Neunter Auftritt.
WRALMANN, KUTEJKIN und ZYFIRKIN.
ZYFIRKIN (höhnend). Affenfratze!
KUTEJKIN (ebenso). Du Sprichwort und Spott unter allen Völkern!
WRALMANN. Nun, was fletscht ihr die Zähne, ihr ungebildeten Menschen?!
ZYFIRKIN (schlägt ihn auf die Schulter). Und was ziehst du die
Augenbrauen zusammen, du finnische Eule?
WRALMANN. Au, das ist eine eiserne Tatze!
KUTEJKIN (ihn gleichfalls auf die Schulter schlagend). Uhu verfluchter!
Was rollst du deine Glotzaugen?
WRALMANN (für sich). Ich bin verloren! (Laut.) Spottet ihr mein,
Kameraden?
ZYFIRKIN. Selber issest du hier unverdientes Brot und hinderst andere,
etwas zu thun! Dummes Gesicht!
KUTEJKIN. Eitel Hoffart redet deine Zunge, du Gottloser.
WRALMANN (sich von seinem Schrecken erholend). Wie wagt ihr’s, gegen
eine gebildete Person unhöflich zu sein? Ich werde um Hilfe schreien.
ZYFIRKIN. Gleich werden wir dir unsre Hochachtung bezeigen: ich mit der
Tafel –
KUTEJKIN. Und ich mit dem Buche.
WRALMANN. Ich werde euch bei der gnädigen Frau verklagen! (Zyfirkin holt
mit der Tafel aus, Kutejkin mit dem Buche.)
ZYFIRKIN. Deine Fratze will ich dir zerfleischen! } (Gleichzeitig.)
}
KUTEJKIN. Ich zerschmettere des Gottlosen Zähne! }
(Wralmann flieht.) }
ZYFIRKIN. Aha, da läuft der Hasenfuß!
KUTEJKIN. Hebe dich hinweg, Gottverfluchter!
WRALMANN (in der Thür). Was nun, ihr Bestien? Steckt mal eure Nase
hierher!
ZYFIRKIN. Hast Reißaus genommen! Wir würden dich schon durchgewalkt
haben!
WRALMANN. Ich fürchte euch nicht, jetzt fürcht’ ich euch nicht!
KUTEJKIN. Geborgen hat sich der Gottlose! Hast du noch viele von deinem
Heidengesindel in der Nähe? Rufe sie alle!
WRALMANN. Seid mit Einem nicht fertig geworden! }
Nun, was, habt ihr’s? }
}
ZYFIRKIN. Ich allein werde mit zehn Mann }
fertig! } (Durcheinanderschreiend.)
}
KUTEJKIN. Frühe vertilge ich alle Gottlosen im }
Lande! }
Vierter Aufzug.
Erster Auftritt.
SOPHIE (allein; sieht auf die Uhr). Der Onkel muß bald herkommen. (Setzt
sich, nimmt ein Buch und liest ein wenig.) Das ist wahr: wie sollte das
Herz nicht zufrieden sein, wenn das Gewissen ruhig ist? (Liest wieder.)
Man muß die Gesetze der Tugend lieben: sie führen zum Glück. (Liest noch
einige Zeilen, erblickt Starodum und eilt ihm entgegen.)
Zweiter Auftritt.
SOPHIE und STARODUM.
STARODUM. Ach, du bist schon hier, mein Herz?
SOPHIE. Ich habe Sie erwartet, Onkelchen, und derweil ein Buch gelesen.
STARODUM. Welches?
SOPHIE. Ein französisches: Fénelons „Mädchenerziehung“.
STARODUM. Fénelons, des Verfassers des „Telemach“? Das muß ein gutes
Buch sein. Ich kenn’ es zwar nicht, jedoch lies es nur. Wer den
„Telemach“ geschrieben, dessen Feder kann keine Sittenverderberin sein.
Die modernen Schöngeister machen mich für die jungen Mädchen fürchten.
Ich habe sie alle gelesen, soweit sie ins Russische übersetzt sind. Es
ist wahr: sie rotten die Vorurteile aus, rütteln jedoch bedenklich an
den Wurzeln der Moral. Setzen wir uns. (Sie setzen sich.) Mein innigster
Wunsch ist, dich so glücklich zu wissen, wie man auf Erden nur immer
glücklich sein kann.
SOPHIE. Ihre Lehren, Onkelchen, werden mein ganzes Glück begründen.
Geben Sie mir Lehren, denen ich folgen soll. Leiten Sie mein Herz, es
gehorcht Ihnen gern.
STARODUM. Deine Herzensneigung ist mir teuer. Mit Freuden will ich dir
meine Ratschläge erteilen. Höre mir mit einer Aufmerksamkeit zu, die der
Aufrichtigkeit meiner Rede gleichkommt. Rücke näher. (Sophie nähert ihm
ihren Stuhl.)
SOPHIE. Onkelchen, jedes Ihrer Worte wird sich tief meinem Herzen
einprägen.
STARODUM. Du stehst jetzt in dem Alter, wo die Seele ihres ganzen Seins
genießen, die Vernunft lernen, das Herz empfinden will. Du trittst jetzt
in die Welt, wo der erste Schritt oft für das ganze Leben entscheidend
ist, wo oft eine in ihren Begriffen demoralisierte Vernunft, ein in
seinen Gefühlen demoralisiertes Herz die erste Begegnung bildet. O mein
Freund, lerne unterscheiden, lerne zu denen halten, deren Freundschaft
dir das Wohl deiner Vernunft und deines Herzens verbürgt.
SOPHIE. Mein ganzes Streben wird darnach gerichtet sein, die Achtung
würdiger Menschen zu erwerben. Wie jedoch mach’ ich’s, daß diejenigen,
die ich meide, mir dafür nicht zürnen? Gibt es nicht ein Mittel, daß mir
kein Mensch auf Erden gram sei?
STARODUM. Die Abneigung Unwürdiger muß nicht kränkend sein. Wisse, daß
man nie demjenigen Böses wünscht, den man verachtet; im Gegenteil: man
wünscht Böses dem, der selber das Recht hat, zu verachten. Die Menschen
beneiden einander nicht allein um Reichtum und Rang: auch die Tugend hat
ihre Neider. Diese geben sich alle Mühe, ein unschuldiges Herz zu
verderben, um es bis zu sich herab zu erniedrigen; und die Vernunft wird
verderbt, damit sie im Unwürdigen ihr Glück ersehe.
SOPHIE. Ist es denn möglich, lieber Onkel, daß es auf der Welt solche
bedauernswerte Menschen gibt, in deren Herzen eine lasterhafte
Empfindung dadurch entsteht, daß ein andrer nicht lasterhaft empfindet?
Ein tugendhafter Mensch muß solche Unglückliche bedauern.
STARODUM. Es ist wahr, sie sind bedauernswert: doch darum setzt ein
tugendhafter Mensch seinen Weg unbeirrt fort. Denke nur, welch ein
Unglück es wäre, wenn die Sonne aufhören würde zu scheinen, bloß um
schwache Augen nicht zu blenden!
SOPHIE. Aber sagen Sie mir, bitte, ob die Menschen selber die Schuld
tragen an der Lasterhaftigkeit ihrer Seele? Kann denn ein jeder Mensch
tugendhaft sein?
STARODUM. Glaube mir, daß jedermann genügend Kraft finden kann, um
tugendhaft zu sein. Man muß nur recht wollen, und leicht wird es dann
fallen, das zu unterlassen, wofür in der Folge das Gewissen Vorwürfe
machen könnte.
SOPHIE. Wer denn wird einen Menschen warnen, wer ihn an einer That
verhindern, die Gewissensbisse zur Folge haben könnte?
STARODUM. Wer ihn warnen wird? Wiederum das Gewissen. Ja, das Gewissen
warnt stets als Freund früher, bevor es als Richter bestraft.
SOPHIE. Dann muß ja jeder lasterhafte Mensch verachtungswert sein, wenn
er wissentlich etwas Böses verübt. Dann muß seine Seele recht niedrig
sein, wenn sie sich nicht über die böse That erheben kann.
STARODUM. Und seine Vernunft muß keine Vernunft sein, wenn sie ihr Glück
in etwas Unwürdigem ersieht.
SOPHIE. Mir scheint, lieber Onkel, daß alle Menschen einerlei Meinung
sind, worin das Glück bestehe. Ehrenauszeichnungen, Reichtum –
STARODUM. Ganz recht, mein Freund. Auch ich will einen Mann, der reich
ist und ausgezeichnet wird, glücklich heißen. Doch wollen wir erst
untersuchen, wer denn ausgezeichnet wird und reich ist. Ich habe
hierüber mein eigenes Urteil. Den Ruhm bemesse ich nach den Thaten, die
ein berühmter Mensch zum Besten seines Vaterlandes gethan, und nicht
nach den Thaten, die in selbstsüchtigem Ehrgeiz ihre Quelle haben; ich
bemesse den Ruhm nicht nach der Anzahl der Menschen, die in des
Gefeierten Vorzimmer einander drängen und stoßen, sondern nach der Zahl
jener Menschen, die mit seinem Betragen, mit seinen Handlungen zufrieden
sind. Ein derart ausgezeichneter Mensch ist in der That glücklich. –
Ferner ist meiner Ansicht nach, nicht derjenige reich, der sein Geld
abzählt, um es in Kisten und Spinden zu verwahren, sondern derjenige
gilt mir reich, der sein überflüssiges Geld abzählt, um den Bedürftigen
zu helfen.
SOPHIE. Wie wahr ist das alles! ... Wie oft betrügt uns der äußere
Schein! Ich selbst hatte mehrfach Gelegenheit zu sehen, wie man
denjenigen beneidet, der etwas bei Hofe sucht und daselbst etwas
bedeutet.
STARODUM. Und die Neider wissen nicht, daß jede Kreatur bei Hofe etwas
sucht und sogar etwas bedeutet; sie wissen es nicht, daß bei Hofe
jedermann Höfling ist und Höflinge hat. Nein, hier ist nichts zu
beneiden: ohne Ehrenhandlungen ist ein Ehrenstand ein Unding.
SOPHIE. Gewiß, Onkel. Und ein derart ausgezeichneter Mensch macht
keinen, außer sich selber, glücklich.
STARODUM. Wie? Ist denn derjenige glücklich, der allein, vereinsamt
glücklich ist? Wisse, daß, so groß auch sein Ruhm sei, er doch niemals
vollständige Glückseligkeit empfinden kann. Stelle dir einen Menschen
vor, der seinen ganzen Ruhm nur dazu benutzen wollte, um es selber gut
zu haben, der es auch erreichte, daß für ihn selber nichts mehr zu
wünschen übrigbliebe; dann würde ja seine ganze Seele nur ein Gefühl mit
sich herumtragen – die Furcht, früher oder später von der Höhe seines
Glücks gestürzt zu werden. Sage nun, mein Freund, ob derjenige glücklich
ist, der nichts mehr zu wünschen hat und nur fürchten kann?
SOPHIE. Ich sehe nun den Unterschied zwischen dem Glücklichscheinen und
Glücklichsein. Aber es ist mir unbegreiflich, wie ein Mensch immer nur
an sich denken kann! Bedenkt man denn nicht, daß man andern verpflichtet
ist? Wo bleibt denn der Verstand, auf den man sich so viel zu gute thut?
STARODUM. Sich etwas auf den Verstand zu gute thun? Ein Verstand, der
nur Verstand ist, will noch gar wenig bedeuten! Es gibt Menschen, die
bei bedeutendem Verstande schlechte Ehemänner, schlechte Väter,
schlechte Bürger sind. Wert verleiht dem Verstande nur die Tugend: ohne
Tugend ist auch ein kluger Mensch ein Ungeheuer. Sie steht unendlich
höher als ein hoher Verstand – das wird jeder leicht begreifen, der nur
ein wenig nachdenkt. Es gibt viele Arten des Verstandes. Einem klugen
Menschen kann man verzeihen, wenn ihm diese oder jene Eigenschaft des
Verstandes abgeht; einem tugendhaften Menschen verzeiht man’s nicht,
wenn ihm irgend eine Tugend des Herzens fehlt: er muß sie alle insgesamt
besitzen, denn die Tugend des Herzens ist unteilbar. Ein tugendhafter
Mensch muß vollkommen tugendhaft sein.
SOPHIE. Ihre Erklärung, lieber Onkel, entspricht ganz meinem innern
Gefühl, das ich nicht verstehe in Worte zu fassen. Jetzt empfind’ ich
lebhaft, worin der Wert eines tugendhaften Menschen, worin seine Pflicht
besteht.
STARODUM. Pflicht! Ach, mein Freund – dieses Wort ist auf aller Lippen
und wird doch oft so falsch verstanden. Der beständige Gebrauch dieses
Wortes hat uns dermaßen an dasselbe gewöhnt, daß ein Mensch, der es
ausspricht, nichts dabei denkt und empfindet. Wenn die Menschen die
Bedeutung dieses Wortes wüßten, würden sie es nicht ohne innere
Ehrfurcht aussprechen. Was ist die Pflicht? Jenes heilige Gelübde, das
uns an alle bindet, mit denen wir leben und von denen wir abhängen. Wenn
jeder den Begriff der Pflicht so auffaßte, wie er ihn ausspricht, so
würde jeder Stand nicht über den seiner Lage angemessenen Ehrgeiz
streben, würde vollkommen glücklich sein. Der Edelmann z. B. würde es
sich zur Unehre gereichen lassen, wenn er nicht ausschließlich seiner
großen Pflicht obläge – den Untergebenen zu helfen, dem Vaterlande zu
dienen. Dann würde es keine Edelleute geben, deren Adel sozusagen
zugleich mit ihren Vorfahren begraben wird. Ein Edelmann, der nicht wert
ist ein Edelmann zu sein, ist das erbärmlichste Geschöpf, das ich mir
vorstellen kann.
SOPHIE. Kann man sich denn dermaßen erniedrigen?
STARODUM. Mein Freund! Das, was ich vom Edelmann gesagt, kann auf alle
Menschen angewendet werden. Jedermann hat seine Pflichten, doch wie
werden sie erfüllt? Wie z. B. sind die Männer heutigentags – die Frauen
auch nicht zu vergessen!? O mein Kind, höre mir nun mit vollster
Aufmerksamkeit zu! Betrachten wir uns z. B. eine unglückliche Familie,
wie es deren eine Unmenge gibt, wo die Frau keine herzliche Freundschaft
für den Mann empfindet, noch er Vertrauen zu ihr; wo beide auf ihre Art
den Weg der Tugend verlassen. Statt eines innigen und nachsichtigen
Freundes erblickt die Frau in ihrem Manne einen groben und lasterhaften
Tyrannen. Andrerseits sieht der Mann in der Seele seiner Frau statt
Sanftmut und Treuherzigkeit – die Eigenschaften einer tugendhaften Frau
– nur widerspenstige Frechheit, die Frechheit einer Frau aber ist das
Aushängeschild eines lastervollen Charakters. Beide werden sich
gegenseitig zur unerträglichen Last; beide mißachten einen guten Namen,
weil sie ihn beide verloren haben. Gibt es wohl eine schrecklichere
Lage? Das Hauswesen ist verwahrlost; die Dienerschaft vergißt die
Pflicht des Gehorsams, weil sie in ihrem eigenen Herrn einen Sklaven
niedriger Leidenschaft sieht; das Gut wird ruiniert: es gehört keinem,
weil der Herr nicht sich selber gehört. Die Kinder, die unglücklichen
Kinder, sind schon zu Lebzeiten der Eltern arme Waisen. Der Vater, der
seine Frau mißachtet, wagt kaum die Kinder zu umarmen, wagt kaum, sich
den zartesten Empfindungen eines Menschenherzens hinzugeben. Die
unschuldigen Kleinen entbehren gleichfalls der mütterlichen Liebe. Sie,
die nicht wert ist, Kinder zu haben, entzieht sich ihren Liebkosungen,
indem sie darin entweder die Ursache ihrer Unruhe oder einen Vorwurf für
ihre Lasterhaftigkeit erblickt. Und welche Erziehung kann eine
lasterhafte Mutter ihren Kindern geben? Wie soll sie ihnen Lehren der
Tugend einimpfen, da sie selber keine Tugend besitzt? Welche Hölle muß
in der Seele der Eltern brennen, wenn ihr Gedanke sich einmal ernstlich
mit ihrer gräßlichen Lage beschäftigt.
SOPHIE. Wie entsetzenerregend ist dieses Beispiel!
STARODUM. Gewiß muß es ein tugendhaftes Herz erschüttern. Doch ich
denke, daß ein Mensch nicht in dem Grade demoralisiert sein kann, um
ruhigen Blutes solche Greuel anzusehen.
SOPHIE. Gott, wodurch entsteht nur ein so schreckliches Unglück?
STARODUM. Dadurch, mein Freund, daß bei den heutigen Eheschließungen
selten das Herz zu Rate gezogen wird. Man sieht nur darauf, ob der
Bräutigam eine angesehene und reiche und die Braut eine schöne und
reiche Person ist. Nach der Tugend wird nicht gefragt. Keinem kommt es
in den Sinn, daß in den Augen denkender Menschen ein Ehrenmann ohne Rang
einen hohen Rang einnimmt, daß die Tugend alles ersetzt und selber durch
nichts ersetzt werden kann. Und ich muß gestehn, liebe Sophie, daß mein
Herz nur dann ganz ruhig sein wird, wenn ich dich als die Frau eines
Ehrenmannes sehen werde, wenn wechselseitige Liebe –
SOPHIE. Einen ehrenhaften Gatten kann man ja nicht anders als recht
freundschaftlich lieben.
STARODUM. Richtig. Nur sei deine Liebe zum Gatten nicht der Freundschaft
gleich, sondern deine Freundschaft zu ihm sei der Liebe ähnlich – dann
werdet ihr noch nach zwanzig Jahren ehelichen Zusammenlebens eine
unverminderte Neigung zu einander empfinden. Ein vernünftiger,
ehrenhafter Mann und eine vernünftige, tugendhafte Frau – was kann es
Herrlicheres geben? Dein Mann muß der Stimme der Vernunft gehorchen, und
du deinem Manne, und dann ist euer Glück ein vollkommenes.
SOPHIE. Jedes Ihrer Worte geht mir zu Herzen.
STARODUM (mit zärtlichem Feuer). Und mein Herz entzückt sich an dem
Gefühl deines Herzens! Von dir allein hängt dein Glück ab. Gott hat dir
allen Reiz deines Geschlechts verliehen. Ich sehe, daß du ein
tugendhaftes Herz im Busen trägst. Ja, mein geliebtes Kind, du
vereinigst in dir die Vorzüge beider Geschlechter! Ich schmeichle mir,
daß meine Liebe zu dir mich nicht täuscht, daß deine Tugenden –
SOPHIE. Du hast jedes meiner Gefühle tugendhaft gemacht! (Will seine
Hand küssen.)
STARODUM (ihre Hand küssend). Ich danke Gott, daß ich in dir selbst
einen festen Grund für dein Glück sehe. Nicht von Würden und Reichtum
wird es abhängen, denn beides kann noch dereinst dein werden. Doch du
besitzest bereits ein noch größeres Glück – das Gefühl, daß du würdig
bist des Glückes, das du empfindest!
SOPHIE. Teuerster, bester Onkel! mein ganzes Glück ist, daß ich dich
habe. Ich kenne den Wert –
Dritter Auftritt.
DIE VORIGEN. Ein KAMMERDIENER kommt und übergibt Starodum einen
Brief.
STARODUM. Von wo?