JUNGER SOLDAT

Schon heult die Nacht. Die Schlacht brüllt auf und brennt.

Bald sind auch wir nur Fetzen.

Noch in Reserve unser Regiment.

Wir warten entseelt in Entsetzen.

Brach wirklich hin, was kaum noch blühend sang?

Für wessen Habsucht-Rachen?

O Gott! Warum der viehisch rohe Zwang,

Totschlag und Qual und Nieerwachen!

Wer ist mein wahrer Feind? Ich wurde Knecht

Nur durch den eignen Staat.

Sind aber Ruhmgier, Raubgelüst im Recht?

Jung sink' ich hin, jung ohne Tat.

Mai, Juni, Juli, Monate der Blumen,

Werd' ich euch wiedersehn?

April ist jetzt. Heut' soll noch in den Krumen

Der Erde all mein Herz zergehn.

Ward die Geduld der Jugend und Gefahr

So hinterrücks belauert?

Muß Strafe sein, wo keine Sünde war,

Wo nur ein früh Sichsehnen schauert?

Liebst du mich nicht, Macht meines Vaterlands,

Daß du mich niedertrittst?

Nur um der Feldherrn willen und des Stands,

Der eitel waltet und besitzt.

Sind nicht auch wir wie ihr ein Heimatgut,

Wohl wert auch, daß es bleibt?

Verachtet ihr uns so und unser Blut,

Daß ihr uns auf die Schlachtbank treibt?

O Heimatland, das liebste, das ich wüßte,

Des Lebens tiefster Lohn,

Entweichst du mir? der dich geküßt so küßte

Wie nur dein innigst junger Sohn.

Du Freundeland, Land heißer Jugendbriefe,

Zu Tränen reißt du hin,

Du singst die Sprache meiner trunknen Tiefe: --

Und du erfüllst nicht ihren Sinn.

Kehr' ich noch heim? Und wie? Zerschlagen, krumm,

Ein Krüppel, blind -- ganz blind?

Hier ist kein Aufschrei mehr, nur kalt und stumm

Ist Schutt und Dunst und Todeswind.

Muß wirklich so die Pflicht erniedrigt werden,

Um fremden Glanz zu gründen?

Ist denn die Sonne nicht genug auf Erden?

-- Oder war ich voller Sünden?

Ich darf nicht länger von mir selber wissen,

Schon hör' ich das Signal.

Ich muß, muß, muß, und kann nur immer müssen,

Und selbst zum Mut bleibt keine Wahl.

So zieh ich fort, erloschen und verloren.

Wohin? Nirgendwohin.

Das Ewige ist tot. Ich ward geboren

Für meinen Mord und toten Sinn.

Lebt wohl! Ich will nicht allzu feindlich scheiden --

Daß nicht zum Fluch noch werde,

Was eine Jugend war voll milder Leiden.

Lebt wohl! Ach! Mutter, Brüder, Erde.

Der unendliche Mensch: Gedichte · 第 65 / 79 题