der Gemahl der guten Frau, ein vornehmer -- vornehmer Herr, sey
angekommen, setzte alles in Bewegung. Groß und Klein kam herauf, ihn zu
sehen, und die kleine Hütte ward ganz von Leuten umringt. Der Graf trat
mit seiner Gemahlinn und seinen Kindern heraus und grüßte die Leute auf
das liebreichste, und dankte ihnen für alles Gute, das sie seiner
Gemahlinn und seinen Kindern erwiesen hätten. »O nicht wir sind ihre
Wohlthäter,« sagten die Leute mit Thränen in den Augen, »sie ist unsre
größte Wohlthäterinn!« Der Graf unterhielt sich lange mit den guten
Leuten, und sprach mit einem jeden aus ihnen, und alle waren über seine
Freundlichkeit entzückt. Indeß hatte das Gefolg des Grafen, mit Hülfe
einiger Kohlenbrenner einen Weg in das Thal gefunden. Unter dem Klange
der Trompeten kamen mehrere Ritter, und eine Menge Knappen zu Pferd und
zu Fuß zwischen zwey waldigen Bergen hervor, zogen in das Thal herein,
und ihre Helme und Spieße leuchteten im Glanze der Sonne wie Blitze.
Alle begrüßten ihre wiedergefundene Gebietherinn mit hoher Freude -- und
ihr Freudenruf hallte rings von den Felsen zurück.
Graf Arno blieb noch ein Paar Tage hier; am Abende, bevor er mit seiner
Gemahlinn und seinen Kindern, mit Kuno und dem übrigen Gefolge abreiste,
gab er noch allen Bewohnern des Thales eine große Mahlzeit. Der Müller
und die Köhler saßen zwischen Rittern und Knappen, und die Tafel sah
sehr bunt aus. Am Ende der Mahlzeit beschenkte der Graf seine ländlichen
Gäste, vorzüglich den Müller, noch sehr reichlich. Martha blieb in den
Diensten der Gräfinn. Für die Mutter und Geschwister des guten Jünglings
Fridolin sorgte er noch ganz besonders. Zu den Kindern der Köhler aber
sagte er: »Für euch, ihr lieben Kleinen, will ich zum Andenken an den
Aufenthalt meiner Gemahlinn unter so guten Leuten eine kleine Stiftung
machen. Jedes Jahr sollen auf Ostern allen Kindern Eyer von allen Farben
ausgetheilt werden.« »Und ich,« sprach die gute Gräfinn, »will diesen
Gebrauch in unsrer ganzen Grafschaft einführen, und dort zum Andenken
meiner Befreyung alle Jahre auf Ostern gefärbte Eyer unter die Kinder
austheilen lassen.« Dieß geschah auch. Die Eyer nannte man Ostereyer,
und die schöne Sitte verbreitete sich nach und nach durch das ganze
Land.
Die Leute an andern Orten, die den Gebrauch nachmachten, sagten: »Die
Erlösung der guten Gräfinn aus ihrem Felsenthale und jenes Edelknechtes
aus dem Abgrunde vom nahen Tode, geht uns zwar nicht so nahe an, ihr
Andenken jährlich zu feiern. Die bunten Eyer sollen daher unsre Kinder
an eine größere, herrlichere Erlösung erinnern, die uns _sehr nahe_
angeht -- an unsre Erlösung von Sünde, Elend und Tod, durch Denjenigen,
der vom Tode auferstand. Das Osterfest ist das rechte Erlösungsfest --
und die Freude, die wir da den Kindern machen, ist ganz dem Sinne des
Erlösers gemäß. Die Liebe, die gerne groß und klein erfreut, ist ja die
Summe seiner heiligen Religion, und das schönste Kennzeichen seiner
wahren Verehrer. Ja, die Sitte, den Kindern Eyer zu schenken, kann auch
den Aeltern und allen Menschen eine schöne Erinnerung an die Vaterliebe
Gottes gegen uns Menschen, gleichsam ein Pfand der wohlwollenden
Gesinnungen seines treuen Vaterherzens seyn. Denn der Mund der Wahrheit
hat es ja selbst gesagt: Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohne,
der ihn um ein Ey bittet, einen Skorpion geben könnte? Wenn nun ihr
euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wie viel mehr wird euer Vater im
Himmel denen, die Ihn darum bitten -- (die beste aller Gaben) den guten
Geist geben?«
Anmerkungen zur Transkription
Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten.
Offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
(vorher/nachher):
[S. 5]:
... armen Kohlenbrenner. Das enge Thal war ...
... arme Kohlenbrenner. Das enge Thal war ...
[S. 16]:
... wunderlich er den Schweif trägt, fast wie ein ...
... wunderlich er den Schweif trägt, fast wie eine ...
[S. 20]:
... merken konnten, das ich ihnen nichts zu leid ...
... merken konnten, daß ich ihnen nichts zu leid ...
[S. 24]:
... aufgetragen. Kuno brachte ein Teller voll ...
... aufgetragen. Kuno brachte einen Teller voll ...
[S. 29]:
... abbildeten, und ihnen ein unvergleichlich schönen ...
... abbildeten, und ihnen ein unvergleichlich schönes ...
[S. 29]:
... schöner Frühlingtag -- ein wahrer Auferstehungstag ...
... schöner Frühlingstag -- ein wahrer Auferstehungstag ...
[S. 50]:
... Ereigniß die gute Frau in nicht geringe Aengsten ...
... Ereigniß die gute Frau in nicht geringe Aengste ...
[S. 54]:
... wagte er es einmal, einen kleinen Spaziergang ...
... wagte sie es einmal, einen kleinen Spaziergang ...
[S. 56]:
... ob sie ihm -- als einen ganz Fremden -- ...
... ob sie ihm -- als einem ganz Fremden -- ...
[S. 60]:
... über das Wunder, daß sie zu sehen glaubten; ...
... über das Wunder, das sie zu sehen glaubten; ...
[S. 64]:
... dankte ihnen für alles Gute, daß sie seiner ...
... dankte ihnen für alles Gute, das sie seiner ...