»Ich schwöre es.«
»Küß' das Kreuz!«
Carlos machte ein Kreuz mit beiden Zeigefingern und schwor: »_Te juro,
que Dios me castigue._«
»Hast du wirklich das Kreuz geküßt?« fragte Nicolás mißtrauisch, denn er
konnte es der Dunkelheit wegen nicht sehen.
»Ja«, sagte Carlos.
»Schwörst du mir, daß dich sofort der Blitz treffen wird, wenn es nicht
wahr ist?«
»Ich schwöre es«, antwortete Carlos.
Daraufhin herrschte vollständiges Schweigen.
Nicolás lag da, erfüllt von einer nie gekannten, unsagbaren
Trostlosigkeit: Keine Güter! Kein Schiff! Keine Schafe! Nie würde er die
Wälder von Europa kaufen, niemals würde er den König von Paris bekriegen
dürfen und Juanita würde niemals seine Frau.
Er versank in tiefes Grübeln.
Vom Bette seines Bruders aber vernahm man ruhige Atemzüge; er schlief
schon lange.
Was würde Juanita zu allem sagen? Wie sollte er ihr morgen unter die
Augen treten? Er hatte sie angelogen, nie würde sie ihm das verzeihen.
Und weil er die quälenden Gedanken nicht los werden konnte, zündete er
schließlich Licht an, stand auf, kroch unters Bett und zog eine kleine
grüne Eisenbahn hervor: eine Lokomotive mit drei Waggons.
Aus der Schublade des Nachttisches holte er einen starken Faden und band
ihn an den Schornstein der Lokomotive.
Lange stand Nicolás da, barfuß auf den Fliesen, und ließ die Eisenbahn
im Kreise laufen.
Und das war seine Erlösung.
Langsam zog tiefer Trost und Friede in seine Seele ein.