beschriebene Symptomenkomplex, in welchem die Veränderungen der
Schilddrüse eine große, wahrscheinlich die entscheidende Rolle spielen,
ist im Jahre 1880 zuerst durch den Pariser Chirurgen _Tillaux_ der
operativen Chirurgie gewonnen worden. _Ludwig Rehn_ in Frankfurt war der
erste deutsche Chirurg, der über Heilungen auf operativem Wege zu
berichten wußte; weitere Förderungen brachten _Johann v. Mikulicz_,
_Theodor Kocher_, R. U. _Krönlein_, _Friedrich Trendelenburg_ u. a. Die
Behandlung der _Basedow_schen Krankheit ist vorerst noch ein Grenzgebiet
geblieben; doch neigen sich die Ansichten mehr und mehr dahin, die
teilweise Ausschälung der Schilddrüse wenigstens in allen solchen Fällen
als das zuverlässigste Verfahren zu betrachten, in welchen eine andere
Behandlung versagt hat. Weitere Fortschritte sind erst nach völliger
Aufklärung der Schilddrüsenfunktion zu erwarten.
Noch eine andere Drüse, die mit der Schilddrüse in einem bestimmten
Zusammenhang zu stehen scheint, deren Erkrankung man neuerdings sogar
die Hauptveranlassung zu den _Basedow_schen Erscheinungen beilegen
möchte, die _Thymusdrüse_, ist 1906 durch _Ludwig Rehn_ behufs Heilung
der durch ihre Vergrößerung veranlaßten Verengung der Luftröhre
chirurgischen Eingriffen zugeführt worden.
Auch hat sich an einer dritten, bisher in gänzlicher Verborgenheit
lebenden Drüse eine _Chirurgie der Hypophysis cerebri_ entwickelt,
seitdem _Otto Madelung_ auf dem Kongreß von 1904 zum erstenmal die
allgemeine Fettleibigkeit, wahrscheinlich auch den Riesenwuchs
(Akromegalie) auf Verletzungen und Veränderungen jenes Organes
zurückzuführen vermochte. Die inzwischen aus den verschiedensten
Veranlassungen vorgenommenen Operationen nähern sich bereits der Zahl
100; eine sehr brauchbare Methode zur operativen Freilegung der Drüse
hat _Schloffer_ angegeben.
_Sechster Abschnitt._
Entwicklung der chirurgischen Literatur in Deutschland.
Kapitel XIV.
Das Bild, welches wir in den beiden vorangehenden Abschnitten von dem
Stande der Chirurgie in den letzten 50 Jahren zu entwerfen versucht
haben, würde unvollständig bleiben, wenn es nicht durch eine Besprechung
der in dieser Zeit sich entwickelnden _rein chirurgischen Literatur_
seine Vervollständigung fände. Denn wie jede schnell aufblühende
Wissenschaft teils als Verständigungsmittel, teils als Speicher der
erworbenen Kenntnisse eine Literatur braucht, so hatte auch die uralte
Chirurgie in dem Jungbrunnen der antiseptischen Wundbehandlung sich eine
solche geschaffen, die in Fülle und Reichhaltigkeit des Inhaltes alle
bisherigen Leistungen weit überstrahlte. Wenn diese Erscheinung auch in
kurzen Abständen nacheinander in allen Kulturländern der Erde zu
beobachten ist, so beschränken wir uns, entsprechend dem Plane des
Buches, doch ganz auf eine Übersicht über die Entwicklung der
chirurgischen Schriften in Deutschland.
An _Hand-_ und _Lehrbüchern_ der Wundarznei war Deutschland auch in der
vorantiseptischen Zeit, zumal seit _August Gottlieb Richters_
grundlegendem Werke, aus den Jahren 1789-1804 nicht eben arm gewesen.
Die Lehrbücher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nehmen
zuweilen die Form eines Handwörterbuches für Chirurgie und
Augenheilkunde an, wie das von _Joh. Nepomuk Rust_ 1830-1836, von
_Ernst Blasius_ 1836-1838 und ein drittes von _Walther_, _Jäger_ und
_Radius_ aus den Jahren 1836-1840. Daneben aber erschienen nicht wenige
Einzelbearbeitungen der Chirurgie, unter deren Verfassern die Namen
_Konrad Martin Langenbeck_, 1822, _Max Joseph Chelius_, 1822, _Philipp
v. Walther_, 1843, und insbesondere _Wilhelm Roser_, 1844, _Ludwig
Stromeyer_, 1844, und _Adolf Wernher_, 1846, hervorzuheben sind; nach
1850 _Viktor v. Bruns_, 1854, _Wilhelm Busch_, 1857, und endlich
_Adolf Bardeleben_ mit seiner ursprünglichen Übersetzung von _Vidals_
Chirurgie (seit 1852), welche in 7. Auflage bei selbständiger
Bearbeitung ausschließlich unter _Bardelebens_ Namen ging. Die nach 1860
erscheinenden Lehrbücher stehen mehr oder weniger bereits unter dem
Einflusse der antiseptischen Wundbehandlung; unter ihnen ragt am meisten
hervor _Franz Königs_ Spezielle Chirurgie, die einen großen Einfluß
ausgeübt hat und mehrfache Auflagen erlebte. Vortrefflich ist auch
_Erich Lexers_ Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie, die bereits in 6
Auflagen erschienen ist.
Neben diesen zusammenfassenden Werken einzelner wurde durch _Theodor
Billroth_, der auch literarisch sein Leben lang unermüdlich tätig
gewesen ist, eine neue Form der Veröffentlichungen ins Leben gerufen,
die man als Sammellehrbücher bezeichnen kann. Sie waren notwendig
geworden, weil das gewaltige Anschwellen des chirurgischen Könnens und
Wissens es dem einzelnen Schriftsteller immer schwerer machte, das ganze
Gebiet der klinischen Chirurgie wissenschaftlich und praktisch
gleichmäßig zu beherrschen; es mußte daher eine Aufteilung des Stoffes
an mehr oder weniger zahlreiche Mitarbeiter vorgenommen werden. Als das
erste Beispiel dieser Literatur in Deutschland erschien in den Jahren
1865 bis 1882 das von v. _Pitha_ und _Billroth_ herausgegebene Lehrbuch
der allgemeinen und speziellen Chirurgie. Indessen zeigte sich sehr bald
als bedenklicher Nachteil dieses Verfahrens der Umstand, daß die
zahlreichen Mitarbeiter mit sehr verschiedener Schnelligkeit arbeiteten,
die einzelnen Abschnitte daher ganz unregelmäßig erschienen und die
fleißigsten und frühesten Arbeiten oft schon überholt und veraltet
waren, ehe das Sammelwerk noch seinen Abschluß gefunden hatte. So
geschah es bereits bei diesem ersten Versuche, dessen Beendigung
_Billroth_ nicht abzuwarten die Geduld besaß; denn schon im Jahre 1879
erschien das erste Heft eines neuen Unternehmens, welches er in
Verbindung mit _Albert Lücke_ unter dem Namen: »Deutsche Chirurgie«
begründete. Dies Werk schleppt sich nun bereits 35 Jahre hin, ohne daß
der Zeitpunkt der Beendigung auch nur mit einiger Sicherheit übersehen
werden könnte. Die beiden ersten Herausgeber sind gestorben; an ihre
Stelle traten _Ernst v. Bergmann_ und _Paul v. Bruns_; und nachdem
auch der Erstgenannte aus dem Leben geschieden ist, führt _Bruns_ die
Schriftleitung allein weiter. Auch die Mitarbeiter haben vielfach
gewechselt, immer neue Teilungen des riesenhaften Stoffes haben sich als
notwendig erwiesen und dennoch kann das Werk nur langsam vorankommen, da
jeder neue Mitarbeiter sich erst einzuleben genötigt ist. So
unerfreulich dieser Zustand auch sein mag, so scheint er doch bei einem
derartig angelegten Unternehmen auf dem Gebiete einer schnell sich
entwickelnden Wissenschaft fast unvermeidlich zu sein; und ungeachtet
dieser Mängel ist die »Deutsche Chirurgie« ein stolzes Denkmal deutschen
Wissens und deutscher Gewissenhaftigkeit geworden.
Ein solcher Stand der Dinge mußte unfehlbar zu neuen Unternehmungen
reizen, bei deren Anlage man die Fehler der älteren Werke zu vermeiden
suchte. So erschien unter der Leitung von v. _Bergmann_, v. _Bruns_ und
v. _Mikulicz_ in den Jahren 1898-1901 ein vierbändiges Handbuch der
praktischen Chirurgie, welches 1903 bereits eine 2. Auflage benötigte.
Die kürzere und möglichst zusammengedrängte Fassung, bei strengster
Berücksichtigung alles Wissenswerten, hatte den Mitarbeitern eine
rechtzeitige Ablieferung der übernommenen Artikel möglich gemacht. Es
ist das führende Handbuch der Chirurgie geworden und eben in 4. Auflage
in 5 Bänden erschienen. -- Ein weiterer Versuch zur Vereinfachung und zu
schneller Ablieferung ist die von _Th. Kocher_ und _Quervain_ in den
Jahren 1902/03 herausgegebene Enzyklopädie der gesamten Chirurgie.
Neben diesen mehr oder weniger umfangreichen Sammelwerken über
allgemeine und spezielle Chirurgie, den Krankenhausberichten, sowie den
der Operationslehre gewidmeten Schriften steht eine schier
unübersehbare Menge von Einzelschriften aller Art, teils umfassenderen
Arbeiten über besondere Gebiete, die sich nicht in den Rahmen einer
Sammelchirurgie eingeordnet haben, teils kleineren oder größeren
Artikeln, die in den Zeitschriften ihren Unterschlupf fanden. Bis zum
Jahre 1860 gab es aber im ganzen Gebiete der deutschen Sprache so
außerordentlich wenige ausschließlich chirurgische _Zeitschriften_, daß
die meisten kleineren Aufsätze in den gewöhnlichen Wochenschriften
erschienen, die unterschiedslos allen medizinischen Fächern gerecht zu
werden sich bemühten. So konnte es geschehen, daß die wichtigsten
chirurgischen Arbeiten über eine größere Zahl von Zeitschriften sich
verstreuten, was deren Verbreitung in chirurgischen Kreisen nicht wenig
im Wege stand. Um diesem Zustande ein Ende zu machen und der deutschen
Chirurgie einen Sammel- und Treffpunkt zu bereiten, gründete _Bernhard
Langenbeck_ im Jahre 1861 das Archiv für klinische Chirurgie, dessen
Hauptleitung _Ernst Gurlt_ übernahm; unter dem geläufigeren Namen
»Langenbecks Archiv« hat es in der Tat lange Jahre eine Art von
Sprechsaal für die deutsche Chirurgie gebildet und hat heute unter einer
Schriftleitung, deren Hauptarbeit _Werner Körte_ leistet, den
hundertsten Band längst überschritten. Allein den wachsenden
Bedürfnissen genügte auch diese Einrichtung bald nicht mehr, da zumal
die jüngeren Chirurgen nicht ohne Grund die Klage erhoben, daß wegen
Platzmangels die Veröffentlichung der von ihnen eingesandten Arbeiten
ungebührlich lange hinausgeschoben würde. So konnten denn im Jahre 1872
_Karl Hüter_ und _Albert Lücke_ mit einem neuen Organe, der »Deutschen
Zeitschrift für Chirurgie« dem älteren Archiv einen Wettbewerb bereiten.
Und da trotzdem nach einem Jahrzehnt die gleichen Klagen laut wurden, so
konnte P. _Bruns_ in den »Beiträgen zur klinischen Chirurgie« im Jahre
1884 noch ein drittes Archiv gründen, welches in kurzer Zeit zahlreichen
Kliniken und Krankenhäusern zu ihren Veröffentlichungen diente und zu
hoher Blüte gelangte.
Zu diesen Sammelorganen kommen die Veröffentlichungen aus
chirurgisch-wissenschaftlichen Gesellschaften. Unter diesen steht die
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie weitaus im Vordergrunde; ihre
gedruckten Verhandlungen liefern alljährlich einen Band, der allmählich
zu erheblichem Umfange angeschwollen ist und dessen Inhalt uns die
Entwicklung der deutschen Chirurgie fast wie in einem Museum geordnet
vor Augen führt. Dazu kommen die Verhandlungen der Freien Vereinigung
der Chirurgen Berlins, die, seit 1888 bestehend, vor drei Jahren den
Namen: Berliner chirurgische Gesellschaft angenommen hat. -- Auch die
Deutsche Röntgengesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Urologie und
manche andere Vereinigungen geben besondere Sitzungsberichte heraus, da
auch die sonderwissenschaftlichen Zeitschriften die Fülle des Stoffes
nicht zu bewältigen imstande sind.
Und doch hat die Chirurgie durch Gründung besonderer Vereine für
Nebengebiete mit den dazu gehörigen Zeitschriften eine ganz erhebliche
Entlastung erfahren. Weit vorangegangen war die Augenheilkunde, bald
auch die Ohrenheilkunde, die schon 1864 ein eigenes Archiv schuf, 1867
eine Monatsschrift hinzufügte. In ähnlicher fruchtbarer Weise ist die
Sache in allen Sonderwissenschaften verlaufen, welche durch die
antiseptische Wundbehandlung einen mächtigen und nachhaltigen Antrieb
zur Weiterentwicklung erfahren hatten.
Als eine Erscheinung eigener Art sind die von _Richard v. Volkmann_
seit dem Jahre 1869 begründeten »Klinischen Vorträge« anzusehen, in
welchen das Ziel verfolgt wurde, den Fortschritten auf allen Gebieten
der klinischen Medizin durch fortlaufende Veröffentlichungen von
Vorträgen, wie sie dem jeweils neuesten Stande der Wissenschaft
entsprechend in Kliniken und Vereinen gehalten waren, oder wenigstens
sich der Form nach ihnen angliederten, Rechnung zu tragen. Der
chirurgische Teil des Unternehmens wird noch heute von _Otto Hildebrand_
geleitet.
Ähnlichen Gedankengängen paßt sich die von P. v. _Bruns_ 1912 begründete
»Neue deutsche Chirurgie« an, von der diese Arbeit einen Teil bildet.
Sie ist als Fortsetzung der »Deutschen Chirurgie« gedacht und erscheint
als eine zwanglose Sammlung von Einzelschriften, die allen Fortschritten
unserer Wissenschaft Rechnung tragen sollen und die mit der Zeit eine
wertvolle Fachbibliothek in sorgfältiger Auswahl und Bearbeitung werden
dürfte. --
Eine etwas schwerflüssige und doch überaus wichtige Quelle der Belehrung
bilden die klinischen Berichte aus Kliniken und Krankenhäusern. In deren
älterer Form teilte der Berichterstatter nur mit, was ihm in seinen
Erfahrungen besonders wichtig erschien, unter Auslassung alles dessen,
was den Glanz seiner Tätigkeit zu verdunkeln geeignet war. Diese mehr
oder weniger schön gefärbten Mitteilungen erfuhren durch _Theodor
Billroths_ rücksichtslose Wahrheitsliebe eine grundsätzliche
Veränderung, indem er in den seit 1860 herausgegebenen Berichten über
seine Kliniken in Zürich und später in Wien nicht nur das sogenannte
Interessante besprach, dessen Begrenzung von jedem Leser in anderer Form
vorgenommen wird, sondern einfach alles erwähnte, was er beobachtet
hatte. Nur so war es möglich, einen klaren Überblick nicht allein über
seine eigene Tätigkeit, sondern auch über die anderer Chirurgen zu
gewinnen; und da es feststeht, daß eigene und fremde Fehler am meisten
belehren, so hat _Billroths_ Vorgehen eine nicht hoch genug zu
schätzende Säule der chirurgischen Ethik geschaffen. Er fand bald
Nachfolger, und heutigentags ist die Methode der unbedingten
Wahrhaftigkeit so weit entwickelt, daß ein Berichterstatter es nur unter
schweren Gefahren für Ruf und Ehre wagen dürfte, von ihren Grundsätzen
abzuweichen. -- Für das Studium von Einzelfragen bilden solche Berichte
eine unschätzbare Grundlage.
Aus diesem Anschwellen der Literatur, welches einer geistigen
Übererzeugung zuweilen bedenklich nahe kam, entwickelte sich nun ein
neuer Literaturzweig mit der Aufgabe, die zerstreuten Arbeiten auf den
einzelnen medizinischen Gebieten zu sammeln, zu ordnen und in Form einer
kurzen, aber alles Wesentliche wiedergebenden Inhaltsangabe dem Leser
darzubieten. Auf dem Gesamtgebiete der Medizin hatten _Canstatts_
Jahresberichte bereits 25 Jahre lang dem Bedürfnis wissenschaftlich
arbeitender Ärzte Rechnung zu tragen gesucht, als sie im Jahre 1866
durch die von _Rudolf Virchow_ und _August Hirsch_ herausgegebenen
Jahresberichte über die Leistungen und Fortschritte in der gesamten
Medizin ersetzt wurden. Aber für die auf Sondergebieten Belehrung
suchenden Männer waren solche Übersichten auf der einen Seite zu
umfassend, da sie das Auffinden bestimmter Arbeiten und die Erkenntnis
ihres Zusammenhanges mit anderen ähnlichen erschwerten, auf der anderen
Seite zu eng, da sie inhaltlich viel zu wenig boten.
Aus dem unabweislichen Bedürfnis heraus, dem Chirurgen seine
literarischen Arbeiten zu erleichtern, schufen daher L. _Lesser_ in
Berlin, M. _Schede_ in Halle und H. _Tillmanns_ in Leipzig, unter dem
Rate und der tätigen Beihilfe _Richard v. Volkmanns_, im Jahre 1874
das Zentralblatt für Chirurgie, dessen allwöchentlich erscheinende Hefte
nicht nur mehr oder weniger schnelle Berichte über die chirurgische
Weltliteratur, sondern auch gewöhnlich kurze Uraufsätze und sogar
öffentliche Anfragen brachten. So ausgezeichnet sich das Unternehmen
bewährt hat, so ist es doch im Jahre 1913 durch ein unter ständiger
Aufsicht der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie stehendes Zentralblatt
für die gesamte Chirurgie und ihre Grenzgebiete, dessen Schriftleitung
L. _Franz_ übernommen hat, nicht ersetzt, aber doch ergänzt worden. Das
neue Blatt strebt nicht nur eine Vollständigkeit der Berichte aus der
gesamten Weltliteratur, sondern auch deren denkbar schnellstes
Erscheinen an.
Wie einst das Archiv für klinische Chirurgie, so hat auch das
Zentralblatt für Chirurgie schnelle Nachahmung gefunden. Alle
Nebenfächer der Wundarzneikunst, sogar die Grenzgebiete zwischen Medizin
und Chirurgie haben ihr eigenes Zentralblatt erhalten, so daß eine
eigene Literatur der Zentralblätter zustande gekommen ist. Daneben
entwickelten sich noch weiterhin auf engere Gebiete beschränkte
Jahresberichte, entweder über die ganze Chirurgie sich erstreckend, wie
_Otto Hildebrands_ seit 1895 erscheinender Jahresbericht der Chirurgie,
oder zusammenfassende engere Berichte, wie die der Krankheiten des
Urogenitalapparates seit 1906.
Das lebhafte Interesse, welches sich in diesen zahlreichen Gründungen
und deren Gedeihen bekundet, hat die Arbeiten auf allen Gebieten der
Chirurgie wesentlich erleichtert. Aber es ist nicht zu verkennen, daß
diese Massenhaftigkeit der literarischen Neuschöpfungen doch auch ihre
bedenkliche Seite hat. Die Anlegung einer chirurgischen Privatbücherei,
welche alle wesentlichen Erscheinungen der neueren Literatur umfaßt, ist
jetzt vom Gesichtspunkte des Raumes und der Kosten schon fast unmöglich
geworden, selbst für einen Chirurgen mit eigenem Hause und großen
Mitteln. Damit leidet aber die stille Gelehrtenstube früherer Zeiten;
und der wundärztliche Schriftsteller, welcher öffentliche Büchereien in
größerem Umfange zu benutzen gezwungen ist, verliert auch noch den
letzten Rest der für die Sammlung der Gedanken so nötigen beschaulichen
Ruhe, den ihm sein immer unruhiger und aufregender werdender Beruf eben
noch gelassen hatte.
Trotz dieser etwas schwermütigen Betrachtung bietet auch das
literarische Schaffen auf chirurgischem Gebiete in seiner Rührigkeit und
seiner überquellenden Fruchtbarkeit ein überaus erfreuliches Bild dar.
Schlußwort.
Wir sind am Schluß unserer Darlegungen angelangt. Aber es ist kein
geschichtlicher Abschluß, kein Wendepunkt, an welchem eine umschriebene
Periode zu Ende geht, eine neue in Sicht steht, oder soeben begonnen
hat; denn _Listers_ System einer chemischen Wundbehandlung, für welche
die Anfänge der Keimlehre die Grundlage darboten, ist zwar von Grund aus
umgeändert und verbessert, aber doch nicht als vollendet und fortan
unabänderlich anzusehen. Dazu sind weitere neue Gedanken und
wissenschaftliche Erfindungen gekommen, deren Tragweite für das Gebiet
der Wundarzneikunde noch keineswegs schon nach allen Beziehungen hin
feststeht. Demgemäß sehen wir in der deutschen Chirurgie überall eine
angespannte Arbeit, ein eifriges Streben, einen nie ermüdenden Fleiß.
Das sind keine Zeichen eines Niederganges, sondern der klarste Beweis,
daß die jetzt lebenden Chirurgen das Erbe ihrer Vorgänger gut verwalten,
daß sie dem gleichen Boden, auf welchem jene tätig waren, im Schweiße
ihres Angesichtes immer reichere Erträge zu entlocken sich bemühen. Noch
ist fast alles im Fluß; wohin aber die stolze Bewegung in weiteren 50
Jahren geführt haben wird, vermag heute niemand auch nur zu ahnen.
Immerhin dürfen wir die Hoffnung hegen, daß der Weg weiter aufwärts
führt, selbst wenn unser Vaterland schweren Prüfungen entgegengehen
sollte, denen mit Ruhe und Entschlossenheit zu begegnen das deutsche
Volk auch in der hohen Entwicklung seiner Chirurgie eine nicht zu
verachtende Waffe, besitzt.
Namenverzeichnis.
=A.=
Abbott 68.
Ahlfeld 45.
Albert 42.
Annandale 28.
Arusakagewehr 64.
Augusta, Kaiserin 46. 47. 48. 65.
Auguste Viktoria, Kaiserin 48.
=B.=
Bardeleben, v. 1. 38. 39. 49. 56. 101.
Bardenheuer 45.
Barth, Arthur 87.
Bartscher 9.
Basedow, v. 100.
Baum, Wilhelm 97.
Behring, v. 14. 77.
Bennet 98.
Bergmann, v. 11. 35. 37. 45. 46. 48. 49. 54. 68. 71. 72. 73. 75. 84. 98.
102.
Bier 57. 59. 76. 89.
Billroth 3. 10. 11. 19. 34. 41. 45. 55. 70. 85. 92. 93. 99. 102. 104.
Blasius 101.
Boerhave 94.
Bollinger 78.
Bornhaupt 64.
Boyer 16.
Bramann, v. 85.
Brauer 97.
Braun, Heinrich (Zwickau) 55. 56. 57. 98.
Bremser 79.
Brodeur 87.
Bruns, Paul v. 42. 43. 54. 64. 85. 102. 103. 104.
-- Viktor v. 1. 32. 40. 85. 101.
Bünger 82.
Burow 9.
Busch, Friedrich 4. 10.
-- Wilhelm 63. 101.
=C.=
Cagniard-Latour 19.
Canstatt 104.
Carstens 58.
Casper 87.
Chassaignac 12.
Chassepotgewehr 64.
Chauliac, Guy de 52.
Chelius 101.
Chevreuil 20. 26.
Chrysmar 86.
Civiale 87.
Cloquet 96.
Cohnheim 61.
Colbatch 21.
Courvoisier 91.
Credé 43. 68.
Czermak 85.
Czerny, Vinzenz v. 85. 92. 93. 96. 97.
=D.=
Davy, Humphry 53.
Déclat 22.
Delpech 13.
Dieffenbach 28. 53. 81. 82.
Döcker, v. 7.
Doutrelepont 70.
Dreysegewehr 64.
Ducrey 78.
Dumreicher, v. 54.
Dunant 65.
=E.=
Edison 87.
Ehrlich 78. 80.
Eiselsberg, Frh. v. 74. 84. 99.
Elliot 21.
Esmarch, v. 42. 58. 67. 88.
Esse 6.
Estlander 97.
=F.=
Fabry, Wilhelm 88.
Fehleisen 15. 37.
Flourens 53.
Franz 105.
Freund, Wilh. Al. 86.
Friedländer 69.
Friedrich 97.
Friedrich Leopold v. Preußen 49.
Fritsch 98.
Fürbringer 45.
=G.=
Gaffky 36.
Galenus 72.
Gasser 98.
Gay-Lussac 19.
Gerlach, v. 34.
Godlee 98.
Görcke 63.
Goßler, v. 75.
Gowers 99.
Gräfe, Albrecht v. 84.
-- Karl Ferd. v. 28. 81.
Graser 14.
Grimm 63.
Gruithuisen 87.
Gurlt 32. 54. 103.
Gussenbauer 61. 85. 92. 93.
Guyon 87.
=H.=
Haase 65.
Hacker, v. 97.
Häser XV. 2.
Hagedorn 38. 42.
Hahn 85. 87.
Hansemann, v. 80.
Hansen 78.
Heath 87.
Hebra 18.
Heidenhain 80. 98.
Heine 85.
Heller 79.
Helmholtz 20.
Henle 1. 19. 20. 33.
Henry 41.
Hildebrand 104. 105.
Hippokrates 14. 72.
Hirsch 104.
Hittorf 59.
Hitzig 98.
Hoffa 89.
Hoffmann 78.
Honigmann 55.
Honsell 43.
Horsley 98. 99,
Hüter 12. 34. 38. 69. 103.
Hyrtl 1. 2.
=I.=
Israel 4. 39. 87.
=J.=
Jackson 53.
Jäger 101.
Jenner 76.
Jonnescu 57.
=K.=
Kaiser 92.
Kappeler 54.
Karg 74.
Kehr 91.
Kern, v. 9. 28.
Killian 86.
Kimball 86.
Kitasato 77.
Kiwisch 18.
Klebs 34. 77.
Klose 12.
Knesebeck, v. d. 49.
Koch, Robert 34. 35. 36. 41. 44. 70. 71. 72. 73. 74. 75. 76.
Kocher 64. 95. 98. 100. 102.
Köberlé 86.
König, Franz 37. 41. 70. 73. 75. 76. 82. 91. 97. 101.
Körte 51. 55. 91. 103.
Köster 69.
Kolbe 39.
Koller 56.
Kraske 94.
Krause 83. 98.
Krefting 78,
Krönlein 9. 95. 98. 100.
Küchenmeister 22. 79.
Küchler 90.
Kümmell 42. 95.
Küster 39. 41. 42. 57. 64. 74. 83. 84. 87. 89. 93. 97.
Küttner 68.
=L.=
Langenbeck, Bernhard v. 3. 4. 28. 31. 46. 47. 48. 49. 60. 66. 67. 78. 82.
83. 89. 93. 96. 103.
-- Konrad Martin 1. 60. 61. 101.
Langenbuch 91.
Lauenstein 74.
Le Dentu 87.
Le Fort 89.
Lemaire 22.
Lesser 38. 105.
Leuckart 79.
Lexer 101.
Leyden 98.
Liebig 53.
Liebreich 76.
Lisfranc 94.
Lister 10. 17. 18. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 33. 34.
36. 38. 39. 40. 41. 43. 44. 52. 70. 81. 86. 87. 88. 90. 92. 93. 96.
97. 106.
Löffler 36. 77.
Long 53.
Lorenz 89.
Lücke 100. 102. 103.
Luise, Großherzogin von Baden 46.
=M.=
MacDowell 86.
Mackenzie 85.
Madelung 29. 33. 39. 79. 93. 100.
Maggi 88.
Malgaigne 4.
Mannlichergewehr 64.
Marchand 61. 62.
Martens 14.
Martini 35.
Metschnikow 61.
Michaelis 5.
Mikulicz, v. 41. 45. 54. 57. 89. 92. 95. 97. 100. 102.
Morgagni 94.
Morris 87.
Morton 53.
Mosengeil, v. 39.
Mosetig v. Moorhof 41. 70.
Müller, W. (Rostock) 82.
=N.=
Nägeli 35.
Neißer 78.
Neuber 42. 55.
Nicoladoni 82.
Nicolaier 14. 77.
Nightingale, Miß 6.
Nitze 87.
Nußbaum, v. 38. 96.
=O.=
Oberst 57.
Öttingen, v. 66. 68.
Ogston 37.
Ollier 89.
Oppenheim 98.
=P.=
Pallas 79.
Paré 17. 88.
Parker 55.
Pasteur 20. 21. 26. 37.
Péan 86. 90.
Perthes 45.
Petersen 58.
Petit 91.
Phelps 43.
Pirogoff 4. 8. 19. 53. 62. 66. 89.
Pitha, v. 102.
Pravaz 70.
Priestley 53.
Pringle 4.
Puchelt 94.
Purmann 95.
=Q.=
Quervain 102.
Quincke 57.
Quittenbaum 90.
=R.=
Radius 101.
Ranke 39.
Recklinghausen, v. 34.
Reger 64.
Rehn 84. 100.
Reil 6.
Remak 2.
Reverdin, Jaques 82. 100.
Reybard 93.
Reyher 39. 68.
Ribbert 80.
Richardson 40. 56.
Richter, A. G. 28. 84. 101.
Rindfleisch 34.
Rinne 71.
Riolan 84.
Risel 96.
Röntgen 59. 60. 68.
Rokitansky 2. 18.
Rose 9. 82. 89. 100.
Rosenbach 12. 37.
Roser 19. 96. 101.
Rothmund, v. 96.
Roux 95.
Rust 101.
Rydygier 92.
=S.=