Schallow.

Heinrich dem vierten.

Pistol.

So geb' ich dir einen T** für dein Amt. Sir John, dein zartes

Lämmchen ist nun König. Heinrich der fünfte ist der Mann. Was ich

sag' muß wahr seyn. Wenn Pistol lügt, so thut das, und prellt mich

wie den prahlenden Spanier.

Falstaff.

Was, ist der alte König todt?

Pistol.

Wie ein Nagel in der Thür; das muß wahr seyn.

Falstaff.

Auf, Bardolph, sattle mir mein Pferd. Herr Robert Schallow, such'

dir ein Amt im Königreich aus, was für eins du willt, es ist dein;

Pistol, ich will dich doppelt mit Ehrenstellen beladen.

Bardolph.

O freundenvoller Tag! Ich wollte kein Ritter-Gut um mein Glük

nehmen.

Pistol.

Gelt! Ich bringe gute Zeitungen?

Falstaff.

Tragt Herrn Silence zu Bette: Herr Schallow, Milord Schallow, sag

nur was du seyn willst, ich bin Fortuna's Haushofmeister--Zieh

deine Stiefel an, wir wollen die ganze Nacht durch reiten. O!

süsser Pistol, sag mir noch mehr, und vergiß mit allem dem nicht,

dich zu besinnen, was du gern hättest. Stiefel, Stiefel an, Herr

Schallow. Ich weiß, der junge König schmachtet nach mir. Wir

wollen Pferde nehmen, wo wir sie finden, die Geseze von England

stehen izt zu meinem Befehl. Glüklich sind die, die sich meine

Freunde nennen können; und weh dem Milord Ober-Richter!

Sechste Scene.

(Verwandelt sich in eine Strasse von London.)

(Die Wirthin und Dortchen Tear-Scheet, von Zween Bütteln geführt,

treten auf.) (Eine kleine Scene, von der pöbelhaftesten und

unanständigsten Art, die sich nicht übersezen läßt.)

Siebende Scene.

(Ein öffentlicher Plaz nicht weit von der Westmünster-Abbtey.)

(Zween Bediente von Hof die den Boden mit Binsen bestreuen.)

1. Bedienter.

Mehr Binsen, mehr Binsen!

2. Bedienter.

Die Trompeten haben schon zum zweytenmal geblasen.

1. Bedienter.

Es wird zwey Uhr seyn, eh sie von der Crönung zurük kommen.

(Sie gehen ab.)

(Falstaff, Schallow, Pistol, Bardolph und der kleine Lakey treten

auf.)

Falstaff.

Steht hier, neben mich, Herr Robert Schallow, ich will machen, daß

der König euch eine Gnade erweisen soll: Ich will ihn von der Seite

anschielen, wenn er kommt, und gebt nur acht, was er mir für ein

Gesicht machen wird--Komm hieher, Pistol, steh' hinter mich. O!

wenn ich nur Zeit gehabt hätte, neue Livreen machen zu lassen, ich

wollte die tausend Pfund dazu angewandt haben, die ich von euch

borgte. Aber es hat nichts zu bedeuten, dieser schlechte Aufzug

ist besser; er zeigt an, wie groß mein Verlangen war ihn zu sehen.

Schallow.

Das thut es.

Falstaff.

Es zeigt die Heftigkeit meiner Liebe an.

Schallow.

Das thut es.

Falstaff.

Meine Devotion.

Pistol.

Das thut es, das thut es, das thut es.

Falstaff.

Tag und Nacht zu reiten, und sich nicht einmal so viel Zeit zu

nehmen, sich nicht einmal zu besinnen noch Geduld zu haben, ein

weisses Hemd anzuziehen.

Schallow.

Das ist gewiß!

Falstaff.

Sondern so beschmuzt, wie man von der Reise kommt, dazustehen, und

vor Begierde ihn zu sehen schwizen, an nichts anders denken, alles

andre vergessen, als ob sonst nichts in der Welt zu thun wäre, als

ihn zu sehen.

Schallow.

So ist es, in der That.

Pistol.

Mein Ritter, ich muß dir was sagen, daß deine edle Leber in Flammen

sezen wird: Dein Dortchen, die Helena deiner edeln Gedanken ligt in

tiefer Noth und in anstekendem Gefängniß, von schmuzigen

mechanischen Händen weggeschleppt. Laß die Rache mit Alectos

Schlangen-Haaren aus ihrer düstern Höhle hervorstürmen, Dortchen

ist eingestekt. Was Pistol sagt, muß wahr seyn.

Falstaff.

Ich will sie in Freyheit sezen.

Pistol.

Da heulte die See; die Trompeten schallen.

Achte Scene.

(Der König tritt mit seinem ganzen Gefolge auf.)

Falstaff.

Heil dir, König Hal; Heil, mein königlicher Hal.

Pistol.

Der Himmel schüze dich, du ruhmvolles Reis von königlichem Stamm!

Falstaff.

Gott grüß dich, mein süsser Junge!

König Heinrich.

Milord Ober-Richter, sprecht zu diesem thörichten Mann.

Lord Ober-Richter.

Seyd ihr bey Sinnen? Wißt ihr auch was ihr redt?

Falstaff.

Mein König, mein Jupiter; ich rede mit dir, mein Herz.

König Heinrich.

Ich kenne dich nicht, alter Mann; bereite dich zu deinem Tode: Wie

übel stehen graue Haare einem Narren und Pikelhäring an! Ich habe

lange von einem solchen Mann geträumt, der so von Schwelgerey

aufgeschwollen, so alt und so ruchlos war; aber da ich erwacht bin,

verschmäh' ich meinen Traum. Sorge daß dein Bauch kleiner--zurük!--

und dein Werth grösser werde; laß dein Schwelgen; bedenke, daß das

Grab seinen Rachen dreymal weiter gegen dich aufsperrt, als gegen

andre Leute--Antworte mir keinen abgeschmakten Spaß auf diß; bilde

dir nicht ein, daß ich das Ding bin das ich war; der Himmel weiß,

und die Welt soll es gewahr werden, daß ich mein vormaliges Selbst

von mir geworffen habe, und so will ich's auch mit meiner

Gesellschaft machen. Wenn du hören wirst, ich sey wie ich war,

dann komm zu mir, und du sollt seyn was du warst, der Vormünder und

Pfleger meiner Auschweiffungen. Bis dahin verbann' ich dich, bey

Straffe des Todes, dich und den Rest meiner Verführer, euch niemals

unter zehn Meilen meiner Person zu nähern. Ich will euch den

nöthigen Unterhalt reichen lassen, damit euch Dürftigkeit nicht

nöthige böses zu thun; und so wie wir hören werden, daß ihr euch

bessert, wollen wir euch, euerm Stand und eurer Tüchtigkeit nach,

Befördrung geben--Sorget dafür, Milord, daß diesem unserm Willen

nachgelebt werde. Weiter fort!--

(Der König und sein Gefolge gehen ab.)

Neunte Scene.

Falstaff.

Herr Schallow, ich bin euch tausend Pfund schuldig.

Schallow.

Ja, mein Seel, Sir John, und ich bitte euch, gebt sie mir wieder

mit heim.

Falstaff.

Das kan schwerlich seyn, Herr Schallow. Macht euch keine Gedanken

hierüber; er wird in Geheim nach mir schiken; seht ihr, er mußte

vor den Leuten so dergleichen thun. Seyd ohne Sorge wegen eurer

Beförderung, ich will doch der Mann seyn, der euch groß machen soll.

Schallow.

Ich kan nicht begreiffen wie das zugehen müßte, ausser wenn ihr mir

euer Wamms gebt, und mich mit Stroh ausstopft. Ich bitte euch,

guter Sir John, gebt mir nur wenigstens fünfhundert Pfund.

Falstaff.

Sir, mein Wort ist eben so viel. Was ihr das hörtet, war nur

Verstellung, ein Kunstgriff, wie ich sage; kommt mit mir zum Mittag-

Essen; kommt, Lieutenant Pistol: kommt, Bardolph. Er wird heute

Nacht bald nach mir schiken. (Der Lord Ober-Richter und Lancaster

treten auf.)

Lord Ober-Richter (zu seinem Gefolge.)

Geht, bringt Sir John Falstaffen in den Fleet. Nehmt seine ganze

Gesellschaft mit.

Falstaff.

Milord, Milord,--

Ober-Richter.

Ich kan izt nicht reden; ich will bald mehr von euch hören. Führt

sie fort.

Pistol (singt.)

Si fortuna me tormenta, il sperare me contenta.)

(Sie gehen ab.)

(Lancaster und Lord Ober-Richter bleiben.)

Lancaster.

Dieses Verfahren des Königs gefällt mir, es ist edel. Er will, daß

seine gewohnten Gesellschafter mit allem Nöthigen versorgt seyn

sollen; aber sie sind verbannt, bis eine bessere Aufführung sie mit

der Welt ausgesöhnt haben wird.

Lord Ober-Richter.

Das sind sie.

Lancaster.

Der König hat sein Parlament zusammen beruffen Milord.

Lord Ober-Richter.

Er hat.

Lancaster.

Ich wollte wetten, daß wir, eh diß Jahr zu Ende ist, unsre

bürgerlichen Schwerdter nach Frankreich tragen werden. Ich hörte

einen Vogel so singen, dessen Musik, wie mich däuchte, dem König

wol gefiel. Kommt, wollen wir gehen?

(Sie gehen ab.)

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Zweyte Theil von König

Heinrich dem vierten, der seinen Tod, und die Crönung von Heinrich

dem fünften enthält, von William Shakespeare.

Übersetzt von Christoph Martin Wieland.

König Heinrich der vierte. Der Zweyte Theil, der seinen Tod, und die Crönung von Heinrich dem fünften enthält. · 第 5 / 5 段