d. 28 Nov. 72.
25.
Goethe an Kestner.
_acc._ Wetzl. 21. Nov. 72.
In Darmstat binn ich, nach Manheim werd ich nicht kommen, eben da wir
abreisen wollten, trat Merken eine Verhinderung dazwischen, wer ein
Amt hat muss leider sein warten. Dass wir nur wieder einmal beysammen
sind, freut uns so, tuht uns so wohl, dass ich allein nicht weiter mag.
Adressiren Sie mir Ihre Briefe grad hierher, und schicken Sie mir doch
die Nachricht von Jerusalems Todte. Ohne Zweifel haben Sie mir schon
nach Frkfurt geschrieben, biss ich das aber her kriege währt so lang.
Ich habe heut früh mit der Flachsland, viel von Lotten und euch geredet
und meinen lieben Bubens. Merck grüsst euch, und sein Weib und Henry.
Grüsst mir sie alle, meine Seele ist oft bey euch, Adieu.
Goethe.
26.
Goethe's Schwester an Kestner.
Samstag den 21. Nov. 72.
Ich habe Ihren Brief meinem Bruder nach Darmstadt geschickt, mein Herr,
dencken Sie nur er ist schon seit am Montag weg, und hat noch kein Wort
von sich hören lassen, ist das nicht zu arg. -- aber so macht er's, Sie
werdens auch schon an ihm gewohnt seyn.
Ehe mein Bruder von hier weggieng hat er mir eifrigst aufgetragen
einige Liedgen vor Ihr liebes Lottchen abzuschreiben, weil es aber
nur ein paar sind, so wollte ich fragen, ob ihr nicht seit der Zeit
etwa noch eins eingefallen wäre, das sie gern haben mögte -- Wenn aber
das nicht ist, so schreiben Sie mir ob sie den Marsch aus den zwey
Geizigen hat, sonst will ich den noch mit beyfügen, die Melodie ist
gar angenehm. Wollen Sie so gütig seyn, mein Herr, und mich dem ganzen
Puffischen Haus empfehlen, aber recht freundschaftlich, und wenn Sie
das recht schön ausrichten, so verspreche ich Ihnen, dass ich auf
einandermahl den Herrn weglassen, und Freund an seine Stelle sezen will.