

Drechsler, Schreiner, und wie die verschiedenen Handwerke alle heißen

mögen, aber nirgends in einem der Läden flatterten oder hingen hinter

großen eleganten Spiegelscheiben bunte seidene Bänder oder künstlich

gearbeitete Kränze; nirgends waren neu patentirte Schnürleiber und

kostbar gestickte Unterröcke zur Schau ausgehangen -- worüber sich auch

die praktischen Landbewohner nur lustig gemacht hätten. Kurz es bestand

keine einzige Aushülfe für das schöne Geschlecht, seine Reize zu

erhöhen. Nur ein Glück, daß die Natur selber mitleidiger war, als

die prosaischen Menschen, und ihren Kindern draußen, auf tausend

Blüthenbüschen, ihre schönsten und duftendsten Gaben bot.

Und wenn die Damen in der Stadt nur wüßten, wie viel hübscher ein

frischer, natürlicher Blumenkranz einem hübschen frischen Gesicht steht,

als all der bunte Flitterkram, den kunstfertige Hände zusammenbauen --

aber freilich gehören auch hübsche und frische Gesichter dazu, sonst

stechen die lebhaften Farben zu sehr gegen den fahlen Teint der Wangen

ab, und die Kunst muß dann aushelfen, wo die Natur nicht mehr zu helfen

vermag.

In Tanunda wußte man wenig von Kunst; die meisten dortigen Ansiedler

gehörten überhaupt dem Arbeiterstande an, und hatten neben dem Gewerk

oder dem kleinen Handel, den sie in der Stadt trieben, noch ihre Section

Land außerdem. Auch die Töchter waren in dem fremden Lande, und rings

von englischen Sitten umgeben, doch immer nur richtige deutsche Bauermädel

geblieben, die weder in ihren Gewohnheiten noch in ihrer Tracht eine

Aenderung trafen.

Merkwürdig ist überhaupt die Zähigkeit, mit welcher der deutsche Bauer

an dem Alten hängt, und wie schwer er zu Neuerungen zu bringen ist. Selbst

die Auswanderer, also doch solche, von denen man vermuthen sollte, daß sie

gerade mit dem Alten gebrochen hätten, und jetzt bereit wären, in einer

neuen Welt ein neues Leben zu beginnen, verrathen das in der sinnlosen

Last, die sie in ein fremdes, weit entferntes Land hinausschleppen und

oft, an Ort und Stelle angekommen, von der Hafenstadt aus bis zu ihrer

Bestimmung, mehr Fracht dafür bezahlen, als der ganze Plunder werth ist.

Aber _nichts_ lassen sie daheim, was niet- und nagellos ist, keine irdene

Schüssel, keinen hölzernen Napf, keinen Besen, noch Scheuerlappen, ja ich

weiß Beispiele, daß sie, besonders nach Australien, ihre irdenen _Oefen_

mitgenommen haben. Kaum ist dann ein halbes Jahr vergangen, so steht dort

drüben unter Eucalypten und Banksien ein Bauernhaus, das sich in Nichts

von dem daheim verlassenen unterscheidet, mit denselben niederen Zimmern

und Fenstern, denselben Tischen und Bänken, denselben alten verstaubten

Bildern an den Wänden, denselben bemalten irdenen Schüsseln über dem

Heerde, ja mit dem nämlichen dumpfen und ungesunden Geruch in der Stube --

genau so wie daheim im Vaterland.

Und der Bauer selber mit seiner Familie hat sich -- wie er sich auch

vielleicht in seiner sonstigen Lebensweise ändern _mußte_ -- wahrlich

nicht in irgend etwas geändert, was ihn selbst betrifft. Er trägt noch,

mitten zwischen den Engländern und Amerikanern, ob auch von ihnen hundert

Mal ausgelacht und verspottet, den nämlichen langen blauen Rock mit

schmalem Kragen und riesigen Leinwandtaschen wie daheim -- denselben

ausgeschweiften Hut, wie er auf seinem Dorfe seit Menschengedenken Mode

war, dieselbe alte kurze Pfeife als Begleiter, Zeitmesser, Sorgenbrecher

und was sonst Alles, unentbehrlich bei Arbeit und Müssiggang, und nur in

der Zeit am Tage unsichtbar, wo er Sonntags in der Kirche sitzt, und die

Pfeife dann, vorher sorgfältig ausgegossen, in eine der Leinwandtaschen

spurlos verschwindet.

Auch die Frauen hängen hartnäckig an der heimathlichen Tracht und setzen

anfangs die Eingeborenen nicht wenig durch ihre kurzen Röcke, blauen

Zwickelstrümpfe und riesigen Bänder an den Hauben in Erstaunen; aber

zuletzt gewöhnt man sich auch an das Sonderbarste und findet es nicht mehr

auffallend.

Wunderbar gemischte Gesellschaft findet man aber in solch deutschen

Colonieen in fremden Welttheilen, und Tanunda besonders leistete darin das

Außerordentlichste. Engländer gab es, wie gesagt, nur sehr wenige in der

Stadt, und die wenigen waren kein besonderer Umgang für die Deutschen. Man

würde auch nie geglaubt haben, daß man sich in einer englischen Colonie

befände, wenn man durch die Stadt ging und überall nur _deutsche_

Schilder an den Häusern, nur deutsche Trachten sah, nur deutsch reden

hörte -- aber lieber Gott, wir wissen es ja schon gar nicht anders, als

daß wir Deutschen mit unseren tüchtigen Arbeitskräften und unseren

fleißigen und dabei gutmüthigen und geduldigen Staatsangehörigen allen

anderen Ländern der Welt ihr Land urbar machen, ihre Colonieen bevölkern

und heben müssen. Wir selber besitzen, ob unsere vaterländischen Schiffe

auch in _allen_ Meeren der Welt getroffen werden, kein einziges eigenes

transatlantisches Eigenthum, und kein Wunder denn, daß wir es uns in jenen

_fremden_ Plätzen wenigstens gemüthlich zu machen suchen.

In dem Ort waren denn auch zwei ziemlich gute deutsche Wirthshäuser, das

eine aber, das Tanunda-Hotel, das besuchteste, und besonders hielten hier

die »Honoratioren« ihre Zusammenkünfte, da der Wirth nicht allein ein

trinkbares deutsches _Bier_ ausschenkte, sondern auch einen Stolz darein

setzte, ächten Rheinwein zu verhältnißmäßig billigen Preisen in seinem

Keller zu haben.

Dort war heute Ball und der große Saal in der ersten Etage schon so

festlich geschmückt, wie es die bescheidenen Mittel in Tanunda nur

erlaubten, und die noch bescheidneren Ansprüche forderten, und dort

begannen schon Nachmittags um vier Uhr -- um fünf Uhr sollte die Musik

»losgehen« -- die wunderlichsten Elemente sich zu sammeln, die je ein

solches »Tanzvergnügen« besucht und sich darauf amüsirt hatten.

Das junge »Mannsvolk« der ländlichen Bevölkerung war das erste auf

dem Platze. Vorher mußte einmal ordentlich getrunken werden, damit sie

»Courage kriegten« und die »Mädels« nachher konnten ankommen

sehen, und bis es fünf Uhr schlug, hatte sich einer von diesen schon so

vollkommen angetrunken, daß er Streit suchte und von den Uebrigen grade in

demselben Augenblick hinausgeworfen wurde, als die ersten »Honoratioren«

das Hotel betreten wollten.

Es war der Kaufmann Becher mit seiner jungen Frau, einem allerliebsten

kleinen Weibchen, _sehr_ einfach, aber doch sehr elegant gekleidet, denn

sie hatte andere Zeiten gesehen, und man behauptete, daß sie früher

Kammerjungfer bei einer Gräfin gewesen wäre. Jetzt merkte ihr freilich

Niemand -- als vielleicht in ihrem gewandten und anständigen Wesen, den

früheren Stand an, denn sie galt allgemein in Tanunda für eine ebenso

vortreffliche Wirthin wie Hausfrau, und hatte sich besonders gut in den

Verkauf der Waaren gefunden.

»Holla,« lachte Becher, ein gemüthlicher Norddeutscher, während seine

junge Frau vor dem Tumult zurückschrak und sich fester an seinen Arm hing,

»das muß doch wahr sein, in dem Australien ist _Alles_ verkehrt. Bei

uns in Deutschland werfen sie einander immer erst zum Schluß hinaus, hier

fangen sie aber gleich damit an.«

»Haben Sie keine Furcht, Madame Becher,« rief sie aber einer der jungen

Burschen an, »wir halten hier Ordnung, darauf können Sie sich verlassen.

Der Tanz soll nicht gestört werden -- nur immer anständig.«

»Wir haben auch keine Furcht, Braunhofer,« lachte Becher gutmüthig,

indem er dem Eingang mit seiner Frau zuschritt, »denn daß Ihr hier

vortreffliche Polizei haltet, habt Ihr eben erst noch bewiesen -- _der_

thut keinen Schaden mehr -- ah, Herr von Benner,« wandte er sich dann an

einen jungen Mann, der ebenfalls in diesem Augenblick von der anderen Seite

kam und das Hotel betreten wollte, »das ist Recht, daß Sie kommen, solche

flotte Tänzer können wir brauchen.«

»Werde doch keinen _Ball_ in dem langweiligen Nest versäumen,« lachte

der junge Mann, indem er die beiden Gatten grüßte, -- »Frack und

Glacéhandschuh fallen freilich bei _Unsereinem_ weg,« schmunzelte er,

als sein Blick auf Herrn Bechers Hände fiel, die allerdings in weißen und

tadellosen »Glacées« prangten, wie denn auch die junge Frau nicht ohne

solche erschienen war.

»Bei Unsereinem, Herr von Benner?« frug Becher.

»Nun,« sagte der junge Mann mit einem bitterironischen und doch

humoristischen Zug um die Lippen, »was für Ansprüche werden denn

an einen _Handlanger_ bei dem Maurerhandwerke gemacht? Ich muß ja der

Gesellschaft noch dankbar sein, daß sie mich zuläßt.«

»Papperlapapp, mein lieber Freund,« rief aber Becher, dem der Spott in

der Bemerkung vollkommen entging, gutmüthig aus, »hier in Australien

haben wir die alten faulen Standesunterschiede abgeschüttelt, und kehren

uns den Henker daran, _was_ Jemand arbeitet, wenn er sich sein Brod nur auf

ehrliche Weise verdient, denn _das_ ist die Hauptsache.«

»Danke Ihnen,« sagte Benner mit demselben Lächeln, das aber diesmal der

jungen Frau das Blut in die Wangen trieb, denn _sie_ fühlte, was der junge

Adelige damit meinte, wenn es ihr Mann auch mit der alten wohlwollenden

Herzlichkeit hinnahm und nicht weiter beachtete.

»Bitte,« rief er abwehrend aus, »gar nichts zu danken. Sie stehen hier

in Ihrem vollen Recht. Tanzen Sie nur flott und machen Sie sich besonders

um einige ältliche Damen verdient, dann sollen Sie einmal sehen, wie

willkommen Sie sind.« Und dem jungen adlichen Handlanger vergnügt

zulächelnd, betrat er mit seiner Frau das Haus und stieg die Treppe

hinauf.

Eduard von Benner, wie der junge Mann hieß, gehörte einem der ältesten

und edelsten Geschlechter Deutschlands an; seine Verwandten bekleideten

daheim die höchsten Ehrenstellen und gehörten zu den reichsten und

vornehmsten Familien, ja gehören _noch_ dazu, während er hier, als

Handarbeiter in dem fremden Lande, mit saurem Schweiß sein Brod verdienen

mußte. Wenn er sich aber auch in diese Nothwendigkeit gefügt, war

ihm doch der alte trotzige Sinn geblieben, der ihn schon daheim aus dem

Vaterland getrieben, und ein spöttisches Lächeln zuckte um seine

fest zusammengepreßten Lippen, als der kleine vergnügte Mann an ihm

vorüberschritt.

»Krämerseele,« murmelte er vor sich hin, während er ihm mit

unterschlagenen Armen nachsah, »weil Du die dicken arbeitsharten Fäuste

in Glacéhandschuhen herumträgst, und Dir das rothseidene Schnupftuch

hinten aus einer _Frack_tasche heraussieht, protegirst Du den Baron --

es wäre bei Gott zum Todtschießen, wenn man nicht eben darüber

lachen müßte. -- Aber hol der Teufel die Grillen,« setzte er mit

zusammengebissenen Zähnen hinzu -- »ich bin nun einmal in dies tolle

Leben mitten hineingesprungen und will Euch beweisen, daß ich die

Kraft habe es durchzuführen. Eduard von Benner, Sohn des

Regierungs-Präsidenten, Neffe des Kammerherrn, Enkel des allmächtigen

Ministers Sr. Majestät -- bah, so viel für all den Narrenkram, den sie

daheim zum Ekel treiben, -- haben sie's denn anders haben wollen, haben sie

mich nicht mit Gewalt der tausend Thaler wegen zum Aeußersten gezwungen?

Jetzt mögen sie auch selber die Folgen tragen.«

»Nun, Benner, so finster?« lachte eine fröhliche Stimme und eine Hand

legte sich auf des jungen Mannes Schulter. »Sie schneiden wahrhaftig ein

Gesicht, das eher zu einem Trauermarsch, als zu dem eben da beginnenden

lustigen Rutscher paßt.«

»Ah, Doctor,« nickte ihm der junge Mann zu, -- »Sie noch hier? Ich

glaubte, Sie wären nach Adelaide.«

»Morgen früh,« sagte der Doctor vergnügt, der aber auch nicht so

aussah, als ob er einen _Ball_ besuchen wolle, denn er trug Wasserstiefeln

und einen kurzen braunen Rock -- »Sie werden wohl schon davon gehört

haben; meine Frau ist mir wieder einmal davon gelaufen, und ich will

sehen, ob ich sie einfangen kann; aber den heutigen Abend möchte ich nicht

versäumen.«

»Sie nehmen's kaltblütig.«

»Bah, was will man machen? -- Verwünschte Noth, die man hier in

Australien mit dem Frauenvolk hat. Ich habe in meinem Leben nicht so viel

von weggelaufenen Frauen gehört, wie hier; es muß ordentlich in der

trocknen Luft liegen. -- Aber gehn wir nicht lieber hinauf? -- Alles

drängt schon der Musik zu --«

Er hatte Recht; während die Musik oben begann, kamen die Gäste in Masse

von der Straße herein, und ein ganzer Trupp Bauermädel, die draußen,

eine die Hand der anderen gefaßt, straßenbreit gegangen waren, drängten

jetzt lachend und kichernd, ohne einander aber loszulassen, in die

Hausflur, sich wie in einer Kette die Treppe hinaufziehend.

»Alle Wetter,« rief der junge Baron Benner, »da sind prächtige Mädels

drunter. Wie ist's, Doctor, wollen wir's riskiren?«

»Verdammt wenig zu riskiren,« brummte der Doctor zurück, »aber zum

Tanzen hab' ich keine Lust; unsere Skatpartie wird bald zusammenkommen, und

dann bin ich für den Abend besetzt.«

»Mit Ihren langweiligen Karten,« lachte Benner, »da lob' ich mir den

Tanz, denn bei dem kann man sich doch einmal tüchtig austoben -- kommen

Sie.«

»Sie haben wohl noch nicht genug Bewegung, Herr Baron,« lachte jetzt

ein Anderer der vorüber Drängenden, der kleine Apotheker Schrader, --

»Donnerwetter, ich sollte doch denken, daß das Backsteintragen den ganzen

Tag Einem die Lust zum Springen benähme.«

»_Sie_ setz' ich noch mit auf meine Last oben drauf, Schrader,« lachte

aber Benner trotzig zurück, -- »und spürt' es nicht einmal.«

»Danke schön,« lachte der Abgefertigte und humpelte die Treppe hinauf,

während der junge Adlige ärgerlich ein leises, aber doch noch ziemlich

vernehmliches »Pillendreher« hinter ihm drein murmelte.

»Sie, Schrader,« redete diesen da ein anderer dicker behäbiger Herr

an, der ebenfalls mit ihm hinaufstieg, -- einer der Capitaine eines in

Adelaide-Port liegenden Kauffahrteischiffes -- »wer zum Henker war denn

der junge Mensch, den Sie da eben »»Baron«« anredeten? Das Gesicht kam

mir so merkwürdig bekannt vor.«

»Ah, Sie meinen den Herrn Baron von Benner,« lächelte der Apotheker.

»Während sich sein Papa daheim mit den Regierungssorgen des ganzen

Staates abquält, trägt sein Herr Sohn hier derweile Backsteine für die

einzelnen Theile desselben.«

»Alle Wetter,« rief der Capitain erstaunt aus, indem er stehen blieb

und Schrader's Arm faßte, »das ist doch nicht der Sohn von unserem

Regierungs-Präsidenten?«

»Derselbe,« nickte der Apotheker, -- »aber kommen Sie, deshalb brauchen

Sie doch nicht stehen zu bleiben: da passiren hier viel wunderlichere

Geschichten, als daß ein Sohn von einem Regierungs-Präsidenten oder

Minister, oder sonst was, Handlanger wird und Backsteine die Leiter

hinaufschleppt. -- Sehen Sie da oben den jungen Herrn mit dem prachtvollen

ungarischen Schnurrbart und den lockigen Haaren?«

»Er sieht aus wie ein Offizier,« nickte der Capitain.

»Ja wohl, war es auch,« nickte der Apotheker, -- »jetzt ist er beim

Friedensrichter -- einem englischen -- Kindermädchen.«

»Unsinn,« lachte der Capitain.

»Unsinn?« sagte der Apotheker, -- »hat sich was mit Unsinn. In

Australien giebt's gar keinen Unsinn, und die merkwürdigsten Geschichten

sind hier schon vorgefallen. Da ist dem Härtel, dem Wundarzt sein Mädel,

wissen Sie, was die wurde, als den Vater der Schlag rührte? -- Barbier!«

Der Capitain lachte laut auf.

»Und was treibt der junge Benner hier?« sagte er, als sie jetzt mitsammen

den Saal betraten und dem »Büffet« zuschritten, -- »doch nicht

wirkliche Handlangerdienste?«

»Wirkliche, ordinaire Handlangerdienste,« bestätigte aber Schrader,

»und was soll er sonst treiben? Derartige junge Herren haben im alten

Vaterland gewöhnlich nichts weiter gelernt, als das ihnen regelmäßig

gelieferte Geld so rasch und unregelmäßig als möglich wieder unter die

Leute zu bringen. Wachsen sie dann heran, so giebt man ihnen irgend einen

fetten und angenehmen Posten, bei einer Gesandtschaft, oder sonst wo,

auf dem sie Nichts zu thun haben, und wenn sie der Staat dann eine Weile

ernährt hat, erhalten sie für treue Dienste ein halbes Dutzend Orden

und Pension. Hier in Australien aber heißt's: Friß Vogel oder stirb --

arbeite oder hungere, denn umsonst wird hier Nichts gereicht. Was _soll_

die Art aber nun arbeiten? Um selbst etwas fertig zu bringen, was ein

anderer Mensch brauchen kann, dazu sind sie zu ungeschickt, und da bleibt

ihnen dann zuletzt Nichts weiter übrig, als anzunehmen was sich gerade

bietet, nur um das Bischen Leben zu fristen.«

»Aber ist das nicht aller Ehren werth,« sagte der Capitain, »wenn sie

das wirklich thun?«

»Wenn sie nicht müßten, ja,« lachte der Apotheker, »aber es bleibt

ihnen keine andere Wahl. Der Knüppel ist eben an den Hund gebunden.«

Ihr Gespräch wurde hier unterbrochen, denn der Tanz hatte begonnen, und

die Paare kamen mit solcher Schnelligkeit, und in so rascher Reihenfolge

angeflogen, daß die Zuschauer nur suchen mußten aus dem Weg zu kommen, um

nicht überrannt zu werden.

Der junge Benner war übrigens mitten dazwischen, und hatte sich

schon unter der Gruppe der Mädchen eine der flinksten Tänzerinnen

herausgesucht, mit der er sich lustig im Kreise schwenkte. Der frühere

Lieutenant, ein Herr von Krowsky, hielt sich dagegen mehr zu den

Honoratiorentöchtern, und allerdings hatte man hier die Wahl, denn

der Ball glich wirklich weit eher einer Art von Maskerade, als einem

gewöhnlichen Tanzvergnügen.

_Alle_ Stände schienen vertreten, und vom feinsten Ballcostüm an, das

besonders ein junger, neu eingetroffener Arzt zur Schau trug und mit seiner

weißen Weste und Cravatte, wie Strümpfen und Schuhen, wie vollkommen

tadellosen Frack Aufsehen erregte, bis zu dem Bauer mit dem dreieckigen

Hut, die kurze qualmende Pfeife im Munde oder Doctor Polzig in

Wasserstiefeln, war Alles vertreten.

Ebenso bei den Damen; einige der jungen Mädchen und Frauen, unter ihnen

Schrader's Tochter und die Frau Becher, hatten wirklich geschmackvolle

Balltoilette gemacht, mit der sie in jedem Casino hätten erscheinen

können. Nur die um die Taille gebundenen weißen Taschentücher gaben

Zeugniß der gemischten Gesellschaft, da die wenigsten Herren Handschuh

trugen. Die Bauermädchen dagegen verschmähten selbst diesen Schutz

gegen kleine Unbequemlichkeiten des Lebens, und _ihre_ weißen großen

Taschentücher an einem Zipfel in den sonngebrannten arbeitstüchtigen

Händen haltend und hin und herschlenkernd, prangten sie in all dem Schmuck

ihres heimischen Dorfes, mit silbernen Ketten und Ohrringen, mit großen

Bändern auf den Hauben, oder auch bunte Tücher um den bloßen Kopf

gebunden -- aber _Alle_ trugen Strümpfe, obgleich sie die sonst nur

Sonntags in der Kirche an die Füße brachten, und Alle sahen vergnügt und

glücklich aus. Dazwischen aber bewegten sich auch die Handwerkerstöchter

in schlichten Kattunkleidern, mit natürlichen Blumen im Haar, und manche

schmucke, niedliche Gestalt war unter ihnen. Ja selbst die

Dienstmädchen hatten vollkommen freien Zutritt zu dem Ball und manche

»Honoratiorentochter« »schimmelte« an der Wand, während sich ihre

jugendfrischere Magd mit den jungen Herren lustig im Kreise schwenkte.

Aber keine Unordnung fiel vor; wenn auch einmal Einer der jungen wilden

Burschen einen hellen Juchzer mit »_unse Kirmeß_« in der Erinnerung an

die heimathlichen Freuden ausstieß; sie Alle wußten, daß sie dabei auf

Ordnung halten mußten. Der junge Braunhofer, ein Bauernsohn, hatte der

Frau Becher nicht zu viel versprochen, wenn er ihr sagte, sie solle

keine Furcht haben, und in harmloser Lustigkeit verbrachte das fröhliche

Völkchen seinen Abend.

Der englischen Gerichtsbarkeit war das ebenfalls bekannt. Hatte das eine

englische Wirthshaus im Ort einmal Tanzmusik, so mußte die ganze Polizei

die Nacht auf den Beinen sein und war selbst dann oft nicht im Stande,

einen Tumult zu verhüten. Hielten die Deutschen dagegen Ball, so sah

man keinen Policisten auf der Straße oder in der Nachbarschaft, und nur

zuweilen kam die Behörde selber mit der Cigarre im Munde und einem ganz

vergnügten Gesicht, um ein wenig zuzusehen, oder wohl selber einen Tanz zu

wagen.

Der junge Benner war übrigens an dem Tage einer der fleißigsten Tänzer

gewesen, und dabei nicht etwa wählerisch in seinen Ansprüchen an Rang

oder Stand. Am allermeisten tanzte er sogar mit einem jungen Mädchen,

einer reizenden Blondine. Sie war ein bildhübsches Kind, aber nur eine

Schusterstochter, die bei dem Apotheker Schrader in Dienst stand, und

Madame Schrader selber fühlte sich so entrüstet darüber, daß sie ihm,

als er auch sie einmal aufforderte, mit gerümpfter Nase den Rücken drehte

und meinte, sie »wolle ihre _Jette_ nicht berauben.«

Jetzt war Pause. Benner hatte seine Tänzerin zum Büffet geführt, wo sie

ein Glas Punsch mitsammen tranken, und schlenderte dann Arm in Arm mit dem

früheren Lieutenant Krowsky im Saal herum.

»Du scheinst Dich zu amüsiren,« sagte dieser, der sich seinerseits

ziemlich zurückgehalten hatte. Er war erst kurze Zeit in der Colonie und

an das wunderliche Leben noch nicht gewöhnt.

»Und weshalb nicht?« lachte Benner, »zu was Anderem sind wir hier?

Mir kommt Australien immer wie so eine Art unterseeische Stadt, wie eine

Traumwelt vor, in die uns das Schicksal geworfen hat, und wir machen jetzt

den hiesigen Meerweibchen den Hof, wie wir es früher den Baronessen und

Comtessen gemacht haben.«

»Ja,« sagte Krowsky, »so würde ich es mir auch gefallen lassen, wenn

ich die Gewißheit hätte, daß ich morgen früh in meinem Bett daheim

wieder aufwachte, aber -- hol' mich der Teufel, Benner, ich glaube,

wir haben einen verflucht dummen Streich gemacht, daß wir uns hierher

verloren, und ich wenigstens sehe noch gar kein Ende ab, wie wir wieder mit

Ehren wegkommen wollen.«

»Wieder wegkommen?« lachte Benner trotzig, »und wer denkt daran? Das

frühere Leben haben wir abgeschüttelt -- für Deutschland sind wir doch

todt und begraben -- die Oberwelt will uns nicht wieder und kann uns

nicht gebrauchen, so jetzt denn mit beiden Füßen in dies tolle Treiben

hineingesprungen und durchgeschwommen -- es kann eben Nichts helfen.«

»Ja, das ist Alles recht schön und gut,« seufzte der Lieutenant, »wenn

nur eben die _Erinnerung_ nicht wäre.«

»Bah!« lachte der junge Baron trotzig, -- »Erinnerung! _Kannst_ Du

selber zurück? -- Bist Du im Stande, daheim wieder in die alten, einmal

verlassenen Verhältnisse einzutreten?«

»Wenn ich's wäre, Benner, bei Gott, ich bliebe keine Stunde länger in

dem verwünschten Lande -- aber es geht nicht.«

»Nun also,« rief sein Kamerad, »den Kopf hoch und diese holzköpfigen

Bauern nicht merken lassen, daß wir uns nur im Geringsten hier außer

unsrer Sphäre fühlen. Was _die_ können, können wir auch, und _ich_

wenigstens will ihnen beweisen, daß ich mich nicht vor dem australischen

Leben fürchte -- ich heirathe und werde australischer Familienvater.«

»Du bist verrückt,« lachte Krowsky -- »wen? eine der reichen

Bauerstöchter? Da kannst Du erleben, daß Bauer Hinz oder Kunz dem Herrn

Baron von Benner kurz ab den Stuhl vor die Thür setzt, weil er seine

Tochter nicht will eine Mesalliance machen lassen, -- d. h. weil _sie_

Geld hat und Du nichts.«

»Und glaubst Du, daß ich mich dem aussetzen würde? -- Ich will das Geld

der lumpigen Bauern nicht; ich brauche es nicht und kann _ihnen_ -- und

denen daheim beweisen, daß ich selber im Stande bin, meinen eigenen

Hausstand zu gründen. -- Ich heirathe des Schusters Tochter -- meine

Tänzerin.«

»Du bist toll,« rief Krowsky, -- »des Apothekers Dienstmagd? Und glaubst

Du, daß Deine Familie das zugeben würde?«

»Meine _Familie_?« lachte Benner bitter vor sich hin, »die hochadelige

Sippschaft, wie sie die Nasen rümpfen und wüthen und schimpfen werden,

und die Tante, die Staatsdame, hahaha! Könnte ich nur dabei sein, wenn

sie's erführen -- wie sie die Hände zusammenschlagen und in ihrem

Kaffeeklatsch die entsetzliche Neuigkeit besprechen, daß der Sohn des

Regierungspräsidenten, der Enkel des Ministers, ein _Dienstmädchen_

geheirathet hat.«

»Aus Dir spricht der Punsch heute Abend,« sagte Krowsky ruhig, weil

er ihn durch weiteren Widerspruch nur noch mehr in der tollen Idee zu

bestärken fürchtete, -- »morgen reden wir weiter darüber -- da beginnt

der Tanz wieder; ich habe die tolle Wirthschaft übrigens satt und werde

nach Hause gehen und mich schlafen legen. Kommst Du mit?«

»Ich denke gar nicht d'ran,« lachte Benner, »jetzt geht die Lust erst

los, und ich bin bei meiner Braut auch auf den Cotillon engagirt.«

»Benner, mach' keinen Unsinn,« sagte Krowsky, »und setz' dem armen

Mädel nicht etwa gar tolle Dinge in den Kopf -- Du willst doch nicht ewig

in Australien bleiben?«

»_Will_ ich nicht?« rief Benner trotzig, »und glaubst Du, daß ich hier

_solche_ Arbeit verrichtete, wenn ich nicht fest entschlossen dazu wäre?

Sobald ich Geld genug zusammen habe, um mir nur hundert Schafe zu kaufen,

werde ich Stationshalter, und in zehn Jahren bin ich ein reicher Mann --

aber da beginnt der Tanz.« -- Und während sich Krowsky, wirklich des

Gewirres müde, der Thür zuarbeitete, um an die frische Luft zu kommen,

suchte Benner seine Tänzerin wieder auf und gab sich mit wahrhaft

ausgelassener Fröhlichkeit dem Vergnügen hin.

Zweites Capitel.

Jung gefreit; hat's Niemand gereut?

Wochen waren seit dem letzten Ball vergangen und Krowsky und Benner

indessen oft zusammengewesen. Beide bedurften auch einander gegenseitig,

denn mit wem Anderen hätten sie sich aussprechen können, wer anders

hätte sie verstanden oder ihre verschiedenen Lebensansichten getheilt?

Aber nie kam der Lieutenant auf jene Andeutung zurück, die ihm Benner

am Ballabend gemacht, und die er natürlich für ein nur im halben Rausch

gethanes Prahlen hielt. Benner konnte sich solcher Art doch auch

wahrlich nicht den Rückweg in die alte Heimath muthwillig und für immer

abschneiden, was durch eine solche Heirath jedenfalls geschehen wäre, und

je weniger deshalb darüber gesprochen wurde, desto besser.

Ihre Zusammenkünfte in der Woche waren auch wirklich sehr spärlich, und

Beide zu sehr und anhaltend beschäftigt; Abends auch viel zu müde, um

noch nach vollbrachter Arbeit lange aufzusitzen.

Und was trieben Beide, die daheim nur in der =haute volée= gelebt, nur

in den ersten Cirkeln der Stadt ihre Gesellschaft gesucht und nie davon

geträumt hätten, mit dem »gemeinen Mann« in anderer Art, als wie

zwischen Dienern und Herren zu verkehren? Womit beschäftigten sie sich

hier, nachdem sie, übersättigt von den mißbrauchten Genüssen des

Lebens, die Geduld ihrer Verwandten ermüdet, in tollem Jugendtrotz eine

neue Welt aufgesucht, um hier herüber wo möglich ihr _altes_ Leben zu

tragen? Waren die Träume erfüllt, mit denen sie sich die transatlantische

Erde ausgemalt? waren ihre Ideale zur Wirklichkeit geworden? --

Der Apotheker Schrader hatte nicht Unrecht, wenn er behauptete, Herr von

Benner sei Handlanger und Herr von Krowsky Kindermädchen geworden.

Benner war nicht im Stande gewesen, in Adelaide irgend eine ihm nur halbweg

zusagende Beschäftigung zu finden, denn man konnte ihn eben zu nichts

gebrauchen. Daß er eine leidliche Hand schrieb, genügte nicht -- es wurde

bei Jedem außerdem vorausgesetzt. Und seine übrigen Fähigkeiten zeigten

sich sehr geringer Art. Er ritt allerdings ausgezeichnet und spielte

vortrefflich Whist und Billard, aber zu alle dem brauchte ihn Niemand.

Als das wenige mitgebrachte Geld endlich verzehrt war, wanderte er

in Verzweiflung zu Fuß nach Tanunda und fand hier _Arbeit_ bei einem

deutschen Maurer, der gerade Tagelöhner brauchte. Er mußte eben leben und

war zu stolz zum Betteln. Im ersten Vierteljahr ging es ihm freilich sehr

knapp, aber bald arbeitete er sich hinein, so daß er schon im Stande war,

eine einfache Mauer aufzuführen und sonstige kleine Arbeiten zu machen.

Sein Lohn stieg damit, und da er Abends manchmal und regelmäßig Sonntags,

für die deutsche Zeitung in Adelaide -- allerdings um ein _sehr_ mäßiges

Honorar correspondirte, begannen sich seine Aussichten zu bessern.

Von Krowsky lebte in ganz ähnlichen Verhältnissen; nur hatte er sich

nicht dazu bequemen können, bei _deutschen_ Handwerkern in Arbeit zu

gehen. Er _wollte_ arbeiten, ja, so hart wie Einer, aber die deutschen

Erinnerungen waren ihm noch zu frisch im Gedächtniß, und da er ziemlich

gut englisch sprach, fand er endlich im Haus des Friedensrichters ein

Unterkommen. Dort wurde er theilweise mit der Feder beschäftigt, mußte

aber auch im Garten mit anfassen, und die junge Frau des Richters, wenn sie

mit ihrem Mann spazieren ging, verwandte ihn gar nicht etwa so selten dazu,

in der Zeit »ein wenig auf das Kind Acht zu geben.« Krowsky war dabei

wirklich sehr gutmüthiger Natur und hatte Kinder gern: daß er dann zu

Zeiten das Kleine auf den Arm nahm und damit herum tanzte, war natürlich.

Der Volkswitz bemächtigte sich aber auch rasch dieser Thatsache und

eintreffenden Fremden besonders wurde mit Vorliebe erzählt, daß sie

hier einen österreichischen Offizier hätten, der Kindermädchen geworden

wäre.

Es war wieder ein Sonntag Abend und Krowsky ging ungeduldig in seinem

kleinen Zimmer auf und ab, da Benner versprochen hatte, dort vorzusprechen,

aber er kam heute spät, und der junge Mann hatte eben seinen Strohhut

aufgegriffen, um selber fortzugehen, als der Freund in der Thür stand und

lachend ausrief:

»Du bist ungeduldig geworden, wie?«

»Du bist in der That länger geblieben, als ich dachte.«

»Und wenn Du wüßtest, wo ich gewesen bin,« sagte Benner, »und was ich

in der Zeit Alles gethan habe, würdest Du mir doch eingestehen müssen,

daß ich mich wacker geeilt?«

»Und wo warst Du?«

»Beim Schuhmacher Peters.«

»Läßt Du bei dem jetzt arbeiten?«

»Natürlich werde ich bei meinem Schwiegervater arbeiten lassen,«

lachte Benner, »ich darf ihm doch die Kundschaft nicht aus dem Haus

hinaustragen.«

»Deinem _Schwiegervater_? Mensch, bist Du toll?« schrie Krowsky wirklich

erschreckt.

»Die Sache ist abgemacht,« sagte aber Benner in voller Ruhe, »ich habe

bei ihm in aller Form um die Hand seiner Tochter Henriette angehalten,

und wenn ihm auch im Anfang die Verwandtschaft zu vornehm war, willigte er

zuletzt ein.«

»Er hat eingewilligt?« rief der Lieutenant.

»Wundert Dich das?« lachte Benner. -- »Anfangs wollte er allerdings

nicht. Er fragte mich, ob es wahr sei, daß mein Großvater Minister

gewesen und mein Vater noch bei der Regierung wäre, und als ich das nicht

ableugnen konnte und wollte, schlug er mir das Mädel rund ab.«

»Weißt Du, daß der Schuhmacher der Vernünftigere von Euch Beiden war?«

»Ich danke Dir. -- Traust Du mir nicht zu, daß ich weiß was ich thue?«

»Wenn Du die Schusterstochter wirklich heirathest, _nein_,« sagte Krowsky

finster, -- »und zu einem Spiel ist das arme blutjunge Ding zu gut.«

»Krowsky, Du pochst wirklich auf unsere Freundschaft.«

»Weil ich Dir ehrlich die Wahrheit sage? Wie alt bist Du?«

»Sieben und zwanzig Jahre! -- Ich denke, ich bin mündig.«

»Leider!« seufzte der junge Offizier. »Und wie willst Du mit _der_ Frau

je nach Deutschland zurückkehren?«

»Aber wer sagt Dir denn, _daß_ ich das will?« rief Benner heftig aus.

»Meine Seele denkt nicht daran. Mit meiner Familie bin ich fertig -- meine

Mutter ist todt, mein Vater, ein starrer Büreaukrat und Geldmensch,

hat mich mit kaltem Blut, mit eiserner Ueberlegung von seiner Schwelle

verstoßen. Glaubst Du, daß _ich_ ihm je wieder bittend nahen

würde?« --

»Aber er selber kann Dich zurückrufen.«

»Wenn Du ihn kenntest, würde Dir nie ein solcher Gedanke möglich

scheinen. -- Nein -- aber selbst _wenn_ er es thäte, _wenn_ ihn reute, wie

er an dem einzigen Sohn gehandelt, es wäre jetzt zu spät, und er mag nun

büßen, was er an mir verbrochen.«

»Aber Benner,« sagte Krowsky treuherzig, »Du sprichst da wahrhaftig wie

ein Kind, das seinen Trotzkopf behauptet. _Wen_ strafst Du denn damit am

meisten, Dich selber oder ihn? Komm, überleg' Dir die Sache ordentlich,

und Du wirst doch am Ende zu einem anderen Entschlusse kommen.«

»Mein guter Krowsky,« sagte der junge Mann, »Du wirst jetzt sentimental,

und von einem anderen Entschluß kann keine Rede sein. Ich will und werde

in Australien bleiben, denn ich sehe, daß Tausende von Menschen, denen wir

Beide an Intelligenz bei Gott nicht nachstehen, hier ihr Glück machen

und reich werden. Ich denke aber auch gar nicht daran, ein elendes

Junggesellenleben die ganzen langen Jahre zu führen, -- ich brauche

Jemanden, der sich um mich bekümmert, weil ich das selber noch nie gethan

habe, und meine kleine Henriette scheint mir dazu gerade das richtige

Wesen; ich hätte keine bessere Wahl treffen können.«

»Nun Gott gebe,« sagte Krowsky mit einem Seufzer, »daß sie das

Nämliche auch einmal später von _Dir_ sagen kann. Wenn Du in Dein

Unglück hineinrennen _willst_, _ich_ kann Dich nicht halten, aber _meine_

Meinung ist, daß _Du_ Dich für Lebenszeit unglücklich machst, und das

Mädchen besser thäte, den ärmsten Schuhmachergesellen im ganzen Ort zu

nehmen, als den Sohn des Regierungspräsidenten von Benner.«

Benner sah finster vor sich nieder; er hatte von dem sonst so

leichtherzigen, ja oft leichtfertigen Lieutenant ein anderes Urtheil

erwartet; aber das dauerte nicht lange -- um seine Lippen zuckte ein

spöttisches Lächeln und er sagte endlich:

»Krowsky, ich werde Dich ersuchen die Trauungsrede zu halten, heißt das,

wenn Du Dich je wieder einmal in eine so salbungsvolle Stimmung versetzen

kannst. Jetzt komm, wir wollen ein wenig ausgehen, und nachher stell' ich

Dich meiner Braut vor --«

»Im Hause des Apothekers Schrader?« spottete Krowsky, »sie wird gerade

bei ihrer Arbeit sein.«

»Aergere mich nicht,« rief aber Benner; »es versteht sich von selbst,

daß sie den Platz noch heute verläßt oder schon verlassen hat.«

»Und wann soll die Hochzeit sein?«

»Sobald als möglich -- ich bin _das_ Leben satt und will ein neues

beginnen.«

Krowsky antwortete nicht mehr; er sah, daß alle Gegenvorstellungen doch

nichts halfen, und nur aufseufzend und mit dem Kopf schüttelnd, nahm

er seinen Hut und folgte dem Freund, der ihm voran auf die Straße

hinausschritt.

Sie waren noch nicht weit gegangen, als ihnen der Apotheker Schrader

begegnete, den beiden jungen Leuten zunickte und vorüber ging. Kaum hatten

sie ihn aber passirt, als er stehen blieb und zurückrief:

»Ach, Herr Benner, ich wollte Ihnen gern etwas sagen.«

»_Mir_, Herr Schrader?« fragte Benner, sich halb nach ihm wendend, ohne

Krowsky's Arm aber loszulassen.

»Ja -- Sie entschuldigen -- aber -- ich wollte Sie bitten, mein Mädchen,

die Jette zufrieden zu lassen. Es ist ein braves, ordentliches Kind und

ihre Eltern haben sie unter meinen Schutz gestellt.«

»In der That, Herr Schrader,« sagte Benner lächelnd.

»In der That, Herr Baron,« erwiderte der kleine Apotheker, durch den

höhnischen Ton ebenfalls gereizt.

»Und _kommen_ Sie jetzt von Hause oder gehen Sie dorthin?«

»Und weshalb, wenn ich fragen darf? Ich _gehe_ nach Hause.«

»Oh, bitte, dann sagen Sie doch Henrietten,« fuhr Benner ebenso fort,

»daß sie sich mit Einpacken ein wenig eilen möchte. Es wird nachher

Jemand vorkommen, der ihre Sachen abholt.«

»Ihre Sachen abholt?« rief der Apotheker, und blieb in größtem

Erstaunen auf der Straße stehen.

»Guten Morgen, mein lieber Herr Schrader,« sagte Benner, ihm vertraulich

zunickend, und schritt mit Krowsky die Straße hinab, dem Hause des

Schuhmachers Peters zu.

* * * * *

Dort herrschte heute keine sonntägige Ruhe, wie sonst immer an einem

solchen Tag, wo Mutter und Tochter in die freichristliche Kirche gingen und

der Vater indessen, der, wie er meinte, »vom Kirchengehen nichts hielt,«

in schneeweißen Hemdsärmeln behaglich hinten in seinem kleinen Garten

saß, aus einem großen, nur Sonntags gebrauchten Meerschaumpfeifenkopf

rauchte und dazu die eben eingetroffene Adelaide-Zeitung laß.

Henriette, ein junges, wirklich bildhübsches Mädchen, mit blonden Haaren

und großen treublauen Augen, saß in der Ecke und weinte; der Vater ging

mit großen Schritten im Zimmer auf und ab und qualmte, daß der Dampf wie

aus einer Locomotive hinter ihm drein zog, und nur die Mutter, eine noch

rüstige Frau, mit einem klugen, nur etwas scharf markirten Gesicht, saß

am Fenster, strickte und schien die allgemeine Aufregung nicht zu theilen.

»Es thut kein Gut -- es thut kein Gut,« brummte dabei der Mann zwischen

den Zähnen durch, »Du wirst sehen, Alte --«

»Jetzt sei endlich vernünftig,« sagte aber die Frau, »Du hast einmal

eingewilligt, also ist die Sache abgemacht, und daß die Kinder ihr Brod

finden werden -- lieber Gott, hier in Australien hat _Jeder_ sein Brod,

der nur arbeiten will, und ein verheiratheter Mann noch viel eher, als

ein lediger, denn er ist nicht aufs Wirthshaus angewiesen, wo die ledigen

Burschen das gewöhnlich in _einem_ Tag verjubeln, was sie in sechsen mit

schwerer Arbeit verdient haben.«

»Aber aus so vornehmer Familie -- Du kennst die Leute daheim nicht, Alte,

und wenn --«

»Aber was haben wir mit den Leuten daheim zu thun?« sagte die Frau

ungeduldig. »_Wir_ sind hier in Australien, am anderen Ende der Welt,

und wer _da_ sitzt der braucht sich wahrhaftig nicht mehr um die deutschen

Barone und Grafen und Minister zu kümmern -- weiter fehlte gar nichts.«

»Und wenn er wieder einmal dorthin zurückkehren will?«

»Dann wird ihm _unser_ Kind auch keine Schande machen,« sagte die Mutter

mit Stolz auf das erröthende Mädchen blickend. »Er kennt doch die

Verhältnisse daheim besser und genauer als _wir_, und wenn's _ihm_ recht

ist, dürfen wir auch damit zufrieden sein.«

»Und wenn er sie sitzen läßt?« sagte der Vater störrisch.

»Das wird er _nicht_ thun, Vater,« sagte da das junge Mädchen mit

fester, vertrauensvoller Stimme, -- »er ist gut und brav, und auch guter

und braver Leute Kind, -- er wird ein armes Mädchen, das ihn lieb hat,

nicht unglücklich und elend machen, wenn er ihr erst gesagt hat, daß er

nicht ohne sie leben kann.« --

»Na, denn in Gottes Namen und meinetwegen,« rief der Vater in

Verzweiflung aus, »gegen Euch Frauensleute ist doch nicht anzukommen, wenn

Euch der Dünkel einmal den Kopf verdreht hat -- Baron, -- Baron und Frau

Baronin, nicht wahr? -- ich erleb's noch, daß Du Dich so nennst.«

»Lieber Vater!« bat Henriette.

»Und warum soll sie sich nicht Frau Baronin nennen?« rief da Benners

lachende Stimme, der an der Thür die letzten Worte gehört hatte, und ins

Zimmer sprang, »wie Jettchen? Klänge für Dich etwa der Titel schlechter,

als für irgend ein abgelebtes, pergamenthäutiges Schreckbild der

vornehmen Gesellschaft im alten Vaterland?«

»Mein lieber, guter Eduard,« sagte das junge Kind, schüchtern auf ihn

zugehend, während er sie in seine Arme schloß und herzlich küßte, »sei

dem Vater nicht böse.«

»Und weshalb, Schatz?« rief der junge Mann, »etwa weil _er_ Dich Frau

Baronin nannte? -- Aber hier ist ein Freund, mit dem ich Euch bekannt

machen möchte -- Krowsky, wie gefällt Dir meine Braut?«

Krowsky hatte bis jetzt in der Thür gestanden und die Gruppe schweigend

überschaut. Seine Blicke hafteten dabei vorzugsweise auf dem jungen

Mädchen, und er mußte sich gestehen, seit langer Zeit kein so liebliches

Wesen gesehen zu haben.

Sie war noch blutjung -- fast in der That ein Kind, und die

Schüchternheit, mit der sie ihm in diesem Moment gegenüberstand, machte

sie vielleicht noch jünger erscheinen, als sie an Jahren zählte. Die

Wahl, wie er sie auch mit kälterem Blute sonst mißbilligen mochte,

stellte jedenfalls ein gutes Zeugniß für Benners Geschmack aus -- aber

würde sich dieser, selbst durch ein so liebliches Wesen, für seine ganze

Lebenszeit binden lassen?

Lieutenant Krowsky hatte sich _seine_ ganze Lebenszeit durch einen fast

übergroßen Leichtsinn ausgezeichnet und daheim eine so tolle Jugend

verlebt und so viele Schulden dabei gemacht, wie vielleicht irgend ein

Lieutenant seines Alters in der ganzen Welt. Aber das _eine_ Jahr, das

er in Australien zugebracht, schien eine merkwürdige Veränderung in

ihm bewirkt zu haben. Wie er sich in diesem Lande keine lebenslängliche

Existenz denken konnte, ohne zu verzweifeln, und mit heißer Sehnsucht der

Zeit dachte, wo er in das Vaterland zurückkehren könne, glaubte er, daß

auch alle anderen Menschen, wenigstens Benner, so denken müßten, und es

war ihm dann ein recht wehes, schmerzliches Gefühl, wenn ihm das Schicksal

dieses armen, unschuldigen und ahnungslosen Wesens vor die Seele trat.

-- Doch was konnte er bei der Sache thun? Abgeredet hatte er genug, aber

nichts damit erreicht; Benner war fest entschlossen, seinem Kopf zu folgen.

-- Du lieber Gott, wer weiß, ob er vor einem Jahr nicht noch das Nämliche

gethan, und halb verlegen, halb gerührt, und jedenfalls mit weit mehr

Herzlichkeit, als ihm sonst eigen war, ergriff er Jettchens Hand und sagte

leise:

»Mein liebes Kind, ich will zu Gott hoffen, daß Sie sich immer so froh

und glücklich fühlen, wie gerade heute, und daß nie ein Kummer oder eine

Sorge die Rosen auf diesen Wangen bleichen mögen.«

»Bravo, Krowsky,« rief Benner lachend, »Du hast heut wieder Deinen

salbungsreichen Tag und triffst nach beiden Seiten. Es steht Dir

vortrefflich.«

»Weißt Du, mein Junge,« sagte Krowsky ernsthaft, »ein Bischen Salbung

könnte _Dir_ ebenfalls nicht schaden, denn Du thust einen verdammt

wichtigen Schritt; aber daß ich auch fidel sein kann, will ich Dir auf

Deiner Hochzeit beweisen, wozu ich mich hiermit feierlichst einlade.«

Drittes Capitel.

Der Brief.

Anderthalb Jahre waren nach der beschriebenen Scene verflossen, und »Baron

Benner« hatte wirklich zum Erstaunen der ganzen Colonie nicht allein

»Schrader's Dienstmädchen« geheirathet, sondern auch eine, dem alten

Schuhmacher gehörende Section Land bezogen, auf der er sich selber ein

kleines Häuschen baute und wacker zu wirthschaften anfing. Er schien in

der That nicht zu viel versprochen zu haben, als er damals seinem Freund

Krowsky sagte, er wolle ein neues Leben beginnen und mit dem alten

vollständig und für immer brechen. Mit eisernem Fleiße hatte er

gearbeitet, keine Stunde versäumt, kein Wirthshaus dabei betreten und sich

in der kurzen Zeit mit zwei sehr glücklichen Ernten doch schon so viel

verdient, daß er es als Grundlage einer künftigen gesicherten Existenz

betrachten konnte.

Seine junge Frau hing dabei mit schwärmerischer Liebe an ihm, und Krowsky,

der jetzt in Adelaide wohnte, und nach Verlauf eines Jahres noch einmal

nach Tanunda hinauskam, um Abschied von Benners zu nehmen, blieb ordentlich

überrascht stehen, als ihm das junge blühende Weibchen in all ihrer

natürlichen Grazie mit einem prächtigen Jungen auf dem Arm entgegenkam

und ihm, wie Purpur erröthend, die Hand reichte.

Krowsky selber verließ Süd-Australien und ging zu Schiff nach

Neu-Süd-Wales, er sprach überhaupt davon, Australien vielleicht bald ganz

zu verlassen. Er hatte das Leben zum Ueberdruß satt und konnte sich nicht

hineingewöhnen -- es gab doch nur _ein_ Deutschland.

»Und was hast Du dort drüben?« sagte Benner. »Bist Du im Stande,

wieder in die alten Verhältnisse, in die alte Stellung, in die alten

Bekanntschaften einzutreten? -- Nein, _nie_. Mittellos, der Spott der

früheren Kameraden werden? Bei Gott, das hielte ich nicht aus, und

_darfst_ Du denn, mit Deinem Namen -- dürfte _ich_ es? -- dort arbeiten?

Wir wären ausgestoßen aus der Gesellschaft, in die wir _dort_ nun einmal

gehören, und würden uns unglücklich und elend fühlen. Nein wahrlich,

da bleib' ich lieber hier und gründe mir hier meine eigene Welt, meinen

eigenen Kreis. -- Geh mir mit Deutschland und seinen schaalen hohlen

Begriffen von Stand und Rang, seinen Prätensionen und übertünchten

gesellschaftlichen Formen -- ich will nichts mehr davon hören.«

Krowsky reiste am nächsten Tag ab, und Benner begleitete ihn bis nach

Adelaide auf das Schiff, dann kehrte er nach Hause zurück und nahm das

alte Leben wieder auf.

So vergingen noch wieder mehrere Monate; es war in den letzten Tagen des

Mai, und Benner mit seiner Flinte in das Maisfeld hinausgegangen, da

sich die ersten Kakaduschwärme zeigten und die noch saftigen Maiskolben

bedrohten. Die gefräßigen Vögel, ein Schwarm von vielleicht funfzig bis

sechszig Stück, die in die benachbarten Gummibäume einfielen, machten

auch gleich einen Angriff auf die leckere Beute, flüchteten aber, als

sie den Mann aus dem Haus kommen sahen, wieder in die Wipfel der riesigen

Bäume hinauf, wo sie ein Schrotschuß gar nicht erreichen, ihnen

wenigstens keinen Schaden thun konnte. Dort saßen sie und kreischten und

tobten, bis sie richtig den Hauptzug herbeilockten, der gerade von Osten

herüberstrich und die Ansiedelungen aufsuchte.

Wie eine weiße mächtige Wolke kam er heran, viele Tausende dieser

geselligen Vögel, und mit einem Lärm, der bei stillem Wetter auf Meilen

weit hörbar war, fielen sie plötzlich in die benachbarten Bäume ein,

daß diese wie beschneit aussahen, so waren sie von ihnen bedeckt.

Benner kannte aber schon die Lebensart der Kakadus und versuchte nicht, an

sie anzuschleichen, sondern versteckte sich hinter einen im Feld stehenden

alten und abgestorbenen Baum, wo er ruhig und regungslos stehen blieb, bis

sich die ziemlich scheuen Vögel endlich überzeugt zu haben glaubten,

daß Alles da unten sicher sei. Jetzt löste sich der erste Schwarm aus den

Wipfeln ab, vielleicht fünf- bis sechshundert, und strich lautlos in

das Feld nieder, gerade über Benner's Kopf weg; da krachte der erste

und gleich darauf der zweite Lauf mitten hinein in die Masse, und wie die

erschreckten Thiere aufkreischend auseinanderstoben, stürzten zwölf oder

vierzehn von ihnen todt oder geflügelt wie ein Regen in das Feld nieder.

Jetzt aber war es, als ob jeder der Vögel sein Bestes thue, den anderen zu

überschreien; ein wahrer Höllenlärm entstand, und Hunderte, während

die Verwundeten am Boden nicht weniger Spectakel machten, stießen von

den Bäumen herab, wie um ihnen beizustehen, oder doch zu sehen, was da

vorging.

Der junge Mann hatte indessen in aller Hast seine beiden Läufe wieder

geladen, und wie Trupp nach Trupp mit wildem, ängstlichem Geschrei über

den Platz wegstrich, suchte er sich wieder den zahlreichsten Schwarm aus

und feuerte noch einmal hinein, wieder mit nicht viel schlechterem Erfolg.

Das war ihnen zu viel. Daß sie außerdem den Feind nicht _sehen_ konnten,

ängstigte sie. Die Gegend kam ihnen zu unsicher vor, von den Bäumen

strichen sie ab, kreisten ein paar Mal hoch in der Luft und weit außer

Schußweite um den verdächtigen Platz und zogen dann in dichtgedrängtem

Schwarm nach Westen hinüber.

Benner war noch damit beschäftigt, die Erlegten zusammenzusuchen und die

Verwundeten vollends zu tödten. Die Kakadus haben zwar ein nichtswürdig

hartes, dunkelrothes Fleisch und liefern einen nur sehr zweideutigen

Braten, geben aber, wie die Ansiedler wenigstens behaupten, eine gute

_Suppe_, und Henriette wußte die auch vortrefflich zuzubereiten. Da hörte

er irgend wo im Feld draußen seinen Namen Rufen:

»Herr von Benner! -- Herr von Benner!«

»Huhp!« antwortete er, um die Richtung anzugeben, in der er sich befand

und richtete sich hoch auf.

Unter Palmen und Buchen. Dritter Band. · 第 1 / 16 段