STARODUM (lachend). Gewiß, dein Urururgroßvater ist zwar am sechsten
Tage erschaffen, doch ein wenig früher als Adam.
SKOTININ. Du bist also hoher Meinung von dem Alter unsres Geschlechts?
STARODUM. So hoher Meinung, daß ich mich wundere, wie du nur eine Frau
wählen kannst, die nicht zum Geschlecht der Skotinin gehört.
SKOTININ. Du kannst dir demnach vorstellen, wie glücklich Sophie mit mir
sein wird. Sie ist von Adel –
STARODUM. Lieber Mann, darum gerade bist du kein Bräutigam für sie.
SKOTININ. Ich lass’ es schon daran ankommen. Mag man sich die Zunge
abreden, daß Skotinin eine Adelige genommen hat – mir ist’s gleich.
STARODUM. Aber ihr ist es nicht gleich, wenn es heißt, daß eine Adelige
einen Skotinin genommen hat.
MILON. Eine solche ungleiche Partie kann kein Glück ins Haus bringen.
SKOTININ. He, was hat der mitzusprechen? (Leise zu Starodum.) Ist’s
nicht gar ein Nebenbuhler?
STARODUM (leise zu Skotinin). Mir will’s auch so scheinen.
SKOTININ (leise). Wo sollt’ er, zum Teufel?!
STARODUM (ebenso). Natürlich wird’s ihm schwer fallen.
SKOTININ (laut, auf Milon weisend). Nun, wer von uns macht sich hier
lächerlich? Hahaha!
STARODUM (lacht). Ich sehe, wer sich lächerlich macht.
SOPHIE. Onkelchen, wie freut es mich, daß Sie fröhlich sind!
SKOTININ (zu Starodum). Ei, du bist ja ein ganz lustiger Herr! Anfangs
glaubt’ ich, daß man dir gar nicht nah’ kommen kann. Hast damals kein
Wort mit mir gesprochen, und jetzt lachst du sogar.
STARODUM. Ich bin nun mal so ein Mensch, habe meine Augenblicke.
SKOTININ. Das seh’ ich. Damals war ich ja derselbe Skotinin, du aber
ärgertest dich.
STARODUM. Ich hatte meine Gründe.
SKOTININ. Die kenn’ ich nicht. Doch auch ich bin hierin eigen. Wenn ich
z. B. zu Hause zum Koben trete und die Schweine nicht in Ordnung finde,
so braus’ ich auf. Übrigens hast auch du bei deinem Herkommen das Haus
als einen Schweinekoben angetroffen und daher dein Ärger.
STARODUM. Du bist glücklicher als ich: auf mich machen die Menschen
Eindruck –
SKOTININ. Und auf mich die Schweine.
Achter Auftritt.
DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW, MITROFAN und JEREMEJEWNA.
FRAU PROSTAKOWA (eintretend). Hast du auch alles bei dir?
MITROFAN. Beruhige dich endlich mal!
FRAU PROSTAKOWA (zu Starodum). Hast du gut zu ruhen geruht, Väterchen?
Wir alle gingen im vierten Zimmer auf den Zehenspitzen, um dich nicht
aufzuwecken wir wagten’s nicht, durchs Schlüsselloch zu sehn. Doch da
hörten wir dich hier sprechen und sind gekommen. Nichts für ungut –
STARODUM. O, es wäre mir sehr unangenehm, wenn Sie früher gekommen
wären.
SKOTININ. Spielst du mir einen Schabernack, Schwester, daß du dich mir
an die Fußsohlen heftest? Ich habe hier ein Geschäft abzumachen.
FRAU PROSTAKOWA. Und ich auch. (Zu Starodum.) Verstatte, Väterchen, daß
wir dich mit einer Bitte belästigen. (Zu Mann und Sohn.) Grüßet!
STARODUM. Mit welcher?
FRAU PROSTAKOWA. Erst bitte ich alle, Platz zu nehmen. (Alle, mit
Ausnahme von Mitrofan und Jeremejewna, setzen sich.) Die Sache ist
nämlich die, Väterchen: Gott der Herr hat uns auf das Gebet unsrer
Eltern hin (wo hätten wir Sünder ihn erbitten können!) das Söhnchen
Mitrofan geschenkt. Wir thaten unser möglichstes, daß er so werde, wie
du ihn jetzt siehst. Wolltest du dich nicht bemühen, Einsicht zu
gewinnen, was er gelernt hat und kennt?
STARODUM. O, es ist mir bereits zu Ohren gekommen, was er gelernt hat.
Ich habe gehört, wer seine Lehrer sind, und weiß im voraus, welche
Sprachkenntnisse ihm Kutejkin beigebracht, und was er aus der Mathematik
bei Zyfirkin gelernt hat. (Zu Prawdin.) Neugierig wär’ ich, zu erfahren,
was er beim Deutschen gelernt.
FRAU PROSTAKOWA. Alle Wissenschaften. }
}
PROSTAKOW. Alles. } (Gleichzeitig.)
}
MITROFAN. Alles, was du willst. }
PRAWDIN (zu Mitrofan). Was denn z. B.?
MITROFAN (gibt ihm ein Buch). Hier, Grammatik.
PRAWDIN (nimmt das Buch). Ich sehe wohl, daß es eine Grammatik ist. Nun,
und was kennen Sie daraus?