Die eingehende Ausmalung der Hölle bei der Schilderung des j

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Der Teufel und die Hölle

in der darstellenden Kunst

von den Anfängen bis zum Zeitalter Dante's

und Giotto's.

=Inaugural-Dissertation,=

zur Erlangung der Doctorwürde

von der

philosophischen Fakultät der Universität Jena genehmigt.

Von

ALFRED KÖPPEN

aus Berlin.

Berlin.

_Druck von B. Berkowitz._

1895.

Genehmigt von der philosophischen Fakultät der Universität Jena auf

Antrag des Herrn Geh. Hofrat Professor Dr. =Gaedechens=.

=Jena=, den 3. Juli 1895.

Professor Dr. =L. Knorr=,

D. Z. Decan.

VORWORT.

Der Teufel und die Hölle sind ihrer Natur nach eng verbunden, jener als

der Inbegriff alles Bösen, als der unsichtbar wandelnde Geist, Verderber

und Verführer der Menschen und zugleich als Fürst der Hölle, als Richter

und Strafvollstrecker an den Verführten und Verdammten, diese als das

Reich, wo alles Böse seine Sühne findet und der infernalischen Bosheit

des Teufels der freiste Spielraum gelassen wird. Wer die Geschichte

beider schreiben will, muss sie wegen ihrer innigen Beziehung zusammen

betrachten, und besonders ist die Kunstgeschichte, wenn sie in einer

ikonographischen Abhandlung die Typen des Teufels und der Hölle während

der einzelnen Jahrhunderte feststellen will, zur gemeinsamen Betrachtung

gezwungen, da das künstlerische Bild beide nur zu oft wie z. B. in der

Darstellung des jüngsten Gerichtes verbunden zeigt.

Bisher hat die Kunstgeschichte im Gegensatz zur Theologie und

Litteraturgeschichte auf eine Abhandlung über den Teufel und die Hölle

so gut wie verzichtet. Über jenen existieren freilich zwei Studien,

welche jedoch das Thema nur streifen und ohne Rücksicht auf die

Chronologie im Einzelnen nur ein Gesammtbild geben wollen.[1] Über die

Hölle fehlt jede Arbeit. Dagegen finden sich in Sammelwerken[2], welche

aufzuzählen zu weit führen würde, über beide Hinweise, ebenso in einigen

Veröffentlichungen von Miniaturen[3], sowie in Studien über die

Ikonographie des jüngsten Gerichtes.[4] Eine systematische Be- und

Durcharbeitung dieses Stoffes steht aber noch aus, und auch das, was wir

im Folgenden zu bieten wagen, soll ohne völlige Erschöpfung des

Gegenstandes nur als grundlegende Vorarbeit dazu dienen.

Die künstlerische Darstellung des Teufels und der Hölle ist vor dem

achten Jahrhunderte nicht nachzuweisen, obwohl doch die Vorstellung

beider in der Phantasie der christlichen Völker lebte. Die Bibel hatte

ihr Bild im Besonderen vorgezeichnet und dasselbe war im Laufe der Zeit

mit nationalen Vorstellungen aus der heidnischen Mythologie zu einem

Gesammtbilde verschmolzen. Dies geschichtlich zu behandeln ist Aufgabe

der Theologie und von dieser bereits gelöst.[5] Gleichwohl sollen in

der vorliegenden Arbeit die Hauptpunkte der Entwicklung herangezogen

werden, einerseits, um das fehlende künstlerische Bild jener Zeit durch

das in der Litteratur erhaltene zu ergänzen, anderseits aber, weil das

letztere und besonders das in der Bibel für die künstlerische

Darstellung vorbildlich war. Auf die Entwicklung der Geschichte des

Teufels und der Hölle wird dann die eigentliche, ikonographische

Darstellung folgen, welche in der vorliegenden Abhandlung ausführlich

von den ältesten Zeiten der christlichen Kunst bis auf Dante's Zeitalter

geführt werden soll. Die Typen, welche in diesem Zeitraum einander

ablösen, entsprechen, wie wir sehen werden, inhaltlich den Anschauungen

der Jahrhunderte und schliessen sich formal den jedesmal herrschenden

Kunstrichtungen an.

Die Darstellungen des Teufels und der Hölle kehren überall wieder: in

Skulpturen, Erzwerken, Elfenbeinarbeiten, Miniaturen, Mosaiken und

Fresken. Sie finden sich in vielen Abhandlungen beschrieben, denen ich

gefolgt bin, ohne dass ich aus Mangel an Abbildungen im Stande gewesen

wäre, die Richtigkeit derselben überall nachzuprüfen und zu verbürgen.

Wo diese aber zur Verfügung standen, sind die Beschreibungen jedesmal

neu gemacht worden. Dies gilt insbesondere für das Zeitalter Dante's.

Da der Teufel und die Hölle selten allein, sondern meist nur in

grösseren Kompositionen verschiedenen Inhalts dargestellt ist, so werden

diese jedesmal als für sich bestehend besprochen, chronologisch und wenn

es sein muss, auch topographisch geordnet werden. Aus diesen

Beschreibungen werden dann am Schlusse die einer jeden Epoche

gemeinsamen Züge zu einem Gesammtbilde vereinigt werden.

Nachdem wir also die Veranlassung und die Methode für die Untersuchung

festgelegt haben, wenden wir uns nunmehr dieser selbst zu in der

Hoffnung, dass diese Ikonographie dazu beitragen wird, das künstlerische

Bild des Teufels und der Hölle während der einzelnen Jahrhunderte zu

fixieren.

Der Teufel und die Hölle in der Litteratur.

Der Teufel und die Hölle in der Bibel.

Der Teufel und die Hölle gehören dem specifisch christlichen

Vorstellungskreise an und beide haben mit der Entwicklung der

christlichen Religion die ihrige durchgemacht und im Laufe der

Jahrhunderte die verschiedensten Anschauungen über sich ergehen lassen.

Indessen fehlt es ihnen trotz ihres rein christlichen Gepräges nicht an

gleichsam vorbereitenden Elementen, und man kann mit Recht behaupten,

dass der Glaube an böse Götter wie Ahriman und Loki, an Dämonen und

Zauberer, an Riesen, Zwerge, Kobolde, an Missgestalten wie die

Centauren, Satyrn und Silene, an Ungetüme wie der Fenriswolf und die

Midgardsschlange in der Gestalt des Teufels und teuflischer Wesen und

andrerseits der Glaube an einen Strafort nach dem Tode wie den Hades,

die finstere Hel, die persische Duseh in den Vorstellungen von der Hölle

seine Auferstehung feierte.

Der Teufel und die Hölle sind, wie die theologische Forschung dargethan,

somit als Weiterbildung jener früheren Erscheinungen anzusehen. Als

Beweis dafür kann man anführen, dass die spätere christliche Gestalt und

der Charakter des Teufels Züge aus der heidnischen Mythologie entlehnt

hat und das Bild der Hölle dem Colorit früherer Vorstellungen oft recht

ähnlich erscheint.

In der Bibel, deren Auffassung über beide Begriffe ja die grundlegende

geworden ist, zeigt sich bereits im alten Testamente ein Zusammenhang

mit den heidnischen Anschauungen, und die Juden werden gewissermassen

die Vermittler zwischen dem heidnischen und christlichen Glauben von dem

Teufel und seinem Reiche.

Während in den älteren Stammsagen der Hebräer sich überhaupt keine

Spuren eines Teufels finden, werden in den nachexilischen Büchern,

ähnlich wie in den Mythologien der Perser, Assyrer und Babylonier

Dämonen erwähnt, ein Beweis, dass die Juden diese Anschauungen erst von

jenen Völkern empfangen haben. Der ältere Geschichtsschreiber schreibt

z. Bspl. die Thatsache, dass David sein Volk zählen liess, dem Zorne

Gottes zu,[6] der nachexilische dagegen dem Satan.[7] In den Apocryphen

werden namentlich im Buche Baruch und Tobias Gespenster, Kobolde und

Waldteufel erwähnt.[8] Sie verletzen und töten die Menschen[9] und

können durch Gebete, Fasten und gewisse Räucherungen vertrieben werden.

Sie wohnen an wüsten Orten als Götzen der Heiden[10] und scheinen keine

bestimmte ethisch religiöse Bedeutung gehabt zu haben. Die Nachtfrau

Lilith galt als Gespenst, welches den Kindern nach dem Leben trachtete,

Schedin und Seirim werden als Wüstengeister genannt.[11]

Von diesen Dämonen sind die Diener der göttlichen Gerechtigkeit zu

unterscheiden, so jener Lügengeist und Todesengel, der Israel mit Pest

heimsuchte und Sanherib's Heer erschlug,[12] dann Satan, d. h. der

Widersacher, Ankläger, welcher den frommen Knecht Hiob peinigte.[13] Er

ist menschlichem Glück missgünstig, ungläubig gegen die menschliche

Frömmigkeit und Tugend.[14] Er gehört zu den Söhnen Gottes und darf nach

eigenem Ermessen handeln, aber Gottes Wille steckt ihm Grenzen.[15]

Dieser Volksglaube wird zur Zeit Christi nunmehr specialisiert und

schliesslich ein integrierendes Element im religiösen Bewusstsein der

Juden. Er wurde von Christus und seinen Aposteln übernommen und ging in

das neue Testament über. Wie im alten Testamente, so giebt es auch im

neuen Dämonen, aber sie sind nicht mehr die Söhne Gottes, sondern die

Boten des Teufels ([Greek: daimonia, angeloi tou diabolou]), welcher ihr

Haupt ist. Zwischen ihm und ihnen muss man unterscheiden. Der Teufel,

wie Luther Satan übersetzt, hat viele Namen, welche grossenteils von

dessen Wesen und Wirken, zum Teil aber auch von bestimmten Anlässen

hergenommen sind. Er heisst [Greek: satan, diabolos, echthros,

beelzeboub] oder er wird umschrieben [Greek: ho archôn iou Kosmou

toutou, archôn ton daimoniôn, ho drakôn megas, ophis ho archaios, ho

peirasôn, ho katêgôr]. Seine Stellung zu Gott hat sich verändert. Aus

dem Diener, als welcher er im alten Testamente auftritt, ist er zum

Herrn geworden. Damit hängt eine andere Auffassung und Beurteilung

seiner Thätigkeit zusammen. Er hat von Anfang der Welt an gesündigt.[16]

Die Verführung der Eva ist sein Werk.[17] Er gilt als Menschenmörder,[18]

als Fälscher des göttlichen Wortes[19] und bringt schliesslich dadurch,

dass er Judas zum Verrat anstiftet, Christus selbst um's Leben.[20]

Seine Macht ist unumschränkt. Die Finsternis ist sein Reich[21] und

Dämonen bilden seine Gefolgschaft. Diese Dämonen sind ebenfalls Teufel,

denn »einen« Teufel giebt es in dieser und auch in späterer Zeit nicht,

aber jeder von ihnen hat einen bestimmten Wirkungskreis. Auf den

obersten unter ihnen ist als den Repräsentanten der ganzen Gesellschaft

der Name der Gattung übertragen worden. Die Dämonen selbst nehmen

leiblich Besitz vom Menschen, von seinem Hab und Gut und gelten als

Ursache von Wahnsinn, Blindheit, Stummheit, Epilepsie.[22] Sie wohnen

in den Tiefen der Erde, an wüsten Orten[23] und nach sicheren

Andeutungen des Paulus auch in der Luft.[24] Diese Auffassung entspricht

also ganz der alttestamentlichen.

Wenn man gesagt hat, dass Christus nie lehrhaft vom Teufel spreche und

nur dem herrschenden Volksglauben huldige und den Bösen als ein

geläufiges Bild der Volkssprache im Munde führe,[25] so kann dies wohl

zugegeben werden. Ebenso muss anerkannt werden, dass von einem

persönlichen Kampfe zwischen Christus und dem Teufel nirgends die Rede

ist, denn die oft citierte, namentlich dafür von der katholischen

Theologie verfochtene Versuchung Jesu ist doch nur als eine symbolische

Darstellung eines inneren seelischen Konfliktes in der bilderreichen

Sprache des Orients aufzufassen. Das persönliche Wesen tritt somit noch

vollständig in den Hintergrund, und die Gestalt des Teufels hat in

Übereinstimmung mit der des alten Testamentes etwas Nebelhaftes

behalten; sie ist wie die Gottes unpersönlich und weder räumlich noch

zeitlich gebunden.

Bestimmter sind die Vorstellungen über seine Lebensgeschichte.[26] Man

dachte sich den Teufel von Anfang der Welt an existierend. Als ein

schöner Engel wohnte er im Himmel und wurde aus demselben gestürzt.[27]

Dadurch gleichsam zwischen Gott und die Menschen gestellt, sucht er sich

nun die Welt zu unterwerfen und entfremdet sich Gott mit der durch

Christi Lehre zunehmenden Offenbarung immer mehr. Sein Dasein und Ende

ist freilich nicht klar geschildert. Es scheint, dass der Teufel durch

die Lehre Jesu besiegt wird und für immer in der Hölle gefesselt liegen

muss.[28]

Eine besondere Erwähnung verdient die symbolische Darstellung des

Teufels, besonders in der Apokalypse. Es werden hier drei Monstra

geschildert. Das erste ist der grosse Drache, auch die alte Schlange,

Teufel und Satanas genannt. Von ihm heisst es:[29] »Und siehe, es

erschien ein grosser Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner

und auf seinem Haupte sieben Kronen. Und sein Schwanz zog den dritten

Teil der Sterne.« Er ist in der Hölle, was Gott im Himmel. Von ihm sind

zwei andere Tiere abhängig, das Seetier und der Erddrache. Von dem

ersten sagt der Prophet:[30] »Und ich trat an den Sand und sahe ein Tier

aus dem Meere steigen, das hatte sieben Häupter und zehn Hörner, und auf

seinen Häuptern zehn Kronen und auf seinen Häuptern Namen der Lästerung.

Und das Tier, das ich sahe, war gleich einem Pardel und seine Füsse als

Bärenfüsse und sein Mund eines Löwen Mund.« Das Erdtier[31] ist ein

Helfer des Drachen. Es trägt zwei Hörner gleichwie das Lamm und redet

wie der Drache. Diesen Haupttieren sind andere untergeordnet:[32] »Und

ich sahe aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister

gehen, gleich den Fröschen.« Sie versammeln die Könige der Erde, um Gott

zu bekämpfen. Unter diesen Teufeln stehen die Heuschrecken, welche aus

dem Brunnen des Abgrundes kommen und gleich kriegsbereiten Rossen sind.

Ihr Angesicht ist das eines Menschen. Auf dem Haupte tragen sie goldene

Kronen, sie haben Frauenhaare, Löwenzähne und Flügel.[33] Diese

allegorischen Tiere vervollständigen das Bild des Teufels und seiner

Kreaturen und sind die älteste, beschreibende Darstellung, die uns in

der Litteratur begegnet. Ihre Kenntnis ist deshalb von besonderer

Wichtigkeit, weil fast alle Künstler von dem 12. Jahrhundert an ihre

Züge bildlich dargestellt und zum Gemeingut der Phantasievorstellung

gemacht haben.

Das Gesammtbild, welches die Bibel vom Teufel bietet, beruht also auf

echtem Volksglauben ohne jede dogmatische Tendenz und findet in der

Dämonologie viel Verwandtes. Es ist im Gegensatz zu dem Bilde Ahrimans

nicht so scharf gezeichnet, denn während in der persischen Religion der

Dualismus, die Unterscheidung zwischen einem absolut bösen und guten

Princip eine extreme genannt werden muss, ist sie in der Bibel nicht so

konsequent durchgeführt, und der Teufel ist »kein böses Absolutes,

sondern wird in jedem Moment von Gottes Allmacht getragen, die ihn nur

des Ethischen halber Raum lässt.«

Ebenso wie der Glaube an den Teufel volkstümlich war, geradeso der an

die Hölle. Die Juden hatten keinen Ort der Vergeltung, und in den

älteren Schriften des alten Testamentes wird nur der Abgrund, wie Luther

[Hebrew: She'ol] übersetzt, als ein finsterer, in der Tiefe gelegener

Ort erwähnt, an dem die Toten in Grabesstille ruhn.[34] Erst in den

nachexilischen Schriften unter Einfluss der persischen Anschauungen

dringt die Vorstellung von einem Strafort in den Volksglauben, und die

Sünder führen in Gehenna[35] ein Schattendasein, ähnlich den

abgeschiedenen Seelen im Hades.

Durch die Lehre Christi, welche in dem Bestreben die Moral zu heben die

ausgleichende Gerechtigkeit Gottes betont, wie die Parabel von dem

reichen Mann und armen Lazarus beweist, wird die Vorstellung von der

Hölle weiter ausgebildet. Häufig zieht sie Christus in seine

Betrachtung, ohne dass ihr Bild als abgeschlossenes Ganzes uns begegnet,

vielmehr muss es aus den vorhandenen Andeutungen erst konstruiert

werden. Danach schlagen Flammen und Rauch aus einem nie erlöschenden,

ewig brennenden Schwefelpfuhl empor,[36] in dem sich die Sünder vor

Durst verzehren.[37] Oder die Vorstellung geht vom Gegenteil aus, und

ewiger Frost umgiebt in der Hölle die Verdammten, welche heulen und vor

Kälte mit den Zähnen klappen.[38] An jenen Ort des Schreckens gehen die

törichten Jungfrauen,[39] der unnütze Knecht,[40] Gottlose, Ehebrecher,

Diebe, Mörder, Götzendiener, Giftmischer, Unzüchtige, Lügner.[41] Sie

alle schmachten in ewiger Pein, umgeben von Satan[42] und seinen

Geistern, welche hier gefesselt liegen.[43] Der Sünder empfängt den Lohn

für sein Verbrechen. Der Beginn der Höllenstrafen erfolgt nach dem

grossen Weltgericht am Ende der Tage, auf das Christus oft prophetisch

hinweist.[44] Dieses hatte im alten Testamente nur als dichterisches

Bild der weltrichtenden Weltgeschichte gegolten,[45] da Gott zwischen

Israel und seinen Feinden richten und die Heiden unterwerfen würde oder

als Bild der Vergänglichkeit der Schöpfung, welche in heiliger

Naturpoesie der Ewigkeit Gottes entgegengesetzt war.[46] Das Ende der

Tage wurde dann in der neuen Lehre mit dem jüngsten Gericht verbunden,

wo Christus wiedererscheint, zu richten und zu trennen Selige und

Verdammte.[47] Jene gehen in den Himmel ein, diese in die Hölle.

Versöhnend schliesst so die Lehre von der Gerechtigkeit Gottes ab, ewige

Wonne den Gerechten, ewige Qual den Verdammten.

Die Lehre der Kirchenväter über den Teufel und die Hölle.

Die im neuen Testamente niedergelegten Anschauungen vom Teufel und der

Hölle sind nun dauerndes Eigentum der kommenden Jahrhunderte geworden.

Das Böse zu erkennen, den Teufel zu besiegen, der Hölle zu entgehen, den

Himmel zu erringen, das ist das heisse Sehnen der Gläubigen.

In der ersten grossen Entwicklungsperiode des Christentums, die bis zum

Untergang des weströmischen Reiches zu rechnen ist, verband sich der

christliche Glaube mit dem römisch-hellenischen, sowie orientalischen an

die alten Götter und Dämonen. Die philosophischen Spekulationen der

Gnostiker und Manichäer über den Ursprung und das Wesen des Bösen

berührte wenig den Volksglauben, dem die christlichen Priester im

Gegenteil Concessionen zugestehen mussten, um den Übertretenden die

Heilsbotschaft begreiflich zu machen.[48] Die Existenz der alten Götter

wurde nicht geleugnet, aber sie wurden als böse Dämonen erklärt oder

wohl gar mit dem Namen von Heiligen in Verbindung gebracht.[49] Diente

doch die Statue des jugendlichen Hermes [Greek: Kriophoros] als

Christus.[50] Den alten Glauben mussten die Übertretenden abschwören,

aber er lebte in dem an den Teufel weiter fort. So trieben Exorcisten

den Täuflingen den Teufel aus.[51] Man glaubte, dass ein böser Dämon

jeden Menschen von seiner Geburt an begleite und also erst vertrieben

werden müsse, sollte der Mensch nicht für immer an seinem Leibe und

seiner Seele Schaden nehmen. Indem ferner die Kirchenväter den Glauben

zum Dogma erhoben, lehrten sie, dass der Teufel und die Dämonen von Gott

als gut geschaffen seien, dann abgefallen und eine Gemeinschaft unter

einem Obersten bildeten. Ihr Sinnen und Trachten gehe nur darauf aus,

alles, was Gott geschaffen und geordnet hat, zu vernichten. Der Teufel

übt schrankenlose Macht auf Erden aus, kann indessen die Menschen zur

Sünde nicht zwingen, wohl aber durch alle möglichen Mittel anreizen. Er

steht zu den Menschen in inniger Beziehung, schliesst mit ihnen

Bündnisse, um sie zu gewinnen.[52] So sagt Augustin:[53] »Die Zauberer

leben mit den Dämonen in einer gewissen Gesellschaft und haben gleichsam

einen Bund mit ihnen.« In diesem Glauben an die wirkliche Existenz des

Teufels sind alle Kirchenlehrer einig. Worin sie auseinandergehen, sind

drei Fragen:[54] 1) Über die physische Gestalt und Beschaffenheit des

Teufels. 2) Worin bestand und wann fällt ihre erste Sünde? 3) Welches

ist ihr Aufenthaltsort zwischen ihrem Fall und dem jüngsten Gericht? Der

äusseren Gestalt nach ist der Teufel ein hässlicher Mohr von

aussergewöhnlicher Stärke und Grösse[55] oder eine Missgestalt mit

Hundeschnauze, behaart bis zu den Füssen, mit glühenden Augen, Feuer

aus der Nase und Mund speihend und mit den Flügeln der Fledermaus.[56]

Eine bilderreiche Sprache schildert ihn als scheusslichen Drachen mit

drei Köpfen[57] -- nach dem Vorbilde des Cerberus -- oder vergleicht ihn

mit einem bellenden Hunde[58] oder einem schnaubenden Rosse.[59] Die

Frage, warum die Engel gefallen sind, ist verschieden beantwortet

worden. Die einen meinten aus Hochmut, die andern aus Neid.[60] Als

Aufenthaltsort aber dachte man sich gemeinhin die Erde. Indem die Väter

diese drei Fragen zu lösen suchten, entwickelten sie allmählich das

Wesen des Teufels genauer, gaben dem Begriffe eine bestimmte Form und

der Gestalt mehr Realität.

An dem Bilde der Hölle, wie sie das neue Testament schildert, hielten

die Kirchenlehrer fest.[61] Sie verlegten sie in das Innere der Erde und

vergleichen ihr Feuer mit dem von Sodom[62] oder nennen es ignis

corporalis,[63] [Greek: pyr aiônion, asbeton, sôphronoun]. Indem sie so

mit der Schilderung der Bibel übereinstimmen und auch den Glauben an das

jüngste Gericht beibehalten, streiten sie nur über die Ewigkeit der

Hölle, über den Beginn der Strafen der Verdammten und über das Ende des

Teufels, welcher in der Hölle gefesselt liegt. Diese Streitigkeiten

eingehend zu erörtern, muss der Theologie überlassen bleiben, wichtig

aber ist ihr Resultat. Zum Dogma wurde die Lehre des Origenes erhoben,

dass die Strafen sogleich nach dem Tode beginnen, und dass das jüngste

Gericht eine Erhöhung der Strafen bringe. Der Teufel, welcher bis dahin

auf Erden und in der Hölle herrschte, bleibt jetzt in der letzteren. So

haben zwar die Kirchenlehrer für die Topologie der Hölle wenig Neues

beigebracht, aber das Verhältnis des Teufels und der Verdammten zu ihr

näher bestimmt.

Die Anschauungen über den Teufel und die Hölle im frühen Mittelalter

bis zur Zeit der Ottonen.

Die Lehren der Kirchenväter haben im Mittelalter mit der Bekehrung der

Germanen, deren Cultur wesentlich religiösen Inhalt enthielt, ihre

fruchtbarste Verwertung gefunden. In der Poesie, dem Gebiete, auf

welchem die schöpferische Geisteskraft der Germanen in besonders

eigenartiger Weise zur Geltung gelangte, werden der Teufel und die Hölle

oft geschildert. Durch Vermischung römisch-griechischer, christlicher

und germanischer Vorstellungen erhält die Gestalt des Teufels Attribute,

welche bleibend geworden sind, und der Charakter das Satanische, was ihm

bisher fehlte.[64]

Diese neue Metamorphose betont bald das Menschliche, bald das Tierische.

Wie früher wird der Teufel als rabenschwarzer Mohr geschildert mit

runzliger Haut.[65] Er ist entweder erschreckend gross oder eine

Zwerggestalt, welche an Figuren der germanischen Mythologie erinnert.

Zuweilen verrät ihn ein Bocksohr, Hörner, Schwänzchen, Pferdefuss,

Attribute, welche den Satyrn eigen sind und auch leicht zu den Tieren

Bezug nehmen, welche germanischen Göttern beigegeben waren, wie der

Bock dem Thor, das Pferd dem Odhin.[66]

Auf den Teufel werden alle möglichen Laster zurückgeführt. Das

Würfelspiel, dem die Germanen leidenschaftlich frönten, galt als seine

Erfindung und von ihm glaubte man, dass er in der Hölle um

Menschenseelen spiele.[67] Der Teufel tritt als Zauberer und

Wettermacher auf, er bewirft die Priester und Frommen mit Steinen und

steckt die Häuser in Brand. Er bringt Ungeziefer, Würmer und Krankheiten

hervor. So wird er zum handelnden Individuum mit menschlichen

Leidenschaften.[68]

Wie seine Person allmählich aus verschiedenen Elementen erwuchs, so

verschmolzen auch mit dem Begriffe der Hölle die verschiedenartigsten

Vorstellungen. Hier gingen die germanischen Anschauungen besonders

leicht in die christlichen über. So wird Hel zur Hölle, wie schon die

Ethymologie des Wortes zeigt und die Vorstellung von dem Weltuntergange

wird mit der Idee von dem jüngsten Gerichte verbunden. Als Zeugnis für

die Verschmelzung sei auf den Heliand[69] und Muspilli[70]

verwiesen.[71]

Die Hölle wird besonders gern in lateinischen Gedichten des zwölften

Jahrhunderts behandelt. In diesen wird die Qual der Verdammten

ausführlich geschildert. Angeführt seien zwei Gedichte:[72]

Tunc infernus apparebit

et damnatos absorbebit,

fulgus ignis atque vermes

Trucidabant peccatores.

Das zweite »De poena peccatoris« betitelte lautet:[73]

O quam grave, quam inmite,

A sinistris erit: »ite«

Cum a dextris: »vos venite.«

dicet rex, largitos vitae.

Tunc spes omnis interibit

et cras cras prorsus abibit.

ad tormenta quisquis ibit,

jam amplius non exibit.

Ibi flammis exuretur

et a vermis rodetur,

ab angustiis augetur,

qui salvari non meretur,

et turribiles ultores

judicabant pravos mores.

Die eingehende Ausmalung der Hölle bei der Schilderung des jüngsten

Gerichtes treten im Mittelalter in den Mittelpunkt fast aller

Vorstellungen, zumal als man um das Jahr 1000 nach der Lehre der

Kirchenväter den Untergang der Welt erwartete.[74] Als dieser dann nicht

eintrat, blieb das jüngste Gericht als ein beliebtes Thema der Predigt

bestehen, welche die Qualen der Hölle als ein memento mori mit

besonderem Behagen ausmalte.[75]

Die Darstellung des Teufels und der Hölle in der Kunst.

Die Darstellung in der altchristlichen Kunst.

Aus der Verbindung biblisch-christlicher, römisch-griechischer und

germanischer Mythologie war also, wie wir gesehen haben, jene

eigenartige Vorstellung von Hölle und Teufel allmählich erwachsen,

welche ein Gemeingut aller Völker Europas bis auf den heutigen Tag

geblieben ist. Es konnte nicht ausbleiben, dass sich die Kunst sehr bald

dieses Themas bemächtigte. Der Moment traf etwa ungefähr in der

karolingischen Periode um das siebente, achte Jahrhundert ein. Die

vorangehende altchristliche Kunst, welche, wesentlich auf die

Ausschmückung der Katakomben beschränkt, mit jenen in Beziehung stehende

Stoffe vorzugsweise veranschaulichte, also heitere Bilder von der

Auferstehung, dem ewigen Leben, vom guten Hirten, welcher der verirrten

Seele nachgeht und durch Wunder seine göttliche Mission bethätigt und

erfüllt, konnte noch kein Bedürfnis empfinden nach Darstellung von Hölle

und Teufel, vom jüngsten Gericht und der ewigen Verdammnis. In der

Katakombenkunst wird man daher nur spärlichen Andeutungen und

Darstellungen dieser Art begegnen. Doch fehlen sie nicht ganz.

So wird z. B. der Sündenfall, der ja die Ursache des leiblichen Todes

der Menschen und ihrer Erlösung war, besonders gern im engen Anschluss

an die Erzählung der Genesis vorgeführt, wobei der Teufel bekanntlich

unter dem Bilde der Schlange auftritt.

Um den Baum, zu dessen Seiten Adam und Eva stehen, ringelt sich die

verführende Schlange, welche der Eva mit dem Maule den Apfel giebt.

Diese Scene findet sich häufig auf Malereien und Sculpturen.[76]

Zuweilen kriecht die Schlange auch an der Wurzel des Baumes.[77] Die

Verführung des ersten Menschenpaares ist dann bereits vollzogen, Eva hat

von dem Apfel schon gekostet und reicht ihn Adam, während die Schlange

nur der frohlockende Zuschauer ist. Manchmal wird sie aber auch direkt

als Verführer dargestellt, wie sie Eva den Apfel entgegenstreckt.[78]

Als Abweichung von der gewöhnlichen Auffassung ist diejenige anzusehen,

in der die Schlange einen Wolfskopf hat.[79]

Für die Komposition dieser Scene fehlte es nicht an Vorbildern. Schon

auf einem altbabylonischen Cylinder sehen wir in der Mitte einen

heiligen Baum, zu beiden Seiten je eine sitzende Figur, im Hintergrunde

eine vom Erdboden sich aufrichtende Schlange.[80] Eine altägyptische

Darstellung, bei der allerdings die Schlange fehlt, zeigt den Baum in

der Mitte, rechts und links Mann und Weib, im Hintergrunde

wahrscheinlich einen Gott. In den Zweigen des Baumes hängt wie zur

Warnung eine mit Hieroglyphen bedeckte Tafel.[81] In der antiken Kunst

ist die Schlange als Hüterin der goldenen Äpfel der Hesperiden

bestellt,[82] und als ständiges Attribut des Asklepios umringelt sie den

Stab des Gottes.[83]

Man wird vielleicht fragen, warum gerade der Sündenfall sich häufiger

findet. Die Behauptung von Kraus,[84] dass das Bild der Stammeltern an

die Neuschaffung in Christo erinnern sollte, dass ferner die Schöpfung

nicht ein Werk des Bösen, sondern Gottes sei, und dass, mag die

Verschuldung des Menschen noch so gross sein, Busse und Bekehrung

möglich sind, ist durch die einfache Handlung wohl ebenso wenig, als

durch die Hinweise auf Aussprüche des Augustin,[85] Prudentius[86] und

Ambrosius[87] motiviert, welche sie vielleicht gar nicht mit Rücksicht

auf die künstlerische Darstellung des Sündenfalles, sondern nur, um eine

ihrer Zeit gefällige Erläuterung über die biblische Erzählung zu geben,

gethan haben. Warum diese Scene so oft dargestellt worden ist, zeigt die

Betrachtung ihres Zusammenhanges mit anderen Bildern derselben Räume

oder derselben Gemälde. So ist in den Katakomben fast überall

gleichzeitig Christus als guter Hirt gleichsam als Pendant dazugegeben,

auf den zugleich hingewiesen wird als den Erlöser des durch den Teufel

überwundenen und zum ewigen Tode verdammten Menschengeschlechts. Nach

Kraus Auffassung würde die Schlange ferner eine nur nebensächliche Rolle

spielen, während der doch gerade von ihm angeführte Prudentius sie

gebührend hervorhebt. Und die Schlange, welche selbst den Apfel reicht,

muss man doch als causa movens des ganzen Vorganges bestehen lassen.

Dass sie aber das Bild des Teufels ist, bezeugt ausser der Bibel der

Ausspruch des Augustin.

Ein weiteres Bild zeigt den Teufel in der Figur einer Schlange oder

eines Drachen, die durch den triumphierenden Erlöser besiegt sind, wohl

im Anschluss an Psalm XCI,13. So sieht man auf einer Thonlampe aus dem

fünften Jahrhundert Christus mit der in ein Kreuz auslaufenden Lanze

eine Schlange zu seinen Füssen durchbohren, während sich ein Drache

neben ihm auf der einen Seite erhebt, auf der andern aber eine Viper

sich windet.[88] Auf einer aus derselben Zeit stammenden Broncelampe

wird das Haupt des Drachen, welcher den verderbenbringenden Apfel im

Rachen trägt, von dem Kreuze durchbohrt.[89] Ein anderes Mal zertritt

genau nach dem biblischen Texte Christus die Schlange.[90]

Ein ferneres Symbol für den Teufel ist Goliath, welcher von David mit

der Schleuder erlegt wird. So bezeugt Augustin:[91] Goliam magnum,

robustum, armis terribilibus ingentique turba munitum, David solus, puer

parvus atque inermis uno lapide ictu prostravit. Quid autem petra Goliam

manu David missa, nisi Christum contra Diabolum ex semine David venturum

significavit? Eine solche Darstellung ist sicher auf einem Deckengemälde

zu S. Callisto nachgewiesen.[92]

In ähnlicher Weise wird Pharao als der böse Feind der Kinder Gottes

aufgefasst, insofern als er das auserlesene Volk beim Durchgang durch

das rote Meer vernichten wollte.[93] Ein derartiges Mosaik ist in St.

Maria maggiore zu Rom vorhanden,[94] doch ist es sehr fraglich, ob noch

die symbolische Auffassung zulässig und nicht vielmehr die rein

historische als solche vom Künstler gegeben ist.

Von antiken Darstellungen, welche sich analog den heidnischen Göttern

Umdeutungen im christlichen Sinne haben gefallen lassen müssen, kann nur

eine als hierher gehörig angeführt werden: Odysseus und die Sirenen. Im

fünften Jahrhunderte erklärte der hlg. Maximus von Turin das Schiff des

Odysseus für ein Vorbild der Kirche, den Mast als Symbol des Kreuzes, an

welchem sich die Gläubigen festhalten. Die Sirenen bedeuteten die

Personifikation des Bösen, welcher die Menschen verführen will. Sie sind

gewöhnlich als Vögel mit Menschenköpfen gebildet.[95]

Noch spärlicher als der Versuch einer symbolischen Wiedergabe des

Teufels ist in der altchristlichen Kunst die der Hölle. Nur eine

allerdings häufig wiederkehrende Komposition lässt sich anführen: Jonas

im Leibe des Wallfisches.[96] Diese Scene wird wie die des Sündenfalles

fast immer gleich komponiert. Die Besatzung eines mit den Fluten

kämpfenden Schiffes wirft den Propheten, der sich als die Ursache des

Unwetters bekennt, kopfüber in die schäumende Flut. Er wird von einem

Seedrachen verschlungen. In einem anderen Bilde sehen wir, wie ihn das

Untier ausgespieen hat und wie er am Strande unter einer Kürbisstaude

ruht. Die Leiden, welche der Prophet in dem Leibe des Untieres erduldet,

deuten auf jene an dem gefürchteten Orte der Finsternis; und somit

stellte das Untier selbst die Hölle vor; die glückliche Errettung

deutete man aber auf die Auferstehung. So passte auch diese Scene

vortrefflich zum Schmuck eines Totengemaches. Motive für diese

Komposition dürften vielleicht in der antiken Darstellung: Perseus, die

gefesselte Andromeda von dem Drachen befreiend, zu suchen sein. Der

phantastische Drache, losgelöst aus der Komposition, ist dann zum

Dekorationsbilde geworden.[97] Er verschlingt einen Jüngling, dessen

Oberkörper aus dem Rachen ragt, während er die Arme wie Hilfe suchend

ausstreckt.

Eine andere Darstellung aus dem alten Testamente: Simson, welcher die

Thore von Gaza auf seinen Schultern fortträgt,[98] wird vorbildlich auf

Christus, der die Höllenthore zertrümmert, gedeutet. So sagt

Augustin:[99] Tollit portas civitatis, id est, aufert portas inferni.

Quid est, portas inferni tollere, nisi imperium removere? Diese

Darstellung hält Martigny auf einer Broncemedaille sicher

nachgewiesen[100] und als wahrscheinlich auf einem Fresko von S.

Hermas.[101]

Aus diesen wenigen Darstellungen geht hervor, dass die altchristliche

Kunst den Teufel und die Hölle nur symbolisch angedeutet und beide stets

dem Gedanken der Verherrlichung Christi untergeordnet hat. Die einzelnen

Kompositionen zeigen in Übereinstimmung mit der gesammten Kunst ihre

Abhängigkeit von der Antike und sind von besonderem Interesse, weil

einige von ihnen wie die Darstellung des Sündenfalls und des Jonas in

die spätere Kunst des Westens übergegangen und somit von frühster Zeit

an ein bleibender Besitz derselben geworden sind.

Die Darstellung des Teufels und der Hölle im Zeitalter der Karolinger

und Ottonen.

Die symbolische Darstellung des Teufels und der Hölle war mit der

altchristlichen Kunst zwar nicht erloschen, aber sie trat allmählich

zurück, seitdem die Kunst den bekannten Vorstellungen der Zeit

entsprechend unter den Karolingern und Ottonen den Teufel

anthropomorphisiert und der Hölle ein plastisches Bild zu geben

versuchte. Wo die Anfänge für diese Entwicklung zu suchen sind, dürfte

bei dem Mangel an Beispielen kaum zu bestimmen sein. Offenbar sind die

betreffenden Kompositionen innerhalb des achten bis zwölften

Jahrhunderts unter dem auf dem Occident damals sich stark äussernden

Einfluss der byzantinischen Kultur ausgebildet, wie aus der

Übereinstimmung mit vorhandenen gleichzeitigen byzantischen

Darstellungen hervorgeht. Sie werden wie schon früher im Anschluss an

die Erzählung der Bibel, deren Illustration damals das allgemeine

Interesse beanspruchte, ziemlich wortgetreu wiedergegeben, und es ist

nicht schwer, aus der eingehenden Betrachtung derselben das Gesammtbild

der künstlerischen Gestaltung des Teufels und der Hölle zu gewinnen.

Von den Erzählungen des alten Testaments wird der Sündenfall stets in

gleicher Auffassung wie in der altchristlichen Kunst geschildert,

weshalb von einer besonderen Aufzählung von Illustrationen hier

abgesehen werden darf. Beachtenswert ist jedoch, dass in dieser Zeit

zuerst der Oberkörper der Schlange menschlich gebildet worden ist.[102]

Diese Auffassung ist ungleich feiner, als die frühere. Die sprechende,

verführende Schlange ohne jede Vermenschlichung mochte den Künstlern als

zu wenig der Wirklichkeit entsprechend erscheinen. Indem sie ihr nun

einen menschlichen Oberkörper gaben, machten sie das Verführungswerk der

Schlange wahrscheinlicher und gaben der Handlung eine grössere

Lebhaftigkeit. Erwähnt sei von den zahlreichen Darstellungen dieser Art

eine bisher nicht edierte, in der historia veteris ac novi testamentis

cum figuris illustrata,[103] wo der Verführer als Schlange mit fast

menschlichem Oberkörper geformt ist. Mit einer Hand hält er der Eva den

Apfel entgegen. Der Kopf ist mit einer Mütze bekleidet.

Eine in der altchristlichen Kunst bisher noch nicht nachzuweisende

Komposition stellt Simson im Kampfe mit dem Löwen dar, der bekanntlich

als das Bild des Teufels gilt; der jugendliche Held reitet entweder auf

dem Tiere und reisst ihm, sich vorn überneigend, den Rachen auseinander

oder er dringt auf ihn ein und ringt mit ihm wie z. B. auf einem Relief

an der Thür des Domes von Augsburg zu sehen ist. (XI. Jhrdt.)[104] Auch

hier wie in der altchristlichen Kunst gilt Simson als Vorläufer Christi;

der Kampf des Guten gegen das Böse, die Überwindung des Teufels ist das

Thema. Vielleicht war aber auch diese Darstellung schon in der früheren

Kunstperiode vorhanden, in deren Rahmen sie hineingepasst und aus der

sie sich dann mit den übrigen in die Folgezeit hinübergerettet hätte.

Die erwähnten Scenen scheinen die einzigen aus dem alten Testamente zu

sein, in denen der Teufel symbolisch angedeutet ist. Für die reale

Darstellung kann nur eine Miniatur zum Buche Hiob aus einer Bibel des

IX/X. Jhrdts. angeführt werden:[105] Der Teufel Hiob steinigend. Der

Teufel, ein kleines, schwarzes, geflügeltes Männchen, tanzt vor dem auf

Trümmern sitzenden Hiob, frohlockend über sein vollbrachtes Werk. In der

Hand hält er eine Kohlenpfanne, um die Trümmer zu entflammen. Auf

demselben Blatte quält er den trauernden Dulder mit einem Stachel. Der

Teufel ist hier in seltener, sonst in dieser Zeit nirgends

wiederkehrenden Auffassung gleich den Engeln Gottes mit dem Nimbus

dargestellt, ein Beweis für die byzantinische Herkunft der Miniatur;

denn wie Godeh. Schäfer in den Noten zum Malerbuch vom Berge Athos[106]

auseinandersetzt, bezeichnet der Nimbus im Orient irgend eine Gewalt,

gut oder böse, und nicht die Heiligkeit allein.

Die Mehrzahl der Darstellungen schliesst sich indes den Erzählungen des

neuen Testamentes an, in welchem ja der Teufel und die Dämonen, wie wir

gesehen haben, häufig erwähnt und mit dem Leben des Herrn oder seiner

Apostel und Nachfolger in Beziehung gebracht werden. Aus diesen Scenen

lernen wir die künstlerische Gestalt des Teufels am besten kennen.

Eine beliebte Illustration bilden die Versuchungen Christi,[107] welche

jene Zeit, ohne zu grübeln, nach dem Texte des Evangelisten buchstäblich

wiedergegeben hat. Die Versuchung erfolgte bekanntlich an drei Orten: in

der Wüste, auf der Zinne des Tempels und auf einem hohen Berge. Sie

äussert sich auf dreifache Art. In der ersten wird der Heiland durch

Hunger gequält, in der zweiten ein Beweis seiner Allmacht verlangt, in

der dritten an seine Herrschsucht appelliert. Diese feinen Unterschiede

der Erzählung sind in den Kompositionen der drei Scenen vom VIII.-XII.

Jhrdt. nirgends zum Ausdruck gekommen, offenbar weil die Kunstmittel

dazu nicht ausreichten, sondern der Teufel, der im Texte als

Repräsentant dreier Laster erscheint, der Genusssucht, des Stolzes und

der Herrschbegierde, wird immer in gleicher Weise dargestellt. Welche

Versuchung gemeint ist, kann man allein äusserlich aus der gewöhlich

ziemlich bestimmt gezeichneten Örtlichkeit erkennen. Von den häufigen

Illustrationen in Miniaturen dürfte die des Gregor v. Nazianz (IX.

Jhrdt.) die frühste sein, welche wir kennen.[108] In dem byzantinischen

Manuskript ist der Versucher in menschlicher Gestalt, schwarz,

geflügelt, nackt bis auf den Lendenschurz dargestellt. In einer

Handschrift Kaiser Otto's in Aachen (X. s)[109] tritt der Teufel in den

drei Bildern als fast nackter Mann auf. Er ist nur mit einer graublauen

Binde bedeckt, welche um den Leib gewickelt ist, zum Halse aufsteigt,

ihn umschliesst und von der rechten Schulter über die Brust herabhängt.

Er stützt sich auf einen Stab. Als Teufel charakterisieren ihn

Flammenhaare und grosse rote Flügel. In dem einen Bilde erscheint er als

eine Kreatur von niedriger Gestalt, die vor Christus zu fliehen scheint,

in einem andern ist er rein menschlich gebildet und zeigt mit lebhaftem

Gestus auf die Steine. In der Handschrift No. 110 zu Berlin (X. Jhrdt.)

ist er als geflügelter, stierköpfiger Mensch gebildet. Seine Farbe ist

blass schwarz. An den Waden und Ellenbogen hat er spitze, hornartige

Auswüchse.[110] In dem gleichzeitigen Wandgemälde von S. Angelo in

Formis, das zweifellos von griechischen Künstlern ausgeführt ist, kommt

Christus zwischen Palmen von links her geschritten. Vor ihm steht der

Teufel in gebückter Haltung und nimmt aus einer Vase Steine, wobei er

Christus ansieht, als wollte er sagen: »Bist Du Gottes Sohn, so sprich,

dass diese Steine Brot werden.« Der Teufel ist als hagerer Mann mit

grossen Flügeln gebildet in ähnlicher Auffassung wie bei Gregor v.

Nazianz und in Aachen.[111] In dem Visehrader Evangeliar (XII. Jhrdt.)

trägt der Teufel, dessen Füsse hier in Krallen ausgehen, eine Hacke,

welche die in Brot zu verwandelnden Steine aufzuheben bestimmt ist.[112]

Eine interessante Darstellung findet man in dem psalterium cum figuris

(XII. Jhrdt.) Christus steht auf dem Gipfel des Berges, vor ihm Satan

ein Spruchband haltend mit der Inschrift: »Haec omnia tibi dabo, si

cadens adoraveris me.« Hinter dem Herrn steht der Teufel noch einmal, um

anzudeuten, dass er den Heiland auf den Berg getragen hat. Der Versucher

hat Adlerklauen, eine Fratze auf dem Leibe und ein Schwänzchen.[113] Mit

diesen Miniaturen stimmt auch inhaltlich das Relief auf der

Bernwardsäule überein.[114] Der Versucher, ein nackter Mann ohne weitere

Attribute, flieht entsetzt vor dem standhaft gebliebenen Erlöser.

Die Übereinstimmung der Compositionen untereinander und mit den

Vorschriften des Malerbuches vom Berge Athos[115] spricht nicht nur für

den geistigen Zusammenhang der Illustratoren, sondern auch für die

gemeinsame Provenienz des Stoffes, und die geringen Abweichungen, z. B. in

den Attributen des Teufels fallen bei der gleichen Gesammtauffassung nicht

in's Gewicht. Wenn Dobbert sagt,[116] dass das Specifisch-Byzantinische

der Versuchungsbilder in St. Angelo in Formis auf dem Gebiete der

Gebärden- und Bewegungsmotive liegt, so gilt dies auch für die

abendländischen Darstellungen.

In einer neuen Gruppe von Bildern, welche Heilungen von allerlei

Besessenen darstellen, erscheint der Teufel als Urheber der Krankheit.

Die bekannteste darunter ist das Wunder zu Gerasa,[117] ein, wie es

scheint, schon früh, vielleicht im fünften Jahrhundert, behandeltes

Thema; und wenn wir dieses erst jetzt betrachten, so geschieht es

deshalb, weil die Darstellung ihrer Entstehung nach auf Byzanz weist,

dazu das historische, nicht das symbolische Element betont. In allen

Bildern dieser Art ist das von Christus vollzogene Wunder die

Hauptsache. Um es begreiflich zu machen, entschweben dem Munde der

Besessenen kleine Dämonen, welche sich auf eine Herde Schweine stürzen.

Auf einer byzantinischen Elfenbeinarbeit aus dem fünften

Jahrhundert[118] lässt der unbekannte Künstler den Dämon aus dem Munde

des Besessenen entschweben, und eine Herde Schweine sich in das Wasser

stürzen, um anzudeuten, dass der böse Geist in diese Tiere gefahren ist.

Ähnlich ist ein Mosaikgemälde in St. Apollinare Nuovo zu Ravenna.[119]

In späterer Zeit, vom IX. Jhrdt. an, wird die Scene reicher

ausgeschmückt. Die Stadt Gerasa und ihre Einwohner erscheinen da im

Hintergrunde und sind Zeugen des Wunders. Der Besessene ist dabei meist

gefesselt, offenbar ein Zeichen, dass er sich noch in der Gewalt des

Teufels befindet. Manchmal liegen die Fesseln gesprengt am Boden, um die

erlangte Befreiung aus der Gewalt der Dämonen anzudeuten. Darstellungen

dieses Inhalts kommen häufig in Miniaturen vor, so in dem Utrechter

Evangelienbuch (X. Jhrdt.)[120] und auf den Wandgemälden der Insel

Reichenau (X. Jhrdt.).[121] Auch in den Darstellungen des XI. und XII.

Jhrdt. ist, was die Komposition anlangt, keine Änderung vorgenommen.

Alle diese Darstellungen, besonders die beiden zuerst genannten, zeigen

gleichfalls die traditionelle Abhängigkeit von Byzanz.

In den übrigen Scenen, welche sonst noch die Heilung von Besessenen

behandeln, ist die Ausführung ähnlich.[122] Der Dämon entschwebt stets

als kleines geflügeltes Männchen dem Munde.[123] Einmal in der

Handschrift des neuen Testamentes im Vatikan ist er sogar als kleiner

antiker Satyr mit Hörnern und Schwänzchen gebildet.[124]

Eine wichtige Rolle spielt der Teufel in dem Leben des Judas Ischarioth.

Der Verrat Christi ist sein Werk; denn es heisst Ev. Joh. 13,27: »Und

nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.« Als wortgetreue Illustration zu

diesem Text ist der Teufel als roter Vogel, der in den Mund des

Verräters fliegt, auf mehreren Abendmahlsbildern bezeichnet. Judas sitzt

gewöhnlich isoliert von den Jüngern, eine Anordnung, die schon in den

ältesten Darstellungen des Abendmahles erscheint. So taucht z. Bspl. im

Visehrader Evangelienbuch der allein sitzende Judas mit der Rechten in

die Schüssel und führt mit der Linken den Bissen in den Mund, wobei

zugleich der Teufel in Gestalt eines roten Vogels hineinschwebt.[125] Im

Münchener Evangelienbuch fährt ein schwarzer Dämon in den Mund. Auf

einem Wandgemälde der Portikus Hadrians zu Athen macht ein schwarzer

Dämon am Ohr des Judas diesen als Verräter kenntlich.[126]

Der Teufel, welcher durch den Verrat des Judas ein Anrecht auf diesen

hat, nimmt deshalb auch nach dem Tode des Verräters von diesem Besitz.

Nach Math. 27,5 hat sich Judas erhängt. Nur zwei hierauf bezügliche

Darstellungen sind anzuführen. Die erste befindet sich in einem

byzantinischen Manuskript, welches Waagen beschreibt. Der schwarze

Teufel zieht Judas an einer schwarzen Schlinge, die um seinen Hals

geschlungen ist, empor, um ihn an einem Baume aufzuhängen.[127] Der

Teufel knüpft also selbst den Verräter auf und wird so zum

Strafvollstrecker, während in dem Bilde auf den Erzthüren von Benevent

(XII. Jhrdt.) sich Judas bereits selbst erhängt hat. Ein kleiner nackter

Teufel hat ihn umarmt, um seine Seele in Besitz zu nehmen.[128]

Schliesslich sei noch auf die Darstellung des Judas Ischarioth nach dem

Tode in der Hölle hingewiesen, welche aber an anderer Stelle ausführlich

besprochen werden soll. Aus allen diesen Scenen aber ist ersichtlich,

dass zwar die künstlerische Darstellung des Teufels sich eng an die

Bibel anschliesst, zugleich aber auch der Auffassung der Zeit

entspricht, welche den Teufel als den intellektuellen Urheber der

verräterischen That und den Strafvollstrecker hinstellt.

Mit diesen letzten Bildern dürften die Kompositionen, in denen der

Teufel auftritt, erschöpft sein. Wir gehen nunmehr zur Betrachtung der

Höllendarstellungen über, in denen zwei Auffassungen, die symbolische

und reale, gleichzeitig und parallel miteinander auftreten. Eine

Ableitung also der einen aus der andern, wie sie vielfach mit Glück für

andere Stoffe aus der altchristlichen und späteren Kunst nachgewiesen

ist, dürfte also hier ausgeschlossen sein.

Von der symbolischen Gattung hat Dr. Georg Voss[129] einige

byzantinische Miniaturen erwähnt. Die Hölle ist als Hades in einer

Gestalt, die teils an Silen,[130] teils an den dreiköpfigen

Cerberus[131] erinnert, dargestellt. Für diese Bilder sind antike Motive

klar. Eine ganz vereinzelte Darstellung, deren Ursprung ich nicht

erklären kann, befindet sich in einer lateinischen Bibel in Paris (X.

Jhrdt.). Zu einem kegelförmigen Hügel zieht spiralförmig ein Weg hinauf.

Aus der trichterförmigen Spitze schaut ein missgestalteter Kopf heraus,

welchen eine Inschrift als facies abyssi im Anschluss an Gen. 1,2

bezeichnet (eine merkwürdige Vorstufe zu Dantes Schöpfung).[132] In

einer vatikanischen Handschrift aus dem XII. Jhrdt. wird die Hölle als

schilfbekränzte, weibliche Gestalt dargestellt, welche Pharao in den

Abgrund zieht.[133] Sonst wird sie noch häufig durch den weitgeöffneten

Rachen eines drachenartigen Ungetüms angedeutet. So ist auf den

Korsunschen Thüren zu Nowgorod (XII. Jhrdt.) als Thürklöpfel der

geöffnete Rachen eines Löwen angebracht. Aus dem mit scharfen Zähnen

besetzten Rachen schauen fünf Unglückliche heraus. Oberhalb des Kopfes

steht: Die Hölle verzehrt die Sünder.[134]

Der Teufel und die Hölle in der darstellenden Kunst von den Anfängen bis zum Zeitalter Dante's und Giotto's · 第 1 / 6 段