Der Führer der ‚Augusta‘ faßte den Entschluß, nach den südlichen
französischen Gewässern vor die Gironde zu fahren, da dort sicherlich
eher französische Handelsschiffe anzutreffen seien. In großer Fahrt
eilte das deutsche Schiff seinem neuen Ziele zu, und schon in der
Nacht zwischen dem 3. und 4. Januar lag die ‚Augusta‘ vor Bordeaux.
Als eben das Dämmerlicht begann, wurde ein Segelschiff, eine Brigg
‚Sainte Marie‘, angehalten. Sie führte Mehl und Hartbrot nach
Bordeaux, das für die neu zu bildende französische Südarmee bestimmt
war. Wegen seiner Ladung wurde das Schiff als Prise erklärt. Der
Kapitän und fünf Matrosen blieben an Bord, und als Befehlshaber
erhielt es den Seekadetten Reimann, mit dem fünf deutsche Matrosen,
die sich freiwillig meldeten, an Bord der ‚Sainte Marie‘ übergingen.
Die Ausrüstung der Brigg wurde ergänzt, namentlich noch Süßwasser
herübergebracht. Der junge Schiffsführer erhielt Befehl, um Schottland
herum einen deutschen Hafen aufzusuchen. Als alles bereit war und die
Brigg unter eigenem Segelbeistand dahinfuhr, bildeten drei Hurrarufe
einen wirkungsvollen Abschiedsgruß. -- Während dieser Zeit waren schon
verschiedene Segelschiffe in die Gironde eingefahren. Wieder rauschte
eine stolze Bark, ‘Pierre Adolphe‘, heran. Der deutsche Kreuzer hielt
auf sie zu und feuerte einen blinden Schuß ab zum Zeichen, daß sie die
Segel einziehe und anhalte. Die Untersuchung ergab, daß die Ladung
der Bark, Weizen und Proviant, für die Südarmee bestimmt war. Auch
diese Prise sollte die Seereise nach Deutschland antreten. Kapitän,
Lotse und neun Mann waren an Bord dieses Schiffes. Drei Matrosen
kamen an Bord der ‚Augusta‘ herüber. Nachdem man auch diesem Schiff
die Wasservorräte ergänzt hatte, schickte man es unter Führung des
Seekadetten Dühring, dem sich fünf deutsche Matrosen anschlossen, nach
einem deutschen Hafen. Die üblichen Abschiedsrufe boten auch diesem
Schiff den letzten Gruß, ehe die Fahrt begann. Inzwischen ließ der
Kapitän Weickhmann die ‚Augusta‘ klar zum Gefecht machen, denn es
war nicht unwahrscheinlich, daß französische Kreuzer ausliefen, um
auf das deutsche Schiff Jagd zu machen, das nun schon während acht
Stunden seine Tätigkeit ausübte. In der späten Nachmittagsstunde kam
ein Dampfer in Sicht, der die französische Flagge führte. Ein scharfer
Schuß, der vor dem Bug des Schiffes ins Wasser ging, ließ den Führer
sofort die Lage erkennen, Flagge und Wimpel wurden niedergeholt
und die Maschinen gestoppt. Der angehaltene Dampfer erwies sich
als ein französisches Transportschiff, das keine Geschütze führte.
Der die Untersuchung leitende deutsche Offizier konnte melden:
‚Transportdampfer Mars‘ von Rochefort nach Bordeaux mit Uniformen,
Lager- und Lazarettgerät für die dort zu bildende Südarmee bestimmt.
Kapitän Pierre Boudet, Besatzung siebenundzwanzig Matrosen und Heizer
der französischen Marine, keine Geschütze, nur Handwaffen an Bord.
Kohlenvorrat reicht für einen Tag.“ -- Der Versuch, die Prise an den
deutschen Kreuzer heranzubringen, um die kostbare Ladung zu bergen,
glückte nicht. Daher wurden die Boote zu Wasser gelassen und die
französische Besatzung nebst Kleidersäcken herübergebracht. Mehrere
Ballen und Kisten, deren Inhalt meistens aus Uniformen bestand und
an Deck lagerten, kamen gleichfalls noch an Bord der ‚Augusta‘.
Nach einer kurzen Beratung mit den übrigen Offizieren bestimmte der
Kommandant, daß das Schiff zu zerstören sei. Die Ventile der Maschine
wurden geöffnet, das Schiff in Brand gesetzt, der Kreuzer feuerte zehn
Granaten auf den Dampfer. Mit Einbruch der Dunkelheit verließ dann
die ‚Augusta‘ den Schauplatz ihrer Taten. Wenn sie bis dahin auch
vom Glücke begünstigt war, so galt es als nicht unwahrscheinlich,
daß französische Kriegsschiffe aus den benachbarten Häfen gegen sie
ausliefen. Der deutsche Kommandant fuhr deswegen mit seinem Schiff
nach dem spanischen Hafen Vigo, der am 7. Januar, nachdem noch während
der Fahrt verschiedene Fahrzeuge untersucht worden waren, glücklich
erreicht wurde. In Vigo blieb das Schiff vorläufig liegen. Der Hafen
zeichnet sich durch eine günstige Lage aus und hat drei Ausgänge.
Am 13. Januar lief eine französische Panzerfregatte ‚Heroine‘ in den
Hafen ein, zwei andere Panzerschiffe folgten, um die Abfahrt des
deutschen Schiffes zu verhindern. Dieses versuchte in der Nacht vom 27.
zum 28. Januar zu entwischen; allein, es gelang nicht. Am 7. Februar,
als der Waffenstillstand abgeschlossen war, trat die ‚Augusta‘ von Vigo
die Heimreise an und beendete damit die erfolgreiche Kreuzfahrt.