Wenn ich noch über dich vermag

~Hatwyl.~

O trüb' nicht ihren Hochzeittag!

~Beyde.~

Wir werden deine Freunde seyn,

Bleib doch in deinem Vaterhaus.

~Wunibald.~

Nein länger halt ichs hier nicht aus.

~Josephine.~

Wohlan! wenn binnen Jahresfrist

Du noch nicht andern Sinnes bist,

So soll dein Wunsch erfüllet seyn,

Und deine Güter sind dann mein.

~Wunibald.~

Wie machst du jetzt mein Herz so froh!

Ja, ja, ich bins zufrieden so.

~Josephine.~

Mein Freund, Gott stärke dich, leb wohl!

~Wunibald.~

Daß nie Zufriedenheit dir fehle,

Das wünsch ich dir von ganzer Seele.

~Hatwyl.~

Geleit dich Gott! Leb wohl!

~Wunibald.~

Beschütz Euch Gott, lebt wohl!

Wenn sich die Glocke wieder wiegt

Dann stützt mich schon mein Wanderstab,

Wenn deine Hand in seiner liegt,

Bin ich schon weit im Thal hinab.

~Josephine.~ ~Hatwyl.~

Wenn die Vernunft den Gram besiegt

Reicht uns die Hoffnung ihren Stab,

Sie, die das Leben überfliegt,

Giebt uns noch spät ein sanftes Grab.

Geleit dich Gott, leb wohl!

~Wunibald.~

Beschütz Euch Gott, lebt wohl!

Finale.

~Alle.~

Die Glocke ruft zum Kirchengang.

~Josephine.~ ~Willer.~

Warum schlägt mir mein Herz so bang?

~Hatwyl.~

Der Gang ist wichtig, ernst und schwer,

Er führt durchs ganze Leben.

~Josephine.~ ~Willer.~

Eu'r Beyspiel wandelt vor uns her,

Es soll uns Stärke geben.

~Chor.~

Folg blühendes Paar

Zum Hochzeitaltar!

Ihr hieltet auf Lehre,

Drum wird Euch die Ehre,

Daß festlich bekränzt,

Die Freude Euch glänzt.

Folg blühendes Paar

Zum Hochzeitaltar.

~Josephine.~ ~Willer.~

Was ist das?

~Hatwyl.~

Eure Freunde

Verherrlichen den Zug.

~Josephine.~ ~Willer.~

Mein Gott! so viele Liebe!

Wie hab ich sie verdient?

~Hatwyl.~ ~Gertrud.~

Sie ist der Tugend Lohn.

~Josephine.~ ~Willer.~

Euch danken wir die Ehre,

Die heut uns wiederfährt.

~Hatwyl.~

Befolgung unsrer Lehre,

Hat Euch die Freud' bescheert.

Und nun ins Himmels Namen fort!

~Josephine.~ ~Willer.~

Uns fehlt noch Euer Seegenswort.

~Hatwyl.~

Euch werde Gottes reichster Seegen!

Verdienet ihn durch Redlichkeit!

Gott stärke Euch auf Euren Wegen,

Im Lande der Vergänglichkeit.

~Alle.~

Was war das? Mein Gott was war das?

~Chor.~

O weh! Es wankt der Berg, die See schwillt an,

Es rette wer sich retten kann!

~Hatwyl.~

Hinaus! Gewinnt das Freye!

~Alle.~

Ach!

~Die Kinder.~

Vater! Mutter! Wo seyd Ihr denn?

Ich sehe nichts!

~Willer.~

Wir wollen da hinaus entfliehn.

Auch hier ist finstre Nacht!

Der Schutt dringt ein mit Macht!

~Josephine.~ ~Gertrud.~

Wohin in dieser Angst, wohin?

~Hatwyl.~

Kinder! Hier hilft kein Verstand,

Hier hilft uns nur die starke Hand.

~Alle~ außer ~Hatwyl~.

Freunde hört doch unser Flehn!

Ist denn keine Rettung mehr?

Grabesstille herrscht umher.

~Josephine.~ ~Willer.~ ~Gertrud.~

Die Luft wird eng,

Der Athem schwer!

~Die Kinder.~

Der Kopf thut weh, nur Luft!

~Alle.~

Mein Gott, nur Luft!

~Hatwyl.~

Ich hab in dieser argen Noth,

Kein' andre Zuflucht als zu dir

Allmächt'ger barmherziger Gott!

Zu Dir Allvater beten wir.

Kinder! Das Gebet der Unschuld

Dringet durch die Wolken! Betet und hoffet!

O Herr! der du im Himmel thronst,

Nach weisen Plan das Würmchen schonst,

Erhör auch uns in dieser Noth,

Und rett uns vom Verzweiflungstod!

Zweyter Aufzug.

~Chor.~

Allmächtiger Vater von uns Allen,

Begreifen wir auch immer nicht

Das Loos, so über uns gefallen,

Zu tragen ist des Christen Pflicht.

Nur stärke uns, o Gott!

Wir bitten dich, o Gott!

Arie.

~Einsiedler.~

Wenn die Blätter fallen

In des Jahres Kreise,

Wenn zum Grabe wallen,

Ganz entnervte Greise;

Da geht Natur den alten Gang

Nach ewiger Gesetze Drang.

Doch knickt sie auch die Rose

In ihrem schönsten Keim

Reißt aus der Mutter Schooße

Das Kind, und führt es heim.

Drum seyd bereit zu jeder Stunde,

Sie schlage früh, sie schlage spät,

Daß ihr mit reinem Herz und Munde

Zu Eurem Schöpfer übergeht.

~Chor.~

Die hier im Herrn entschlafen,

Nimm alle Gott in deinen Schoos!

Die schwere Leiden trafen,

Sie fanden deine Gnad' auch groß.

Drum Leidende, verzweifelt nie!

Das ew'ge Licht erleuchte sie!

Finale.

~Wunibald.~

Liegt doch nicht müßig auf den Knieen!

O laßt die Stunde nicht entfliehn,

Die sie vielleicht noch retten kann.

~Einsiedler.~

Wir haben dieses auch gethan.

~Wunibald.~

Ihr fleht, um nichts zu thun,

Gott um ein Wunder an.

~Einsiedler.~

Vermiß Dich an des Himmels Beystand nicht,

Der Mensch, wenn's auch an Willen nicht gebricht,

Kann ohne Gott niemals das Ziel erreichen.

~Wunibald.~

Er giebt Euch ja des Wunders Zeichen,

Die Hacke und die Schaufel in die Hand!

Was steht Ihr da, und grabet nicht?

~Einsiedler.~

Wir zogen Viele über Grabes Rand.

~Wunibald.~

Erlahmt Ihr schon an Eurer Pflicht?

Soll sich der Schutt von selber theilen,

So brauchen, die um Rettung heulen,

Auch Euer kaltes Beten nicht.

~Einsiedler.~

Im Eifer redest Du?

~Wunibald.~

Im Eifer greifet zu!

Ich grabe schon Tag und Nacht,

Fand schon die Stelle

Wo Menschen sind,

Doch bin ich zu schwach,

Brauch Hülfe geschwind.

~Chor.~

Wir sind schon bereit.

~Wunibald.~

Ich höre schon Töne,

Ein dumpfes Gestöhne --

~Chor.~

So zeig uns die Gegend,

Wir eilen Dir nach.

~Wunibald.~

Ach Töne voll Jammer,

So dumpf aus der Kammer

Ich seh schon den Vater

Im Kreise der Seinen

Sich winden und weinen

Ich bitt, ich beschwör Euch!

Eilt schnell mit mir fort,

Noch Rettung ist dort!

~Chor.~

Noch Rettung gilts dort,

Zur Rettung denn fort!

Gesänge zu der Oper Der Bergsturz bey Goldau · 第 4 / 8 题