Der Ihrige

Goethe.

58.

Goethe an Kestner.

Merk ist nun fort und Herdern erwart ich und ihr geht auch. Adieu

lieben alle. Der Wieland ist ein besserer Scribler als besorger, Ich

habe noch keine ~Merkurs~ das ärgert mich verflucht. Falkens

~Manuschript~. Die euch fehlenden ~Anhang~ alles sollt ihr

haben. Wolltet ihr mir wohl ein ~Packgen~ an Boje mitnehmen, wenn

ihr auch nicht durch Göttingen Geht. Gott geleit euch. mein Guter Geist

hat mir ein Herz gegeben auch das alles zu tragen. Ich bin gelassener

als iemals.

59.

Goethe an Kestner.

Es ist höchst abscheulich und unartig von euch, mir die

_Comission_ von den Ring nicht aufzutragen. Als wenns nicht

natürlich wär dass ich sie doch übernehmen müsste. Und truz euch und

des Teufels der euch eingab mir das zu vertragen will ich sie bestellen

und sorgen dass sie schön werden wie Kronen der Auserwehlten. Adieu.

Und euren Engel nichts von mir. Hans ist brav, dankt ihm. Adieu.

60.

Goethe an Kestner.

Dass ihrs nicht schon acht Tage habt, die Ringe, ist meine Schuld nicht

hier sind sie und sie sollen euch gefallen. Wenigstens binn ich mit

zufrieden. Es sind die zweyten. heut vor acht tage schickt mir der Kerl

ein Paar so gehudelt und gesudelt. Marsch, er soll neue machen, und

die sind denk ich gut. Lasst nun das die ersten Glieder zur Kette der

Glückseeligkeit seyn die euch an die Erde wie an ein Paradies anbinden

soll, ich binn der eurige, aber von nun an gar nicht neugierig euch zu

sehn noch Lotten. Auch wird ihre Silhouette auf den ersten Ostertag,

wird hoffentlich seyn euer Hochzeittag, oder wohl gar schon übermorgen

aus meiner Stube geschafft und nicht eher wieder hereingehängt biss

ich höre daß sie in den Wochen liegt dann geht eine neue Epoche an und

ich habe sie nicht mehr lieb, sondern ihre Kinder zwar ein bissgen um

ihrentwillen, doch das tuht nichts und wenn ihr mich zu Gevatter bittet

so soll mein Geist zwiefältig auf dem Knaben ruhen, und er soll gar

zum Narren werden über Mädgen die seiner Mutter gleichen.

Gott Hymen findet sich durch einen schönen Zufall auf meinem

_Revers_.[21]

* * * * *

So seyd denn glücklich und geht. Nach Frankfurt kommt ihr doch nicht,

das ist mir lieb, wenn ihr kämt so ging ich. Nach Hannover also und

Adieu. Ich habe Lottens Ring eingesiegelt, wie ihrs hiest. Adieu.

* * * * *

In diesem Briefe war der folgende eingeschlossen.

61.

Goethe an Lotte.

Möge mein Andenken immer so bey Ihnen seyn wie dieser Ring, in ihrer

Glückseeligkeit. Liebe Lotte, nach viel Zeit wollen wir uns wiedersehn,

Sie den Ring am Finger, und mich noch immer, für Sie

Da weis ich keinen Nahmen, keinen Beynahmen.

Sie kennen mich ja.

~Adresse~

An Charlotte Buff

sonst genannt die

liebe Lotte

abzugeben

im teutschen Haus.

62.

Goethe an Kestner.

Gott seegn euch denn ihr habt mich überrascht. Auf den Charfreytag

wollt ich heilig Grab machen und Lottens Sillhouette begraben. So hängt

sie noch und soll denn auch hängen biss ich sterbe. Lebt wohl. Grüsst

mir euren Engel und Lengen sie soll die zweyte Lotte werden, und es

soll ihr eben so wohl gehn. Ich wandre in Wüsten da kein Wasser ist,

meine Haare sind mir Schatten und mein Blut mein Brunnen. Und euer

Schiff doch mit bunten Flaggen und Jauchzen zuerst im Hafen freut mich.

Ich gehe nicht in die Schweiz. Und unter und über Gottes Himmel binn

ich euer Freund und Lottens.

63.

Goethe an Kestner.

Ich hatte gleich auf eure Nachricht Kielmansegge sey hier in die

meisten Wirthshäusser geschickt, konnt ihn aber nicht erfragen. Nun

sagt mir Pottozelli er sey wieder fort, und habe gehört ich sey nicht

hier. Sagt ihm er hätte nicht so fortgehen sollen, ich war Montags

schon wieder hier als er Mittwoche wegging, und ich hatte eben um die

Zeit an ihn gedacht, und gewünscht mit ihm zu seyn. Sagt ihm, von

unserm Nachdruck Ossians ist Fingal ausmachend den ersten Teil fertig,

kostet 36 kr., wenn er ihn will, schick ich ihn mit dem übrigen und

bitte mir meinen Ossian zurück. Ich weis nicht ob ich euch schon im

vorigen Briefe gebeten habe was an Boje mitzunehmen. bestimmt mir doch

die Zeit wenn ihr geht. Wie stehts euerm Engel. Ich habe ein groses

Commerz mit ihr. Ihre Silhouette ist mit Nadeln an die Wand befestigt

und ich verliehre meist alle Nadeln und wenn ich beim Anziehen eine

brauche, borg ich meist eine von Lotten, und frage auch erst um

Erlaubniß &c.

Etwas verdrüsst mich. In Wetzlar hatte ich ein Gedicht gemacht, das von

Rechtswegen Niemand besser verstehen sollte als ihr. Ich möcht es euch

so gern schicken, hab aber keine Abschrift mehr davon. Boie hat eine

durch Mercken, und ich glaube, es wird in den Musenalmanach kommen. es

ist überschrieben ~der Wandrer~ und fängt an: Gott seegne dich

iunge Frau. Ihr würdets auch ohne das gleich gekannt haben.

So weit dann lieb K. Lotte weis wie lieb ich sie habe. Adieu.

Goethe und Werther: Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit · 第 19 / 63 题