25. Februar.

Es gelingt mir nichts Rechtes mehr. Was ich angreife, bleibt auf halbem

Weg liegen. Ich bin wie betäubt; ich bin verdummt. Stets brennt mich

etwas im Innern, stets scheucht mich etwas auf. Stets muß ich nachdenken

ins Bodenlose hinein. Ich kann nicht schlafen, und ich liege des Nachts

stundenlang am Fenster. Dem Wandel der Sterne schau ich zu, und dem

Rauschen des Windes lausch ich. Es geht eine leise Frühlingsahnung durch

die finstern Straßen. Die Natur, das ganze Universum erscheint mir wie

eine Brust voll Leiden und Leidenschaften und voll Sehnsucht und sie

will den Tod nicht kennen, der ihr zur Seite steht.

Ich kann nicht schlafen. Es ist vier Uhr nachts. Soeben ist Mely

heimgekommen; beim Oberst war Gesellschaft, wie mir Frau Bender sagte.

Es friert mich vor der Zukunft. O könnt ich einen hundertjährigen Schlaf

thun. Aufwachend erblickt ich die Welt verschönt und die Nationen

versöhnt, und ich brauchte nimmer auf den Präparirboden, um

übelriechende Leichen zu zergliedern und zu zerlegen. Wie erfinderisch

ist die Natur in den Krankheiten, mit denen sie uns heimsucht. Jeder

Kuß, den wir erhalten, muß bezahlt werden mit einem Übel an Leib oder

Seele, und über unser Glück eilt die Zeit hinweg und hinterläßt uns

blasse Bilder, blasse Schemen.

Melusine: Ein Liebesroman · 第 37 / 57 题