G.

55.

Goethe an Kestner.

_acc._ W. 26/2 73.

Es war euch gerathen dass ihr schriebt ich hätte euch bey Lotten

verklagt, das gieng mir eben auf meiner Warte im Kopf herum.

Ein Paar Tage her binn ich übel dran. Ein Teufels Ding wenn man alles

in sich selbst sezen muss, und das selbst am Ende _manquirt_. doch

binn ich munter und arbeite fort. An euer Schicksaal und Entfernung mag

ich nicht dencken. Ihr hättet mir nichts davon sagen sollen, es tuht

mir weh. _Fiat voluntas._

Grüsst den Engel und so Gott mit euch.

56.

Goethe an Kestner.

_acc._ W. 16. _Mart._ 73.

Dank euch lieber Kestner für eure Nachrichten und alles. Hier liegt ein

Brief bey an Hansen der mir von acht zu acht Tagen schreiben soll wies

euch im teutschen Haus geht, denn ihr seyd in einem Zustande in dem man

keine Blumen pflückt, doch kann ich ihrer nicht entbehren, und muß auch

eine _Connexion_ anspinnen mit dem teutschen Haus wenn ihr werdet

den Mittelstein geraubt haben aus dem Ringe. Denn um ihrentwillen werd

ich sie alle lieben mein lebenlang. und ihre Gesichter werden mir alle

seyn wie die Erscheinungen der Götter.

Adieu, wies mit euch ietzt kracht nach Weise des landenden Kahns so

stürmts und krachts in der Flotte in der ich diene. Mein eigen Schiff

kümmert mich am wenigsten. Gegen das Frühjahr und Sommer hangen

mancherley Schicksale über meine liebsten. Und ich verderbe die Zeit,

welches denn auch eine Kunst ist. Adieu.

57.

Goethe und Werther: Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit · 第 17 / 63 题