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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1903 erschienenen Buchausgabe
so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische
Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Inkonsistente sowie heute
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Land und Leute
Monographien zur Erdkunde
Land und Leute
Monographien zur Erdkunde
In Verbindung mit hervorragenden Fachgelehrten
herausgegeben von
A. Scobel
XVI.
Dresden und die Sächsische Schweiz
Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1903
Dresden
und die
Sächsische Schweiz
Von
Prof. Dr. Sophus Ruge
Mit 148 Abbildungen nach photographischen Aufnahmen,
zwei Skizzen und einer farbigen Karte.
[Illustration]
Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1903
Alle Rechte vorbehalten.
Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.
Inhalt.
Seite
I. Einleitung 3
II. Das Talbecken von Dresden 5
III. Die Bevölkerung 22
IV. Die Städte 30
V. Die Sächsische Schweiz. Allgemeines 61
VI. Das Wasser in der Sächsischen Schweiz 76
VII. Klüfte und Verwitterung 98
VIII. Die Steine und Felsenhöhen 114
IX. Volksverteilung und Städte 134
X. Die ländliche Bevölkerung 160
* * * * *
Literatur 169
Verzeichnis der Abbildungen 170
Register 172
Karte der Sächsischen Schweiz.
[Illustration: Abb. 1. +Der Liebethaler Grund. Lochmühle.+
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 85.)]
[Illustration: Abb. 2. +Dresden, von der Marienbrücke gesehen.+
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden.]
I.
Einleitung.
Aus der altgermanischen Sagenzeit klingt eine Kunde zu uns herüber, daß
die Schwanenjungfrauen nach Süden über den unermeßlichen Dunkelwald
geflogen seien. Dieser Dunkelwald wird in der alten Sprache Miriquido
oder Miriquidi genannt, ja ein Chronist des Mittelalters braucht
diese Bezeichnung einmal in einer so auffälligen Verbindung, daß man
daraus den etwas voreiligen Schluß gezogen hat, im Mittelalter habe
das Erzgebirge den Namen Miriquido gehabt. So viel Wahres liegt indes
doch in diesem Schlusse, daß die unbewohnten und unzugänglichen Wälder
des Erzgebirges mit zu dem tagereisenbreiten Grenzwalde gehörten, der
die nördlich wohnenden Germanen von den südlichen Kelten trennte. Den
Namen dieses Grenzwaldes haben uns die alten Griechen, jedenfalls
aus dem Munde der ihnen näher wohnenden Kelten, in der Form Arkynnen
überliefert, der dann später bei den Römern als Hercynischer Wald
bekannt war. Die neuere Erdkunde hat den Namen als Hercynisches
Gebirgssystem festgehalten und versteht darunter alle jene von Südost
nach Nordwest streichenden Bergwälder und Gebirge, die das norddeutsche
Flachland im Süden begrenzen. Es werden darunter namentlich zwei
langgestreckte Gebirgszüge verstanden, die in ziemlich gleicher
Richtung streichen, aber sich doch gegen Nordwesten einander immer mehr
nähern.
Der südliche beginnt mit dem Böhmerwalde an der mittleren Donau, setzt
sich im Fichtelgebirge und dem Thüringer Wald fort und endigt mit den
letzten niedrigen Ausläufern des Teutoburger Waldes an der oberen
Ems. Der nördliche Zug begrenzt als Sudeten (Riesengebirge u. a.) und
Lausitzer Gebirge den Nordosten Böhmens, ist weiterhin bis zum Harz
unterbrochen und nur noch an einigen stehengebliebenen Kuppen wie
der Kollmberg bei Oschatz und der Petersberg bei Halle zu erkennen,
und endigt als Parallelzug des Teutoburger Waldes im Weser- und
Wiehengebirge.
Böhmen, Sachsen, Thüringen und die Weserlandschaften liegen zwischen
den beiden Hauptzügen; aber da diese sich gegen Nordwesten einander
immer mehr nähern, werden die zwischen ihnen lagernden Landschaften
nach Nordwesten immer kleiner. Sachsen bildet insofern eine Ausnahme,
als es nicht, wie die übrigen genannten Länderstriche, auch auf
der Nordseite von Waldgebirgen abgeschlossen ist, also offener und
ungehindert in das norddeutsche Flachland übergeht. Dazu ist auch seine
Abgrenzung vom südlichen Nachbarlande Böhmen durch den eigenartigen
Querzug eines Gebirges, das von Südwesten nach Nordosten streicht und
in der neuen Zeit Erzgebirge genannt ist, viel schärfer und bestimmter
erfolgt, als sonst zwischen den übrigen Landschaften innerhalb der
hercynischen Bergketten.
[Sidenote: Die Landschaften an der Elbe im böhmischen Gebirgsringe.]
Die Ursache liegt darin, daß von der fast nur aus Urgesteinen
bestehenden mächtigen böhmischen Scholle, die das ganze Land Böhmen
samt allen Grenzgebirgen und darüber hinaus auch einen großen Teil des
heutigen Landes Sachsen umfaßte, an tiefgehenden Spalten der Erdrinde,
die in der Richtung des Erzgebirges verliefen und am leichtesten an
der Richtung des Egerlaufes zu erkennen sind, sich die nördlichen
Teile der Scholle (in Sachsen) von der böhmischen Masse trennten
und nun eine derartige Verschiebung der Erdschichten erfolgte, daß
sich der nördliche Teil (im heutigen Erzgebirge) im Norden senkte
und im Süden hob, so daß hier der Steilrand sich wie eine bedeutende
Gebirgsabdachung zeigt, während sich nach Norden das Erzgebirge ganz
allmählich gegen das Flachland verliert. Diese große Verwerfungsspalte,
an der die zahlreichen warmen Quellen und Mineralbrunnen Nordböhmens
hervorgetreten sind, und die durch die Verwerfung verursachte
Neigung der Erdschichten nach Norden und Nordosten reicht ostwärts
bis zur Elbe. Dagegen hat alles Land östlich dieses Stromes an der
erzgebirgischen Bewegung nicht mehr teil genommen. Dieses Land gehört,
wenn auch nicht in politischer Hinsicht, zum Lausitzer Granitgebiet,
dessen Richtung, durch das hercynische System vorgeschrieben, von
Nordwest nach Südost geht. Der Lauf der Elbe in Sachsen zeigt uns diese
Richtung an und an ihrem rechten Ufer ist die Lausitzer Bergmasse
schroff abgebrochen und zeigt, wenn auch in mäßigeren Verhältnissen
als das Erzgebirge, gegen das Elbtal einen steilen Bergrand. Auch hier
ist an einer Verwerfungsspalte das Land abgesunken und bildet ein
Talbecken, in dessen Mitte Dresden liegt.
Hier haben wir nun jene in ihrer Größe bescheidenen, aber nach ihrem
Naturcharakter doch wichtigen Landschaften vor uns, denen unsere
eingehende Beschreibung gewidmet ist: die Sächsische Schweiz und das
Dresdener Talbecken.
[Illustration: Abb. 3. +Altes Landhaus bei der Bahnwiese.
Oberlößnitz.+
Liebhaberaufnahme von H. Engert in Dresden. (Zu Seite 6.)]
Eingebettet zwischen dem Erzgebirge und dem Lausitzer Gebiet, viel
jüngerer Bildung als die gewaltigen Massen des Urgesteins zu beiden
Seiten, bilden die Landschaften an der Elbe eine Lücke in dem
böhmischen Gebirgsringe und in dem großen hercynischen Gebirgszuge;
und durch diese Lücke hat auch die Elbe die beiden Nachbarländer in
eine natürliche Verbindung gebracht und Böhmen nach Sachsen und weiter
nach Norddeutschland geöffnet. Keilförmig erstreckt sich das Gebiet
von Südost nach Nordwest in der angegebenen hercynischen Richtung
und ähnelt dem ganzen Gebirgssystem um so mehr und gewährt in seinen
horizontalen Umrissen insofern ein kleines, aber getreues Abbild des
großen Ganzen, als sich der Keil nach Nordwesten verjüngt, und die
östlichen und westlichen Grenzen, die durch den Fuß der Lausitz und
des Erzgebirges gegeben sind, am nördlichen Abschluß des Talbeckens
sich bereits bis auf 6 _km_ einander nähern, während die Breite
des Sandsteingebiets im Süden der Sächsischen Schweiz vielleicht 36
_km_ betragen mag.
Das Gebiet zerfällt nach seiner jetzigen Gestaltung in das Talbecken
von Dresden und in die Sächsische Schweiz, die wir nun eingehend
betrachten wollen.
[Illustration: Abb. 4. +Groß-Sedlitz bei Pirna. Schloßgarten.+
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 7.)]
II.
Das Talbecken von Dresden.
[Sidenote: Das Talbecken von Dresden.]
Das Talbecken von Dresden erstreckt sich auf beiden Seiten der Elbe
von Pirna bis Meißen. Der Elblauf selbst hat in diesem Gelände eine
Länge von 43 _km_, doch zieht der Strom nicht, wie in der viel
größeren oberrheinischen Ebene, seine Stromrinne durch die Mitte
des Talbodens, sondern bespült oberhalb Dresdens von Pillnitz bis
Loschwitz den Steilrand des Lausitzer Granits, unterhalb Dresdens von
Niederwartha bis Meißen den Fuß der Vorhöhen des Erzgebirges. Dadurch
gewinnen die Tallandschaften und Stromansichten an malerischem Reiz und
erhöhen die Schönheit der beständig wechselnden Szenerie. Die Höhen auf
beiden Seiten des Talkessels, dessen Entstehung bis in die Tertiärzeit
zurückreicht, überragen den Talboden um 100-150 _m_, zeigen aber
einen durchaus verschiedenen landschaftlichen Charakter.
Da die Talebene sich nach Nordwest erstreckt, so kann man die Abhänge
des Erzgebirges als die Schattenseite, den steileren Abfall des
Lausitzer Granitplateaus als die Sonnenseite bezeichnen. Die ganze
östliche Tallandschaft, vom Stromufer an bis auf die Höhen des
Lausitzer Granits, ist vorherrschend von Talsanden und Heidesand
bedeckt, welche sich für die Sonneneinstrahlung weit empfänglicher
zeigen als der Lehmboden der linken Talseite. Daher gedeiht dort
an den Gehängen der Wein und feineres Obst und zwar auf der ganzen
Strecke von Pillnitz bis Meißen und hat dadurch auch frühzeitig die
Anlage von einzelnen Weinbergsgütern, Villen und Landhäusern aller Art
hervorgerufen (Abb. 3); während auf dem linken Ufer nur ausnahmsweise,
an der Nordseite der ausmündenden Seitentäler, die vom Sonnenstrahl
kräftig getroffen werden, Weinberge und -gärten angelegt werden
konnten. Dagegen sind in dem flacheren Gelände auf dem rechten Elbufer
oberhalb Dresdens nur im Tal, im Pillnitzer Tännicht, aber unterhalb
Dresdens auch auf den Höhen weithin die unfruchtbaren Sandflächen mit
Nadelholz, meist Kiefern, bestanden; links der Elbe ist dagegen das
steilere Gehänge zum Strom und an den zahlreichen Nebenflüssen auf
Lehmboden vorherrschend mit Laubwald bedeckt.
[Illustration: Abb. 5. +Die Begerburg im Plauischen Grunde.+ (Zu
Seite 9.)]
Gegen Süden endigt der Talkessel an den niedrigen Quadersandsteinmauern
bei Pirna, wo die Elbe aus dem engen Felsental in die offene Elbaue
eintritt. Im Norden bildet die aus Pläner bestehende Landschwelle,
die von Meißen über Bohnitzsch und Gröbern nach Oberau zieht, den
natürlichen Talabschluß, der von dem Eisenbahntunnel auf der Linie von
Dresden nach Leipzig durchbrochen wird, während die Elbe unterhalb
Meißen noch weithin bis nach Riesa sich durch den harten Granitboden
ein enges Erosionstal geschaffen hat.
So ist also der Talkessel auf allen Seiten von Höhen begrenzt, ist
ähnlich wie die oberrheinische Ebene während der Diluvialzeit durch
Einbruch entstanden und bildet bei seiner niedrigen Lage, da der
Elbspiegel in Dresden nur 105,5 _m_ über der Ostsee liegt, den
wärmsten Teil Sachsens. Es wird schon allein hieraus erklärlich,
daß gerade dieser Landstrich zuerst Spuren menschlicher Besiedelung
aufweist.
Aber nicht bloß das äußere Ansehen der Landschaften verdient Beachtung,
sondern auch der wechselvolle Boden und seine Bodendecke, denn sie
gerade wirken darauf bestimmend ein, daß die Umgebungen von Dresden
durch ihren Wechsel so reizvoll werden und sich von jeder Höhe,
sei es am rechten oder linken Elbufer, immer neue, unerwartete
Landschaftsbilder dem entzückten Auge darbieten. Dieser Reichtum an
prächtigen Spaziergängen und kürzeren Ausflügen wird von den Bewohnern
Dresdens selbst noch viel zu wenig gewürdigt, und doch hat _M._
Christian Weiß schon vor länger als hundert Jahren auf diesen Reichtum
an verschiedenen Landschaftsformen hingewiesen. „Man mag Gegenden
benennen oder charakterisieren wie man will, so wird man gewiß jede Art
derselben im Umkreise von zwei bis drei Stunden um Dresden finden.“
(I, 4.)
[Sidenote: Die Westseite des Elbtales.]
Wir betrachten zuerst die linke Talseite.
Von Pirna an elbabwärts streicht die Vorstufe des Erzgebirges,
das Elbtalgebirge, ebenso wie auch das Lausitzer Tafelland in
nordwestlicher Richtung, aber nicht wie das Erzgebirge nach
Nordosten. Weil nicht mehr vorherrschend aus den für das Erzgebirge
charakteristischen Gneisen, sondern aus jüngeren Schiefern bestehend,
ist der den Elbstrom bis über Dresden hinaus begleitende vordere
Höhenzug als Elbtalgebirge bezeichnet. Für unsere Zwecke reicht es
aus, diese 6-8 _km_ breite Abdachung des Erzgebirges als ein
von der Hauptmasse in seinen Bestandteilen abweichendes Berggelände
zu bezeichnen. Wo das Gebirge mit steiler Böschung ziemlich nahe an
den Elbstrom herantritt, liegen auf der Höhe die Dörfer Klein- und
Groß-Sedlitz; jenes hart an den Höhenrand vorgeschoben, so daß man von
den vorderen Landhäusern eine entzückende Aussicht ins Elbtal hat,
dieses etwas zurückgelegen und sich an eine Bodenfalte anlehnend,
die, sich nach Osten zum Elbtal senkend, sehr geschickt zur Anlegung
eines ausgedehnten parkartigen Gartens im französischen Stil benutzt
worden ist (Abb. 4). Jetzt ziemlich einsam oder „kaum gegrüßt,
gemieden“, waren Schloß und Garten mit seinen verschnittenen Hecken
und zugestutzten Baumwipfeln, mit seinen jetzt trockenen Wasserkünsten
und seinen meist kunstlosen Statuen, unter denen die allegorischen
Darstellungen der vier Erdteile vielleicht am merkwürdigsten sind,
vor 200 Jahren der Lieblingsaufenthalt Augusts des Starken und der
Schauplatz vieler Hoffeste.
[Illustration: Abb. 6. +Schloß Scharfenberg bei Meißen.+
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 10.)]
[Illustration: Abb. 7. +Dohna.+
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 10.)]
[Sidenote: Höhen und Aussichtspunkte.]
Das älteste Gestein des Elbtalgebirges besteht aus Schiefern der
silurischen Formation. Jünger ist der Zug von Grauwacke, der sich
vorherrschend zwischen der Gottleuba und dem Lockwitzbach ausbreitet,
aber vielfach mit Rotliegendem und selbst gneisartigen Gesteinen
abwechselt. Ein Felsrücken, der sich quer über die alte Straße
hinzieht, die von Dohna südwärts übers Erzgebirge nach Teplitz führt,
und der sich unter dem Namen Ziegenrücken südlich von dem altberühmten
Gasthof „Zur kalten Ruhe“ bis zu 274 _m_ Höhe erhebt, besteht
aus Quarzit. Von seiner Höhe, die durch einen Denkstein bezeichnet
ist, genießt man eine herrliche Aussicht ins Elbgelände hinunter
und gegen die Sächsische Schweiz. Etwas höher ragt nordwestlich
davon bei Burkhardtswalde der Kanitzberg hervor, 342 _m_ hoch.
Er bildet eine kleine Kuppe aus Kieselschiefer, die infolge ihres
härteren Gesteins der Verwitterung widerstanden hat und ebenfalls eine
treffliche Rundsicht bietet. Noch weiterhin nach Nordwesten bildet
bei Witgendorf der Sandberg, 336 _m_ hoch, eine kleine, aber
auffällige Kuppe von Kieselschiefer. Die durch einen einsamen Baum
kenntliche Höhe ist ebenfalls als Aussichtspunkt durch bescheidene
Ruhebänke geziert. Jenseit des Lockwitzbaches bedecken jüngere
Gesteine, Plänerkalk und Quadersandstein noch die vordere Stufe
des Gebirges bis zu ihrer Höhenlinie und erstrecken sich über den
Plauischen Grund am Weißeritzbache bis in die Gegend von Cossebaude.
Bei Brießnitz tritt der Pläner sogar als niedere Felsenmauer bis
unmittelbar an das Elbbett heran, so daß für die über Elsterwerda
nach Berlin führende Eisenbahn nur mit Mühe der nötige Raum gewonnen
werden konnte, ohne den gepflasterten Leinpfad, noch näher dem Wasser,
zu beeinträchtigen. Überall wo in diesem Gebirge die Platten des
Pläners mit Leichtigkeit gebrochen und verwendet werden konnten,
sind sie zu kunstlosen Mauern zum Schutz der bäuerlichen Gehöfte und
Obstgärten aufgeschichtet und bilden in den zahlreichen Dörfern dieses
Landstriches eine charakteristische Erscheinung. Auf der Höhenlinie
selbst, die zu gleicher Zeit mit der Grenze der jüngeren genannten
Gesteinsarten zusammenfällt, liegen wiederum drei aussichtsreiche
Höhenpunkte, an der Babisnauer Pappel, 334,5 _m_ hoch, die Goldene
Höhe, 345,5 _m_ hoch, und die Prinzenhöhe, 329 _m_ hoch,
von denen die Höhe an der Pappel nur mit einem Aussichtsgerüst, die
beiden letzteren mit Aussichtstürmen versehen sind. Obwohl in der
Luftlinie kaum je 2 _km_ voneinander entfernt, und scheinbar fast
dieselbe Aussicht bietend, wird doch die mittlere, die Goldene Höhe,
am meisten besucht und bietet wohl auch, sowohl nach der zu Füßen
liegenden Residenz Sachsens als gegen die ferneren Felsenberge der
Sächsischen Schweiz die berühmteste Aussicht. Dann aber bietet auch
noch näher an Dresden der Hohe Stein oberhalb des Vorortes Plauen von
einem Turme aus einen entzückenden Ausblick sowohl in den unmittelbar
darunter liegenden Plauischen Grund und über die sich immer mächtiger
ausdehnende Hauptstadt, die recht eigentlich den Mittelpunkt des
ganzen Talgeländes bildet, als auch auf die hinter ihr sich allmählich
erhebenden weiten Nadelwälder der Dresdener Heide, auf das oberhalb der
Stadt sich erstreckende Weingelände mit seinen zahllosen Landhäusern
von Loschwitz bis Pillnitz, und auf den zunächst gelegenen Teil der
Oberlößnitz. Die Felsen des Plauischen Grundes bestehen aus Syenit, der
hier die silurische Formation durchbrochen hat (Abb. 5); aber über ihm
lagerte, auch am Hohen Steine, Plänerkalk. Der Hohe Stein selbst, auf
dem der Aussichtsturm sich erhebt, und die nächste Umgebung bot ehemals
eine reiche Fundgrube von Versteinerungen der Kreidezeit, in der
Haifischzähne und Austerschalen durch massenhaftes Auftreten besonders
ins Auge fielen. Der Syenit des darunter liegenden, ehemals durch seine
landschaftliche Schönheit hochberühmten Plauischen Grundes schließt
sich dann weiter nach Nordwesten an das Syenit- und Granitgebiet von
Meißen an.
[Illustration: Abb. 8. +Schloß Weesenstein.+
Nach einem Aquarell von Adrian Zingg. (Zu Seite 12.)]
Nur eines kleinen Hügels auf der untersten Stufe des Gebirges,
oberhalb Dresdens, muß noch gedacht werden, nämlich des Gamighügels
bei dem Dorfe Torna, weil er eine geologische Merkwürdigkeit bietet.
Er besteht oder bestand nämlich aus Lausitzer Granit, wird aber
bald ganz verschwunden sein, weil er, bequem in der Nähe eines
öffentlichen Weges gelegen, als Steinbruch ausgebeutet wird. Das
Meißener Syenit- und Gneisgebiet tritt bereits an der Linie von Dresden
westwärts nach Wilsdruff auf und reicht mit dem sich im Nordwesten
anschließenden Granit bis an das Triebischtal und bis nach Meißen.
Das Pläner- und Syenitgebiet verhalten sich in ihrer Abdachung gegen
das Elbtal durchaus verschieden. Der leicht verwitternde Pläner- und
Sandsteinboden schafft sanfte Abhänge, über die vom Gebirge im Süden,
oder von dem Hochlande im Westen ohne Schwierigkeit bequeme Straßenzüge
ins Tal in gerader Linie auf Dresden zu angelegt werden konnten,
wodurch die Zugänglichkeit Dresdens von dieser Seite her wesentlich
erhöht wurde.
[Sidenote: Der westliche Höhenrand zwischen Dresden und Meißen.]
Anders im Syenit- und Gneisgebiet. Hier treten die Fels- und Berghöhen
von Cossebaude an sofort mit schroffem Absturz gegen die schmale
Elbaue und den Strom vor, doch ist zwischen Cossebaude und Gauernitz
eine sanfter geneigte Plänerstufe angelagert, die aber den obern
Steilrand nicht erreicht. Die steilen Abhänge sind mit Laubwald
bedeckt. Von den Höhen blicken die alten Schlösser Scharfenberg (Abb.
6) und Siebeneichen in den Strom hinab. Diese Höhen bildeten weithin
beim Vordringen der Deutschen im Mittelalter eine vortreffliche
Verteidigungslinie und waren mit den ersten deutschen Wallburgen
besetzt, allen voran zuerst Meißen. Aber die Gehänge sind auch so
steil, daß kein Straßenzug vom Westen her die Stromebene erreichen
kann; die Straße von Wilsdruff nach Meißen läuft immer über die Höhen,
bis sie sich in steilen Windungen ins Triebischtal niedersenkt. Die
Dresden zunächst gelegenen Höhen in der Umgebung von Cossebaude sind,
nachdem die Eisenbahn das Gebiet von der Hauptstadt her bequemer
zugänglich gemacht hat, in neuerer Zeit in beliebte, vielbesuchte
Aussichtspunkte umgewandelt worden, so die Alberthöhe, Liebenecke
(Gneis), Osterberg und Parkschenke.
Nur an einer Stelle in diesem Gebiete, nämlich bereits im nördlichsten
Granitgebiet bei Scharfenberg, wird Bergbau getrieben, und zwar seit
1525. Die Hauptblüte liegt allerdings schon um einige Jahrhunderte
zurück und fällt ins siebzehnte Jahrhundert; aber es wird auch jetzt
noch gearbeitet. Man förderte Bleiglanz, Zinkblende und Fahlerz
(Silber). Der Ertrag belief sich 1887 auf 175000 Mark. Dieser
bergmännischen Tätigkeit verdanken die nahe beim Schlosse Scharfenberg
gelegenen Orte Gruben und Bergwerk Entstehung und Namen.
In der Eiszeit dehnten sich die skandinavischen Gletscherströme über
alle Höhen rechts und links der Elbe aus und drangen sogar bis in
den unteren nördlichen Teil der Sächsischen Schweiz vor. Überall wo
man ihre Spuren hat nachweisen können, sind nordische Kiese mit den
eingeschlossenen Geröllen nach ihrem skandinavischen Ursprunge erkannt.
Bis zu einer Höhe von 295 _m_ ü. M. sind sie bei Burkhardtswalde
gefunden und ebenso bei dem noch südlicher gelegenen Dorfe
Nenntmannsdorf. Geschiebelehm, als Reste der alten Grundmoränen, deckt
auch auf beiden Seiten des Plauischen Grundes die Höhen von Döltzschen
und Koschütz. Bedeutende Lehmlager am Fuß der Vorhöhen, namentlich
südöstlich von Dresden, werden zum Zweck des Ziegelbrennens erfolgreich
ausgebeutet, tragen aber sowohl durch ihre baulichen Anlagen als durch
die zahlreichen hohen Essen zur Verminderung der landschaftlichen
Schönheit nicht unwesentlich bei. Weiter nordwärts gegen Meißen und
noch weit über Meißen hinaus deckt die Höhen vielfach fruchtbarer Löß.
Daher findet man mit Ausnahme der steilen Böschungen an den engen
und vielfach gewundenen Seitentälern überall Feldbau und prangen
namentlich die milderen Gehänge gegen den Talkessel hin im Frühjahr im
schimmernden Schmuck der Obstblüte, welche den Großstädter mehr als
sonst hinauslockt, namentlich elbabwärts, in den Zschonergrund, nach
Cossebaude, ja sogar bis Meißen.
Aber auch das Gebiet westlich von dem Triebischtal und unterhalb Meißen
müssen wir noch in unsere Betrachtung hineinziehen, weil es für die
Stellung Meißens und seine geschichtliche Entwickelung wichtig ist.
Hier treten nämlich Porphyre und Pechstein auf. Besonders wichtig
sind die schwarzen, grünen und roten Pechsteine. Durch Verwitterung
verliert dieses Mineral seine Farbe, bleicht völlig aus und bildet
schließlich eine weiße Porzellanerde, die in neuerer Zeit immer mehr
für die Porzellanindustrie verwendet wird. Weiterhin gegen Nordwesten
deckt die immer niedriger werdenden Hochflächen ein lichtgrauer, bis
zu 15 _m_ mächtiger, höchst fruchtbarer Löß, der über die durch
ihre besondere Fruchtbarkeit weithin bekannte Lommatzscher Pflege
hinausreicht. Zahlreiche aber nur kleine Dörfer, aus wenigen aber
stattlichen und behäbigen Gehöften bestehend, sind dicht über das ganze
Land verstreut.
[Illustration: Abb. 9. +Weesenstein, vom Belvedere aus.+
Nach einer Aufnahme von F. & O. Brockmanns Nachf. R. Tamme in Dresden.
(Zu Seite 12.)]
[Sidenote: Die westlichen Täler und Elbzuflüsse.]
Die vom Erzgebirge herabkommenden, meist wasserreichen Bäche haben
tiefe und enge Erosionstäler in den harten Boden eingegraben, an denen
vielfach Felsenhöhen zu Tage treten. Dahin gehört das romantische
Müglitztal, dessen Ausgang zum Talkessel der Elbe die alte Feste
von Dohna (Abb. 7) bewachte, während zu gleicher Zeit in längst
vergangenen Tagen von hier aus der einzige gangbare Verkehrsweg über
das Gebirge, aber nicht durchs Müglitztal, wie man wohl gemeint
hat, nach Böhmen führte. Den Glanzpunkt des Müglitztales bildet das
malerische Felsenschloß Weesenstein (Abb. 8 u. 9), das sich auf und an
einem frei aus dem Tale aufsteigenden und vom Bache umflossenen Felsen
erhebt und von einem hochragenden Turm beherrscht wird. Die Verteilung
der Wohn- und Wirtschaftsräume des der königlichen Familie gehörigen
Schlosses, das in die Felsmasse eindringt und an derselben klebt, ist
sehr merkwürdig; es wird daher viel von Fremden besucht, um so mehr,
als ein herrlicher Park von hohen Laubbäumen den Felsenbau im Tale
umgibt und das Tal selbst ober- und unterhalb reich an prächtigen,
schattigen Spazierwegen ist.
Auf das Müglitztal folgt dann das liebliche Tal des Lockwitzbaches,
dessen anmutigster Teil bei dem ehemals viel mehr besuchten, in neuerer
Zeit vernachlässigten Bade Kreischa liegt. Soweit der Pläner reicht,
haben die kleineren Zuflüsse der Elbe nur wenig eingeschnittene
Täler mit sanfterem Gehänge, so daß mehrfach das Ackerland sich bis
auf den Talboden hinunterzieht. Eine Ausnahme bildet nur das untere
Tal des längsten Zuflusses von der linken Seite, der Weißeritz, das
zwischen Potschappel und Plauen in Syenit eingeschnitten ist und
in der Hauptrichtung von Westen nach Osten ziehend, als Plauischer
Grund noch bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wegen seiner
idyllischen und romantischen Szenerie nicht bloß von den Bewohnern
der nahen Hauptstadt gern und oft besucht wurde, sondern auch, und
damals wohl mit Recht, von allen Fremden, die durch die Kunstschätze
Dresdens angelockt worden waren, aufgesucht wurde, schon weil man
seine Schönheiten über alles pries, und selbst die grotesken Täler und
wilden Gründe der damals erst bekannt werdenden Sächsischen Schweiz
nicht daneben wollte gelten lassen. Seitdem aber die Eisenbahn nach
Freiberg, Chemnitz und weiter hinaus nach Bayern den idyllischen
Grund durchzieht, mancherlei Fabrikanlagen mit rauchenden Schloten
die ehemals unter hohen Baumgruppen versteckten oder an rauschenden
Wehren gelegenen einsamen Mühlen verdrängt haben und eine sehr belebte
Landstraße im Grunde hin nach den Kohlengruben am Windberge und bei
Zaukerode führt und die weitere Umgebung von Potschappel zu den
dichtest bewohnten Gebieten von Sachsen gehört, ist der Reiz, den sonst
die Einsamkeit des von Felsen umstarrten Grundes und die ländliche
Ruhe gewährte, längst verwischt, so daß heutzutage der Grund von den
Lustwandelnden eher gemieden als gesucht wird.
Die übrigen Täler bis nach Meißen sind bis zur Triebisch sämtlich
nur kurz, sind tief in den Syenit eingeschnitten, mit buschigen und
waldigen Gehängen, einsam, fast wegelos, ohne Ortschaften und werden
nur gelegentlich von Freunden einer stillen Natur aufgesucht, die
ganz abseits vom Weltgetriebe liegt. Anders und bedeutender ist das
Triebischtal geartet, das aus dem Tharandter Walde, wo die Quellen
liegen, nach Norden sich erstreckt und bei Meißen in die Elbe
mündet. Der obere Teil gehört dem Porphyrgebiet, der mittlere der
Grauwacke, der untere dem Syenit, Porphyr, Pechstein und Granit in
raschem Wechsel an. Wechsel der Bodenarten bedingt auch einen Wechsel
der landschaftlichen Ansichten. Und wenn auch das Triebischtal wie
alle übrigen ein Erosionstal ist, das nur durch das unaufhörlich am
Boden arbeitende Wasser entstanden ist, so bietet es doch in manchen
Talweiten die Möglichkeit von Ansiedelungen, ist also belebter und ist
dem Verkehr noch mehr durch die Anlegung der Eisenbahn von Meißen über
Nossen nach Leipzig gewonnen. Doch darf man wohl kaum behaupten, daß
im Mittelalter, als durch König Heinrich I. die Burg in Meißen (Abb.
10.) begründet wurde, das Triebischtal einen bequemen Zugang von Westen
her zur Elbe gewährt habe; denn die leichteren und bequemeren Wege von
Westen her nach Meißen liefen, wie auch heute noch, über die Höhen zur
Stadt und zur Elbe.
[Illustration: Abb. 10. +Die Albrechtsburg in Meißen.+
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 12.)]
Obwohl nun diese westliche Seite des Elbtales mancherlei
landschaftliche Schönheiten bietet, so ist sie doch von den
Bestrebungen aller Großstädte, sich über das Weichbild der Stadt hinaus
in Villenkolonien einen erfrischenden Landaufenthalt zu sichern,
fast noch gar nicht berührt worden. Nur bescheidene Anfänge lassen
sich unterhalb Dresdens am Fuß der waldigen Höhen erkennen, und nur
+ein+ Versuch, auch die Höhen mit ihren herrlichen Fernblicken
zu besetzen, in der Nähe von Cossebaude zu verzeichnen. Ausgedehnte
und vielbesuchte Sommerfrischorte finden sich nur auf den Höhen der
Lausitzer Seite.
[Illustration:
Friedensburg
Abb. 11. +Kötzschenbroda-Niederlößnitz.+
Nach einer Aufnahme von Carl Pittius in Kötzschenbroda. (Zu Seite 15.)]
[Sidenote: Die östliche Seite des Elbtales.]
Unleugbar hat diese östliche Seite des Elbtales als die Sonnenseite
ihre Vorzüge, sie ist wärmer, durch den Steilabfall des Hochlandes mehr
gegen die rauhen Nordostwinde geschützt und übt ihre Anziehungskraft
namentlich von Dresden an abwärts bis in die Nähe von Meißen durch die
ausgedehnten Nadelwaldungen der Dresdener Heide und des Friedewaldes,
die den ganzen Höhenrand in ununterbrochener Folge bedecken.
Der steile Abbruch des Lausitzer Hochlandes erstreckt sich über
die ganze Länge des Talkessels von Oberau und Weinböhla an über
Pillnitz bis nach Bonnewitz und erscheint von der Elbtalaue aus als
ein Gebirgszug mit ziemlich gleichmäßigen Höhen. Es ist ein Teil der
großen Verwerfungslinie, die sich auch noch weiter nach Südosten über
Hohnstein nach Hinterhermsdorf an der Ostgrenze des Sandsteingebiets
der Sächsischen Schweiz in ihren Wirkungen bemerklich macht. Die
Hauptrichtung dieser Bruchlinie verläuft wie der Elblauf von Südost
nach Nordwest; nur zweimal ist auf kurze Strecke eine Abweichung von
dieser Richtung erfolgt und zwar sowohl oberhalb als unterhalb Dresdens
in der Richtung von Ost nach West, das einemal östlich von Pillnitz,
das anderemal östlich von Kötzschenbroda; und in beiden Fällen folgt
südlich von diesen Abweichungen der Elblauf und schlägt ebenfalls eine
veränderte Richtung ein.
[Sidenote: Der Abfall des Lausitzer Hochlandes.]
Auf der Südwestseite dieser großen Lausitzer Verwerfung ist nun
der Gebirgsteil abgesunken und hat einerseits den Talkessel der
Elbe veranlaßt, andererseits aber, auch infolge von Einsenkung, das
Sandsteingebirge erhalten, während die Ablagerungen des Kreidemeeres,
dem die Sächsische Schweiz ihre Entstehung verdankt, sowohl auf den
Hochflächen des Lausitzer Gebiets, als auch auf den Vorstufen des
Erzgebirges, über die sich das Kreidemeer ausdehnte, durch Verwitterung
und Abtragung bis auf wenige Reste verschwunden sind.
Aber an der großen Lausitzer Bruchlinie ist nicht bloß ein Absinken
erfolgt, sondern der Lausitzer Granit hat sich zum Teil schräg aufwärts
über die jüngeren Schichten von Pläner und Sandstein hinübergeschoben
und dadurch an den Berührungsflächen merkwürdige geologische
Erscheinungen hervorgerufen. Auf diese Überschiebung des Granits ist
man seit 1826 aufmerksam geworden und hat an vielen Stellen in der Nähe
der Verwerfungslinie dafür unzweideutig Belege gesammelt. Bei Oberau,
unfern des Tunnels der Leipzig-Dresdener Eisenbahn liegt Granit, bei
Weinböhla Syenit auf dem Pläner. Hier sind die Gesteine des Lausitzer
Hochlandes über die übergekippten Plänerschichten hinaufgeschoben.
Ausgezeichnete Reibungs- und Rutschflächen mit starken Zerklüftungen
zeigt der Syenit in einem Steinbruch unterhalb der Friedensburg bei
Kötzschenbroda (Abb. 11). Am Fuße der Syenitberge beim „Letzten Heller“
sind (nach Gutbier) die Schichten des unteren Pläners unter steilem
Winkel aufgerichtet und stark zerklüftet. Andere ähnliche Erscheinungen
werden wir auch in der Sächsischen Schweiz kennen lernen.
[Illustration: Abb. 12. +Hosterwitz bei Pillnitz.+
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 15.)]
[Sidenote: Der Höhenzug von Pillnitz bis Dresden.]
Das Lausitzer Hochland selbst, wie es von Oberau bis Pillnitz als
Gebirgsgrenze des Talkessels gegen Osten erscheint, hauptsächlich
aus Granit, Syenit und verwandten Gesteinen bestehend, besitzt eine
durchschnittliche Höhe von 300-350 _m_ und ist auf seiner
Hochfläche mit vielen flachen Hügeln und kleinen Kuppen bedeckt.
Von seinen höchsten Punkten, dem Triebenberg, 383 _m_, und dem
Porsberg, 354 _m_, bei Pillnitz, nehmen gegen Nordwesten die
Höhen allmählich ab. Der Porsberg, hart gegen den Steilabfall des
Gebirges vorgeschoben, besteht aus Granit und ist infolge seiner
freien Lage gegen Südosten, Süden und Südwesten vor allen anderen
Höhen durch seine umfassende Aussicht nach der Sächsischen Schweiz
und gegen das Erzgebirge berühmt und gewährt dazu auch noch einen
reizenden Blick in die mit Ortschaften bedeckte Elbtalaue bis weit
über Dresden hinaus. Von Pillnitz bis Dresden fließt die Elbe hart am
Fuße des von Ortschaften belebten und an den Gehängen von zahlreichen
Landhäusern, die teilweise eine 30 _m_ höhere Sandfläche vor dem
Abfalle besetzt halten, geschmückten Gebirges hin; hier liegen an
oder in der Nähe der Elbe die Schlösser und Villen der königlichen
Familie in Pillnitz, Hosterwitz (Abb. 12) und Wachwitz. Hier sind
die Abhänge mit Rebenpflanzungen und Obstgärten bekleidet und von dem
Hochlande her öffnen sich mehrere tiefeingeschnittene, malerische und
romantische Täler gegen die nahe Elbe. Ihr kurzer, bald sanft, bald
steil in Stufen ansteigender Verlauf bietet eine Reihe reizender,
vielbesuchter Spaziergänge, die zu zahlreichen Restaurants auf dem
Höhenrande hinaufführen. So der Friedrichsgrund bei Pillnitz, der
Keppgrund mit der malerischen Keppmühle (Abb. 13) bei Hosterwitz,
der Helfenberger Grund bei Niederpoyritz, der Wachwitzgrund und
endlich der Loschwitzgrund (Abb. 14 u. 15), der durch zahlreiche
Neubauten von seiner sonst so gerühmten landschaftlichen Schönheit
verloren hat, so daß er nicht mehr, wie vor 50 Jahren, den Jüngern der
Landschaftsmalerei unter Leitung Ludwig Richters zahlreiche idyllische
Vorwürfe für ihre Studien zu bieten vermag.
Wie Karl Maria von Weber an seinen unsterblichen Opern Freischütz
und Oberon während seines Landaufenthaltes in Hosterwitz schuf,
wie Schiller auf dem Landsitze seines Freundes Körner in dem
Weinbergshäuschen in Loschwitz (Abb. 16) in den Sommern 1786 und 1787
als Gast lebte und an seinem Don Carlos arbeitete, so hat auch Ludwig
Richter jahrelang hochgelegene, bescheidene ländliche Wohnungen in
Loschwitz als stillen Ruhesitz für sein künstlerisches Schaffen geliebt.
Ganz anders erscheint uns die Landschaft an dem Steilabfall, der sich
von Pillnitz nach Osten zieht und das volle Sonnenlicht von Süden
empfängt. Zwar erscheint von der Talsohle aus das Gebirge hier noch
mächtiger, weil die höchsten Erhebungen sichtbar werden; allein der
ganze Hang ist mit Nadelholz bedeckt und Wege, die von den Höhen durch
kurze Täler oder Schluchten hinabführen, sind ungepflegt, denn nirgends
wird ein Landhaus sichtbar, nirgends zeigt der hochstämmige Wald eine
Lücke für Gärten oder Obstpflanzungen. Das Gebirge erscheint von
hier aus unbewohnt. Der Mensch hat es gemieden, denn das erquickende
Auge der Landschaft, des Stromes fließender Spiegel fehlt, der das
Gelände von Pillnitz bis Dresden mit erfrischendem Hauche belebt und
durch seinen regen Schiffsverkehr anziehend macht. Dazu ist der ganze
Talboden südwärts bis Pirna großenteils mit magerem Heidesand bedeckt,
auf dem sich, die Hälfte des ganzen Gebietes einnehmend, das Pillnitzer
Tännicht ausbreitet. Nur wo sich in der Nähe des Stromes, auf beiden
Ufern, eine 1-2 _m_ mächtige Decke von fruchtbarem Tallehm findet,
sind die Ortschaften: Kopitz, Pratzschwitz, Birkwitz und Söbrigen auf
dem rechten Ufer, Heidenau und Mügeln auf dem linken Ufer entstanden.
Doch auch die Hochflächen des Lausitzer Granitbodens haben ihre
lebhaften Beziehungen zur Talebene und zur nahen Hauptstadt. Auf den
Höhen sind manchmal die diluvialen Schottermassen so mächtig, daß sie
einen sichtbaren Einfluß auf die Gestaltung der Oberfläche ausgeübt
haben. Geschiebelehm deckt die Höhen, daher finden sich nordwärts
bis zum Loschwitzgrunde zahlreiche Dörfer. Dann aber ändert sich das
Landschaftsbild plötzlich. Der Heidesand beherrscht den Boden so
vollständig, daß auf der weiten Strecke zwischen Dresden und Radeberg,
auf einem Flächenraum von 70 qkm nur Wald, die Dresdener Heide, aber
nicht ein einziges Dorf anzutreffen ist. Aber am Süd- und Nordrande
der Heide haben sich städtische Villenkolonien auf dem Weißen Hirsch,
in Klotzsche und Langebrück entwickelt, die, je mehr die Großstadt im
Tale um sich greift, in der Nähe des Waldes auf einer 100 _m_
höher gelegenen Hochfläche gedeihlich wachsen und sich immer weiter
ausbreiten.
Nur hier auf der ganzen Strecke der steilen Böschungen der Lausitzer
Verwerfungslinie hat der Heidesand den Abfall des Hochlandes zu
einer sanft ansteigenden, geneigten Ebene ausgeglichen, die es
allein ermöglichte, von Dresden aus nach Osten, Nordosten und
Norden Straßenzüge anzulegen und gerade in Dresden die bequemste
Übergangsstelle über den Strom zu schaffen.
Wie oberhalb der Stadt ist auch unterhalb derselben an dem Trachenberge
eine deutlich aus der Elbaue absetzende Talstufe von Heidesand
gebildet, die in neuester Zeit ebenfalls mit Landhäusern besetzt wird
und deren nach Süden geöffneter halbkreisförmiger Bogen wie ein altes,
längst verlassenes Elbufer erscheint.
[Illustration: Abb. 13. +Keppmühle im Keppgrunde bei Hosterwitz.+
Nach einer Aufnahme von P. Heine in Dresden. (Zu Seite 16.)]
[Sidenote: Die Lößnitz.]
Auf der Hochfläche hinter den Trachenbergen breitet sich fast wagerecht
eine Sandebene bis zum Fuß der beim Wirtshause „Zum letzten Heller“
schroff aufsteigenden Syenitberge aus, wo der Sand eine ganz besondere
Rolle spielt. Dieser Sand, der sich von dem die Dresdener Heide
durchschneidenden Prießnitzgrunde bis in die Lößnitz ausdehnt, ist
von hellgrauer und hellgelber Farbe, gleichmäßig feiner Quarzsand und
deutlich geschichtet. Er bildet eine etwa 50 _m_ hohe Stufe über
der Elbebene. Und hier haben sich unter dem Spiel der Winde typische
Dünen gebildet, wie man sie vielleicht im Binnenlande nicht erwartet.
Wo eine Pflanzendecke fehlte, ist der Flugsand in langen Höhenzügen
aufgeweht, die, den herrschenden Ostwinden entsprechend, meistens
eine nordsüdliche Richtung innehalten. Viele dieser Dünen sind durch
die neuen Militärbauten in der Albertstadt Dresdens eingeebnet und
bedeckt, andere sind noch auf dem weiten Exerzierplatz am Heller, dem
unfruchtbarsten Gebiet des Heidesandes, zu erkennen.
[Illustration: Abb. 14. +Loschwitz.+
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 16.)]
[Illustration: Abb. 15. +Loschwitz.+ (Zu Seite 16.)]
[Sidenote: Die Lausitzer Hochflächen. Moritzburg.]
So weit der Heidesand reicht -- und das ist sowohl auf dem vorderen
Höhenrande als am Gehänge und auf dem ganzen Talboden bis zum
westlichen Strom und zur nördlichen Grenze des Talkessels --, so weit
deckte ursprünglich der Kiefernwald fast ausschließlich das Land; aber
die steileren Gehänge des Hochlandes zwischen Radebeul und Koswig sind
schon seit dem Mittelalter für den Weinbau gewonnen, der allerdings
in neuester Zeit durch die Reblaus bedeutende Einbuße erlitten hat
und in manchen Weinbergen völlig aufgegeben ist. Dieser Strich mit
der angelehnten Sandstufe, die sich langsam in die eigentliche
Niederung der Elbaue senkt, in der allein die alten Dörfer liegen,
trägt den Namen Lößnitz, durch den Lößnitzgrund (Abb. 17) in Ober-
und Niederlößnitz geschieden. Der Name bedeutet eigentlich Waldland,
bildet auch keine geschlossene Ortschaft, ist aber wohl als die
früheste Kolonie von Dresden anzusehen. Von den gegenüberliegenden
Höhen des westlichen Elbufers, vom Osterberge und den nahegelegenen
Aussichtspunkten hat man eine mit Landhäusern bedeckte Landschaft vor
sich, die sich 6-7 _km_ weit am Fuß der Lößnitzberge ausdehnt.
Die Straßen und Wege laufen dem Fuß des Gebirges parallel und die
Namen obere, mittlere, untere Bergstraße zeigen, daß die Häuserreihen
staffelweise emporsteigen. Nirgends trifft man städtisch aneinander
gerückte Häuserzeilen, sondern an diesen Bergstraßen ist jedes Landhaus
von Gärten umgeben. Gerade dieser Teil des Elbtales gilt als der
wärmste und ist daher wohl am frühesten aufgesucht. Bis auf den
Höhenrand stiegen die Winzerhäuser, die zum Teil in Villen umgewandelt
sind, und die Weinbergshäuser empor. Meist durch ihre herrlichen
Aussichten berühmt sind sie allmählich in besuchte Restaurants
umgestaltet und auch auf bequemen Pfaden zugänglich gemacht. Zu ihnen
gehören die Wilhelmsburg, das Spitzhaus, der Pfeifer, das Paradies
und die Friedensburg. Wie man aber das Quadersandsteingebirge eine
Schweiz genannt hat, so die Lößnitz das sächsische Italien oder noch
seltsamer das sächsische Nizza, doch sind die Namen glücklicherweise
nicht volkstümlich geworden. Besonders hervorragende Gipfel hat dieser
Teil des Hochlandes nicht. So mögen denn nur der Spitzberg, 206
_m_ hoch, bei Koswig genannt werden, dessen bewaldete Kuppe aus
Gneis besteht, und der Himmelsbusch, 210 _m_ hoch, eine Felsklippe
am Steilrande bei Kötzschenbroda, die aus Hornblendeporphyr besteht.
Diese beiden Höhen gehören also nicht dem eigentlichen Lausitzer Granit
an und zeigen bereits, daß außer dem eigentlich typischen hellen
oder dunkelblaugrauen Lausitzer Granit auch noch andere verwandte
Gesteinsarten und zwar besonders Syenit an der Bildung der Lößnitzberge
beteiligt sind.
[Illustration: Abb. 16. +Pavillon auf Körners Weinberg in Loschwitz,
wo Schiller wohnte.+
Nach einem Stiche von G. A. Frenzel. (Zu Seite 16.)]
Die Hochflächen östlich von dem steilen Abbruche haben ihre besondere
Eigentümlichkeit in den vielen kleinen Kuppen und bewaldeten Höckern
zwischen den Ackerfluren und sumpfigen Niederungen. Die Oberfläche
besteht da, wo der Heidesand zurücktritt, aus Geschiebelehm, der
Grundmoräne des nordischen Inlandeises, in dem man baltische
Feuersteine, Porphyre und Quarzite antrifft, die aus Mittelschweden
stammen. Bei Boxdorf liegt dieser Lehm 3 _m_ mächtig. Seine
Auswaschungs- und Schlemmprodukte bestehen aus Tonen und Tonsanden.
Daneben findet sich östlich vom Lößnitzgrunde bei Wilschdorf
feinerdiger gelbbräunlicher Löß, in der Nähe der Friedensburg auch
mehliger feiner Lößsand. Wo diese besseren Erdarten vorherrschen, sind
Dörfer gebildet und herrscht der Ackerbau vor; doch schieben sich die
mageren Heidesandflächen mehrfach dazwischen.
Hinter der Lößnitz gegen Osten liegt auf den Hochflächen des Lausitzer
Granitbodens von weiten Nadelwaldungen umgeben und mitten zwischen
mannigfach gestalteten großen und kleinen Teichen ein eigenartig
gebautes, nach seinem Erbauer Kurfürst Moritz benanntes fürstliches
Schloß: Moritzburg (Abb. 18). Auf einer Insel, die nach Norden und
Süden durch breite, fahrbare Dämme mit dem Lande verbunden ist, erhebt
sich das mächtige Schloß, dessen gewaltige runde Ecktürme sich in dem
stillen Wasser spiegeln. Als Jagdschloß besitzt es auch eine sehr
merkwürdige Geweihsammlung und ist in seinen glänzend ausgestatteten
Gemächern reich an malerischen Vorwürfen im Barockstil und besitzt für
die zahlreich, namentlich von Dresden kommenden Besucher eine besondere
Anziehungskraft in seinem ausgedehnten Tiergarten mit einem namhaften
Bestand von Rot- und Schwarzwild, dessen allabendliche Fütterung auf
einem bestimmten weiten Wiesenplatze im Walde stets viele Zuschauer
anzieht.
[Sidenote: Alte Elbarme. Das Spaargebirge.]
Da wir auf dem Boden der eigentlichen Elbniederung nur jüngere
Bildungen diluvialen und alluvialen Ursprungs und nirgends anstehendes
Gestein bis in die Nähe von Meißen finden, so darf man wohl auch
erwarten, daß wir in der Elbaue selbst noch hie und da Spuren des alten
Elblaufes finden und daß das Strombett, das erst nach der Eiszeit seine
festere Gestalt gewonnen hat, einst andere Wege eingeschlagen hat.
So hat die Elbe nach ihrem Eintritt in den Talkessel unterhalb Pirna
nicht bloß durch ihre Schottermassen den unteren Lauf der Wesnitz aus
ihrer südwestlichen in eine westliche Richtung verschoben, sondern
infolgedessen selbst auch eine westlichere Bahn einschlagen müssen,
wobei die alte Talrinne, die noch jetzt in dem Birkwitzer See zu
erkennen ist, verlassen werden mußte. Die langgestreckte Einsenkung
dieser sumpfigen Niederung weist auf den kürzesten Weg von Pirna nach
Pillnitz hin. Andere in ähnlicher Weise entstandene Niederungen lassen
sich bei Zschachwitz und Laubegast oberhalb Dresdens und bei Kaditz und
Serkowitz unterhalb der Stadt erkennen. Nur bei großen Hochfluten wie
1845 ist das Elbwasser in diese Niederungen wieder eingetreten und hat
sie in ihren Beziehungen zur Elbe klar gelegt. Nur bei der großen Flut
von 1845 hat die Elbe auch in der Nähe von Meißen den alten Weg um das
Spaargebirge herum ostwärts von Sörnewitz über Zaschendorf benutzt. Wie
der jetzige Durchbruch des Stromes zwischen dem Meißener Granitgebiet
und dem Spaargebirge, der ein reines Erosionstal zu sein scheint,
entstanden sein mag: das bleibt ein noch ungelöstes Rätsel, wenn auch
manche Erklärung dafür versucht ist.
[Illustration: Abb. 17. +Talsiedelungen und Felsformen.
Lößnitzgrund.+
Nach einer Aufnahme von Carl Pittius in Kötzschenbroda. (Zu Seite 18.)]
Merkwürdig und eigenartig bleibt immerhin das eigentlich zur
erzgebirgischen Seite gehörige Spaargebirge, das durch den
gegenwärtigen Elblauf auf das rechte Ufer verlegt ist. Im Süden steil
und schroff in Felsklippen ansteigend, senkt sich diese Gebirgsinsel,
von kleinen Tälern und Schluchten durchzogen, langsam nordwärts in
die Niederung von Cölln, Meißen gegenüber, und ist mit zahlreichen
einzelnen Weinbergsgütern und Winzerhäusern besetzt, zu denen sich
in neuerer Zeit auch Landhäuser gesellen. So bildet in Bezug auf
Besiedelung dieser kleine Gebirgsstock einen bestimmten Gegensatz
gegen den nördlichsten Teil des Talkessels, der, niedrig gelegen, fast
nur aus feuchtem Wiesenland besteht, in das sich nur +ein+ Dorf,
Niederau, hineinschiebt, während die übrigen Dörfer nur auf oder an dem
umgebenden Höhenrande liegen.
III.
Die Bevölkerung.
[Sidenote: Die Bevölkerung im Elbtal.]