Es gelingt mir nichts Rechtes mehr. Was ich angreife, bleibt auf halbem
Weg liegen. Ich bin wie betäubt; ich bin verdummt. Stets brennt mich
etwas im Innern, stets scheucht mich etwas auf. Stets muß ich nachdenken
ins Bodenlose hinein. Ich kann nicht schlafen, und ich liege des Nachts
stundenlang am Fenster. Dem Wandel der Sterne schau ich zu, und dem
Rauschen des Windes lausch ich. Es geht eine leise Frühlingsahnung durch
die finstern Straßen. Die Natur, das ganze Universum erscheint mir wie
eine Brust voll Leiden und Leidenschaften und voll Sehnsucht und sie
will den Tod nicht kennen, der ihr zur Seite steht.
Ich kann nicht schlafen. Es ist vier Uhr nachts. Soeben ist Mely
heimgekommen; beim Oberst war Gesellschaft, wie mir Frau Bender sagte.
Es friert mich vor der Zukunft. O könnt ich einen hundertjährigen Schlaf
thun. Aufwachend erblickt ich die Welt verschönt und die Nationen
versöhnt, und ich brauchte nimmer auf den Präparirboden, um
übelriechende Leichen zu zergliedern und zu zerlegen. Wie erfinderisch
ist die Natur in den Krankheiten, mit denen sie uns heimsucht. Jeder
Kuß, den wir erhalten, muß bezahlt werden mit einem Übel an Leib oder
Seele, und über unser Glück eilt die Zeit hinweg und hinterläßt uns
blasse Bilder, blasse Schemen.