2. Auf der Wacht an der Seeküste.

An der deutschen Seeküste.

Tausend fleißige Hände arbeiteten in den kritischen Tagen tagaus,

tagein, um die Häfen und Strommündungen in einen wirksamen

Verteidigungszustand zu setzen. Das deutsche Geschwader erwartete

stündlich den Angriff der anrückenden französischen Flotte; dies

geschah jedoch nicht. Die feindliche Flotte nahm ihren Weg um Skagen

nach der Ostsee und versperrte damit diese Fahrstraße für deutsche

Schiffe.

An der deutschen Nordseeküste ließ sich wochenlang kein feindliches

Schiff sehen. Im Süden von Skagen liegt die Aalbeck-Bucht. Hier warf

das französische Geschwader Anker, wartete eine Reihe von Tagen, und

an dieser unerklärlichen Wartezeit zeigte sich, daß eine zielbewußte

Kriegführung zur See von seiten der Franzosen ausbleiben würde. Viel

eher kann von einer Ratlosigkeit gesprochen werden. In späterer Zeit

kam die Kunde hiervon auch nach Deutschland.

[Illustration: S. M. S. ‚Arminius‘.]

Unter den deutschen Schiffen, die sich in der Ostsee befanden, hatten

noch ‚Arminius‘ und ‚Elisabeth‘, sowie eine Anzahl Kanonenboote ihren

Weg um Skagen zu nehmen. Es erschien fraglich, ob diese Schiffe noch

vor der Ankunft der wiederholt gemeldeten französischen Flotte die

Nordsee erreichten. Der Befehl zum Auslaufen war gegeben und wieder

zurückgenommen worden; allein für den ‚Arminius‘ war es schon zu spät,

dieser fuhr bereits in der See.

Am 28. Juli kam ihm die feindliche Flotte zu Gesicht. Es konnte

durchaus als sicher gelten, daß die dänischen Lotsen die feindlichen

Fahrzeuge auf das deutsche Schiff aufmerksam machten. Der Führer

des ‚Arminius‘ schlug allen ein Schnippchen, indem er scheinbar den

Rückzug einschlug, dann, als er aus der Gesichtsweite der feindlichen

Flotte war, nach der schwedischen Küste hinübersteuerte und unter dem

Schutze der Küste in weitem Bogen am 29. Juli um Kap Skagen fuhr.

Der französische Admiral sandte dem deutschen Kriegsschiff drei

Panzerfahrzeuge und einen Kreuzer nach, doch diese verloren die Spur

des deutschen Schiffes. Der verdienstvolle Kapitän des ‚Arminius‘,

Korvettenkapitän Livonius, entging durch seine geschickten Manöver der

ernsten Gefahr und erreichte ohne Überfall die Nordsee.

Um der zweiten feindlichen Flotte nicht zu begegnen, die ja sicher

unter dem Schutze von Helgoland die Blockade der deutschen Nordseeküste

ausführen würde, fuhr das Schiff zur Nachtzeit in die Elbe ein. Einige

Tage vor dieser Fahrt hatten auch einige Kanonenboote gleichfalls

ihr Bestimmungsziel, die Jade, erreicht. Die größeren Kanonenboote,

die noch im Ostseegebiete vorhanden waren, erreichten trotzdem ihren

Bestimmungshafen an der Nordseeküste, indem man den Eiderkanal, dessen

Schleusenanlagen durch rasch vorgenommene Arbeiten erweitert wurden,

für diese Kriegsschiffe fahrbar machte. -- --

Bis zum 17. August blieb das französische Geschwader völlig untätig;

weder zerstörte es die errichteten Verteidigungswerke, noch wurden von

ihm die Küsten beunruhigt, nur Kauffahrer jagte es und beeinträchtigte

damit für kurze Zeit den Handel.

Ernsten Gefechten mit den Schiffen der deutschen Flotte ging der

Admiral Villamuez-Bouët aus dem Wege. Nur einige Male kam es zu

Zusammenstößen, die durchaus keinen ruhmvollen Ausgang für die

Franzosen nahmen.

Am 17. August unternahm Korvettenkapitän von Waldersee eine

Erkundigungsfahrt nach dem Sunde. Unweit der Insel Moen stieß sein

Schiff, die ‚Grille‘, auf einen französischen Aviso, den sie einige

Stunden feuernd verfolgte. Als säße der Böse hinter ihm, so eilte das

fremde Fahrzeug davon, immer auf das Gjedser Reff los. Der Besatzung

der ‚Grille‘ war so etwas noch nicht vorgekommen. Leider kam die

‚Grille‘ nicht in Schußweite, der Aviso hatte es gar zu eilig. Waren

die Vorbereitungen zum Kampfe ganz umsonst gemacht worden? O nein. In

der Ferne stieg Rauch auf. Dem Aviso kam Hilfe von dem Hauptteil der

feindlichen Flotte.

Es war gegen elf Uhr. Fünf große feindliche Schiffe hatten die Not

ihres Gefährten bemerkt und erwiderten seine Signale. Die ‚Grille‘

stoppte und beobachtete.

Jetzt kamen die Franzosen heran. Voran dampfte eine mächtige

Panzerfregatte, dann folgte eine große Korvette. Unter diesem Schutze

fühlte der Aviso Mut und griff an, um Lorbeeren zu ernten. Waldersee

ließ sie genügend herankommen und schickte ihnen dann einen donnernden

Gruß zu. Der Aviso, dem dieser Schuß galt, wendete wieder und floh

hinter die Panzer. Nun begannen die Franzosen zu bombardieren. Leider

fielen ihre Granaten zu kurz oder gingen über das deutsche Schiff

hinweg. Die ‚Grille‘ blieb die Antwort nicht schuldig. Sie erhielt

Verstärkung durch Kanonenboote unter Führung des Kapitäns Rodenacker.

Sie griffen, obwohl nur für den Küstendienst bestimmt, sogleich

lebhaft in den Kampf ein. Nach einer Stunde hatten die Franzosen noch

keinen Vorteil errungen. Sie riefen durch Signale die noch in Reserve

liegenden Schiffe heran. Vier Panzer, eine Korvette und ein Aviso

stürmten brausend heran.

Kommandant Waldersee zog sich langsam mit den Kanonenbooten in das

flachere Wasser bei der Insel Rügen zurück. Um fünfeinhalb Uhr lagen

die Deutschen wieder auf ihrem alten Ankerplatze. Die Erkundigungsfahrt

verlief glänzend. --

Eine zweite schöne Ruhmestat der jungen Marine bildete die Nachtfahrt

der ‚Nymphe‘, die sich nach dem Berichte des Kommandanten,

Korvettenkapitän Weickhmann, folgendermaßen zutrug:

„Am 21. August mittags kam das Danziger Schiff ‚Präsident von

Blumental‘ in den Hafen von Neufahrwasser mit der Nachricht, daß es

am 20. ein französisches Geschwader bei Rixhoeft passiert hätte, ohne

angehalten worden zu sein. Die Nachricht, daß drei Panzer und ein Aviso

dort seien, war schon telegraphisch bei der hiesigen Kommandantur

den Abend vorher eingegangen; am 22. morgens dieselbe Nachricht von

Rixhoeft und von Hela.

[Illustration: Die Erstürmung des Lagers von Buschiri.]

„Um elf Uhr wurde zuerst Rauch bei Hela gesehen; um zwei Uhr steuerten

drei Panzer, ein großer (Vollschiff) und zwei etwas kleinere (Barken),

sowie ein Aviso langsam zwischen Hela und der Westerplatte in die

Putziger Bucht, wo sie gegen Abend sechs Uhr etwa fünfzehn Meilen von

S. M. Schiff ‚Nymphe‘ ankerten und liegen blieben. Die Schiffe lagen in

Querlinie von Westen nach Osten. Infolgedessen beschloß ich, während

der Nacht eine Rekognoszierungsfahrt zu machen. Um elfeinhalb Uhr,

nachdem die Hafensperre beseitigt, ging ich mit der ‚Nymphe‘ unter

Dampf nach See, um zwölf Uhr aus dem Hafen, Kurs Nord zu Ost Volldampf

voraus. Um ein Uhr fünfzehn Minuten kamen die feindlichen Schiffe

genau in Querlinie und dicht nebeneinanderliegend in Sicht. Östlich

von den Schiffen oder zwischen ihnen durch konnte ich nicht gehen,

da der Mond inzwischen aufgegangen war, weshalb ich an der Landseite

soweit ging, bis sich die drei ersten Schiffe (bei einer Entfernung

von etwa dreitausend Fuß) zu decken anfingen, dann Ruder hart

Backbord, bis die Schiffe querab waren und die ‚Nymphe‘ sich in etwa

zweitausendfünfhundert Fuß Abstand befand. Darauf gab ich bei Ruder

mitschiffs und halb Dampf voraus eine konzentrierte Breitseite auf den

ersten Panzer ab, und es erschien infolgedessen auf allen Schiffen

sofort Licht, das bis dahin nicht vorhanden gewesen war. Dann wurde mit

Steuerbord-Ruder hinter den Schiffen gewendet und die andere Breitseite

abgegeben, die sofort von verschiedenen Schiffen mit etwa vier Schuß

beantwortet wurde. Als der Rauch verzogen, war deutlich zu sehen, daß

alle Schiffe schon Kohlen aufschütteten, obgleich seit der ersten

Breitseite kaum fünf bis sechs Minuten verflossen waren. Da hieraus

zu ersehen, daß die französischen Schiffe zum Kampfe vollständig

vorbereitet waren, so hielt ich sofort mit Volldampf nach dem Hafen

zurück. In etwa sechs bis acht Minuten drehte der große Panzer nach

uns zur Verfolgung um und feuerte in Zwischenräumen von drei bis fünf

Minuten etwa noch sechs Schuß, sich an unserer Backbordseite anfangs

scheinbar nähernd. Gleichzeitig fielen etwa vier Schüsse etwas an

Steuerbord hinter dem Schiffe von den beiden andern Panzern, die auch

sofort die Verfolgung angefangen hatten, der Dunkelheit halber aber

nicht unterschieden werden konnten. Nachdem wir zwei Meilen gelaufen,

sahen wir die Schiffe nicht mehr, kamen etwa um drei Uhr gegen den

Hafen und gingen hinein.“

[Illustration: Angriff der ‚Nymphe‘ auf das französische

Blockadegeschwader.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 48 / 97 题