Von Professor Hans Petersen.]

Der Handel ging gut, die Neger stellten sich freundlich, und Blonck

schloß mit drei Häuptlingen einen Vertrag, der bestimmte, für die

Zukunft nur mit brandenburgischen Schiffen zu handeln.

Im März des Jahres 1682 ging die Gründung der Gesellschaft vor sich.

Wiederum schickte der Kurfürst zwei Schiffe ‚Morian‘ und ‚Kurprinz‘

unter den Kapitänen Voß und Blonck hinaus; die Leitung des Unternehmens

lag in den Händen des Kammerherrn Major von der Gröben.

Der Gewandtheit des vielgereisten Herrn von der Gröben gelang es,

trotz des Widerstandes der Holländer, die die ganze Goldküste

beanspruchten, zum gewünschten Erfolg zu kommen. An den Küsten von

Guinea und Angola schloß er Verträge mit Negerfürsten ab und machte

Erwerbungen. Im Jahre 1683 erstand an dem Vorgebirge der drei Spitzen

die Feste ‚Groß-Friedrichsburg‘. Somit schien das Unternehmen zum

Ärger der Holländer einen guten Fortgang zu nehmen, da stellten sich

verschiedene Widerwärtigkeiten ein. Fast die ganze Besatzung des Forts

erkrankte am Klimafieber, und zugleich kam die Nachricht, daß mehrere

tausend Neger in feindseliger Absicht heranrückten. Aber Gröben verlor

den Mut nicht. Es wurden schnell fünfzig Matrosen ausgeschifft, und mit

dieser kleinen Streitmacht, sowie mit zweihundert getreuen Schwarzen

erwartete er den übermächtigen Feind in der halboffenen Festung.

Als die Negerbande den Berg hinanstürmte, ließ Gröben sie dicht

herankommen, dann schoß er mit Granaten dazwischen. Das half! Voller

Entsetzen stürzte die Masse davon; der Krieg war aus.

Die Entwicklung der Afrikanischen Gesellschaft ging nicht so vor sich,

wie der Kurfürst es erhoffte; die ausgesandten Schiffe brachten nur

wenige Erträge, und die Kolonien verlangten fortwährend Zuschüsse.

Dazu waren einzelne der Verwalter Betrüger, die nur ihren Vorteil

wahrnahmen. Und doch verfolgte Friedrich Wilhelm seinen Lieblingsplan

weiter, bis ihm der Tod ein Halt gebot. --

Unter seinem Nachfolger verlor Brandenburg seine Kolonien, deren

Untergang bedingt war durch den engherzigen Geist jener Zeit, die für

große nationale Aufgaben, wie sie dem Großen Kurfürsten bei seinen

Gründungen vorgeschwebt hatten, kein Verständnis mehr besaß; auch

fehlte der Wille, sie durch eine leistungsfähige Flotte zu unterstützen.

[Illustration]

Zweiter Teil.

Die Geschichte der deutschen Flotte -- ein kurzer Überblick.

Als in den Tagen der Hanse Lübecks Flagge meergebietend drei

Jahrhunderte in den nordischen Meeren wehte, da pulsierte in den

hansischen Städten der Geist der Seefahrer. Aber mit dem Verschwinden

der Hanse war auch der Gedanke an eine Flotte hinweggerauscht, bis der

umsichtige und tatkräftige Große Kurfürst Friedrich Wilhelm in seinen

Kriegen mit Schweden den Wert einer Flotte erkannte. Von seinen für

das Kurfürstentum so nützlichen Bestrebungen, auch zur See Geltung zu

bekommen, war in den vorhergehenden Abschnitten schon die Rede.

Die +Nachfolger des Großen Kurfürsten+ verwendeten alle Mittel

auf das Landheer, die kleine Flotte verfiel. Am 13. August 1720 wurde

unter Friedrich Wilhelm I. eine Abtretungsurkunde der Forts von

Groß-Friedrichsburg, Akkoda und Arguin unterzeichnet. 6000 Dukaten

zahlten die Holländer als Kaufpreis.

Der kriegstüchtige Alte Fritz hat mehrfach bei seinen Kriegsoperationen

den Mangel einer Flotte empfunden. Er half sich, so gut er konnte.

Einmal stellte die Stettiner Kaufmannschaft einige bewaffnete Schiffe

gegen die Schweden zur Verfügung. Es waren dies kleine Küstenschiffe,

die, schnell mit Kanonen ausgerüstet, zu Kriegsfahrzeugen wurden,

jedoch gegen die Schweden nichts ausrichteten. In der Zeit der

kriegerischen Wirrnisse am Beginn des 19. Jahrhunderts fehlte

jegliche Flottenrüstung in Deutschland; wohl versuchten einige

Generale, nach der Schlacht bei Jena einige Schiffe zu einer kleinen

Flotte zu vereinigen, auch arbeitete der nachmalige Kriegsminister

von Rauch in der Zeit von Preußens Wiedergeburt eine umfangreiche

Denkschrift aus, in der er die Notwendigkeit einer Flotte im

Frischen Haff nachwies und neunzehn Fahrzeuge mit viertausend Mann

Besatzung forderte. Leider stand dieser erste Flottenplan nur auf

dem Papier, er blieb unausgeführt. Nach dem Friedensschluß im Jahre

1815 erhielt Preußen Schwedisch-Vorpommern und damit auch sechs

kleine schwedische Kanonenschaluppen, welche die Anregung zum Bau

einer kleinen Kriegsflotte gaben. Man blieb bescheiden. Major Longé

arbeitete im Jahre 1820 einen neuen Flottengründungsplan aus, der

achtzig Fahrzeuge mit viertausenddreihundert Mann Besatzung vorsah.

Nur ein Kriegsfahrzeug wurde bewilligt. Im Jahre 1823 besaß Preußen

acht Fahrzeuge, von denen fünf mit Geschützen versehen waren. Jedoch

vermehrte sich der Widerstand gegen eine Flotte, und auch die im Jahre

1835 gepflogenen Unterhandlungen einer Küstenverteidigungskommission

führten zu keinem Erfolg. Das Ministerium lehnte die Gelder rundweg ab,

und jede Aussicht auf eine Rüstung zur See war erloschen. Kurzsichtig

und kleinlich war die Zeit.

[Illustration:

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Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 37 / 97 题