In diesem Getümmel schuf sich Jörg von der Lippe mit seiner Kogge
freie Bahn. In geringer Entfernung entdeckte er eine feindliche
Kogge, die der seinen an Größe gleichkam. An ihrem Hauptmaste
flatterte ein mächtiges Wappen der drei skandinavischen Reiche, und
in der Mitte spreizte der pommersche Greif seine Fänge. Es war das
Admiralsschiff der Dänen. Im Augenblicke der Annäherung erkannten die
Stralsunder auch auf dem Vorderkastell den Befehlshaber; in blinkender
Panzerrüstung stand er hochaufgerichtet da, und ein auf der Rückseite
schwer befederter Helm deckte den Kopf. Tollkühn ließ er den Kampf
mit dem Schiff der Hansen aufnehmen. Die Schiffswände knatterten und
krachten aneinander, es rasselten die Ketten der bereitgehaltenen
Enterhaken und Wurfanker, dazu erschollen als Musik die gegenseitigen
Schlachtrufe „Dudesche Hanse!“ und von der Seite der Dänen „Tüdske
Garper!“ Unentwegt tobte der Kampf; als Jörg von der Lippe sich zum
Schwunge auf das feindliche Schiff bereit machte, traf ihn ein Bolzen
am Schulterblatt. Von der Wucht des Anschlages taumelte er für einen
Augenblick, wie gelähmt fiel sein Arm schlaff herunter. Bestürzt
hielten seine Leute im Kampfe inne, auf dem Schiff des Feindes ertönte
darob großes Freudengeschrei. Nur kurze Zeit währte die Ohnmacht des
jungen Schiffsmeisters, und schon rief seine hellschmetternde Stimme:
„Los auf den Feind!“ Zu rasch erkannte der feindliche Führer das
Schwierige seiner Lage und die Gefahr, der er sich ausgesetzt hatte. Er
benutzte den Augenblick der Verwirrung, ließ die feindlichen Enterhaken
kappen und seine Kogge mit Klüverstangen abdrängen; die Flucht allein
bot ihm Rettung. Mit ihm entkamen nur noch Reste der stolzen dänischen
Flotte, die Stralsund den sicheren Untergang bereiten sollte. Dies
war Stralsunds Ehrentag, einen schöneren und größeren hatte die Stadt
nie gesehen. Die Insel Strela verlor ihren Namen und hieß von nun an
Dänholm.
[Illustration]
Hauptmann Paul Beneke, ein Danziger Seeheld aus der Zeit der Hanse.