Blanco sprang über seinen Arm.
»Hops!« rief Carlos, und Blanco sprang zurück.
Miguelito klatschte selig in die Hände.
»Und jetzt, Blanco, aufwarten!« befahl Carlos.
Blanco setzte sich auf die Hinterbeine, bewegte die Pfoten und Miguelito
jubelte.
»Wenn du mir dein Brüderchen gibst, gebe ich dir mein Hündchen!« sagte
Carlos.
Miguelito war einige Sekunden unschlüssig, dann aber siegte die
Versuchung, er ging nach der Wiege und bat Carlos, ihm zu helfen, das
Kind herauszuheben.
Darauf bestieg Carlos sein Ponny, und Miguelito und Nicolás reichten ihm
Pepito hinauf.
Carlos und Nicolás aber machten, daß sie schnell fortkamen, denn sie
fürchteten, den andern würde der Tausch bald reuen.
Carlos hielt das Kind vor sich auf dem Sattel wie ein Bündel, sie ritten
im Trab, mußten aber gleich halten, denn es wäre beinahe
heruntergefallen.
Sie ritten im Schritt weiter und nach einiger Zeit wollte Nicolás es
tragen.
Wieder hielten sie an und Carlos reichte es ihm hinüber, was nicht ohne
Lebensgefahr war für den kleinen Pepito.
Nach zehn Minuten beschlossen sie abzusteigen, denn er war nicht leicht
zu tragen, außerdem schrie er immerfort aus Leibeskräften.
Carlos sprang vom Pferd, nahm seinem Bruder das Kind ab und legte es
sacht auf die Erde.
Darauf pflückten sie zusammen Gräser, machten daraus ein weiches Bett
und legten es hinein. So würde es sich beruhigen.
Und wirklich, es dauerte nicht lange und das Kind war eingeschlafen.
Nicolás kniete neben ihm und betrachtete es voller Andacht, er beugte
sich ganz nahe herab, um seinen Atem zu hören.
»Kann man wohl die Stelle sehen, wo ihn der Storch gehalten hat?« fragte
er Carlos.
»Niemals!« antwortete Carlos, »denn da müßte er ihm ja wehe getan haben!
Außerdem ist es gar nicht gesagt, daß ihn der Storch gebracht hat.
Zenobia hat ihr Baby in einem Eimer gefunden, als sie aus der Zisterne
Wasser schöpfte.«
»Aber da hat doch alles gelacht in der Küche, wie sie das erzählte«,
erwiderte Nicolás.
»Vielleicht hat sie gelogen«, meinte nachdenklich Carlos. »Aber das weiß
ich, man findet ganz sicher die Kinder in den Lagunen, und die bringen
dann gewöhnlich die Störche. Auch sind sie manchmal in Straußeneiern,
und man muß die Eier dann zerschlagen.«
Die Knaben schwiegen, Nicolás kaute an einem Grashalm; schließlich
fragte er: »Sag mal, Carlos, glaubst du, daß wir vielleicht auch ein
Brüderchen finden könnten, wenn wir in der Lagune suchten, oder wir
zerschlügen Straußeneier; denn weißt du, Carlos, ich habe vorhin
nachgedacht, so ganz ist doch nicht Pepito unser Brüderchen, wie ich
dein Bruder bin, und du mein Bruder bist, Miguelito hat ihn doch für den
Blanco vertauscht.«
Carlos hatte darüber nicht nachgedacht, aber was ihm sein Bruder eben
sagte, leuchtete ihm ein.
»Weißt du was«, sagte er, »reiten wir nach der Lagune und suchen wir --
wenn wir nichts finden, suchen wir Straußeneier!«
Nicolás war einverstanden, sie stiegen auf ihre Ponnys und ließen den
schlafenden Pepito so lange allein.
Die Lagune war nicht weit; als sie angesprengt kamen, entstand eine
Bewegung. Die Kibitze schrieen, die Enten erhoben sich schnatternd, ein
paar Störche schlugen mit den Flügeln und klapperten zu den Knaben
hinüber. Ein einsamer Reiher nur suchte unbekümmert weiter nach
Fröschen.
Carlos sagte zu seinem Bruder: »Höre mal, Nicolás, ich werde in der
Lagune suchen und du wirst Straußeneier suchen, so stört keiner den
andern!«
Sie stiegen ab, Carlos zog Schuhe und Strümpfe aus und watete im Wasser.