,,Fällt mir nicht ein! Warum fällst du nicht selbst? _Du_ bekommst die
meisten Schläge!"
,,Ach, das ist ja gleich! Ich _kann_ doch nicht fallen! Das steht doch
nicht im Buch! Im Buch steht doch: Und mit einem schrecklichen Hieb fällte
er den armen Guy von Guisborne! Du mußt dich umdrehen, und ich geb dir eins
hinten drauf!"
Gegen solche Autorität ließ sich nicht streiten, Joe drehte sich um,
erhielt seinen Hieb und fiel. ,,So," sagte er, sich wieder aufrappelnd,
,,nun laß du mich dich töten. Das ist recht und billig!"
,,Gibt's nicht, steht nicht im Buch!"
,,So? Na, meinetwegen. 's ist aber eine rechte Gemeinheit von dem Buch! --
So, jetzt kannst du Friar Tuck sein, Tom, oder Much, des Müllers Sohn, und
mich mit einem Zaunpfahl lahm prügeln; oder ich bin der Sheriff von
Nottingham, und du bist jetzt mal Robin Hood und tötest mich."
Tom war's zufrieden, und auch diese Abenteuer wurden durchgefochten. Dann
war wieder Joe Robin Hood und bekam von der verräterischen Nonne die
Erlaubnis, all seine furchtbare Kraft mit dem Blut seiner Wunden
davonfließen zu sehen. Zuletzt schleifte ihn Joe, der jetzt eine ganze
Bande weinender Geächteter repräsentierte, vorsichtig davon, gab ihm seinen
Bogen in die schwache Rechte, und Tom flüsterte mit ersterbender Stimme:
,,Wo dieser Pfeil niederfällt, da begrabt den armen Robin Hood unter grünen
Bäumen." Dann schoß er einen Pfeil ab, fiel zurück und würde tot gewesen
sein -- aber er hatte sich in Nesseln geworfen und sprang in die Höhe --
etwas zu schnell für einen Toten.
Sie zogen sich wieder an, verbargen ihre Kriegsgeräte und gingen fort,
bedauernd, daß es keine Geächteten mehr gab, und sich fragend, was die
moderne Zivilisation getan habe, um diesen Verlust verschmerzen zu lassen.
Sie waren sich beide vollkommen klar, daß sie lieber ein Jahr hindurch
Geächtete im Sherwood-Walde gewesen wären als für Lebenszeit Präsident der
Vereinigten Staaten.
Neuntes Kapitel.
Um halb neun wurden Tom und Sid, wie gewöhnlich, zu Bett geschickt. Sie
sprachen ihre Gebete, und Sid war bald eingeschlafen. Tom lag wach und
wartete in peinvoller Ungeduld. Als es ihm schien, daß es bald wieder Tag
werden müsse, hörte er es zehn Uhr schlagen. Das war zum Verzweifeln. Er
hätte um sich schlagen mögen, wie es seine Nerven verlangten, aber er
fürchtete, Sid aufzuwecken. So lag er still und starrte in die Dunkelheit.
Es war so schrecklich still! Allmählich begannen aus der Stille heraus
kleine, geheimnisvolle, kaum hörbare Stimmen sich bemerkbar zu machen.
Zuerst vernahm er nur das Ticken der Uhr. Dann begannen morsche Balken
geheimnisvoll zu brechen. Auch im Fußboden regte es sich. Es war kein
Zweifel, daß Geister ihr Wesen trieben. Ein dumpfer, sich regelmäßig
wiederholender Ton drang aus Tante Pollys Schlafzimmer herauf. Und jetzt
begann das eintönige Zirpen einer Grille, das keine menschliche Macht zum
Schweigen zu bringen vermag. Dann wieder ließ das unheimliche Klopfen des
Totenkäfers in einem Balken über seinem Kopf Tom erschauern -- gewiß waren
irgend jemandes Tage gezählt. Jetzt erfüllte das langgezogene Heulen eines
Hundes die nächtliche Stille und wurde sofort durch ein noch entfernteres
Heulen beantwortet. Tom lag halb betäubt. Er glaubte, alle Zeit habe
aufgehört und die Ewigkeit beginne. Trotz aller Anstrengung schlief er ein.
Die Uhr schlug elf, aber er hörte nichts mehr. Und dann mischte sich in
seine halbbewußten Träume ein höchst melancholisches Katzengeheul. Das
Aufreißen eines benachbarten Fensters schreckte ihn in die Höhe. Der
wütende Ruf: ,,Hol der Teufel die verfluchte Katze!" und der Anprall einer
leeren Flasche gegen die Rückwand von Tante Pollys Holzschuppen ermunterten
ihn vollends; eine Minute später war er völlig angekleidet, stieg aus dem
Fenster und noch auf allen Vieren am Dach eines kleinen Anbaues entlang.
Während dieses Spazierganges miaute er ein- oder zweimal halblaut, dann
kletterte er auf das Dach des Holzschuppens und sprang von dort zur Erde.
Huckleberry Finn war da mit seiner toten Katze. Die Jungen machten sich
davon und verschwanden in der Dunkelheit. Eine halbe Stunde später wateten
sie durch das nasse Gras des Kirchhofes.
Es war ein Kirchhof in der althergebrachten Art des Westens. Er lag auf
einem Hügel, über ein und eine halbe Meile vom Dorfe entfernt. Umgeben war
er von einem halb morschen alten Zaun, der sich bald nach innen, bald nach
außen lehnte und doch sich immer noch aufrecht erhielt. Gras und Unkraut
überwucherten den ganzen Gottesacker. Die meisten der älteren Gräber waren
längst eingesunken. Nicht ein einziger Grabstein war zu sehen. Roh
geschnitzte, wurmstichige Holzkreuze steckten auf den Hügeln, einen Anhalt
suchend und keinen findend. ,,Zum ewigen Gedächtnis", das und ähnliches war
auf einige gemalt, aber man konnte es meistens nicht mehr lesen -- auch
nicht bei hellem Tageslicht. Ein leichter Wind säuselte in den Bäumen, und
Tom argwöhnte, daß es Stimmen von Toten sein könnten, die sich über die
Störung ihrer Ruhe beklagten.
Nur leise, mit verhaltenem Atem, wagten die beiden zu sprechen, Zeit und
Stunde und die trostlose Schwermut und Verlassenheit ihrer Umgebung
bedrückten ihren Geist. Sie fanden das neugeschaufelte Grab, das sie
suchten, und stellten sich in den Schutz und Schatten dreier mächtiger
Ulmen, welche, ein paar Schritte vom Grabe entfernt, sich dicht aneinander
drängten.
Dann warteten sie lange schweigend auf das, was da kommen sollte. Das
Husten einer entfernten Eule war der einzige Ton, der die tiefe Stille
zuweilen unterbrach. Toms Beklemmung wuchs. Er mußte durchaus sprechen. So
sagte er mit flüsternder Stimme: ,,Hucky, glaubst du, daß die Toten es
leiden werden, daß wir hier sind?"
Huckleberry gab flüsternd zurück: ,,Ich wollte, ich wüßte es. 's ist
schrecklich traurig hier, nicht?"
,,Ich glaub' wohl!"
Während der nächsten Minuten schwiegen beide, die Frage innerlich weiter
verarbeitend. Dann wisperte Tom wieder: ,,Sag, Hucky -- meinst du, daß Hoss
Williams uns sprechen hört?"
,,O, sicher, wenigstens sein Geist."
Nach einer Pause Tom wieder: ,,Hätt' ich doch nur _Herr_ Williams gesagt!
Aber ich hab's ja nie anders gehört. Alle nennen ihn einfach Hoss."
,,Ja. Tom, man kann gar nicht vorsichtig genug sein in dem, was man über
die Leute da unten sagt."
Dies war ungemütlich, und die Unterhaltung erstarb wieder. Plötzlich packte
Tom seinen Kameraden am Arm und raunte: ,,Pscht!"
,,Was denn, Tom?" Und die beiden drängten sich klopfenden Herzens
aneinander.
,,Pscht! Da ist's wieder! Hast du denn nichts gehört?"
,,Ich --"
,,Da! Nun hörst du's doch!"
,,Herr Gott, Tom, sie kommen! Sie kommen ganz bestimmt! Was tust du?"
,,Ich? Nichts! Meinst du, daß sie uns sehen werden?"
,,O, Tom, die sehen in der Dunkelheit wie die Katzen. -- Ich wollte nur,
ich wär' nicht hergekommen!"
,,Ach was, fürchte dich nicht! Ich glaub' nicht, daß sie uns was tun! Wir
haben ja nichts Schlechtes getan. Wenn wir ganz still sind, werden sie uns
vielleicht gar nicht bemerken!"
,,Ich will's versuchen, Tom, aber, Herr Gott, ich bin halb tot vor Angst!"
,,Still!"
Sie steckten die Köpfe zusammen und wagten kaum zu atmen. Dumpfes
Stimmengewirr wurde vom anderen Ende des Kirchhofes hörbar.
,,Sieh, sieh doch!" flüsterte Tom. ,,Was ist das?"
,,'s ist Teufelsspuk! Ach, Tom, wie schrecklich!"
Ein paar unbestimmte Figuren tauchten aus der Dunkelheit auf, eine
altertümliche Blendlaterne mit sich führend, welche die Umgebung mit
zahllosen Lichtstreifen erhellte. Schaudernd flüsterte Huckleberry: ,,Ganz
gewiß, es sind Teufel! Drei auf einmal! Gott, Gott, Tom, wir sind verloren!
Weißt du kein Gebet?"
,,Ich will's versuchen, aber sei doch nicht so bange! Sie werden uns ja
nicht erwischen. Müde bin ich, geh zur Ruh --"
,,Pscht!"
,,Was gibt's Huck?"
,,Das sind ja _Menschen_! Einer wenigstens! Die eine Stimme gehört dem
alten Muff Potter!"
,,Ist das gewiß?"
,,Wenn ich dir's doch sage! Nur ganz still! Er wird uns schwerlich
bemerken! Besoffen, wie gewöhnlich -- erbärmlicher, alter Trunkenbold!"
,,'s ist schon gut, ich bin ja ganz still! -- Jetzt bleiben sie stehen --
sie können's nicht finden -- jetzt kommen sie wieder näher -- heiß -- kalt
-- wieder heiß -- riesig heiß! Da -- da sind sie jetzt ganz in der Nähe! --
Du, Huck, ich kenne die zweite Stimme -- 's ist die von Indianer-Joe."
,,'s ist richtig! Diese mörderische Bestie! Ich wollt' fast lieber, es
wären Teufel! Was sie wohl vorhaben?"
Mit dem Tuscheln war's jetzt aus; die drei waren beim Grab angelangt und
standen kaum ein paar Fuß vom Versteck der beiden Abenteurer.
,,Hier ist es," sagte die dritte Stimme, worauf einer der anderen die
Laterne in die Höhe hielt -- sie beleuchtete des jungen Dr. Robinson
Gesicht. Potter und Indianer-Joe hatten einen Schubkarren mit einem Strick
und ein paar Schaufeln mitgebracht. Sie setzten ihre Last nieder und
begannen, das Grab zu öffnen. Der Doktor setzte die Laterne auf das
Kopfende des Grabes und setzte sich mit dem Rücken gegen eine der Ulmen
nieder. Er war so nahe, daß die beiden Burschen ihn hätten berühren können.
,,Hurtig, Leute," sagte er leise. ,,Der Mond wird gleich herauskommen!"
Sie grunzten was als Antwort und gruben weiter. Einige Zeit war nichts zu
hören als der dumpfe Ton der Schaufeln, die ihre Ladung von Erde und
Steinen abluden. Es klang sehr eintönig. Endlich stieß eine Schaufel
krachend auf den Sargdeckel -- zwei Minuten später hatten die Männer den
Sarg herausgeschoben und niedergesetzt.
Darauf brachen sie mit ihren Schaufeln den Deckel auf, zogen die Leiche
heraus und warfen sie brutal auf die Erde. Der Mond trat in diesem
Augenblick hinter den Wolken hervor und beleuchtete grell die scheußliche
Szene. Der Schubkarren wurde herbeigeholt, der Körper daraufgelegt, mit
einer Decke eingehüllt und mit Stricken festgebunden. Potter zog ein großes
Messer hervor, schnitt das überhängende Stück des Strickes ab und sagte:
,,So, _das_ wär getan, Beinsäger, jetzt noch 'nen Fünfer 'raus, oder das da
bleibt stehen."
,,'s ist ganz richtig," stimmte der Indianer-Joe bei.
,,Seht mal! Was soll das heißen?" fragte der Doktor. ,,Ihr habt euer Geld
im voraus verlangt, und ich hab's euch gegeben."
,,Ja -- und 's ist das letzte Mal gewesen," schrie der Indianer-Joe, sich
dem Doktor nähernd, der rasch aufgestanden war. ,,Vor fünf Jahren hast du
mich vom Hause deines Vaters bei Nacht und Nebel vertrieben, als ich um was
zu essen bat, und hast gesagt, ich hätt' wohl was anderes vorgehabt; und
als ich schwor, wir würden noch mit 'nander abrechnen, und wär's erst in
hundert Jahren, hat mich dein Vater als Landstreicher eingesperrt. Dachtest
du, ich hätt's vergessen? Ich hab' nicht umsonst Indianerblut! Und jetzt
will ich's dir geben, und du wirst zum stillen Mann gemacht!"
Bis jetzt hatte er dem Doktor mit der Faust unter der Nase herumgefuchtelt.
Plötzlich holte dieser aus und streckte den Raufbold zu Boden. Potter warf
sein Messer zu Boden, und mit den Worten: ,,Halt einmal, du sollst meinen
Freund nicht hauen!" stürzte er sich auf den Doktor, und im nächsten
Augenblick lagen beide wütend ringend, und Gras und Erde mit den Füßen
zerstampfend, auf dem Grab. Der Indianer-Joe war gleich wieder auf den
Beinen, seine Augen glühten unheimlich, er ergriff Potters Messer und
umkreiste katzengleich die Kämpfenden, auf eine Gelegenheit lauernd. Aber
auf einmal gelang es dem Doktor, sich freizumachen, er ergriff den schweren
Sargdeckel und schlug Potter damit zu Boden -- ebenso rasch hatte Joe
seinen Vorteil wahrgenommen und stieß das Messer bis ans Heft in des jungen
Mannes Brust. Der Doktor stieß einen Schrei aus und fiel auf Potter, ihn
mit seinem Blute färbend; und im selben Moment verhüllten die Wolken das
schreckliche Schauspiel, während die beiden zu Tode erschrockenen Burschen
Hals über Kopf in der Dunkelheit verschwanden.
Sobald der Mond wieder hervorkam, stand Joe über den beiden regungslos
Liegenden und betrachtete sie. Der Doktor murmelte etwas Unverständliches,
tat einen langen Seufzer -- und war still.
,,Beim Satan -- der Stich sitzt," brummte Joe und begann die Leiche zu
berauben, worauf er das verräterische Messer in Potters offene Hand steckte
und sich auf den geöffneten Sarg setzte. Drei -- vier -- fünf Minuten
verflossen, und dann begann Potter sich zu bewegen und zu stöhnen. Seine
Hand schloß sich um das Messer, er hob es auf, blickte darauf und ließ es
schaudernd fallen. Dann richtete er sich auf, schob die Leiche von sich und
starrte verwirrt um sich. Joe anzusehen, vermied er.
,,Herr Gott, Joe, wie war das?" sagte er mit zitternder Stimme.
,,'s ist 'ne faule Geschichte," entgegnete Joe grob. ,,Wozu tatst du's?"
,,Ich! _Ich_ hab's nicht getan!"
,,Sieh mal! Na -- mit solchem Geschwätz kommst du nicht los!"
Potter zitterte und wurde aschfahl.
,,Ich hatte mir doch vorgenommen, nüchtern zu bleiben! Warum mußte ich auch
nachts trinken. -- Hab's ja noch im Kopf -- mehr, als wie wir kamen. --
Immer betrunken -- völlig -- auf gar nichts kann ich mich besinnen! Sag,
Joe, _ehrlich_, alter Bursche -- hab ich's getan?! Ich wollt's nicht tun --
auf Ehr und Seligkeit, Joe, ich wollt's nicht tun! O, 's ist schrecklich --
und er war so jung und hoffnungsvoll --"
,,Na, ihr habt halt gerauft, und er gab dir eins rüber mit dem Sargdeckel,
und du fielst hin. -- Und dann kamst du wieder auf, wanktest und konntest
dich kaum auf den Füßen halten, hobst das Messer auf -- na, und stießest es
ihm in den Leib, grad, wie er dir noch 'nen tüchtigen Schlag geben wollte,
und dann hast du hier wie 'n toter Klotz gelegen bis jetzt."
,,O -- ich wußte ja nicht mehr, was ich tat. 's kam wohl alles vom
Branntwein und von der Wut -- schätz' ich. Ich hab' nie vorher in meinem
Leben so was getan, Joe! 's können's mir alle bezeugen. Geprügelt -- ja,
aber gestochen niemals, Joe. Joe, sag's niemand! Sag mir, Joe, daß du's
niemand sagen willst! Sei 'n guter Bursche! Joe! Ich hab' dich immer gern
gehabt, Joe, und hab' deine Partei genommen. Weißt du nicht, Joe? Joe, du
sagst es _nicht_, Joe, nicht?!" Und der arme Kerl fiel auf die Knie vor den
kaltherzigen Mörder und hob beschwörend die Hände.
,,Na, du bist immer treu und brav zu mir gewesen, Muff Potter, und ich
werd' dich nicht verraten. -- Das ist doch wie 'n Kerl gesprochen, he?"
,,O, Joe, ja, du bist ein Engel, Joe. Ich will dich segnen, so lang ich
leb'!" Und Potter begann zu weinen.
,,Na, komm, 's ist jetzt genug _davon_. 's ist 'ne verdammt schlechte Zeit
zum Heulen. Mach, daß du in _der_ Richtung fortkommst, und ich will hierhin
gehen. Vorwärts, mach fort -- und laß nichts liegen, zum Teufel!"
Potter setzte sich in Trab, woraus bald regelrechter Galopp wurde. Joe
schaute ihm nach, brummend: ,,Wenn er so betäubt von dem Prügeln und voll
von Schnaps ist, wie er aussieht, so wird er an das Messer erst denken,
wenn er so weit fort ist, daß er's nicht wagt, an so 'nen Ort
zurückzukommen -- Hasenfuß!"
Zwei oder drei Minuten später sah nur noch der Mond den Ermordeten, den
eingebundenen Körper des Toten, den aufgebrochenen Sarg und das leere Grab.
Tiefe Stille herrschte wieder wie vorher.
Zehntes Kapitel.
Die beiden Burschen liefen dem Dorfe zu, sprachlos vor Schreck. Von Zeit zu
Zeit blickten sie ängstlich über die Schulter zurück, als fürchteten sie
sich vor Verfolgern. Jeder Baumstumpf, der an ihrem Wege aus der Dunkelheit
auftauchte, schien ihnen ein Mann und ein Feind, und ließ sie bis ins Mark
erzittern. Und als sie bei einigen außerhalb des Dorfes gelegenen
Niederlassungen vorbeikamen, schien ihnen das Bellen der erwachten Hunde
Flügel zu verleihen.
,,Wenn wir -- nur bis zu der alten Gerberei -- kommen -- bevor wir --
zusammenbrechen --" stieß Tom abgerissen zwischen mühsamem Atemholen
hervor.
,,Ich -- ich kann -- nicht mehr -- länger!"
Huckleberrys pochendes Herz war seine ganze Antwort; beide hefteten ihre
Augen fest auf das Ziel ihrer Hoffnung und machten die äußersten
Anstrengungen, es zu erreichen. Sie kamen ihm immer näher, und schließlich
Brust an Brust, fielen sie förmlich durch die offene Tür -- dankbar und
atemlos, in den schützenden Schatten. Allmählich beruhigten sich ihre
Pulse, und Tom flüsterte:
,,Du, Huckleberry, was meinst du, wird von all dem kommen?"
,,Na, ich denke, wenn Dr. Robinson stirbt, wird Gehenktwerden davon
kommen."
,,Meinst du?"
,,Nicht meine, ich _weiß_, Tom!"