Von Professor Hans Petersen.]

Auch Karpfanger hatte verschiedene Schäden auszubessern, und dadurch

ging einige Zeit verloren, dann aber eilte er den eiligen Flüchtlingen

nach. Ihr Vorsprung war jedoch zu groß, und so mußte er sie, nachdem

noch die Buggeschütze ihnen einen Abschiedsgruß nachgefeuert hatten,

flüchten lassen.

An der Spitze der Walfischfängerflotte fuhr Karpfanger in den Hamburger

Hafen ein. Der Jubel und die Freude seiner Mitbürger begrüßten ihn,

der Rat der Stadt verehrte ihm zum Zeichen der Dankbarkeit für diese

Siegestat 300 Taler.

Noch eine andere Heldentat dieses wackeren Seemannes will ich erzählen.

Man schrieb das Jahr 1681. Karpfanger segelte an der Spitze der

Hamburger Baienflotte nach der spanischen Küste. Als die Schiffe in die

Nähe der spanischen Küste kamen, hörten sie in der Ferne Kanonendonner.

Afrikanische Seeräuber hatten die von Südamerika heimkehrende spanische

Silberflotte angefallen und eines ihrer Schiffe als eine willkommene

Prise genommen. Der heransegelnde Karpfanger erkannte schon aus der

Ferne die Sachlage und gab Befehl, schnell alle Segel zu setzen, um den

raschsegelnden Kaperschiffen ein Schnippchen zu schlagen.

In eilender Fahrt kam das Hamburger Schiff herangebraust; ein tüchtiger

Eisenhagel überschüttete die Piraten. In der Bestürzung ließen sie die

bereits gekaperte ‚Galion‘ fahren und fuhren mit ihren Schiffen etwas

abseits. Nachdem sie sich geordnet hatten, versuchten sie von neuem

mit vereinten Kräften auf den ‚Leopold‘ einzudringen, um die verlorene

Beute wiederzugewinnen; ja, sie glaubten auch den Hamburger als sichere

Beute zu erhaschen. Von zwei Seiten begannen sie den Kampf. Aber sie

kannten nicht die Seefahrtskunst des umsichtigen Karpfanger; noch ehe

die Piraten recht zum Feuern kamen, segelte Karpfanger an den einen

heran und sandte ihm eine volle Breitseite als Willkommengruß in den

Schiffsrumpf; die Wirkung war gut. Das Kriegsschiff legte sich auf die

Seite und begann zu sinken. Jetzt hielten die beiden anderen Schiffe

nicht mehr stand, sie erblickten vielmehr in einer schnellen Flucht ihr

größtes Heil. Karpfanger befreite dann die gefangene Mannschaft der

spanischen ‚Galion‘, und dabei fielen ihm sechzig Piraten in die Hände.

Das eroberte Schiff lieferte er samt seinen Silberschätzen an den König

von Spanien ab; die gefangenen Seeräuber tauschte er gegen gefangene

Hamburger Seeleute aus. Karl II. von Spanien ehrte den tapferen

Schiffshauptmann für diese ruhmvolle Tat durch die Verleihung einer

goldnen Ehrenkette.

Im Sommer des Jahres 1683 stand Karpfanger als Admiral an der Spitze

des zweiten Hamburger Kriegsschiffes ‚das Wappen von Hamburg‘, dessen

Kapitän wegen Streitigkeiten mit der Admiralität vom Dienste entfernt

worden war. Nach allerlei Widrigkeiten erreichte Karpfanger mit seinem

Schiff und den mitsegelnden Handelsschiffen glücklich den spanischen

Hafen Cadix. Hier ging er vor Anker, und hier sollte er auch sein Ende

finden. Es war am 10. Oktober des Jahres 1683.

Karpfanger saß gegen Abend mit seinem Sohne, einem Neffen, mit

Schiffsoffizieren und einigen befreundeten Männern aus Cadix in seiner

Kajüte frohgemut an der Tafel, als sich plötzlich im Schiff ein großer

Lärm erhob. Eiligen Laufes kam ein Schiffsjunge in die Kajüte gestürmt

und berichtete, daß im Vorderteil des Schiffes ein mächtiges Feuer

ausgebrochen sei. Alle waren bestürzt, und die Tafel wurde sogleich

aufgehoben. Karpfanger eilte so schnell er konnte an Deck, um sich

von der Größe des Schadens und der Gefahr zu überzeugen. Unter seiner

Leitung ging die Besatzung dem Feuer tüchtig zu Leibe. Aber trotz

der unendlichen Wassermengen, die durch Spritzen und Eimer in das

Schiff hineingeschleudert wurden, konnte man an den Herd des Feuers

nicht herankommen. Gerade in diesem tiefergelegenen Raum fand die

zehrende Glut in dem großen Haufen der geteerten Taue immer neue und

reichlichere Nahrung. Die Löschung des Brandes gelang nicht, soviel die

Schiffsleute sich auch bemühten. Von seinem Herde aus verbreitete es

sich mit rasender Schnelligkeit im Rumpfe des Schiffes.

Dichte Rauchwolken qualmten aus dem Schiff hervor, und binnen jeder

Minute erwartete man das Hindurchschlagen der leckenden Flammen.

Notschüsse riefen Hilfe von der Stadt Cadix und von den in der

Nähe ankernden Schiffen herbei, allein kein Schiff eilte zur Hilfe

herbei, denn alle Seefahrer fürchteten die Nähe des dem Untergang

geweihten Schiffes. Die Gefahr wuchs, Schrecken und Angst ergriffen

die Schiffsmannschaft, und in Scharen stürzten die sonst so mutigen

Matrosen in die Schaluppen, um abzurudern. Karpfanger gewahrte

rechtzeitig diesen Vorgang. In ernsten Worten erinnerte er die

Flüchtenden an ihren Eid, befahl ihnen, sofort zurückzukehren, da

die Rettung des Schiffes doch noch möglich sei. Des Admirals Worte

verfehlten den Eindruck nicht, noch einmal kehrte die Schiffsmannschaft

an Bord zurück und begann von neuem die Löschungsarbeiten. Mutig gingen

sie gegen die entfesselten Elemente vor. Immer von neuem drangen sie in

den Qualm und in die Glut und achteten nicht die furchtbare Gefahr, in

der sie sich befanden. Stundenlang hielten die wackeren Schiffsleute

dem entfesselten Element stand. Jedoch menschlicher Heldenmut war

vergebens. Die Kraft der Seeleute konnte gegen die Feuersgewalt nichts

ausrichten, die schließlich durch den ganzen Schiffsraum ihre lodernde

Glut wälzte. Nicht lange währte es mehr, dann fand das Feuer den Weg

zur Pulverkammer, und damit schlug die Schicksalsstunde des ‚Wappen von

Hamburg‘.

Karpfangers Sohn fiel dem Vater zu Füßen und bat ihn, mit fortzufahren,

da das Schiff nicht mehr zu retten sei; der aber blieb fest. „Hebe

dich weg von mir, mein Sohn, ich weiß besser, was mir anvertraut ist.

Der Pflicht und Ehre bleibe ich getreu!“ Hierauf befahl er einigen

Quartiermeistern, seinen Sohn und seinen Neffen in die große Schaluppe

zu bringen.

Zu rechter Zeit kamen diese von Bord. Bald brannte das Feuer bei den

Masten durch und leckte sich züngelnd an den Tauen in die Höhe. Im

Augenblick glichen Masten und Rahen und Segel lodernden Flammenzeichen,

die weithin leuchteten. Ein furchtbar prächtiges Schauspiel bot das

Schiff, dessen Mannschaft nun nicht mehr an Bord blieb. Mit großem

Geschrei und mit entsetzten Gesichtern eilten Matrosen und Soldaten

über Bord in die Schaluppen und Boote hinein. Immer mehr drängten

nach, stießen andere um, um für sich den Rettungsweg zu erkämpfen.

Verzweiflung und Ungestüm ließen viele ins Meer fallen, und dort

hielten sie sich, mit den Wellen ringend und nach Hilfe suchend, an

den Rand der Boote und der Schaluppen. Wohl entgingen zahlreiche

Seeleute dem Feuertode, aber die Wellen gruben ihnen ein sicheres

Grab. Im Widerschein des feurig leuchtenden Schiffsrumpfes fuhren die

Boote eiligst von dannen. Gegen Mitternacht lösten sich die Kanonen

an Bord des Schiffes; es waren die Abschiedsgrüße, die über das Meer

dahindonnerten. Eine Stunde nach Mitternacht hatte das Feuer die

wohlverwahrte Pulver- und Kugelkammer erreicht. Ein furchtbarer Knall,

und mit einer hochauflodernden Feuerflamme barst der Schiffsrumpf

auseinander.

Man glaubte allgemein, Karpfanger habe als der Letzte das Schiff

verlassen und sich gerettet. Es war nicht so. Am nächsten Morgen

trieb die Leiche des verdienstvollen Mannes auf dem Wasser. Berend

Karpfanger ging, getreu seinem Eide „Ich will bei der mir anvertrauten

Flotte mannhaft stehen und eher Gut und Blut, Leib und Leben opfern,

als sie oder mein Schiff verlassen!“ mit seinem Schiffe in die Tiefe,

-- ein Opfer seiner mannhaften Pflichttreue.

Unter besonderen Feierlichkeiten wurde der Leichnam in Cadix bestattet,

und König Karl II. errichtete dem ruhmreichen Seehelden auf dem Grabe

ein prächtiges Denkmal.

[Illustration]

Unter dem Adler des Großen Kurfürsten.

Unter den Herrschergestalten der Hohenzollern war der Große Kurfürst

dank seiner Umsicht und Tüchtigkeit, die gepaart waren mit Weitblick

und Energie, der Anerkennung aller Zeiten sicher. Trotz der Ungunst der

Verhältnisse in seinem Lande, trotz der Armut und Entvölkerung des von

Freund und Feind verwüsteten Landes brachte er es in die Höhe, weil er

Ackerbau und Handel stützte, weil er die Erfahrungen seiner Jugend zum

Wohle seines Kurfürstentums und dessen Bewohnern anwandte.

[Illustration: Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst.]

Der Aufenthalt in den Niederlanden zeigte ihm, wie ein kleiner Staat

durch Handel und Schiffahrt, die Quellen allgemeinen Wohlstandes,

sich zu Macht und Reichtum emporringen kann. Dem klaren Verstande

des Großen Kurfürsten mußte auch die Nutzanwendung dieser Erfahrung

gelingen, trotz des Neides und trotz der ungetreuen Bundesgenossen, die

jene verheißungsvolle und machtvolle Entwicklung des Kurfürstentums

Brandenburg mit scheelen Augen sahen.

„Der gewisseste Reichthumb und das Aufnehmen eines Landes kommen

von dem Commercium her; Seefahrt und Handlung sind die fürnehmsten

Säulen eines Estats, wodurch die Unterthanen, beides zu Wasser, als

auch durch die Manufakturen zu Lande ihre Nahrung und Unterhalt

erlangen“

schrieb der Große Kurfürst in einem Erlaß. Diese Worte waren seine

Richtschnur bei der Verwaltung des Staates.

Schon während der letzten Kriegsjahre des Dreißigjährigen Krieges trug

sich der Kurfürst mit dem Gedanken, eine brandenburgisch-ostindische

Kompagnie zu gründen. Seine vielfachen Bemühungen um dies weitsichtige

Unternehmen scheiterten an der Verschlechterung der politischen Lage,

die ihm nicht die erhoffte Gebietserweiterung an der Ostsee brachte,

und an der Kurzsichtigkeit der damaligen Handelskreise in den alten

Seestädten Hamburg, Bremen, Lübeck, Königsberg, die sich nicht bereit

finden konnten, durch Geldbeiträge das notwendige Gründungskapital

zusammenzubringen.

Erst nach 1675, nach der Schlacht von Fehrbellin, konnte der Große

Kurfürst den Gedanken der Seegeltung Brandenburgs wieder aufnehmen. Der

siegreiche Verlauf des Krieges gegen Schweden ermutigte ihn trotz des

Mangels einer eigenen Marine, den er bitter empfand, das alte Ziel, die

Eroberung und Einverleibung Rügens und Pommerns, zu verwirklichen.

[Illustration: Benjamin Raule.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 34 / 97 题