ERBLINDUNG

Nie faßt ihr sehend Seligen den Trug

Und Jammer, den die Blindheit birgt;

Daß, seit mich die Erblindung niederschlug,

Ein Heulschrei immer meine Kehle würgt.

Seht her, wie wild verfiebert ich noch schwitze,

Da ich vom Sonnenuntergang geträumt.

Sah ich's denn nicht, wie eine goldne Litze

Blaugraue Hügelwellen schön umsäumt?

Ich sah's und sah es nicht, -- und seh es nie.

Es war das Wahnsinnslachen meiner Trauer.

Ich bin im engen Stall der Welt ein Vieh,

Die Luft ist steinig dick wie eine Mauer.

Nacht oder Tag: ist all in eins verjammert,

Da solch ein Leben ohne Leben ist.

Mich hält das tiefste Grauen tief umklammert,

Das langsam sicher meinen Leib zerfrißt.

Der unendliche Mensch: Gedichte · 第 67 / 79 题