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VERLAG VON FERDINAND ENKE IN STUTTGART.
* * * * *
NEUE DEUTSCHE CHIRURGIE
Herausgegeben von =P. v. Bruns.=
Die =»Neue Deutsche Chirurgie«= ist als Fortsetzung der »Deutschen
Chirurgie« von dem gegenwärtigen Herausgeber dieses monumentalen, dem
Abschlusse entgegengehenden Sammelwerkes, Exzellenz v. _Bruns_,
begründet worden.
Die =»Neue Deutsche Chirurgie« erscheint als eine fortlaufende zwanglose
Sammlung von Monographien über ausgewählte Kapitel der modernen
Chirurgie.= Das beigegebene Verzeichnis der bereits erschienenen sowie
in Vorbereitung befindlichen Bände zeigt, daß von den berufensten
Autoren die neuzeitlichen Errungenschaften der Chirurgie sowie die
neuerdings der chirurgischen Behandlung zugänglich gemachten Gebiete in
sorgfältiger Auswahl dargestellt werden. =Nach Bedarf werden immer neue
Bände hinzugefügt.=
Von der Kritik ist das Erscheinen der =»Neuen Deutschen Chirurgie«= mit
Freude begrüßt und dem großen Werke ein weitgehendes Bedürfnis zuerkannt
worden. Die bisher erschienenen Bände werden sämtlich dem Fachmann als
willkommen und unentbehrlich manche auch dem praktischen Arzte
angelegentlich empfohlen.
Die =»Neue Deutsche Chirurgie«= hat in der kurzen Zeit ihres Erscheinens
bereits einen außerordentlich großen Kreis von Lesern und besonders von
Abonnenten sich erworben, so daß zu hoffen ist, daß die Sammlung sich
bald jedem Chirurgen als unentbehrlich erweisen wird.
Im Abonnement auf die =»Neue Deutsche Chirurgie«= -- es ist für dieses
ein etwa 20 Prozent niedrigerer Bandpreis angesetzt -- wird den
Chirurgen die Gelegenheit geboten, allmählich eine wertvolle
Fachbibliothek in sorgfältigster Auswahl und Bearbeitung zu erwerben.
Ferdinand Enke, Verlagsbuchhandlung
Stuttgart.
$Bisher erschienene Bände:$
1. Band. =Die Nagelextension der Knochenbrüche.= Von Privatdoz. Dr. =F.
Steinmann.= Mit 136 Textabbildungen. Lex. 8°. 1912. Preis für Abonnenten
geh. M. 6.80, in Leinw. geb. M. 8.20. =Einzelpreis= geh. M. 8.40, in
Leinw. geb. M. 9.80.
2. Band. =Chirurgie der Samenblasen.= Von Prof. Dr. =F. Voelcker.= Mit
46 Textabbildungen. Lex. 8°. 1912. Preis für Abonnenten geh. M. 7.80, in
Leinw. geb. M. 9.20. =Einzelpreis= geh. M. 9.60, in Leinw. geb. M. 11.--
3. Band. =Chirurgie der Thymusdrüse.= Von Dr. =Heinrich Klose.= Mit 99
Textabbildungen, 2 Kurven und 3 farbigen Tafeln. Lex. 8°. 1912. Preis
für Abonnenten geh. M. 10.40, in Leinw. geb. M. 11.80. =Einzelpreis=
geh. M. 12.80, in Leinw. geb. M. 14.20.
4. Band. =Die Verletzungen der Leber und der Gallenwege.= Von Professor
Dr. =F. Thöle.= Lex. 8°. 1912. Preis für Abonnenten geh. M. 6.80, in
Leinw. geb. M. 8.20. =Einzelpreis= geh. M. 8.40, in Leinw. geb. M. 9.80.
5. Band. =Die Allgemeinnarkose.= Von Professor Dr. =M. v. Brunn.= Mit 91
Textabbildungen. Lex. 8°. 1913. Preis für Abonnenten geh. M. 15.--, in
Leinw. geb. M. 16.40. =Einzelpreis= geh. M. 18.60, in Leinw. geb.
M. 20.--
6. Band. =Die Chirurgie der Nierentuberkulose.= Von Privatdozent Dr.
=H. Wildbolz.= Mit 22 teils farbigen Textabbildungen. Lex. 8°. 1913. Preis
für Abonnenten geh. M. 7.--, in Leinw. geb. M. 8.40. =Einzelpreis= geh.
M. 8.60, in Leinw. geb. M. 10.--
7. Band. =Chirurgie der Lebergeschwülste.= Von Professor Dr. =F. Thöle.=
Mit 25 Textabbildungen. Lex. 8°. 1913. Preis für Abonnenten geh. M.
12.--, in Leinw. geb. M. 13.40. =Einzelpreis= geh. M. 14.--, in Leinw.
geb. M. 15.40.
8. Band. =Chirurgie der Gallenwege.= Von Professor Dr. =H. Kehr.= Mit
137 Textabbildungen, einer farbigen Tafel und einem Bildnis _Carl
Langenbuchs_. Lex. 8°. 1913. Preis für Abonnenten geh. M. 32.--, in
Leinw. geb. M. 34.--. =Einzelpreis= geh. M. 40.--, in Leinw. geb.
M. 42.--
9. Band. =Chirurgie der Nebenschilddrüsen (Epithelkörper).= Von
Professor Dr. =N. Guleke.= Mit 22 teils farbigen Textabbildungen. Lex.
8°. 1913. Preis für Abonnenten geh. M. 7.--, in Leinw. geb. M. 8.40.
=Einzelpreis= geh. M. 8.40, in Leinw. geb. M. 9.80.
10. Band. =Die Krankheiten des Knochensystems im Kindesalter.= Von
Professor Dr. =Paul Frangenheim.= Mit 95 Textabbildungen. Lex. 8°. 1913.
Preis für Abonnenten geh. M. 11.80, in Leinw. geb. M. 13.20.
=Einzelpreis= geh. M. 14.80, in Leinw. geb. M. 16.20.
11. Band. =Allgemeine Chirurgie der Gehirnkrankheiten.= I. Teil.
Bearbeitet von Professor Dr. =A. Knoblauch=, Professor Dr. =K. Brodmann=
und Priv.-Doz. Dr. =A. Hauptmann.= Redigiert von Professor Dr.
=F. Krause.= Mit 149 teils farbigen Abbildungen und 12 Kurven. Lex. 8°.
1914. Preis für Abonnenten M. 20.--, in Leinw. geb. M. 21.60.
=Einzelpreis= geh. M. 24.--, in Leinw. geb. M. 25.60.
12. Band. =Allgemeine Chirurgie der Gehirnkrankheiten.= II. Teil.
Bearbeitet von Professor Dr. =G. Anton=, Professor Dr. =L. Bruns=,
Professor Dr. =F. Haasler=, Priv.-Doz. Dr. =A. Hauptmann=, Dr. =W.
Holzmann=, Professor Dr. =F. Krause=, Professor Dr. =F. W. Müller=,
Professor Dr. =M. Nonne= und Professor Dr. =Artur Schüller.= Redigiert
von Professor Dr. =F. Krause.= Mit 106 teils farbigen Abbildungen. Lex.
8°. 1914. Preis für Abonnenten M. 17.20, in Leinw. geb. M. 18.80.
=Einzelpreis= geh. M. 21.--, in Leinw. geb. M. 22.60.
13. Band. =Die Sportverletzungen.= Von Priv.-Doz. Dr. =G. Freiherrn v.
Saar.= Mit 53 Textabbildungen. Lex. 8°. 1914. Preis für Abonnenten geh.
M. 11.--, in Leinw. geb. M. 12.40. =Einzelpreis= geh. M. 13.40, in
Leinw. geb. M. 14.80.
14. Band. =Kriegschirurgie in den Balkankriegen 1912/13.= Bearbeitet von
=Alfred Exner=, =Hans Heyrovsky=, =Guido Kronenfels= und =Cornelius
Ritter von Massari.= Redigiert von =Alfred Exner.= Mit 51
Textabbildungen. Lex. 8°. 1915. Preis für Abonnenten geh. M. 10.--, in
Leinw. geb. M. 11.40. =Einzelpreis= geh. M. 11.60, in Leinw. geb.
M. 13.--
15. Band. =Geschichte der neueren deutschen Chirurgie.= Von Prof. Dr.
=Ernst Küster.= Lex. 8°. 1915. Preis für Abonnenten geh. M. 4.40, in
Leinw. geb. M. 5.60. =Einzelpreis= geh. M. 5.20, in Leinw. geb. M. 6.40.
$In Vorbereitung befindliche Bände:$
=Handbuch der Wundbehandlung.= Von Dr. C. _Brunner_.
=Behandlung der Wundinfektionskrankheiten.= Von Prof. Dr. L. _Wrede_.
=Immunisierung im Dienste der chirurgischen Diagnostik und Therapie.=
Von Dr. G. _Wolfsohn_.
=Staphylomykosen und Streptomykosen.= Von Prof. Dr. _Th. Kocher_ und
Priv.-Doz. Dr. F. _Steinmann_.
=Sporotrichose.= Von Prof. Dr. G. _Arndt_.
=Tetanus.= Von Prof. Dr. E. _Kreuter_.
=Traumatische Neurosen.= Von Prof. Dr. O. _Nägeli_.
=Lokalanästhesie.= Von Prof. Dr. V. _Schmieden_ und Dr. F. _Härtel_.
=Lumbalanästhesie.= Von Dr. A. _Dönitz_.
=Künstliche Blutleere.= Von Prof. Dr. F. _Momburg_.
=Blutuntersuchungen im Dienste der Chirurgie.= Von Prof. Dr. O. _Nägeli_
und Dr. E. _Fabian_.
=Bluterkrankheit.= Von Priv.-Doz. Dr. _Schlößmann_.
=Chirurgische Röntgenlehre.= Von Prof. Dr. R. _Grashey_.
=Chirurgische Röntgenstrahlenbehandlung.= Von Priv.-Doz. Dr.
H. _Iselin_.
=Chirurgische Sonnenlichtbehandlung.= Von Dr. O. _Bernhard_ und Dr.
A. _Rollier_.
=Freie Transplantation.= Von Prof. Dr. E. _Lexer_.
=Plastische Chirurgie.= Von Prof. Dr. E. _Lexer_.
=Chirurgische Operationslehre.= Von Prof. Dr. E. _Lexer_.
=Dringliche Operationen.= Von Prof. Dr. G. _Hirschel_.
=Verbrennungen und Erfrierungen.= Von Prof. Dr. E. _Sonnenburg_ und Dr.
P. _Tschmarke_.
=Chirurgie der heißen Länder.= Von Prof. Dr. K. _Goebel_.
=Echinokokkenkrankheit.= Von Prof. Dr. W. _Müller_, Prof. Dr. A.
_Becker_ und Priv.-Doz. Dr. G. _Hosemann_.
=Chirurgische Pneumokokkenkrankheiten.= Von Dr. _Th. Nägeli_.
=Thrombose und Embolie nach Operationen.= Von Prof. Dr. H. _Fehling_.
=Luft- und Fettembolie.= Von Prof. Dr. P. _Clairmont_.
=Krebsgeschwülste.= Von Prof. Dr. O. _Lubarsch_, Prof. Dr. _Apolant_ und
Prof. Dr. R. _Werner_.
=Sarkomgeschwülste.= Von Priv.-Doz. Dr. _Konjetzny_.
=Chirurgie des Diabetes.= Von Prof. Dr. W. _Kausch_.
=Chirurgie des Abdominaltyphus.= Von Prof. Dr. O. W. _Madelung_.
=Behandlung der chirurgischen Tuberkulose.= Von Prof. Dr. M. _Wilms_.
=Strahlenbehandlung des Hautkrebses und der Hauttuberkulose.= Von Prof.
Dr. P. _Linser_.
=Chirurgie der Lymphgefäße und Lymphdrüsen.= Von Prof. Dr. A. _Most_.
=Chirurgie der Blutgefäße.= Von Prof. Dr. A. _Stich_.
=Chirurgie der Nerven.= Von Prof. Dr. H. _Spitzy_.
=Chirurgie der Syringomyelie.= Von Prof. Dr. A. F. _Borchard_.
=Chirurgie der Lähmungen.= Von Prof. Dr. F. _Lange_.
=Ambulante Behandlung von Knochenbrüchen.= Von Professor Dr.
P. _Hackenbruch_.
=Operative Behandlung der Knochenbrüche.= Von Prof. Dr. E. _Ranzi_.
=Knochenbrüche der Gelenke.= Von Priv.-Doz. Dr. B. _Baisch_.
=Traumatische Epiphysentrennungen.= Von Priv.-Doz. Dr. K. _Fritsch_.
=Pseudoarthrosen.= Von Priv.-Doz. Dr. A. _Reich_.
=Neuropathische Knochen- und Gelenkkrankheiten.= Von Dr. R. _Levy_.
=Knochengeschwülste.= Von Prof. Dr. G. _Axhausen_.
=Arthritis deformans.= Von Prof. G. _Axhausen_ und Dr. P. _Gläßner_.
=Gelenkentzündungen bei infektiösen Krankheiten.= Von Dr. G. D. _Zesas_.
=Ankylose der Gelenke.= Von Prof. Dr. E. _Payr_.
=Spezielle Chirurgie der Gehirnkrankheiten.= Bearbeitet von Oberarzt Dr.
W. _Braun_, Prof. Dr. R. _Cassirer_, Prof. Dr. P. _Clairmont_, Prof. Dr.
A. _Exner_, Prof. Dr. F. _Haasler_, Priv.-Doz. Dr. K. _Henschen_,
Oberarzt Dr. E. _Heymann_, Prof. Dr. F. _Krause_, Prof. Dr. K. A.
_Passow_, Prof. Dr. A. _Stieda_. Redigiert von Prof. Dr. F. _Krause_.
=Verletzungen des Gehirns.= Bearbeitet von Prof. Dr. A. F. _Borchard_,
Dr. W. _Braun_, Stabsarzt Dr. A. _Dege_, Prof. Dr. H. _Küttner_, Dr.
E. _Melchior_, Prof. Dr. P. _Schröder_, Dr. H. _Schüller_, Prof. Dr.
A. _Stieda_, Prof. Dr. A. _Tietze_, Dr. _Wrobel_. Redigiert von Prof. Dr.
H. _Küttner_.
=Chirurgie der Hypophyse.= Von Prof. Dr. A. Freiherrn v. _Eiselsberg_.
=Chirurgie der Orbita.= Von Prof. Dr. W. _Krauß_ und Priv.-Doz. Dr.
F. _Hohmeier_.
=Chirurgie des Ohres.= Von Prof. Dr. A. _Hinsberg_.
=Rhinoskopie.= Von Prof. Dr. P. _Heymann_ und Dr. G. _Ritter_.
=Chirurgie der Gesichts- und Kiefer-Gaumenspalten.= Von Prof. Dr.
C. _Helbing_.
=Dentale Kieferoperationen.= Von Prof. Dr. B. _Mayrhofer_.
=Direkte Endoskopie der Luft- und Speisewege.= Von Prof. Dr.
W. _Brünings_ und Prof. Dr. W. _Albrecht_.
=Laryngoskopie.= Von Prof. Dr. P. _Heymann_ und Dr. A. _Mayer_.
=Chirurgische Operationen an Kehlkopf und Luftröhre.= Von Prof. Dr.
O. _Chiari_.
=Endemischer Kropf.= Von Dr. E. _Bircher_.
=Chirurgie der Basedowkrankheit.= Von Dr. H. _Klose_ und Dr. Arno Ed.
_Lampé_.
=Chirurgie der Speiseröhre.= Von Prof. Dr. V. v. _Hacker_ und Primararzt
Dr. G. _Lotheissen_.
=Chirurgie der Brustdrüse.= Von Prof. Dr. E. _Leser_ und Professor Dr.
A. _Dietrich_.
=Druckdifferenzverfahren bei Thoraxoperationen.= Von Priv.-Doz. Dr.
L. _Dreyer_.
=Chirurgie der Pleura.= Von Dr. H. _Burckhardt_.
=Chirurgie der Lungen.= Von Prof. Dr. P. L. _Friedrich_.
=Chirurgie des Herzens.= Von Prof. Dr. A. _Häcker_.
=Chirurgie des Mediastinums und Zwerchfells.= Von Prof. Dr.
F. _Sauerbruch_ und Prof. Dr. K. _Henschen_.
=Laparotomie und ihre Nachbehandlung.= Von Prof. Dr. H. _Gebele_.
=Radikaloperation der Nabel- und Bauchwandbrüche.= Von Prof. Dr.
E. _Graser_.
=Chirurgie der Milz.= Von Prof. Dr. H. _Heineke_ und Dr. E. _Fabian_.
=Chirurgische Behandlung der Leberzirrhose.= Von Prof. Dr. W. _Kausch_.
=Chirurgie des Pankreas.= Von Prof. Dr. N. _Guleke_, Dr. O. _Nordmann_
und Dr. E. _Ruge_.
=Röntgendiagnostik der Krankheiten des Verdauungskanals.= Von Dr.
E. _Finckh_, Dr. F. M. _Groedel_ und Priv.-Doz. Dr. _Stierlin_.
=Chirurgie des Magengeschwüres.= Von Prof. Dr. E. _Payr_.
=Chirurgie des Duodenums.= Von Prof. Dr. H. _Küttner_ und Dr.
E. _Melchior_.
=Chirurgie der Appendix.= Von . . . . . . . . .
=Chirurgie der Form- und Lageveränderungen des Darmes= (ausschließlich
der Hernien). Von Prof. Dr. L. _Wrede_.
=Chirurgie der Funktionsstörungen des Dickdarmes.= Von Prof. Dr.
F. _De Quervain_.
=Chirurgie des Rektums und Anus.= Von Prof. Dr. N. _Guleke_.
=Chirurgie der Nebennieren.= Von Priv.-Doz. Dr. K. _Henschen_.
=Chirurgie der weiblichen Harnorgane.= Von Priv.-Doz. Dr.
A. _Bauereisen_.
=Chirurgische Nierendiagnostik.= Von Prof. Dr. F. _Voelcker_ und
Priv.-Doz. Dr. A. v. _Lichtenberg_.
=Chirurgie der Nephritis.= Von Prof. Dr. H. _Kümmell_.
=Chirurgie des Nierenbeckens und Ureters.= Von Prof. Dr. H. _Kümmell_.
=Endoskopie der Harnwege.= Von Prof. Dr. G. _Gottstein_.
=Geschwülste der Harnblase.= Von Prof. Dr. O. _Hildebrand_ und Dr.
H. _Wendriner_.
=Prostatektomie.= Von Prof. Dr. J. _Tandler_ und Prof. Dr.
O. _Zuckerkandl_.
=Chirurgie des Hodens und Samenstranges.= Von Prof. Dr. _Th. Kocher_ und
Priv.-Doz. Dr. A. _Kocher_.
=Chirurgie der Hand.= Von Dr. E. _Melchior_.
=Verletzungen der unteren Extremitäten.= Von Prof. Dr. C. G. _Ritter_.
* * * * *
Preis für Abonnenten geh. M. 4.40, in Leinw. geb. M. 5.60.
Einzelpreis geh. M. 5.20, in Leinw. geb. M. 6.40.
* * * * *
NEUE
DEUTSCHE CHIRURGIE
(HERAUSGEGEBEN VON)
P. von BRUNS in Tübingen.
BEARBEITET VON
ALBRECHT-Tübingen, ANTON-Halle, APOLANT-Frankfurt a. M., ARNDT-Berlin,
AXHAUSEN-Berlin, BAISCH-Heidelberg, BAUEREISEN-Kiel, BECKER-Rostock,
BERNHARD-St. Moritz, BIRCHER-Aarau, BORCHARD-Posen, BRAUN-Berlin,
BRODMANN-Tübingen, BRÜNINGS-Jena, v. BRUNN-Bochum, BRUNNER-Münsterlingen,
BRUNS-Hannover, BURCKHARDT-Berlin, CASSIRER-Berlin, CHIARI-Wien,
CLAIRMONT-Wien, DÖNITZ-Berlin, DREYER-Breslau, v. EISELSBERG-Wien,
EXNER-Wien, FABIAN-Leipzig, FEHLING-Straßburg, FINCKH-Stuttgart,
FRANGENHEIM-Cöln, FRIEDRICH-Königsberg i. Pr., FRITSCH-Breslau,
GLÄSSNER-Berlin, GOEBEL-Breslau, GOTTSTEIN-Breslau, GRASER-Erlangen,
GRASHEY-München, GROEDEL-Nauheim, GULEKE-Straßburg, HAASLER-Halle,
v. HACKER-Graz, HÄCKER-Essen, HÄRTEL-Berlin, HAUPTMANN-Freiburg,
HEINEKE-Leipzig, HELBING-Berlin, HENSCHEN-Zürich, HEYMANN-Berlin,
HILDEBRAND-Berlin, HINSBERG-Breslau, HIRSCHEL-Heidelberg,
HOHMEIER-Marburg, HOLZMANN-Hamburg, HOSEMANN-Rostock, ISELIN-Basel,
KAUSCH-Berlin, KEHR-Berlin, KLOSE-Frankfurt a. M., KNOBLAUCH-Frankfurt
a. M., KOCHER-Bern, KONJETZNY-Kiel, KRAUSE-Berlin, KRAUSS-Cöln,
KREUTER-Erlangen, KÜMMELL-Hamburg, KÜSTER-Berlin, KÜTTNER-Breslau,
LAMPÉ-München, LANGE-München, LESER-Frankfurt a. M., LEVY-Breslau,
LEXER-Jena, v. LICHTENBERG-Straßburg, LINSER-Tübingen, LOTHEISSEN-Wien,
LUBARSCH-Kiel, MACHOL-Erfurt, MADELUNG-Straßburg, MAYER-Berlin,
MAYRHOFER-Innsbruck, MELCHIOR-Breslau, MOMBURG-Bielefeld, MOST-Breslau,
MÜLLER-Rostock, MÜLLER-Tübingen, O. NÄGELI-Tübingen, TH. NÄGELI-Zürich,
NONNE-Hamburg, NORDMANN-Berlin, PASSOW-Berlin, PAYR-Leipzig, De
QUERVAIN-Basel, RANZI-Wien, REICH-Tübingen, RITTER-Berlin, RITTER-Posen,
ROLLIER-Leysin, RUGE-Frankfurt a. O., v. SAAR-Innsbruck,
SAUERBRUCH-Zürich, SCHLÖSSMANN-Tübingen, SCHMIEDEN-Halle a. S.,
SCHÜLLER-Wien, SONNENBURG-Berlin, SPITZY-Graz, STEINMANN-Bern,
STICH-Göttingen, STIEDA-Halle a. S., STIERLIN-Basel, TANDLER-Wien,
THÖLE-Hannover, TSCHMARKE-Magdeburg, VOELCKER-Heidelberg,
WENDRINER-Wien, WERNER-Heidelberg, WILDBOLZ-Bern, WILMS-Heidelberg,
WREDE-Jena, WROBEL-Breslau, ZESAS-Basel, ZUCKERKANDL-Wien.
* * * * *
15. Band:
Geschichte der neueren deutschen Chirurgie.
Von
Dr. ERNST KÜSTER,
o. ö. Professor der Chirurgie an der Universität Marburg,
in Charlottenburg.
VERLAG VON FERDINAND ENKE IN STUTTGART.
1915.
* * * * *
GESCHICHTE
DER NEUEREN DEUTSCHEN
CHIRURGIE.
VON
DR. ERNST KÜSTER,
o. ö. PROFESSOR DER CHIRURGIE AN DER UNIVERSITÄT MARBURG,
in CHARLOTTENBURG.
VERLAG VON FERDINAND ENKE IN STUTTGART.
1915.
ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DER ÜBERSETZUNG, VORBEHALTEN.
COPYRIGHT 1915 BY FERDINAND ENKE, PUBLISHER, STUTTGART.
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart.
DER
DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR CHIRURGIE
GEWIDMET.
* * * * *
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Vorwort XV
_Erster Abschnitt._
=Der Zustand der Chirurgie vor Einführung der antiseptischen
Wundbehandlung.=
Kapitel I. Zustand der Gesamtmedizin vor der antiseptischen
Wundbehandlung 1
Beschreibende Anatomie 1
Topographische Anatomie. Entwicklungsgeschichte 2
Feinere Anatomie und Physiologie 2
Pathologische Anatomie 2
Gesundheitslehre 3
Kapitel II. Die Krankenanstalten vor der antiseptischen Wundbehandlung 3
Alte Krankenhäuser. Massivbau 3
Das Pavillonsystem 4
Baracken 5
Leinwandzelte 6
Döckersche Zeltbaracke 7
Das Krankenzerstreuungssystem 8
Kapitel III. Die ältere Wundbehandlung und die Wundkrankheiten 8
Die älteren Wundbehandlungsmethoden 8
Salben und Pflaster 9
Offene Wundbehandlung 9
Charpieverbände 9
Die Wundkrankheiten 10
Wundfäulnis, Sepsis 10
Eiterfieber, Pyämie 11
Hospitalbrand 12
Wundstarrkrampf, Tetanus 13
Wundrose, Erysipelas 14
Zustände auf älteren chirurgischen Abteilungen 15
_Zweiter Abschnitt._
=Joseph Listers antiseptische Wundbehandlung.=
Kapitel IV. Die Vorläufer Listers 18
Vorarbeiten. Klinische Beobachtung 18
Der Geburtshelfer Semmelweis 18
Gay-Lussac. Der Sauerstoff als Fäulniserreger 19
Schwanns Begründung der Keimlehre 19
Pasteurs Versuche über Zersetzung 20
Kapitel V. Listers Übertragung der Keimlehre auf die Chirurgie 20
Behandlung offener Knochenbrüche 23
Behandlung der Abszesse 24
Die Unterbindungsfäden 24
Antiseptischer Dauerverband 25
Der Zerstäuber (Spray) 26
Widerstand gegen das Verfahren in England und Frankreich 28
_Dritter Abschnitt._
=Der Einzug der Antisepsis in die deutsche Chirurgie. Die Asepsis.
Das Langenbeckhaus.=
Kapitel VI. Einführung und Ausbau der antiseptischen Wundbehandlung in
Deutschland 30
Vortrag des Stabsarztes A. W. Schultze über Antisepsis 30
Gründung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie 31
Richard Volkmanns Tätigkeit 32
Die Bakterienkunde als Hilfsmittel der Chirurgie 33
Robert Koch. Ätiologie der Wundinfektionskrankheiten 34
Bedeutung der Bakterien für die praktische Chirurgie 36
Fehleisen, Rosenbach 37
Nicolaier 38
Ausbau der antiseptischen Wundbehandlung 38
Änderungen an dem Listerschen Verfahren 39
Schedes feuchter Blutschorf 42
Kapitel VII. Einführung der Asepsis 43
Veranlassung zur Einführung der Asepsis 44
Technik der Asepsis nach Schimmelbusch 45
Wundschutz und Händeschutz 45
Kapitel VIII. Die Gründung des Langenbeckhauses 46
Das Langenbeckhaus und die Kaiserin Augusta 46
Das Langenbeck-Virchow-Haus 51
_Vierter Abschnitt._
=Wandlungen und Eroberungen auf dem Gebiete der allgemeinen Chirurgie.=
Kapitel IX. Wandlungen der allgemeinen Therapie 52
Die Methoden zur Herbeiführung der Schmerzlosigkeit 52
Allgemeine Gefühllosigkeit 53
Die örtliche Empfindungslosigkeit 56
Die künstliche Blutleere 58
Andere Methoden der Blutersparung 58
Hyperämie als Heilmittel 59
Die Durchleuchtung nach Röntgen 59
Radium und Mesothorium 60
Veränderungen der operativen Technik 60
Veränderung der Vorstellungen über Wundheilung 61
Kapitel X. Wandlungen der Kriegschirurgie 62
Schußwunden und Kriegschirurgie 62
Verbesserung und Förderung der Krankenpflege 65
Krankenzerstreuung auf dem Schlachtfelde 66
Die Aktinographie im Kriege 68
Kapitel XI. Wandlungen auf dem Gebiete spezifischer
Infektionskrankheiten und bösartiger Neubildungen 69
Wunden in tuberkulösen Geweben 69
Robert Kochs Tuberkulin 71
Die Serumtherapie 76
v. Behrings Diphtherieheilserum 77
Heilserum gegen Wundstarrkrampf 77
Lepra, Aktinomykose 78
Syphilis, Gonorrhöe, weicher Schanker 78
Hülsenwurm 79
Bösartige Neubildungen 79
_Fünfter Abschnitt._
=Eroberungen auf dem Gebiete der speziellen Chirurgie.=
Kapitel XII. Ausbau der Eingriffe an schon bisher zugänglichen Organen 81
Die plastischen Operationen 81
Eingriffe an großen Gefäßen 83
Augenheilkunde und Ohrenheilkunde 84
Nasen-, Rachen- und Kehlkopfkrankheiten 85
Die Gynäkologie 86
Die Chirurgie der Harnorgane 86
Erkrankungen der Knochen und Gelenke 88
Gelenkresektionen. Orthopädie 89
Kapitel XIII. Neue Eingriffe an bisher unzugänglichen Organen 89
Die serösen Körperhöhlen 89
Bauchchirurgie 90
Milz, Leber, Gallenblase 90, 91
Bauchspeicheldrüse 91
Magendarmkanal 92
Entzündung des Wurmfortsatzes 94
Bauchbrüche 95
Chirurgie der Brusthöhle 96
Chirurgie des Schädelinneren 98
Chirurgie des Rückenmarkes 98
Erkrankungen der Schild- und Thymusdrüse, der Hypophysis
cerebri 99, 100
_Sechster Abschnitt._
=Entwicklung der chirurgischen Literatur in Deutschland.=
Kapitel XIV. 101
_Schlußwort_ 106
_Namenverzeichnis_ 107
Vorwort.
Als mir im Jahre 1911 seitens meines Freundes _Paul v. Bruns_ die
Aufforderung zuging, eine _Geschichte der neueren deutschen Chirurgie_
zu schreiben, da hat es erst längerer Überlegung bedurft, ehe ich mich
zur Annahme des Anerbietens zu entschließen vermochte. Vor allen Dingen
war es mein Alter, welches immer wieder neue Zweifel darüber wachrief,
ob zu einem solchen Unternehmen noch die rechte Eignung in mir sei. Und
zu diesen persönlichen gesellten sich weiterhin schwerwiegende sachliche
Bedenken, die ich kurz berühren muß.
Geschichtschreibung ist nichts als die Wiedergabe des Bildes, unter
welchem die Ereignisse früherer Zeiten sich in des Berichterstatters
Seele spiegeln. Mit anderen Worten: Keine geschichtliche Darstellung
kann rein objektiv bleiben, sondern sie muß immer, mehr oder weniger
ausgeprägt, einen persönlichen Stempel tragen, und zwar um so
deutlicher, je mehr sie sich der Gegenwart nähert. Handelt es sich aber
gar um selbsterlebte Dinge, so wird es schier unmöglich, über der
Parteien Haß und Gunst gänzlich hinwegzusehen, Licht und Schatten in
gerechter Weise zu verteilen.
Wenn ich dennoch zu dem Entschlusse gekommen bin, die Arbeit zu
übernehmen, so geschah es zunächst, weil ich als einer aus der sehr
geringen Zahl der noch lebenden Begründer der Deutschen Gesellschaft für
Chirurgie, unter denen ich nahezu der älteste bin, eine gewisse
Verpflichtung fühlte, die noch sehr lebhaften Erinnerungen einer großen
Zeit nicht mit mir zu Grabe tragen zu lassen. Aber es reizte mich auch,
eine Geschichte zu schreiben, die ich selber als Geschichte erlebt habe,
einem Zeitabschnitte und einer Anzahl von Männern gerecht zu werden, die
ich noch heute von dem goldigen Schimmer der Größe und des Ruhmes
umstrahlt sehe, ein Bild von dem gewaltigen Strome hingebender
Begeisterung zu entwerfen, der vor wenigen Jahrzehnten unser ganzes
wissenschaftliches Leben zu durchfluten begann. Wenn es mir gelungen
sein sollte, in der Seele des Lesers davon eine Vorstellung zu erwecken,
so würde ich meine Aufgabe als erfüllt ansehen.
Das Büchlein, welches sich _Häsers_ im Jahre 1879 als erste Lieferung
der »Deutschen Chirurgie« erschienener, knapp gehaltener Geschichte der
Chirurgie unmittelbar anschließt, umfaßt nur eine kurze Zeitspanne von
kaum 50 Jahren. Angesichts des mehr als 2000 Jahre alten Bestehens
unserer Wissenschaft mag es gewagt und selbst anmaßend erscheinen, eine
zeitlich so begrenzte Entwicklungsperiode auch noch räumlich dadurch
einzuengen, daß die _deutsche_ Chirurgie in den Vordergrund gestellt und
die fremdländische nur soweit berührt wird, als sie auf den Gang des
Emporblühens in unserem Vaterlande von maßgebendem Einflusse gewesen
ist; denn die geistigen Güter gehören allen Völkern gemeinsam und keines
gibt es, welches in irgend einer Wissenschaft den ganzen Ruhm des
Erfinders und Fortbildners für sich allein in Anspruch nehmen könnte.
Trotzdem läßt sich diese doppelte Beschränkung wohl rechtfertigen.
Zeitlich gewiß: denn die fragliche Periode ist nicht nur durch einen
gewaltigen Wall des Erkennens von früheren Zeitläuften getrennt, sondern
sie bringt auch eine so vollkommene Um- und Neuformung sowohl der
Chirurgie wie der Gesamtmedizin, daß sich in deren ganzer Geschichte
nichts auch nur entfernt Ähnliches vorfindet. Und räumlich gleichfalls,
obwohl der Anstoß zu dieser geistigen Bewegung von einer Großartigkeit
ohnegleichen nicht aus Deutschland, sondern aus dem Auslande kam; denn
durch die schnelle Aufnahme, Weiterentwicklung und Vervollkommnung der
Neuerung hat Deutschland sich vor allen anderen Ländern das Recht
wenigstens der Patenschaft an der Wundbehandlung erworben, zumal da
diese vielfach erst in deutschem Gewande und in deutscher Umformung den
übrigen Kulturvölkern vertraut geworden ist. Alle übrigen Erfindungen,
durch welche späterhin die Chirurgie bereichert wurde, sind fast
ausnahmslos deutschen Ursprunges. So kann es denn unmöglich als
Überhebung gedeutet werden, wenn der Deutsche die Geschichte seiner
Wissenschaft in deutscher Umrahmung zur Anschauung zu bringen sucht.
Es mag auffallen, daß die in den Vordergrund tretenden Persönlichkeiten
nicht überall in gleicher Ausführlichkeit behandelt sind, manche
Verdienste sogar unbesprochen geblieben sein mögen. Insbesondere sind
die noch lebenden Chirurgen meist nur kurz erwähnt, bei der Besprechung
erheblicher Fortschritte ist oft nur _ein_ Name genannt, des Mannes
nämlich, der einen neuen Gedanken zuerst faßte, oder ihn zuerst in die
Tat umsetzte, während spätere Umformungen und Erweiterungen ohne Nennung
ihrer Urheber einfach aufgezählt werden. Man darf mir daraus nicht den
Vorwurf machen, ein laudator temporis acti zu sein. Der geschichtliche
Sinn verbietet eingehende Betrachtung noch lebender Persönlichkeiten,
die als solche nicht historisch sein können, da sie den natürlichen
Abschluß noch nicht gefunden haben, wenn auch ihre Taten schon der
Geschichte angehören. Besprochen sind deshalb auch für gewöhnlich nicht
die vorübergehenden Erscheinungen, selbst wenn sie für einige Zeit
Aufsehen erregt haben, sondern nur die bleibenden Errungenschaften. Daß
aber die Beurteilung dessen, was erheblich ist, mindestens teilweise dem
subjektiven Ermessen des Berichterstatters überlassen bleiben muß, liegt
auf der Hand. Wenn daher fehlerhafte Auslassungen auf der einen und
Übertreibungen auf der anderen Seite gefunden werden, so hat es
wenigstens nicht an meinem guten Willen gelegen, sie zu vermeiden.
_Charlottenburg_, den 17. Mai 1914.
=Ernst Küster.=
_Erster Abschnitt._
Der Zustand der Chirurgie vor Einführung der antiseptischen Wundbehandlung.
Das gegenwärtig lebende und wirkende Geschlecht der Chirurgen hat kaum
noch eine Vorstellung von den Zuständen, welchen durch den bald nach der
Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden gewaltigen Umschwung ein Ende
gemacht wurde. Seine Bedeutung, welche darin besteht, daß er in dem
kurzen Zeitraume eines Menschenalters alle Fehler und Irrungen von zwei
Jahrtausenden in der Behandlung der Wunden gutzumachen gewußt hat, kann
aber erst völlig erfaßt werden, wenn wir zunächst nicht nur auf den
Zustand der Chirurgie, sondern auch auf den der gesamten Medizin jener
Zeit einen prüfenden Rückblick werfen.
Kapitel I.
Zustand der Gesamtmedizin vor der antiseptischen Wundbehandlung.
Die _beschreibende Anatomie_ war seit _Andreas Vesalius_ die
selbstverständliche Grundlage der Chirurgie geblieben, so sehr, daß ein
guter Chirurg ohne genaue anatomische Kenntnisse undenkbar gewesen wäre.
Eine natürliche Folge war, daß nicht wenige der älteren Chirurgen rein
anatomische Untersuchungen veröffentlichten, oder daß sie gar, wie
_Konrad Martin Langenbeck_, _Viktor Bruns_ und _Adolf Bardeleben_, erst
von der Anatomie zur Chirurgie übergingen. Aber an Lehrbüchern der
Anatomie war die deutsche Literatur in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts ziemlich arm; und auch die Lehreinrichtungen für dies Fach,
sowie die Art des Unterrichtes ließen in Deutschland sehr viel, zuweilen
fast alles zu wünschen übrig. Es waren zwei Männer, welche nahezu
gleichzeitig Wandel schufen. _Joseph Hyrtl_ in Prag, später in Wien,
wurde mit seinem anziehend geschriebenen, aber in gedrängter Kürze
gehaltenen Lehrbuche, welches von 1846 bis 1884 in 17 Auflagen
erschienen ist, den meisten deutschen Studenten der Medizin ein
zuverlässiger Führer durch die Geheimnisse des menschlichen Körpers.
Neben ihm trat _Jakob Henle_ in Zürich, später in Göttingen, im Jahre
1841 mit seiner Allgemeinen Anatomie und von 1855 an mit einem überaus
fleißigen dreibändigen Werke auf, welches durch zahlreiche Abbildungen
erläutert, für den Chirurgen eine unerschöpfliche Fundgrube anatomischer
Anschaulichkeit geworden ist.
Indessen trotz ihrer hohen Bedeutung für die Chirurgie hat die
beschreibende Anatomie nur selten neue Anregungen gegeben, zumal seit
sie nach der Mitte des Jahrhunderts in der Anthropologie ein neues Feld
der Betätigung suchte; denn so sehr letztere und mit ihr die
Urgeschichte auch durch sie gefördert wurden, so fiel doch für die
Chirurgie ein sichtbarer Nutzen zunächst nicht ab. In erheblichem Maße
geschah dies aber durch die _topographische Anatomie_, deren geschickte
und durchweg praktischen Zielen zugewandte Bearbeitung durch _Joseph
Hyrtl_ (seit 1847) diesen Zweig der menschlichen Anatomie in Deutschland
erst einführte, soweit nicht Chirurgen bereits stückweise Bearbeitungen
geliefert hatten. Er hat sich für die Chirurgie als überaus fruchtbar
erwiesen. -- Auch die _Entwicklungsgeschichte_ wurde seit _Robert
Remaks_ Keimblätterlehre durch den Nachweis ihrer Beziehungen zu dem
Aufbau einzelner Organe von immer steigender Bedeutung für die
praktische Chirurgie.
Nicht das gleiche läßt sich von der _feineren Anatomie_ und der
_Physiologie_ sagen. Denn obwohl die gegen Ende der dreißiger Jahre
durch _Schleiden_ und _Schwann_ aufgestellte Zellenlehre und die
Vervollkommnung der optischen Werkzeuge, zumal des Mikroskopes, eine
völlige Umgestaltung der biologischen Anschauungen hervorgerufen hatten,
obwohl seitdem alle Körperorgane aufs fleißigste durchforscht wurden, so
kamen doch diese Ergebnisse der Chirurgie erst auf dem Umwege über die
Physiologie und mehr noch der pathologischen Anatomie zugute. Die
Physiologie nämlich, deren Kenntnis zwar von jedem gebildeten Chirurgen
vorausgesetzt werden mußte und deren Methoden man in den sechziger
Jahren auch für chirurgische Versuche an Tieren bereits zu
verwenden begonnen hatte, konnte doch erst darin den vollen,
befruchtenden Strom ihres Wissens der Chirurgie zuführen, als sichere
Wundbehandlungsmethoden zu Entdeckungsreisen in solche Körpergegenden
den Anreiz gaben, die bisher der Hand des Chirurgen verschlossen
geblieben waren. Seitdem ging eine Wechselwirkung des Erkennens nicht
nur von der Physiologie zur Chirurgie, sondern auch von dieser zu jener.
Viel früher als die Physiologie übte die _pathologische Anatomie_ einen
anregenden und belebenden Einfluß auf die Chirurgie aus. Mit Recht sagt
_Häser_ (1879), daß die Chirurgie unserer Tage, d. h. im Beginne der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gleich allen übrigen Zweigen der
Heilkunde den größten Teil ihres wissenschaftlichen Zuwachses der
pathologischen Anatomie verdanke. Zweier Männer Namen werden mit diesem
Aufschwunge für immer verknüpft bleiben. Es sind das _Karl Rokitansky_
in Wien, wo er seit 1841 bis zu seinem Tode den Lehrstuhl der
pathologischen Anatomie innehatte, und _Rudolf Virchow_, der, seit 1849
in Würzburg, seit 1856 als ordentlicher Professor der pathologischen
Anatomie nach Berlin zurückberufen, nunmehr endgültig die Führung in
dieser Wissenschaft übernahm. War durch die Arbeiten beider, zumal des
letzteren, die pathologische Anatomie zu dem Range einer echten
Naturwissenschaft erhoben worden, so geschah dies in noch reicherem Maße
durch den Ausbau der mikroskopischen Pathologie die, durch _Virchow_
allerlei phantastischen Deutungen entrückt, in seiner im Jahre 1858
erschienenen und bis zum Jahre 1871 in vier Auflagen weiter ausgebauten
Zellularpathologie, welche zum ersten Male den Lehrsatz: Omnis cellula
e cellula aufstellte, eine feste und unverrückbare Grundlage erhalten
hatte. Als eine weitere Frucht seiner Forschungen veröffentlichte der
Verfasser vom Jahre 1863 an seine leider unvollendet gebliebenen
»Krankhaften Geschwülste«. Eine Welle der Befruchtung ergoß sich von
diesen Arbeiten aus auf die gesamte praktische Medizin, die, bisher im
wesentlichen auf Erfahrungen am Krankenbette gestützt, nunmehr
gleichfalls ihren Teil zu den die Medizin umgestaltenden
naturwissenschaftlichen Bestrebungen beitrug. Auch für die Chirurgie
gilt dies in vollem Umfange, seitdem der erst 29jährige _Theodor
Billroth_ als Assistent der _Langenbeck_schen Klinik und Privatdozent zu
Berlin im Jahre 1858 zuerst den Versuch unternahm, in seinen »Beiträgen
zur pathologischen Histologie« die Forschungsergebnisse auf diesem
Gebiete für die chirurgische Tätigkeit zu verwerten. In noch weiterem
Umfange wirkte sein grundlegendes Werk: »Die allgemeine chirurgische
Pathologie und Therapie in 50 Vorlesungen« vom Jahre 1863, welches
zahlreiche Auflagen erlebte und, in die meisten europäischen, selbst in
asiatische Sprachen übersetzt, nicht wenig zu dem schnell sich
steigernden Ansehen der deutschen Chirurgie im Auslande beitrug. In
diesem Werke benutzte _Billroth_ die durch _Virchows_ Arbeiten
gewonnenen Anschauungen in geistvoller Weise zu einer neuen Anordnung
und Einteilung, sowie zu einer Zusammenfassung sämtlicher Erfahrungen
der praktischen Chirurgie. Die hiermit angebahnten Fortschritte sind nur
auf dem Unterbau der pathologischen Anatomie möglich geworden.
Die im Beginne der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwar nicht
zuerst, aber nunmehr systematisch auftauchenden Bestrebungen auf dem
Gebiete der _Gesundheitslehre_ blieben zwar zunächst für die Chirurgie
anscheinend ohne große Bedeutung, da sie sich, noch ohne die erst einige
Jahrzehnte später erworbene Kenntnis der Krankheitserreger, d. h. ohne
die Grundlage einer wissenschaftlichen _Bakteriologie_ auf die
Bekämpfung der Seuchen durch Verbesserung der Lebensbedingungen
beschränkte. Immerhin wurden aber wertvolle Erfahrungen über Ernährung,
Bauweise der Häuser und Wohnungen, öffentliche und private
Badeeinrichtungen, Kanalisation und Abfuhr, Benutzung der Abfuhrwässer
zur Berieselung öder und unfruchtbarer Landstrecken gesammelt, die
freilich erst unter den seit 1878 auftretenden Fortschritten der
Bakteriologie ihre volle Bedeutung erkennen ließen. Aber schon früh
begannen diese Bestrebungen doch auch auf die Chirurgie nach zwei
Richtungen hin einzuwirken, da sie einerseits die so wichtigen
Wundinfektionskrankheiten mit in den Kreis ihrer Betrachtungen zogen,
anderseits die für die Behandlungserfolge höchst bedeutungsvolle Anlage
von Krankenhäusern einer neuen Richtung entgegenführten.
Kapitel II.
Die Krankenanstalten vor der antiseptischen Wundbehandlung.
Die _alten Krankenhäuser_ stellten unter dem Zwange der meist nur
geringen, von Staat, Gemeinde oder Körperschaft zur Verfügung gestellten
Summen je ein einziges steinernes Gebäude dar, welches alle oder fast
alle Räume für die Unterkunft und Behandlung kranker Menschen
einheitlich oder nahezu einheitlich umschloß. So bequem dies für die in
dem gleichen Gebäude untergebrachte Verwaltung war, so große Nachteile
ergaben sich daraus für die Krankenbehandlung, indem genügende Zufuhr
frischer Luft, sichere und unschädliche Beseitigung der Abfallstoffe und
aller Unreinigkeiten, zuverlässige Absonderung ansteckender Krankheiten
und manche andere Dinge ganz erheblich in den Hintergrund traten, auch
bei der mangelnden Kenntnis von Entstehung und Übertragung solcher
Leiden in den Hintergrund treten mußten. Vor allem machten sich diese
ungünstigen Verhältnisse bei Verwundeten, insbesondere bei
Kriegsverwundeten geltend. So konnte der englische Feldarzt _Sir John
Pringle_ schon im Jahre 1753 den Ausspruch tun, daß eine wesentliche
Ursache der Krankheiten und Todesfälle bei einer Armee deren Hospitäler
seien; und noch schärfer drückte sich das »Dekret des Nationalkonvents
aus dem Jahre 1794 für die Hospitäler der französischen Armee« in dem
Satze aus: »Die Spitäler sind ebenso gesundheitswidrig wie die Moräste.«
Aber auch die öffentlichen Krankenanstalten des Friedens wiesen meistens
derartige Zustände auf, daß die Menschheit sie als Pesthöhlen ansah und
von einer fast wahnsinnigen Furcht vor ihnen erfüllt war. Es begreift
sich das, wenn man von der Sterblichkeit höchst angesehener Anstalten
hört. Die _Langenbeck_sche Universitätsklinik zu Berlin hatte nach F.
_Busch_ im Jahre 1869 eine Sterblichkeit von 17 1/3 % und nach Abzug der
zahlreichen Fälle von Diphtherie immerhin noch eine solche von 10¾ %. J.
_Israel_ berichtet aus dem jüdischen Krankenhause von 1873 bis 1875, daß
62,5 % der operierten und 37,5 % der nichtoperierten Kranken von Pyämie
befallen wurden. Im Berliner Diakonissenhause Bethanien starben nach
eigenen Aufzeichnungen des Verfassers der Jahre 1868 und 1869 von 6
Amputationen des Oberarmes 5, von 5 Absetzungen des Vorderarmes 4, von
15 des Oberschenkels 11, meistens an Pyämie. -- Noch schlimmer lauten
ältere Erfahrungen aus dem Auslande. In einem 5jährigen Berichte aus den
Pariser Hospitälern zählt _Malgaigne_ 300 Todesfälle auf 560 Operationen
und _Pirogoff_ in seinem Jahresberichte von 1852/53 159 Todesfälle auf
400 große Operationen!
Diese unerhörten Zustände wandten sich erst zum Besseren, als die
Vertreter der Gesundheitslehre mit immer wachsendem Nachdrucke den Bau
neuer und den Fortschritten ihrer Wissenschaft angepaßter Krankenhäuser
forderten, die natürlich viel größere Mittel in Anspruch nahmen, als man
bisher für nötig gehalten hatte. Auch auf diesem Gebiete haben wir
_Rudolf Virchow_ viel zu danken, der in Wort und Schrift bei jeder
Gelegenheit für die Forderung eintrat und bei dem großen Einfluß, den er
als Abgeordneter und Mitglied des städtischen Verwaltungskörpers besaß,
zunächst die Stadt Berlin und demnächst den preußischen Staat zur
Herstellung zweckmäßiger Krankenhäuser zu bewegen wußte. So entstand das
_Pavillonsystem_. In dem Bestreben, die Zusammenhäufung kranker Menschen
nach Möglichkeit zu vermeiden und beste hygienische Bedingungen zu
schaffen, erbaute man zahlreiche kleinere, höchstens zweistöckige
Häuser, die, von Gärten umgeben und über eine große Bodenfläche
verteilt, unter einer gemeinsamen Verwaltung standen. Es war nunmehr
möglich geworden, ansteckende Krankheiten sicher abzusondern und die
leichter erkrankten Menschen vor Ansteckung zu schützen; ebenso die
Genesenden durch langen Aufenthalt in frischer Luft einer schnelleren
Erholung zuzuführen. Aber freilich brachte das Pavillonsystem neben
seinen unleugbaren Vorzügen gegenüber dem alten Massivbau auch
mancherlei Nachteile, ganz abgesehen davon, daß der Bau zahlreicher
Einzelhäuser und deren zweckmäßige Einrichtung an sich erheblich größere
Kosten verursachte. Der steigende Bodenwert großer und selbst mittlerer
und kleiner Städte zwang Gemeinden und Verbände zu immer größeren und
zuletzt fast unerschwinglichen Ausgaben, deren natürliche Folge es war,
daß wenigstens die Neuanlagen in mehr oder weniger großer Entfernung vom
Mittelpunkte der Stadt ihren Platz fanden. Macht eine solche Anordnung
in Städten mit mehreren Krankenhäusern nicht viel aus, so treten bei
wenigen oder gar sonst fehlenden Anstalten gleicher Art sofort große
Übelstände hervor, da dann gleichzeitig für ausgiebige und leichte
Verbindungen gesorgt werden muß; und selbst, wenn diese vorhanden sind,
so bleibt die Notwendigkeit einer weiten und vielleicht umständlichen
Krankenbeförderung nicht ganz ohne Bedenken. In den großen
amerikanischen Städten, zumal in New York, ist man deshalb auf ein
anderes Mittel verfallen, um den Massivbau hygienisch angemessener zu
gestalten, als dies früher der Fall war: man baut die Krankenhäuser bis
zu zwölf und mehr Stockwerken in die Höhe, legt die durch zahlreiche
Aufzüge zu befördernden Kranken, nebst den Operationsräumen, in die
obersten Stockwerke, um dem Straßenstaube zu entgehen, und benutzt die
unteren Stockwerke als Verwaltungsräume. Das einzige schwere Bedenken
gegen solche Anordnungen liegt in der nicht zu unterschätzenden
Feuersgefahr. Auch in Deutschland ist man seit allgemeiner Einführung
zuverlässiger Wundbehandlungsmethoden vielfach von der ganz strengen
Durchführung des Pavillonsystems zurückgekommen und zu einem mehr
gemischten Systeme übergegangen. Es geschieht dies in der Weise, daß ein
großer Massivbau die Verwaltungsräume, die Poliklinik, die besonderen
Untersuchungszimmer, zuweilen auch noch besser ausgestattete
Einzelzimmer aufnimmt, während die meisten Kranken in steinernen
Pavillons oder Baracken ihre Aufnahme finden.
Die _Baracken_ können aber auch für sich allein oder fast allein die
Grundlage einer Krankenanstalt bilden und stellen dann die dritte Gruppe
der Krankenhausbauten dar. Als Hilfsmittel für die Versorgung
Kriegsverwundeter und Kranker sind sie hier und da, auch in Deutschland,
schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufgekommen; so schildert der
braunschweig-lüneburgische Feldarzt _Michaelis_ in einer Schrift vom
Jahre 1801 bereits ihre Herstellung und Einrichtung. Aber erst der
amerikanische Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 brachte sie zu allgemeiner
Verwendung und zwar infolge einer Notlage, da die Unterbringung der
zahllosen Verwundeten aus den überaus mörderischen Schlachten in
steinernen Gebäuden eine Unmöglichkeit war. Denn die Landstriche, in
denen der Krieg vorwiegend tobte, waren dünn bevölkert und enthielten
sowohl auf dem Lande, wie selbst in kleinen und größeren Städten fast
nur Holzbauten, deren sehr billiges Baumaterial überall mit
Leichtigkeit zu beschaffen war. So entschloß sich denn die
Militär-Medizinalverwaltung der nördlichen Bundesstaaten zur Herstellung
hölzerner Baracken; und mit der dem Amerikanertum eigenen praktischen
Energie wurden auf den Schlachtfeldern und in der Nähe der kämpfenden
Heere wahre Lazarettstädte aus Holz erbaut, die schnell
zusammengezimmert und deren Einzelbaracken möglichst einfach
ausgestattet waren. Sie haben sich als eine so segensreiche Einrichtung
bewährt, daß sie in den folgenden europäischen Kriegen, wenigstens von
deutscher Seite, sofort Nachahmung fanden, wenn auch entfernt nicht in
gleichem Umfange wie jenseits des Ozeans. Aus dieser ursprünglich nur
für den Krieg gedachten Bauform ist eine Bereicherung des Lazarettwesens
und der Krankenpflege auch für den Frieden hervorgegangen. Nur einmal
freilich ist der Versuch gemacht worden, die Holzbaracke als
Dauerbaracke zur Herstellung eines ganzen Krankenhauses zu benutzen und
zwar in dem im Jahre 1869 von _Esse_ errichteten Berliner
Augusta-Hospital. Der Versuch hat sich als verfehlt erwiesen, da die
Baracken, wenn sie auch mehr als 40 Jahre benutzt wurden, doch so viele
Nachteile aufwiesen, insbesondere in der Notwendigkeit fortgesetzter
Ausbesserungen und Umänderungen, welche die Verwaltung erheblich
verteuerten, daß sie späterhin sämtlich durch Steingebäude ersetzt
worden sind. Aber hiervon abgesehen hat die Holzbaracke sich auch im
Frieden als ein sehr wertvolles Hilfsmittel in allen den Fällen
erwiesen, in welchen Massenerkrankungen durch Ansteckung, Vergiftungen
und Unglücksfälle die Gemeinden und Behörden zur schleunigen Errichtung
von Nothospitälern zwangen. Auch Dauerhospitäler machen gelegentlich von
dieser Aushilfe Gebrauch, zuweilen selbst für lange Jahre, bis Mittel
zusammengebracht sind, um den Holzbau durch steinerne Gebäude zu
ersetzen.
Ein wenn auch nicht gleichwertiges, so doch durch die schnelle
Beschaffungsmöglichkeit vielfach unentbehrliches Hilfsmittel stellen die
_Leinwandzelte_ dar. Ihr Gebrauch ist erheblich älter als der der
Baracken, da sie mindestens bereits in den Kriegen des 18. Jahrhunderts
vielfach benutzt worden sind. Auch unter den entsetzlichen hygienischen
Zuständen, welche sich nach der mörderischen Schlacht bei Leipzig am 16.
bis 19. Oktober 1813 entwickelten und über die wir vom 26. Oktober einen
wahrhaft schaudererregenden Bericht des Professors J. C. _Reil_, des
edlen Ostfriesen, wie ihn _Heinrich v. Treitschke_ nennt, besitzen
haben die Leinwandzelte weiterhin die besten Dienste getan. Im
Krimkriege von 1854/55 spielten Zelte und bewegliche Baracken
gleichfalls eine erhebliche Rolle; die dabei gewonnenen Erfahrungen
wurden insbesondere durch die Bemühungen der um die Kriegslazarettpflege
hochverdienten Engländerin _Florence Nightingale_ festgehalten und zu
einem Gemeingute der Krankenpflege aller Völker umgestaltet.
Seitdem sind die Leinwandzelte zur Krankenbehandlung unentbehrlich
geworden, zumal im Kriege. Preußen hat in seinen großen Kriegen von 1863
bis 1871 dauernd von ihnen Gebrauch gemacht und gegenwärtig sind alle
deutschen Heereskörper so reichlich mit ihnen ausgestattet, daß
Schwierigkeiten für die erste Unterbringung Verwundeter und Kranker
nicht leicht mehr entstehen können, zumal da das auf eine hohe Stufe der
Vollendung gebrachte Krankentransportwesen unausgesetzt für eine
schnelle Entlastung der Umgebung des Schlachtfeldes und der stehenden
Feldlazarette sorgt. Aber auch in Friedenszeiten hat die schnelle
Aufstellbarkeit solcher Unterkunftsräume eine erhebliche Bedeutung
gewonnen.