Von Professor Hans Petersen.]

Der Führer der ‚Augusta‘ faßte den Entschluß, nach den südlichen

französischen Gewässern vor die Gironde zu fahren, da dort sicherlich

eher französische Handelsschiffe anzutreffen seien. In großer Fahrt

eilte das deutsche Schiff seinem neuen Ziele zu, und schon in der

Nacht zwischen dem 3. und 4. Januar lag die ‚Augusta‘ vor Bordeaux.

Als eben das Dämmerlicht begann, wurde ein Segelschiff, eine Brigg

‚Sainte Marie‘, angehalten. Sie führte Mehl und Hartbrot nach

Bordeaux, das für die neu zu bildende französische Südarmee bestimmt

war. Wegen seiner Ladung wurde das Schiff als Prise erklärt. Der

Kapitän und fünf Matrosen blieben an Bord, und als Befehlshaber

erhielt es den Seekadetten Reimann, mit dem fünf deutsche Matrosen,

die sich freiwillig meldeten, an Bord der ‚Sainte Marie‘ übergingen.

Die Ausrüstung der Brigg wurde ergänzt, namentlich noch Süßwasser

herübergebracht. Der junge Schiffsführer erhielt Befehl, um Schottland

herum einen deutschen Hafen aufzusuchen. Als alles bereit war und die

Brigg unter eigenem Segelbeistand dahinfuhr, bildeten drei Hurrarufe

einen wirkungsvollen Abschiedsgruß. -- Während dieser Zeit waren schon

verschiedene Segelschiffe in die Gironde eingefahren. Wieder rauschte

eine stolze Bark, ‘Pierre Adolphe‘, heran. Der deutsche Kreuzer hielt

auf sie zu und feuerte einen blinden Schuß ab zum Zeichen, daß sie die

Segel einziehe und anhalte. Die Untersuchung ergab, daß die Ladung

der Bark, Weizen und Proviant, für die Südarmee bestimmt war. Auch

diese Prise sollte die Seereise nach Deutschland antreten. Kapitän,

Lotse und neun Mann waren an Bord dieses Schiffes. Drei Matrosen

kamen an Bord der ‚Augusta‘ herüber. Nachdem man auch diesem Schiff

die Wasservorräte ergänzt hatte, schickte man es unter Führung des

Seekadetten Dühring, dem sich fünf deutsche Matrosen anschlossen, nach

einem deutschen Hafen. Die üblichen Abschiedsrufe boten auch diesem

Schiff den letzten Gruß, ehe die Fahrt begann. Inzwischen ließ der

Kapitän Weickhmann die ‚Augusta‘ klar zum Gefecht machen, denn es

war nicht unwahrscheinlich, daß französische Kreuzer ausliefen, um

auf das deutsche Schiff Jagd zu machen, das nun schon während acht

Stunden seine Tätigkeit ausübte. In der späten Nachmittagsstunde kam

ein Dampfer in Sicht, der die französische Flagge führte. Ein scharfer

Schuß, der vor dem Bug des Schiffes ins Wasser ging, ließ den Führer

sofort die Lage erkennen, Flagge und Wimpel wurden niedergeholt

und die Maschinen gestoppt. Der angehaltene Dampfer erwies sich

als ein französisches Transportschiff, das keine Geschütze führte.

Der die Untersuchung leitende deutsche Offizier konnte melden:

‚Transportdampfer Mars‘ von Rochefort nach Bordeaux mit Uniformen,

Lager- und Lazarettgerät für die dort zu bildende Südarmee bestimmt.

Kapitän Pierre Boudet, Besatzung siebenundzwanzig Matrosen und Heizer

der französischen Marine, keine Geschütze, nur Handwaffen an Bord.

Kohlenvorrat reicht für einen Tag.“ -- Der Versuch, die Prise an den

deutschen Kreuzer heranzubringen, um die kostbare Ladung zu bergen,

glückte nicht. Daher wurden die Boote zu Wasser gelassen und die

französische Besatzung nebst Kleidersäcken herübergebracht. Mehrere

Ballen und Kisten, deren Inhalt meistens aus Uniformen bestand und

an Deck lagerten, kamen gleichfalls noch an Bord der ‚Augusta‘.

Nach einer kurzen Beratung mit den übrigen Offizieren bestimmte der

Kommandant, daß das Schiff zu zerstören sei. Die Ventile der Maschine

wurden geöffnet, das Schiff in Brand gesetzt, der Kreuzer feuerte zehn

Granaten auf den Dampfer. Mit Einbruch der Dunkelheit verließ dann

die ‚Augusta‘ den Schauplatz ihrer Taten. Wenn sie bis dahin auch

vom Glücke begünstigt war, so galt es als nicht unwahrscheinlich,

daß französische Kriegsschiffe aus den benachbarten Häfen gegen sie

ausliefen. Der deutsche Kommandant fuhr deswegen mit seinem Schiff

nach dem spanischen Hafen Vigo, der am 7. Januar, nachdem noch während

der Fahrt verschiedene Fahrzeuge untersucht worden waren, glücklich

erreicht wurde. In Vigo blieb das Schiff vorläufig liegen. Der Hafen

zeichnet sich durch eine günstige Lage aus und hat drei Ausgänge.

Am 13. Januar lief eine französische Panzerfregatte ‚Heroine‘ in den

Hafen ein, zwei andere Panzerschiffe folgten, um die Abfahrt des

deutschen Schiffes zu verhindern. Dieses versuchte in der Nacht vom 27.

zum 28. Januar zu entwischen; allein, es gelang nicht. Am 7. Februar,

als der Waffenstillstand abgeschlossen war, trat die ‚Augusta‘ von Vigo

die Heimreise an und beendete damit die erfolgreiche Kreuzfahrt.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 51 / 97 题