In Flöha-Gückelsberg ist an der großen Chemnitz-Dresdener Heerstraße

durch die Baumwollspinnerei G. F. Heymann ein Gruppenwohnhaus für

neun Familien errichtet worden, und in Zschopau hat die Zschopauer

Baumwollspinnerei auf dem Höhenrücken gegenüber dem Bahnhof ihre

Siedlung »Grüne Aue« mit dreißig Wohnungen erstehen lassen. Beide

Anlagen weisen gleichmäßig eine Reihe charakteristische Einzelheiten

auf, aus denen sich liebevolles Eingehen auf die Eigenheiten,

Lebensbedürfnisse und Lebensgewohnheiten der Bewohner verrät.

Erzgebirgische Spinnereiarbeiter haben in den Wohnungen ihr Heim

gefunden. Wenn sie nach Hause kommen von ihrer Arbeitsschicht --

beide Werke arbeiten seit Jahren mit zwei Schichten am Tag -- steht

ihnen noch ein halber Tag Zeit zur Verfügung. Er wird genutzt. Der

Erzgebirgler zieht in solcher Freizeit hinaus in den Wald und sammelt

Holz und rodet Stöcke. Oder er zerkleinert Wurzeln auf dem Hof und

schichtet sie säuberlich zu runden Meilern auf. In den warmen Monaten

des Jahres gräbt und bastelt er auch gern im kleinen Gärtchen. Und

im Winter, an den langen Abenden wandern das trockene Reisig und

die dürren Wurzeln und Stöcke gemächlich in den massigen Herd des

Wohnraumes, der Vater schürt behaglich das Feuer und schmaucht sein

Pfeifchen dazu, und die Kinder hocken um den Küchentisch und beobachten

die Arbeit der Mutter. Da will ein großer Wohnraum geschaffen sein mit

einem mächtigen Ofen, der kocht und Wärme spendet, ein Raum in dem

gleichzeitig die Familie wohnen und die Hausfrau schaffen kann. Der

Spinner -- und meist auch die Spinnerin -- brauchen ein großes luftiges

Schlafzimmer als Gegengewicht zur Arbeit im staubigen Fabriksaal. Die

Sonne muß drin spielen können. Im Hof soll Platz sein für die mächtigen

Holzmeiler. Und einen Schuppen im Hof braucht ein jeder für das

Kleinholz, für seinen kleinen Handwagen und für seine Stallhasen. Die

Hausfrau aber verlangt ihren Bleichplan mit dem Wäschetrockenplatz.

[Illustration: Abb. 1 =Lageplan der »Grünen Aue« in Zschopau=]

[Illustration: Abb. 2 =Beamten- und Arbeiterwohnhäuser »Kolonie Grüne

Aue« der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.=]

Auf all diese Bedürfnisse ihrer Arbeiter haben die Bauherrschaften im

Verein mit ihrer Bauleitung, der Flöhaer Bezirkssiedelungsgesellschaft,

sorgsam Bedacht genommen. Die Grundrißtypen fangen das Sonnenlicht

auf, solange es sich einfangen läßt. Bei ihnen gibt es nicht mehr

Straßen- und Hoffront, sondern nur noch Licht- und Schattenseite.

Stets liegen Schlafraum und Wohnküche nach Süden. Immer liegt auch nur

eine Wohnung an einer Treppe in einem Geschoß. Ein geräumiger heller

Flur bietet Platz für Schränke und Kleiderablage, denn die staubigen

Arbeitskleider und Schuhe gehören nicht in die Schlaf- und Wohnräume.

Ganz besondere Liebe ist der Wohnküche zuteil geworden. Immer hat sie

zwei Fenster nach verschiedenen Himmelsrichtungen, so daß den ganzen

Tag über die Sonne in ihr spielen kann. Der große Kachelherd fängt in

seinem Turm die Wärme und gibt sie langsam wieder an den Raum ab. In

die Fensterbrüstung ist die kleine Speisekammer als Schrank eingebaut.

Mit Kellerraum ist jede Wohnung reichlich bedacht.

[Illustration: Abb. 3 =Doppelwohnhaus für vier Familien der

Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.=

Baukosten einschl. 1000 ~qm~ Garten 398700 M.

Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche

kostet 1210 M.]

[Illustration: Abb. 4 =Doppelwohnhaus für vier Familien der

Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.=

Baukosten einschl. 1000 ~qm~ Garten 511500 M.

Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche

kostet 1210 M.]

[Illustration: Abb. 5 =Beamten- und Arbeiterwohnhäuser-Kolonie »Grüne

Aue« der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.=]

[Illustration: Abb. 6 =Gruppenwohnhaus der Firma G. F. Heymann,

Gückelsberg-Flöha=]

[Illustration: Abb. 7 =Gruppenwohnhaus für neun Familien der

Baumwollspinnerei Gückelsberg=

Baukosten 510909 M.

Bauzeit: 15. Februar 1920 bis 31. Juli 1920.

Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet 1039,28 M.]

Am Gückelsberger Haus liegt nach Süden zu ein großer Hof mit

abgegrenzten Holzplätzen von Schuppen eingefaßt. In der »Grünen

Aue«, die sich an einen Wohnweg anschmiegt, sind die Bauwiche, die

aus den baupolizeilichen Vorschriften entstehen, in ähnlicher Weise

mit Schuppen zu Höfen eingerahmt und zu Holzstapelplätzen verwendet.

Vor den Sonnenseiten der Häuser ziehen sich in langen Reihen die

Bleich- und Trockenplätze und die kleinen schmucken Gärtchen hin.

Und aus den Fenstern der Schlafzimmer und der Wohnküchen kann der

Blick weit hinausschweifen über die weiten Höhen und Täler, auf die

massige blaue Augustusburg, in das herbe waldgrüne Zschopautal. Das

ist Erholung für des Arbeiters Auge, Ruhe nach der Schicht zwischen

den surrenden Spindeln und kreischenden Fleyern. Und auch nach außen

haben diese Häuser ihr eigenes erzgebirgisches Gewand. Diese straffe,

geschlossene und doch weiche Gliederung der Massen, die bodenständigen

Bruchsteine des Sockelgeschosses, der freundliche Putzstreifen,

die dunkle Brettverkleidung des Obergeschosses mit ihren leuchtend

weißen Fensterteilungen und das blaue Schieferdach, hier und da ein

freundlicher grüner Blumenkasten mit Geranien und Kresse! Ist das nicht

die Farbenzusammenstellung, die jeden Wanderer erfreut, wenn er an den

alten Häuschen der langen Gebirgsdörfer vorüberzieht?

Dabei hat nüchterne wirtschaftliche Erwägung diese Formgebung maßgebend

beeinflußt, sie ist durchaus nicht etwa der Laune der Architekten

entsprungen. Für das Fachwerk stand Heeresholz preiswert zur

Verfügung. Gebrannte Ziegel waren knapp und teuer, aber Lehmziegel,

sogenannte Grünlinge, standen noch in großer Menge in den heimischen

Ziegeleien. Lehmbauversuche wollten weder die Bauherren noch die

Bezirkssiedelungsgesellschaft anstellen und so wurde eben auf die

altbewährte erzgebirgische Bauweise zurückgegriffen. Auch beim inneren

Ausbau ist trotz der Abkehr von modischen Zeitströmungen und trotz

sparsamster Verwendung der Mittel das Heim freundlich und liebenswert

gestaltet worden. Zum Schluß mag noch anerkennend erwähnt sein, daß

beide Firmen die Bauten, welche fast drei Millionen Mark kosteten,

ohne irgendwelchen Zuschuß ganz aus eigener Kraft erbaut haben. Diese

Selbsthilfe der Heimat in ihrer Not ist auch ein Stück Heimatschutz,

still und geräuschlos, aber desto wert- und wirkungsvoller.

Bücherbesprechungen

=Dresdner Wanderbuch=, ein Führer zur Kenntnis der Heimat für

die Schule und für alle Naturfreunde, herausgegeben von Dresdner

Erdkundelehrern. I. Teil: Grundlegende Wanderungen. (Wittich und

Schobloch, Verlagsbuchhandlung, Dresden, Wachwitz). Preis M. 9,75[5].

[5] Für Mitglieder des Heimatschutzes M. 8,--. (Bestellkarte anbei.)

Mit dem vorliegenden trefflichen Wanderbuche hat unsere Heimatschule

einen wertvollen Helfer erhalten. Die Veranlassung zur Herausgabe

derartiger Wanderbücher, wie sie andere Städte (Leipzig) schon haben,

gab eine Verordnung der Unterrichtsbehörde, die für höhere Schulen

besondere Wandertage einführte. Es galt nun brauchbare Anweisungen zu

schaffen, um die Unterrichtswanderungen möglichst fruchtbringend zu

gestalten. Dieser Arbeit unterzog sich eine kleine Gruppe von Dresdner

erdkundlichen Fachleuten, die sich unter Führung des Herausgebers ~Dr.~

P. Wagner zu einer Wander- und Arbeitsgemeinschaft zusammenschlossen

und in dieser auf Grund eines für alle Klassen aufgestellten

Wanderplanes zahlreiche Ausflüge unternahmen und so den Inhalt des

vorliegenden Wanderbuches erarbeiteten. Das Werkchen soll als erster

Teil den Leser im Angesicht der Natur allmählich in eine tiefere

Auffassung der Landschaft einführen und ein Buchwissen voraussetzen.

Der später folgende II. Teil wird auf dieser Grundlage weiterbauen und

etwas tiefer schürfen. In dieser weisen Beschränkung liegt ein großer

Vorzug des vorliegenden Buches; damit wird es ein brauchbarer Führer

für die große Allgemeinheit.

In achtzehn Abschnitten lernen wir die Elbtalweitung und ihre

Ränder, das Stadtbild, das Waldgebiet und das Industriegebiet des

Döhlener Beckens kennen. Die letzten zwei Abschnitte sind dem

Wandern nach der Karte gewidmet. Ein überreiches Material bietet

das Werkchen auf seinen 132 Seiten. Der Leser, der vielleicht bis

jetzt nur die landschaftlichen Schönheiten unserer Heimat empfunden,

lernt erdkundlich sehen, sein Blickfeld weitet sich, und das Auge

schaut, welche gewaltigen Kräfte am Werke waren und noch sind, um

die heimatliche Landschaft zu gestalten. Der Elbkiesel am Ufer, der

Steinbruch am Hange, die unscheinbare Bodenwelle im Tale, die Sanddüne

des Hellers; sie alle reden eine Sprache, unverständlich dem größten

Teil unserer Wanderer. Das Büchlein läßt uns erkennen, welcher Reichtum

an Belehrung in unserer Dresdner Landschaft verborgen liegt, von dem

wir bis jetzt vielleicht nichts ahnten. Auch der Menschenschicksale

aus grauer Vorzeit wird gedacht, von denen die Funde der Dresdner

Gegend erzählen. Mit anderen Gefühlen als bisher wird der Leser an der

stattlichen Kirche von Briesnitz stehen, denn er weiß, daß er sich auf

geheiligtem Boden der Heimatgeschichte befindet.

So wird das Wanderbuch nicht nur unserer Jugend, sondern jedem

Naturfreund ein zuverlässiger Führer sein. Es führt zur tiefen

Heimaterkenntnis, zur echten Heimatliebe und damit auch zum

Heimatschutz. Deshalb kann unser Landesverein dem Büchlein im eigenen

Interesse eine reiche Verbreitung wünschen.

Das Werkchen würde meiner Ansicht nach noch bedeutend an Wert gewinnen,

wenn neben den reichen bodenkundlichen Betrachtungen auch Beobachtungen

unserer heimatlichen Pflanzen und Tiere aufgenommen würden. Gerade

hier sind Naturdenkmäler in Gefahr und ist eine Aufklärung unserer

Jugend und Ausflügler sehr notwendig. Auch wäre es zu begrüßen, wenn

die Dresdner Landschaft etwas weiter gefaßt würde und Gegenden, wie das

Moritzburger Teichgebiet, das doch für Unterrichtswanderungen in Frage

kommt, mit Erwähnung fänden. Vielleicht finden wir dies alles im II.

Teil.

P. Bdt.

=Sachsenland.= Ein Heimatbuch von _Otto Eduard Schmidt_. Mit

Zeichnungen von Herbert Hofmann und 3 Kunstbeilagen. VI., 419 S.

8°. 1921. Friedrich Brandstetter, Leipzig. Preis M. 30,-- einschl.

Teuerungszuschlag.[6]

[6] Für Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz

Vorzugspreis M. 27,50. (Bestellkarte in diesem Hefte.)

Von einem Wandersmann ist das Buch zusammengestellt, mit der Absicht,

viele anzuregen, Wanderstab und Rucksack aufzunehmen und sinnenden

Geistes durch die Heimatgaue zu pilgern. Allzulange sind wir in

die Fremde hinausgezogen, daß wir sie oft besser kannten als das

Vaterland. Und nun soll es weiten Kreisen neu erschlossen, lieb und

traut gemacht werden, damit alle wissen, was wir an ihm hatten und was

wir an ihm haben können. O. E. Schmidt, der Mann der kursächsischen

Streifzüge, ist ein berufener Führer auf solchen Pfaden. Wie er selber

die Heimat sieht und schildert, das wissen wir aus seinen bisher so

freudig aufgenommenen Schriften. In diesem Buche will er sie uns mit

den Augen anderer Geleitsmänner zeigen, alter und junger, aber in der

Hauptsache sind es Zeitgenossen, aus deren Werken er dieses Heimatbuch

zusammengebracht hat. Und wie es gar nicht anders sein kann, finden wir

darin fast alle Führer auf dem Gebiete des sächsischen Heimatschutzes

vertreten: Paul Schumann, Karl Schmidt, Oskar Seyffert, Arno Naumann,

Martin Braeß, Paul Rieß, Gerhard Platz usw. Daneben begegnen uns --

um nur noch einige Lebende zu nennen -- die bekannten Namen eines

Deichmüller, Poeschel, Pank, Findeisen, Stübler, Otto Richter,

Partsch, Blanckmeister, von Münchhausen, Löscher, Schwär u. a. So

wirkt das Buch ganz modern, sowohl in seinen Prosabeiträgen wie in den

eingestreuten Gedichten. Daß der feinsinnige, auf die Stimmung unserer

Zeit vornehm reagierende Herausgeber im allgemeinen eine glückliche

Auswahl getroffen hat, ist selbstverständlich. Man wird ihm auch darin

gern beistimmen, daß er Sinn und Umfang des Begriffes »Sachsenland«

nicht auf das vormalige Königreich beschränkt hat, sondern das ganze,

durch die gemeinsame Kolonisationsgeschichte in seinen Wurzeln

zusammenhängende Gebiet zwischen Saale und der schlesischen Grenze zur

Darstellung bringt. Er gliedert demgemäß den Stoff in einem Überblick

über das Land und seine Bewohner und in die sechs Kapitel: Die

Elblandschaft von Schmilka bis Magdeburg; Das Tiefland zwischen Saale

und Elster, Pleiße und Mulde; Aus dem erzgebirgischen Becken und dem

mittelsächsischen Hügellande; Aus dem Vogtlande; Aus dem Erzgebirge;

Aus der Oberlausitz. Aber diese Abschnitte scheinen uns nicht alle

mit gleicher Liebe und mit gleichem Glück behandelt zu sein. Wenn wir

schon vom Vogtlande, diesem kerndeutschen und landschaftlich durchaus

nicht reizlosem Teile Sachsens, gern eine reichere Auswahl geboten

sähen, so vermissen wir besonders mehr charakteristische Beiträge zur

Kenntnis von Land und Leuten der sogenannten Sächsischen Schweiz.

Gewiß hätten die Zeitschrift »Über Berg und Tal«, das Werk über die

Burgen der Sächsischen Schweiz, die prächtigen Geschichten von Wilhelm

Schindler manch brauchbaren Fund ergeben. Das Gedicht »Die Sensen«

von unserem trefflichen Findeisen atmet dagegen nicht im geringsten

Bodenständigkeit, und Karl Gjellerups »Sommernacht in Schandau« kann

man ebensowohl in Blankenese wie am Rhein oder an der Donau erleben.

Um recht zu wirken, sind einzelne der von O. E. Schmidt aufgenommenen

Beiträge überhaupt zu kurz abgerissen; man liest sie, hofft auf die

Pointe, blättert um und sieht sich am Schlusse. Das muß bei aller

Anerkennung des Buches gesagt werden, gerade weil es verdient, recht

viele Freunde zu finden, nicht nur mit dieser ersten Auflage, sondern

auch mit etlichen folgenden.

Es ist wohl geeignet, die Heimatliebe zu fördern, und das ist die

Hauptsache. Glück auf!

Alfred Meiche.

* * * * *

=»Vogelschutz« von seiten eines Forschers!= In der ungarischen

ornithologischen Zeitschrift »~Aquila~« veröffentlicht der Ornitholog

Csiki »Positive Daten über die Nahrung unsrer Vögel.« Das ist ja an

sich ganz schön, besonders für die Frage nach Schaden oder Nutzen der

Vögel; auch Vogelhalter können vielleicht manches für ihre Lieblinge

daraus lernen. Aber nun kommt die Kehrseite. Um z. B. die Nahrung

unsrer Elster, die bekanntlich recht schädlich werden kann, genau

festzustellen, hat der betreffende Forscher nicht weniger als 351

(!) Magen von Elstern untersucht. Man traut seinen Augen nicht, wenn

man so etwas liest. Da werden in Ungarn alle möglichen Vorschriften

erlassen und Einrichtungen getroffen, um besonders die Jugend für

den Vogelschutz zu gewinnen, wogegen die Alten um so schlimmer unter

der Vogelwelt aufräumen zu können meinen. Dem Herrn Csiki sollte

wirklich einmal das Maßhalten nahe gelegt werden, zumal er doch, wie

scheint, alle Vögel des Landes betreffs ihrer Nahrung untersuchen

will. Es genügt eine wesentlich kleinere Ziffer von Einzeltieren, um

befriedigende Ergebnisse nach der angegebenen Richtung zu erzielen.

B. Hffm.

Hermann Vogel †

Am 22. März 1921 hat in Krebes i. V. ein Künstler des Vogtlandes

seine Augen für immer geschlossen, _Hermann Vogel_, der in drei

Jahrzehnten als hervorragender Mitarbeiter der Münchener »Fliegenden

Blätter« in aller Welt bekannt geworden ist, der aber, wie der

Kundige weiß, als Malerpoet mit seinem Schaffen und Dichten tief in

seinem _vogtländischen Heimatboden_ wurzelt. Für die glühende Heimat-

und Vaterlandsliebe Hermann Vogels (geb. 16. 10. 1854 in Plauen)

geben viele seiner Bilder und Gedichte in den »Fliegenden Blättern«

ergreifendes Zeugnis, vor allem aber auch seine phantasie- und

humorvollen Bilder zu den Hausmärchen der Brüder Grimm (1892--1894)

und den Kindermärchen von Rudolphi (1905). In Plauen, der Vaterstadt

des Künstlers, soll in einem _Hermann-Vogel-Zimmer_ des vogtländischen

Kreismuseums eine Sammelstelle für das gesamte Lebenswerk des

Künstlers, der ein Romantiker des Stiftes gewesen, geschaffen werden.

K. Rdgr.

Der nutzlose Baum

Von _Will Vesper_

Auf einer Berghöhe, an einer Stelle, wo es nicht gerade sehr fruchtbar

war, von wo man aber einen weiten Blick über Täler und Höhen, Seen und

Wälder hatte, stand ein gewaltiger Baum. Er bedeckte mit seiner Krone

beinahe den ganzen Berggipfel, so als hätte der Berg ihn wie eine große

grüne Haube auf seinen Kopf gesetzt.

Eines Tages kam nicht weit von dem Baum ein Zimmermann vorüber, der

mit seiner Säge und seiner Axt in den Wald ging, um Holz zu fällen;

denn er machte Tische, Bänke, Stühle und allerlei Holzwerk. Der sah den

Baum an und sagte zu seinem Gehilfen, der mit ihm ging: »Jetzt sieh

einmal den Baum an. Was das für ein nutzloser und häßlicher Baum ist.

Sein Stamm ist zwar dick genug und alle seine Äste auch, und doch kann

man nichts damit anfangen; denn der Stamm ist so krumm, so verdreht

und verwachsen, die Äste sind alle so vielmal um sich selber gedreht,

so knorrig und eigensinnig, daß man auch nicht das kleinste nützliche

Brettchen aus dem ganzen Baume schneiden könnte. Dazu sind seine

Blätter so hart und seine Früchte so bitter, daß man sie nicht einmal

als Futter für die Ziegen gebrauchen kann. Das nenne ich wirklich einen

nutzlosen Baum, den da.« Damit ging er voll Verachtung für den Baum

weiter in den Wald zu anderen Bäumen und sein Knecht hinter ihm.

Der Baum aber, der die Rede wohl gehört hatte, rauschte laut auf mit

allen seinen Zweigen, daß es wie ein brausendes Gelächter war, das

hinter dem Zimmermann herlief. »Darum also,« sprach der Baum fröhlich

zu sich selber, »hat man mich hier so viele Jahre stehen lassen, weil

ich nutzlos bin, weil die Zimmerleute nichts mit mir anfangen können.

Darum haben sie mich unbeschädigt so groß und gewaltig werden lassen,

mich, der ich so viel krummer und knorriger bin als alle Bäume im

Walde. Das also war mein Glück. Und darum haben heute die Vögel des

Himmels eine so schöne Wohnung in mir. Darum finden heute die Wanderer,

die den Berg ersteigen, unter meinen Zweigen wohltuenden Schatten

und segnen mich. Von weit her kommen die Menschen aus dem Lande und

bestaunen mich, liegen unter mir in der Kühle, betrachten die Schönheit

der Erde und gehen fröhlich und geduldiger wieder in ihre Täler hinab.

Alles nur, weil ich nutzlos bin und die Zimmerleute, die nur an den

Nutzen denken, nichts mit mir anzufangen wissen. Gepriesen sei meine

Nutzlosigkeit, die mir erlaubt hat, die Krone des Berges und ein

Wahrzeichen des Landes zu werden.«

(Aus Reclams Universum.)

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: =Werner Schmidt=;

Druck: =Lehmannsche Buchdruckerei=, beide in Dresden.

Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern die Anschaffung der noch

vorhandenen früheren Bände unserer Mitteilungen. Es sind nur noch

wenige Stücke von manchen Heften da.

Band _ungebunden_ _gebunden_

M. M.

III 7.-- 20.--

IV 10.-- 25.--

V 7.-- 20.--

VI 7.-- 20.--

VII 7.-- 20.--

VIII 7.-- 20.--

IX 7.-- 20.--

=Wir gestatten gern Ratenzahlungen.

Bestellkarte anbei.=

Landesverein Sächsischer Heimatschutz

Dresden-A., Schießgasse 24.

Vom Wandern und Weilen im Heimatland

Von =Gerhard Platz=

Dresden 1920

des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei

Band I

320 Seiten -- Großoktav

_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz

M. 12.--_

_Bestellkarte in diesem Hefte_

Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast

in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften

aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die

er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz

möchten wir wandern. So ist es verständich, daß wir in dem ersten

Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten

Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in

wenigen Stücken vorhanden.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz

Dresden-A., Schießgasse 24.

Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wurden die Tabellen auf

S. 85 und S. 133 umgestaltet.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band X, Heft 4-6 · 第 6 / 6 段