Inhaltsverzeichnis

Personen.

Erster Aufzug.

Zweyter Aufzug.

Dritter Aufzug.

~Personen~:

~Hatwyl~, ein Landmann.

~Gertrud~, sein Weib.

~Josephine~, 22 Jahr }

~Christine~, 16 " } alt, ihre Kinder.

~Franz~, 13 " }

~Jette~, 12 " }

~Willer~, Josephinens Bräutigam.

~Wunibald~, ein Landmann aus der Nachbarschaft.

~Ein Reisender.~

~Ein Einsiedler~ am Rigiberge.

~Ein Tagelöhner.~

~Hirten.~

~Landvolk.~

Die Handlung beginnt Morgens, und endet

am folgenden Tage Abends.

~Erster Aufzug~.

Introduction.

~Hatwyl.~

Nun, Kinder, hats geschmeckt?

~Alle.~

Ach, lieber Vater, ja!

~Hatwyl.~

Zur Mutter hin, bedankt Euch schön.

~Gertrud.~

Zuerst müßt Ihr zum Vater gehn.

~Hatwyl.~

Gott segne Euch das Morgenbrod,

Seyd arbeitsam und fürchtet Gott,

Dann wirds Euch immer wohlergehn.

~Josephine.~

Wie rein die heitre Morgensonne

Auf Goldaus schöne Gegend sieht!

~Willer.~

Und wie am ganzen Firmamente

Auch nicht ein kleines Wölkchen zieht!

~Gertrud.~

Ich wünsche Euch, daß dieser Morgen

Ein Vorbot' Eurer Zukunft sey.

~Josephine~ und ~Willer~.

Das ist er schon, denn Euer Segen

Geleitet uns zum Traualtar.

~Hatwyl.~

Bleibt immer auf den rechten Wegen,

Dann bürg' ich Euch, der Wunsch wird wahr.

~Gertrud.~

Wir sind ja heut so gut gestimmt,

O sing doch unser Morgenlied!

~Alle.~

Ach, Vater ja, das Morgenlied!

Wir singen alle mit.

~Hatwyl.~

Die schönsten Reize der Natur

Entdeckt man auf dem Lande nur.

Da drüben, auf den Felsenhöhn,

Sieht man die kühne Gemse stehn;

Der Alpenbau schaut in den See,

Breit eingefaßt vom hohen Klee.

~Alle.~

Der Alpenbau schaut in den See,

Breit eingefaßt vom hohen Klee.

~Hatwyl.~

Hier seh ich, wenn der Morgen graut,

Den Berg, der stolz das Land durchschaut,

Dort bunte Wiesen, Feld und Bach,

Und mitten drinn mein friedlich Dach.

Gepriesen seyst du, Vaterland!

Mit deiner segensreichen Hand.

~Alle.~

Gepriesen seyst du, Vaterland!

Mit deiner segensreichen Hand.

~Quartett~.

~Hatwyl.~ ~Gertrud.~ ~Willer.~ ~Josephine.~

~Josephine.~ ~Willer.~

Kaum werden wir des Morgens wach,

Ein kleiner Schritt zum Fenster nur,

Und auf des Thales bunter Flur

Erblicken wir der Eltern Dach.

~Hatwyl.~ ~Gertrud.~

Wir winken guten Morgen zu.

~Josephine.~ ~Willer.~

Wir winken mit der Hand zurück,

Erst einmal ich, dann einmal du.

~Josephine.~

Kommt dann und wann ein Feyertag,

Steigt Ihr zu uns den Berg hinauf,

Dann stellen wir Euch Alles auf,

Was unser ganzes Haus vermag.

~Hatwyl.~ ~Gertrud.~

Schön Dank dafür!

~Willer.~

Ich richte mir die Stube ein,

Wie Ihr sie hier gewohnt zu sehn;

Wollt Ihr am Abend wieder gehn,

Dann werden wir Begleiter seyn.

~Gertrud.~

Du guter Sohn!

~Hatwyl.~

Und übers Jahr -- Nun, merkt Ihr nichts? --

Ich freu mich schon -- und über's Jahr --

Die Freude macht mich noch zum Kind! --

Da bringt Ihr mir zum Angebind

Ein Enkel her. -- Ich thu ihm schön,

Und laß ihn alle Nachbarn sehn.

Die Freude macht mich noch zum Kind!

~Gertrud.~

Dann untersucht man, wem es gleicht.

~Hatwyl.~

Ists ein Junge, gleicht er mir.

~Willer.~

Und ists ein Mädchen, gleicht es Dir.

~Josephine.~

O wenn es nur dein Herz erreicht!

~Gertrud.~ ~Josephine.~ ~Willer.~

O welch ein angenehmes Loos,

Um einen reichen Aerndtekranz!

Doch fühlt man erst den Segen ganz,

Wächst uns der eigne Sprößling groß.

~Hatwyl.~

Das soll ein Junge werden,

Wie's keinen giebt auf Erden!

Ein Bursch von ächtem Schweizerschlag,

Voll Kraft und Saft,

Wie Stahl und Eisen,

Ein Herz wie Wachs,

Ein heller Kopf.

Das soll ein Junge werden,

Wie's keinen giebt auf Erden,

Ein Bursch von ächtem Schweizerschlag!

Duett.

~Josephine.~ ~Willer.~

~Beyde.~

Dann öffnet sich des Himmelspforte

Unserm wonnetrunknem Blick,

Und des Priesters Segensworte

Führen uns zum höchsten Glück.

~Josephine.~

Er befragt uns um die Treue!

~Willer.~

Was wird Deine Antwort seyn?

~Josephine.~

Daß ich innig mich erfreue,

Bis ins Grab mich Dir zu weihn.

~Willer.~

Er befragt uns um die Treue!

~Josephine.~

Was wird Deine Antwort seyn?

~Willer.~

Daß ich keine Proben scheue,

Die mich Deiner Liebe weihn.

~Josephine.~

Und dann sucht Dein Blick mich fröhlich,

~Willer.~

Und ich geb Dir meinen Ring.

~Josephine.~

Zitternd steh ich zwar, doch selig,

Als ob ich die Welt empfing.

~Beyde.~

Wonnetrunken dann umschlungen,

Schwören wir mit Herz und Mund,

Und vom Segenschor umsungen,

Feyern wir den Ehebund.

Arie.

~Hatwyl.~

Der Ehstand gleichet einem Garten,

Worin so manche Pflanze reift,

Doch muß man fleißig seiner warten,

Daß ja kein Unkraut Wurzel greift.

Soll jede Pflanze gut gedeihen,

Muß jedes Beet geordnet seyn.

Wem aller Orten Blumen blühen,

Dem schafft sein Garten wenig Heil,

Wer nur daraus will Nutzen ziehen,

Der bringt sich um den schönsten Theil.

Das Schöne muß zum Guten schauen,

Zum Nutzen sich Vergnügen bauen;

Dann kann der Gärtner ruhig seyn,

Sich seiner Arbeit hoch erfreun.

Terzett.

~Josephine.~ ~Hatwyl.~ ~Wunibald.~

~Wunibald.~

Nimm meinen Dank, o Josephine!

Daß meine Bitte du erhört.

~Josephine.~

O welche kummervolle Miene!

Sein Blick, wie traurig und verstört!

~Wunibald.~

Ich muß den Heimathsort verlassen,

Ich weiß, mich quälts wie hier auch dort.

~Josephine.~ ~Hatwyl.~

Ihr wollt Eu'r Vaterland verlassen,

Und wählet einen fremden Ort?

~Wunibald.~

Erträglich wird mein Schicksal werden,

Verschmähst du nicht die Kleinigkeit.

~Josephine.~ ~Hatwyl.~

Mußt nicht so seltsam dich gebehrden,

Du forderst ja Unmöglichkeit.

~Wunibald.~

Gelingt denn nichts auf Erden mir?

~Josephine.~ ~Hatwyl.~

Wir meinens ja so gut mit dir.

~Wunibald.~

Ach! alles nahm man mir in Dir,

Was soll mir noch ein irrdisch Gut?

Ach! Vater, Mutter, alles ruht

Schon längst in kühler Erde Schoos,

Von jeher auch Geschwisterlos,

Stand ich in meinem Ueberfluß

Verarmt bey jedem Hochgenuß,

Gleich einer Waise, ganz allein.

~Josephine.~

Du machst uns deinen Abschied schwer.

~Hatwyl.~

Es giebt ja andre Freuden mehr.

~Josephine.~

Gesänge zu der Oper Der Bergsturz bey Goldau · 第 3 / 8 题