DER DENKER

Ich weiß nicht, was ich bin. Mein Weg läuft schief

Um mich herum, ein wirres Kreiselspiel.

Mein Denken, das zwar immer nach mir rief,

Sagt mir nicht, was ich bin, sagt mir kein Ziel.

Nie kann etwas in mir mich ganz begreifen.

Denn wie begriffe ich dies Etwas dann?

Ich kann Begriffe auf Begriffe häufen:

Und wo man aufhört, fängt's von neuem an.

Wo münde ich, wo ist mein Urbeginn?

Stets bleibt ein Rest beim Spalten und Umspannen.

Blöd scheint der Schrei nach all des Daseins Sinn:

Alldasein ist durch Denken nicht zu bannen.

Können wir nichts als endlich wahr erkennen?

Wir wissen nicht, ob wir Bestimmtes wissen.

Wir dürfen immer nur so weiterrennen,

Wie Blinde fressend, hungernd und zerrissen.

Und stets die Frage, die sich selber fragt

Nach etwas, das man ist und hat und hält!

Es ist das Klagen, das schon nicht mehr klagt:

Nicht als nur da zu sein und ohne Welt.

Sonne ist Nacht, denn Freude ist nicht mehr!

Was könnte ich mit Freude mir gewinnen?

-- Doch der, der fragt: ist jede Fülle leer?

Kann der denn jemals in ein Nichts zerrinnen?

Man lebt, ja, Haß in Menschen und in Herden,

Als sei's ein Wert: größer zu sein als klein.

Wer reicher wird, muß arm an Armut werden,

Wer ärmer wird, wird reich an Armut sein.

Streck' ich mich noch? Ich Wurm. Was ist in mir,

Das je sich selber überragen könnte?

War je ein Mensch, war je ein wildes Tier,

Das (wie ein Gott!) sich von sich selber trennte?

Der unendliche Mensch: Gedichte · 第 24 / 79 题