Von Professor Hans Petersen.]

Im Jahre 1676 erneuerte der Kurfürst seinen Vertrag mit Raule, dem

er die Aufgabe stellte, die Küsten Mecklenburgs und Pommerns zu

blockieren, auch sollte er mit Hilfe der verbündeten dänischen Flotte

Schweden angreifen.

Kurbrandenburgs junge Kriegsflagge wehte in Ehren. Eine Reihe Schiffe,

die Kriegskonterbande führten, brachte sie auf. Doch erhielt sie in der

Seeschlacht bei Bornholm am 5. Juni 1676 die Feuertaufe, denn die Dänen

unter Admiral Niels Juel schlugen die Schweden. Große Freude bereitete

in Kurbrandenburg die Kunde, daß die Brandenburger Flotte unter Raule

von den Schweden einen Brander von acht Geschützen und eine Fregatte

von zweiundzwanzig Kanonen erobert hatte.

Neidvoll sahen die übrigen Seestaaten die Kriegserfolge der jungen

Seemacht sich mehren. Dazu ergaben die erbeuteten Schiffe eine

willkommene Verstärkung der heimischen Flotte, und die eroberten Prisen

deckten die notwendigen Auslagen dieses Seezuges.

[Illustration: Kurfürstlich Brandenburgische Werft und Magazin in

Emden.]

Für das Jahr 1677 erneuerte der Kurfürst abermals seinen Vertrag

mit Raule, der für die Summe von 27000 Talern und die Hälfte des

Prisengewinnes auf vier Monate wiederum fünf Schiffe stellte,

die sechsundsiebzig Geschütze und dreihundertfünfzig Mann

Besatzung zählten. Ferner reihte Raule noch sechs Kaperschiffe mit

sechsunddreißig Kanonen und einer Besatzung von hundertvierundachtzig

Mann der Flotte ein, zu der außer den im Vorjahre eroberten beiden

schwedischen Schiffen der Kurfürst noch vier eigene Schiffe mit

siebenundfünfzig Kanonen und einer Schiffsbesatzung von über

dreihundert Mann entsandte. Diese Flotte bildete eine nicht zu

unterschätzende Macht.

Neben einer erfolgreichen Überwachung der pommerschen Küste führten

die Schiffe größere Streifzüge durch das ganze Gebiet der Ostsee aus.

Stettin wurde vom Meere abgeschnitten und die Schweden bei Rostock

und bei Falsterboe von der Dänenflotte mächtig aufs Haupt geschlagen,

so daß sie sich nicht länger auf der See hielt. Stettin fiel. Nun

blieb als die letzte und schwerste Aufgabe, um einen vollen Erfolg

zu erringen, die Vertreibung der Schweden von Rügen. Auch dies Werk

gelang. Unter der tätigen Mitwirkung von Raule und der Dänen unter

Führung des Admirals Niels Juel war im Herbst des Jahres 1678 die

Aufgabe gelöst worden. Allein die Früchte des Feldzuges sollten dem

energischen Kurfürsten nicht reifen. Trotz der Besitzergreifung der

Odermündung mußte Friedrich Wilhelm im Frieden zu St. Germain an

Schweden die eroberten Gebiete zurückgeben, weil deutsche Fürsten,

neidisch auf die Entwicklung des Kurfürstentums, dies zugaben. „Aus

meinen Gebeinen wird ein Rächer erstehen,“ rief prophetischen Auges der

Kurfürst, und er sollte recht behalten.

Trotz des Unglücks in politischer Beziehung verlor Friedrich Wilhelm

den Gedanken an die Entwicklung der Seegeltung seines Landes nicht

aus dem Auge. Zur Hebung der Schiffahrt schuf er ein Marinekollegium.

Mit den acht gemieteten und vier eigenen größeren Fahrzeugen zählte

die brandenburgische Marine nun zwölf Kriegsschiffe, die beständig

seebereit lagen. Sie standen unter Raule, der die brandenburgischen

Seekriegsartikel auch für seine Schiffe anerkannte und einführte. --

Im Seezuge gegen Spanien bewährte sich die Flotte zum ersten

Mal. Im Jahre 1674 verpflichtete sich Spanien, dem Kurfürsten

Unterhaltungsgelder für eine Truppenmacht zu zahlen, die er gegen

Frankreich im Felde hielt. Da Spanien sich später weigerte, dem

Vertrage nachzukommen, und alle Verhandlungen ohne Erfolg blieben,

sandte der Kurfürst am 14. August 1680 von Pillau seine Flotte gegen

Spanien aus.

Unter dem roten Adler im weißen Felde fuhren sieben Schiffe mit

hundertundfünfundsechzig Geschützen und fünfhundertzwanzig Seeleuten

aus, um die Schuld einzutreiben.

Wirklich fiel den Brandenburgern ein reichbeladenes Fahrzeug, der

‚Carolus II.‘, in die Hände, doch damit war des Kurfürsten Forderung

nicht gedeckt. Deswegen sandte er im nächsten Jahre abermals ein

Geschwader aus. Der Befehlshaber hieß Kapitän Aldersen. Zunächst

segelte dieses Geschwader nach Westindien, um die spanische

Silberflotte zu erwischen; leider entkam diese den Brandenburgern,

aber einige wertvolle Prisen fielen Aldersen doch in die Hände. Jetzt

fuhr er schnell nach der spanischen Küste, um die Silberflotte noch

einzuholen.

Spanien hatte bereits von seinem Plane Kenntnis und sandte ihm vierzehn

Kriegsschiffe entgegen. Am 30. September 1681 trafen sich beide

Geschwader bei Kap St. Vincent. Aldersen hielt die Spanier irrtümlich

für die Silberflotte und griff sie kühn an. Natürlich erkannte er bald

seinen Irrtum, floh aber nicht, sondern kämpfte mit größter Tapferkeit

zwei Stunden lang mit dem mächtigen Feinde. Dann brach er das Gefecht

ab und zog sich in voller Ordnung zurück. Die Spanier aber wagten nicht

zu folgen, sie hatten Furcht bekommen. Aldersens fünf Fahrzeuge waren

wohl mächtig zerschossen, aber sie blieben doch alle kampffähig, die

Spanier hingegen büßten zwei Schiffe ein.

Der einfache erste Bericht des Flottenführers an den Kurfürsten sei

hier wiedergegeben:

„Ich berichte hiermit in aller Hast, daß wir vor drei Tagen ein

scharfes Rencontre gehabt haben, als wir die spanische Armada,

die aus Galicien[21] kam, angetroffen, und da wir meinten,

daß es die Galionen wären, haben wir sie mit unseren vier

Schiffen angegriffen. Die spanische Armada bestand aus 12 großen

Kriegsschiffen und 2 Brandern, doch als ich ihre Übermacht gewahr

wurde, suchte ich mich mit meinen vier Fregatten wegzumanövrieren,

so daß wir nach einem zweistündigen Gefechte auseinanderkamen.

Ich bin dann glücklich mit meinen Fregatten wieder in Lagos

eingelaufen, um in wenigen Tagen wieder in See zu gehen. Ich habe

in allem zehn Mann an Toten und dreißig Verwundete. Geschrieben auf

dem Schiff ‚Friedrich Wilhelm‘ den 2. Oktober 1681.

gez. Thomas Aldersen.“

Inzwischen langte die Silberflotte glücklich in Spanien an; wenn auch

dadurch der Zweck der brandenburgischen Flottenfahrt nicht erreicht

wurde, so mehrte doch das wiederholte Erscheinen gut ausgerüsteter

brandenburgischer Kriegsschiffe im Atlantischen Ozean das Ansehen des

Großen Kurfürsten. --

Nach dem Frieden von St. Germain trat Friedrich Wilhelm den von

Raule unterbreiteten Vorschlägen der Gründung einer Afrikanischen

Handelsgesellschaft näher.

Wiederum mußte der Fürst die Erfahrung machen, daß er bei den zaghaften

Kaufleuten seines Landes keine Unterstützung seiner auf das Wohl

des Handelsstandes und des Volkes bedachten Pläne fand. Einigen

unternehmenden holländischen Kaufleuten, die seine Untertanen wurden

und zwei Schiffe, den ‚Morian‘ und das ‚Wappen von Brandenburg‘,

nach der Küste von Guinea entsandten, gestattete er die Führung der

brandenburgischen Flagge, gab ihnen Geschütze mit kurfürstlichem Wappen

und zwanzig brandenburgische Soldaten.

Diese beiden Fahrzeuge machten im Herbst des Jahres 1680 unter dem

Befehle eines Kapitäns Blonck ihre Reise und gelangten am Ende des

Jahres glücklich am Orte ihrer Bestimmung, bei Axim in der Nähe des

Kaps der drei Spitzen, an der Guineaküste an.

[Illustration: Besitzergreifung der Guineaküste durch die Schiffe

Morian und Kurprinz.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 36 / 97 题