Ein kalter Wind wehte; sie froren und kehrten aufs Promenadendeck
zurück.
Dort standen einige Passagiere und schauten mit Ferngläsern nach dem
Horizont.
»Sieht man was?« fragte Carlos gespannt.
»Nein, noch nichts!«
Herr Dr. Bürstenfeger erschien.
»Karl und Nikolaus,« sagte er, »ihr seid heute frühzeitig auf!«
»Ja,« antwortete Nicolás, »wir sind ja bald in Europa.«
»Na, das wird noch eine kleine Weile dauern«, antwortete Herr Dr.
Bürstenfeger lächelnd.
Bald ertönte die Frühstücksglocke.
Carlos und Nicolás gingen widerwillig hinunter und ärgerten sich, weil
Herr Dr. Bürstenfeger so gemächlich kaute.
Als sie wieder oben waren, sagte ein Offizier, man würde jetzt schon
Land sehen, wenn die Luft klarer wäre.
Eine Stunde verging; es wurde immer dunstiger. Noch immer sah man kein
Land.
Geärgert und gelangweilt gingen Carlos und Nicolás in den Salon und
spielten Mühle.
Manchmal blickten sie zum Fenster hinaus; ein Dampfer und zwei Segler
fuhren an ihnen vorbei.
Als die Knaben auf Deck zurückkehrten, erfuhren sie, daß man bereits am
Eingang der Meerenge sei.
Aber Land sah man nicht.
»Wie schade, nicht einmal Afrika«, sagte Carlos.
»Wir bekommen Nebel,« sagte der Herr mit der Reisemütze, »das wird eine
schöne Durchfahrt!«
Einige Seemeilen von ihnen fuhr ein Schiff in leichte Dunstschleier
gehüllt.
Etwas später saß man beim Lunch. Der Kapitän war nicht zu Tisch
erschienen.
Kaum waren die Passagiere mit dem Essen fertig, als über ihren Köpfen
ein langgezogenes dumpfes Signal ertönte.
Der Herr mit der fahlen Glatze rief aus: »Die Sirene, da haben wir die
Bescherung!«
Alles ging schnell auf Deck. Es war bereits starker Nebel, man sah kaum
zweihundert Meter weit.
Wieder ertönte laut und dumpf die Sirene.
»Unverantwortlich vom Kapitän, sich bei solchem Nebel in die Meerenge zu
wagen; ich mache mich auf alles gefaßt!« rief der Herr mit der fahlen
Glatze aus.
»Wir fahren jetzt nur mit halber Kraft«, bemerkte der Herr mit der
Reisemütze.
Der Herr mit der Glatze meinte: »Damit uns ein fixer Engländer um so
leichter in den Grund rennt!«
Herr Dr. Bürstenfeger sah ihn an und dachte: Eine peinliche Erscheinung!
Irgendwo hörte man ein Nebelhorn, ganz in der Ferne eine Sirene.
Der Nebel wurde dichter; immer häufiger gab die Lombardia ihre Signale.
»Brrr, diese Feuchtigkeit dringt in die Knochen«, bemerkte Herr Dr.
Bürstenfeger. »Karl und Nikolaus, geht hinunter und holt eure Mäntel!«
Carlos und Nicolás gingen in ihre Kabine. Gleich erschienen sie wieder
in ihren Pelerinenmänteln, die Kapuzen über die Köpfe gezogen.
»Man kann nicht mal mehr bis zur Spitze des Schiffes sehen«, sagte
Nicolás.
»Es wird immer schlimmer«, murmelte Herr Dr. Bürstenfeger zwischen den
Zähnen.
Wieder hörte man ein Nebelhorn.
Grausiges Getute, dachte Herr Dr. Bürstenfeger.
»Karl und Nikolaus, marschieren wir etwas schneller, es ist sehr kalt!«
Kurz darauf ging er mit ihnen ins Rauchzimmer.
Vier Herren spielten Karten, der Schiffsarzt stand dabei und rauchte
eine Toskanazigarre.
Herr Dr. Bürstenfeger wandte sich leise an ihn: »Wird dieser
schreckliche Nebel noch lange anhalten?«