FRAU PROSTAKOWA. Die Stunde wird kommen, wenn Gott will, wo –

MITROFAN. Die Stunde ist gekommen, wo ich will! Ich will nicht lernen,

will heiraten! Du selber hast mich so weit gebracht, schreib’s dir

selber zu ... Nun, da sitz’ ich. (Zyfirkin spitzt den Griffel an.)

FRAU PROSTAKOWA. Und ich will mich hier nebenan setzen und dir ein

Beutelchen stricken, damit du etwas hast, wohin Sophiechens Geld zu

legen.

MITROFAN. Nun, her mit der Tafel, du Garnisonratte! Was soll ich

schreiben?

ZYFIRKIN. Ew. Gnaden beißen sich immer ohne Ursache herum.

FRAU PROSTAKOWA (arbeitend). Du mein Gott! Der gute Junge darf

Pafnutjitsch kein einziges Scheltwort sagen – gleich wird der Mann böse!

ZYFIRKIN. Böse? Nicht doch, Ew. Gnaden. Ein russisches Sprichwort sagt:

Bellt der Hund, verweht’s der Wind.

MITROFAN. Nun, was soll ich repetieren? Rühr dich!

ZYFIRKIN. Beim ewigen Repetieren kann man nicht avancieren.

FRAU PROSTAKOWA. Ist nicht deine Sache, Pafnutjitsch. Es ist mir sehr

lieb, daß Mitrofan nicht avancieren will: mit seinem Verstande und hoch

avancieren – Gott verhüt’ es!

ZYFIRKIN. Die Aufgabe lautet: Du und ich gingen mal auf der Landstraße

und mit uns – nun, sagen wir – Ssidorytsch. Wir fanden alle drei –

MITROFAN (schreibt). Drei.

ZYFIRKIN. Unterwegs dreihundert Rubel.

MITROFAN (schreibt). Dreihundert.

ZYFIRKIN. Darauf ging’s ans Teilen ... Nun berechne mal, wieviel ein

jeder von uns zu bekommen hat.

MITROFAN (rechnet flüsternd). 1 × 3 = 3; 1 × 0 = 0 ... 1 × 0 = 0 ...

FRAU PROSTAKOWA. Was, was wird da geteilt?

MITROFAN. Gefundene dreihundert Rubel sollen unter drei Personen geteilt

werden.

FRAU PROSTAKOWA. Unsinn, mein Herz! Hast du Geld gefunden, so teil’s mit

keinem, behalt alles! Lerne nicht diese blödsinnige Wissenschaft, mein

Junge!

MITROFAN. Hörst du, Pafnutjitsch? Ein andres Exempel!

ZYFIRKIN. Nun, schreibe. Für den Unterricht bekomm’ ich jährlich zehn

Rubel.

MITROFAN (schreibt). Zehn.

ZYFIRKIN. Jetzt ist’s freilich herausgeworfenes Geld. Doch gesetzt den

Fall, du würdest etwas von mir lernen, – so wär’ es kein Unglück, wenn

noch zehn zugelegt würden.

MITROFAN (schreibt). Nun ... nun, zehn.

ZYFIRKIN. Wieviel macht’s denn im Jahr aus?

MITROFAN (rechnet flüsternd). 0 + 0 = 0, 1 + 1 ... (versinkt in

Nachdenken).

FRAU PROSTAKOWA. Bemühe dich nicht unnütz, mein Bester: werde keinen

Groschen zulegen. Wär’ auch ganz unnütz – die Wissenschaft ist nicht

danach: du, armer Junge, wirst nur gequält, während das Ganze ein Unsinn

ist. Ist kein Geld da, so braucht’s auch nicht gezählt zu werden; ist’s

da, so werden wir’s auch ohne Pafnutjitsch sehr gut zusammenzählen.

KUTEJKIN. Fertig, Pafnutjitsch! Zwei Exempel sind gelöst – kontrolliert

werden sie ja doch nicht.

MITROFAN. Habe keine Sorge: Mutter wird sich schon nicht verzählen! ...

Nun laß uns das Gestrige wiederholen.

KUTEJKIN (Öffnet das Gebetbuch). Nun vorwärts mit Gottes Segen! ...

Sprich mir aufmerksam nach ... Ich bin ein Wurm.

MITROFAN. Ich bin ein Wurm.

KUTEJKIN. Ein Wurm, das heißt ein Tier, ein Vieh. Das heißt: ich bin ein

Vieh.

MITROFAN. Ich bin ein Vieh.

KUTEJKIN (mit belehrendem Ton). Und kein Mensch.

MITROFAN (ebenso). Und kein Mensch.

KUTEJKIN. Ein Spott der Leute.

MITROFAN. Ein Spott der Leute.

Der Landjunker: Lustspiel in fünf Aufzügen · 第 26 / 47 题