durchweg deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der
Deutschamerikaner haben an ihnen eine rege Stuetze gefunden.
Vergessen wir nicht, dass die Stimmung in Newyork, der groessten
Stadt Amerikas, fuer das ganze Land bedeutsam ist, dass sich die
dortigen 1,2 Millionen Juden konstant fuer die Deutschen
verwandten, weil sie von ihnen eine Erloesung der russischen Juden
erwarten. -- Eine offene Erklaerung der deutschen Regierung an die
amerikanischen Juden wuerde eine namenlose Begeisterung erwecken
und die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe
Unannehmlichkeiten wegen der Haltung Russlands versetzen. Es waere
die beste Antwort gegenueber all den Enunziationen betreffs der
unerloesten Voelker in Oesterreich und Deutschland. Ausserdem
wuerde Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel fuer seine
kuenftigen Anleihen erwarten koennen.
Die Lage des juedischen Volkes in Galizien ist eine viel bessere als
jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. Aber was ihnen noch an
nationaler und politischer Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen
darlegen. Umsomehr, als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns
zufuehren muesste, die sich nicht wieder Zuruecksetzungen und Schikanen
ausgesetzt wissen wollen.
Die Bedrueckung an Ort und Stelle zwingt sonst zu einer ungeheuren
Auswanderung, die auch in Deutschland zu merken sein duerfte. Dagegen
gibt es nur ein Allheilmittel: _Lokale Rechte und Hilfe_; _ferner
Ableitung der ueberschuessigen Kraefte in den Orient_ durch starkes
Entgegenkommen der verbuendeten Regierungen. Das heutige System
entwurzelt nur die Elemente, die einigermassen fest an der Scholle, an
der Heimat haengen, und jagt sie ins Ungewisse.
Wenn die deutsche Regierung den oestlichen Juden nicht entgegenkommen
kann, wird auch die dadurch sicherlich eintretende Entvoelkerung die
wirtschaftliche Entwicklung dieser Laender bedeutend verzoegern.
* Schluss.*
Der Krieg hat Deutschland bewiesen, dass der juedische Einfluss, welcher
sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung des Landes, an der
Entwicklung seines Handels und seiner Industrie beigetragen hat, nicht
umsonst war. Der vielverspottete Geist der Rothschild und Bleichroeder,
der schon 1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren
gefolgt und hat den Siegen den noetigen Rueckhalt gegeben. Boerse,
Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, mit denen der
Militarismus zu rechnen hat. Die deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur
von gewissenlosen Boersenjobbern gegruendet sein; denn sie, ebenso wie
der deutsche Wollmarkt[27], wie das Sanitaetswesen, wie die Fabriken und
Aerzte -- alles zu hohem Prozentsatz "verjudete" Berufe -- haben die
Erwartungen nicht getaeuscht. Im Innern geht der Handel weiter und
erhaelt uns unsere wirtschaftliche Kraft, und gibt dem Heere das, was
die grosse alte Handelsnation England muehselig sich aus Amerika
zusammensuchen muss.
[27] Spottet ueber die "Leder- und Stiefeljuden", aber es tat
Deutschland gut, dass die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins
Ausland exportierten, fuer Millionen Vorraete liegen hatten, die
nun Heereszwecken dienen konnten.
Voreingenommene Noergler werden auch nach dem Kriege zu den alten Waffen
des Neides greifen und die hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder
aufleben lassen. Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann
wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, Rassen- und
Religionshass in die Rumpelkammer der Geschichte verschwinden.
Wir koennen uns aber fuerwahr in Deutschland das Leben leichter machen,
brauchen uns nach aussen nicht mehr als ein anscheinend in sich
zerrissenes Staatsgefuege zu zeigen, auf dessen Zerfall andere Laender
lauern. Wir naehren damit nur falsche Hoffnungen und toerichte
Berechnungen. Deutschland ist gross genug, um allen seinen Bewohnern
Spielraum zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen
und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. Neben dem
bajuwarischen Menschenschlag moechten wir den etwas differenzierten
Rheinlaender, den Maerker, aber auch den Ostpreussen nicht missen. Wer
weiss, ob zum Polen und Elsaesser nicht auch noch ein flaemischer
Einschlag kommt. Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Buergern,
die er freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist nicht
erst gegen den Willen der Einheimischen "neu zugezogen".
Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der Jude im Lande und hat
sich stets allen Gesetzen des Staates willig und gern gefuegt. Seine
Religion ist seit drei Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen
und hygienischen Massregeln durchsetzt, dass sie heute noch Bewunderung
erregen muss. Die Sabbatruhe, das juedische Familienleben, die
Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, die sich bei allen Juden,
auch wo der Staat diesbezueglich versagte, laengst findet, sind
Emanationen einer Kultur, die nur der Boeswillige uebersehen und gering
achten kann.
Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Naechsten und bedarf keiner
Machtmittel, um dessen Lebensnerv aus Angst fuer sein eigenes Ich zu
unterbinden. Wir haben in diesem Krieg die Unkultur Russlands und des
Slawentums bekaempft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen
Massregeln die brutale Gewalt des neidischen England draengte. Mag sich
Frankreich wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig als Hueterin des
Fortschritts) gebaerden, Deutschland wird und muss nur noch gelaeuterter
als ein wahrer Hort der Freiheit seiner Buerger und der neutralen
Staaten und Voelker aus dem Kriege hervorgehen.
Von den ueber 14 Millionen Juden hoffen und harren die Meisten auf den
Sieg der deutschen Waffen. Die Sympathien der amerikanischen Israeliten
stehen auf seiten der Zentralmaechte. Nicht umsonst und nicht zufaellig
ist es gerade die Tuerkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert
hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, welche sich an die
Seite Deutschlands gestellt hat. Moege die alte Sage des Talmud, die
Lessing populaer gemacht hat, nicht nur in den Tagen der Greuel und des
Voelkermordens bei uns eine wahre Staette der Verehrung finden: die
Geschichte von den drei Ringen.
Der muhammedanische, der christliche und der juedische Glaube sind
Formen der Kultur der Menschheit, die so viel der Welt gegeben, die sich
so lange bewaehrt haben, dass es verbrecherisch waere, Menschenglueck
und -hoffen um einer vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu
gefaehrden.
In dem Machtbereich der eigenen und der verbuendeten Laender wird dann
die deutsche Politik bedeuten: Friede auf Erden.
*Anmerkungen zur Transkription*
Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:
- *S. 21, Z. 5*: (die deutsche _z, B._ vertreten durch Mauthner) -->
z. B.
- *S. 28, letzte Zeile der Fussnote*: _Sehwanenfeld_ --> Schwanenfeld
- *S. 30, Z. 18*: Untervereinen bis 33% der _Manschaften_ -->
Mannschaften
- *S. 32, Z. 13*: Der Jude Ludwig Frank _vielleichst_ der faehigste
Kopf --> vielleicht
- *S. 35, Fussnote*: fehlende schliessende Anfuehrungszeichen,
wahrscheinlich am Ende von ins Leben zu rufen. (andernfalls am Ende
des letzten Satzes in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.)
- *S. 32, Z. 5 der Fussnote*: fuer die Freiheit _zn_ kaempfen --> zu
- *S. 46, vorletzte Zeile*: _Ein_ antisemitische Bewegung --> Eine
- *S. 47, Z. 3 v. u.*: ein deutliches _Wahrnungszeichen_ -->
Warnungszeichen
- *S. 49, Z. 11-12*: besonders aber in _Russich-Polen_ -->
Russisch-Polen
- *S. 54, Z. 19 der Fussnote*: nach dem sie _lungern_ --> hungern
- *S. 54, Z. 27 der Fussnote*: _morgenlandischen_ -->
morgenlaendischen
Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefuegt:
- *S. 34, letzte Zeile des Textes*: und anderer Dinge zu gedenken.
- *S. 36, letzte Zeile des Textes*: die Entfremdung der Laender
bemerkten.
- *S. 54, Z. 4 der Fussnote*: um den Glauben anderer.
sowie fehlende Kommata:
- *S. 28, vorletzte Zeile der Fussnote*: v. Renard,
- *S. 59, Z. 27*: Sabbatruhe,
Fussnoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text
durchnummeriert.