Von den zahlreichen Gattungen der Ordnung der

Asseln (Isopoden),

welche zumeist im Meere leben, gehört eine unserer Süsswasserfauna an

-- die gemeine Wasserassel, _Asellus aquaticus_ L. (Fig. 78). Wie man

aus der Abbildung ersieht, ist der Körper sehr vollkommen gegliedert,

nur wenige Segmente des Hinterleibs sind verwachsen. Der nach hinten

etwas breiter werdende Leib ist von oben nach unten zusammengedrückt

und steht an den Seiten über. Der mit dem folgenden Brustringe nicht

verwachsene Kopf trägt ein kurzes erstes und ein sehr langes zweites

Fühlerpaar. Von Mundwerkzeugen sind jederseits ein Oberkiefer, zwei

Unterkiefer und ein Kieferfuss vorhanden. Auf diese folgen sieben

Paare von Brustbeinen, deren gleichartige Beschaffenheit Veranlassung

gab, die Ordnung „Isopoden“ (Gleichfüsser) zu benennen. Der verkürzte

Hinterleib trägt sechs zweiästige Beinpaare. Der Innenast der fünf

ersten ist zu einem Kiemenplättchen umgewandelt, das sechste steht

über das Hinterleibsende vor. An den vorderen Fusspaaren sitzen

beim Weibchen Platten, welche sich an der Bauchseite anlegen,

übereinandergreifen und so einen ausdehnbaren Raum zwischen den

Wurzeln der Füsse herstellen, in welchem die Eier gehegt werden. Der

Darm verläuft ohne Windungen zu machen gerade durch den Körper. Schon

äusserlich lassen sich drei Abschnitte an ihm erkennen. Auf eine kurze

Speiseröhre folgt ein fast bei allen höheren Krebsen vorkommender

„Kaumagen“, deshalb so genannt, weil an der Innenseite dieses

Darmstückes zwei Platten mit rauher Oberfläche durch besondere Muskeln

gegeneinander reiben und auf diese Weise eine weitere Zerkleinerung der

Nahrung vollbringen. Schon ziemlich weit vorn im Vorderleib beginnt der

eigentliche Darm, an dessen Anfangsteil zwei Paar langer Leberschläuche

einmünden. Das Herz stellt einen langen, unter dem Rücken liegenden

Schlauch dar, an dessen Seiten das Blut durch paarige Öffnungen

eintritt, um bei einer Kontraktion nach vorn durch eine Aorta wieder in

die Leibeshöhle getrieben zu werden. Die Geschlechtsorgane sind paarig

angelegt und münden beim Weibchen am fünften, beim Männchen am letzten

Brustring nach aussen. Das Nervensystem des Vorderleibes bildet einen

Strang, welcher in jedem Segment zu Ganglien anschwillt; im Hinterleib

sind alle diese Ganglien zusammengerückt und bilden einen grossen

Nervenknoten. Das Sehorgan ist durch zwei Gruppen von Punktaugen von

ähnlichem Bau wie bei Cyclops, welche an den Seiten des Kopfes liegen,

gebildet. An den Antennen sitzen grosse blasse Riechkolben.

[Illustration: Fig. 78.

_Asellus aquaticus_ L. _a′_ u. _a″_ Antennen -- _Au_ Auge -- _B_

Brustbeine -- _H_ Hinterleibsbeine -- _K_ Kieferfüsse.]

Die Asseln ernähren sich von pflanzlichen und tierischen Stoffen. Sie

leben gern zwischen modernden Blättern und grünen Algen. Die Eier und

die ausgeschlüpften Jungen werden in dem durch die oben geschilderten

Brutplatten erzeugten Raume umhergetragen. Die Männchen sind gewöhnlich

grösser als die Weibchen.

An feuchten Orten leben auf dem Lande unter Steinen, in Kellern

u. s. w. verschiedene Verwandte unserer Wasserassel, von denen

die Mauerassel (_Oniscus_), die Körnerassel (_Porcellio_) und die

Rollassel (_Armadillidium_) sehr häufig angetroffen werden. Eine blinde

Wasserassel bewohnt tiefe Seen, Brunnen oder die Gewässer von Höhlen.

Sehr nahe mit den Isopoden verwandt sind die

Flohkrebse (Amphipoden).

Der Körper dieser besonders in klaren Gebirgsbächen und Quellen

ungemein häufigen Tiere ist seitlich zusammengedrückt und wohl

gegliedert. Kopf und erstes Brustsegment sind mit einander verwachsen.

Die beiden Fühlerpaare haben annähernd gleiche Länge; am ersten

entspringt ein kleiner Nebenast. Mundwerkzeuge und Beinpaare sind in

gleicher Anzahl wie bei den Asseln vorhanden. Die Endglieder der ersten

zwei Brustbeinpaare sind zu kleinen Greifhänden umgestaltet. An der

Innenseite der meisten Brustbeine sitzen als Kiemen funktionierende

blasige Gebilde, beim Weibchen ausserdem Brutplatten. Die Beine des

Hinterleibes sind in zwei gleichartige Äste gespalten. Die drei

ersten Paare der Hinterleibsbeine unterscheiden sich in der Form von

den folgenden und dienen zum Schwimmen und zur Erzeugung stetigen

Wasserwechsels an den Kiemen, weshalb sie auch in der Ruhe immerwährend

schwingen. Während der Darm dem der Wasserassel sehr ähnlich und

ebenfalls mit zwei Paaren von Leberschläuchen versehen ist, lässt sich

am Herzen insofern eine höhere Entwickelungsstufe erkennen, als es

weiter vorn im Körper seinen Platz hat und sowohl gegen den Kopf zu als

auch nach hinten Gefässe entsendet. Die Gliederung des Nervensystems

entspricht der Segmentierung des Körpers. Die beiden rundlichen

Augen sind ähnlich zusammengesetzt wie bei den höheren Kerfen. Die

Antennen tragen blasse Riechkolben. Die Geschlechtsorgane mit ihren

Ausmündungen verhalten sich wie bei den Isopoden. Die Eier und Jungen

werden ebenfalls zwischen den Brustbeinen von den Brutplatten bedeckt

getragen. Die Art, wie die bei uns gemeinste Gattung _Gammarus_ (Fig.

79) sich im Wasser bewegt, wurde eingangs geschildert. Man findet

diesen Flohkrebs am sichersten unter Steinen, in deren Nähe faules

Laub sich vorfindet. Oft schimmert ein kleiner roter Körper durch die

Leibeswand. Es ist dies ein _Echinorhynchus_, ein häufiger Parasit.

Eine blinde Abart des _Gammarus_ lebt, ebenso wie die blinde Assel, in

tiefen Brunnen oder Höhlen.

[Illustration: Fig. 79.

_Gammarus pulex_ L. _a′_ Erste Antenne -- _a″_ Zweite Antenne -- _Au_

Auge -- _H_ Hinterleibsbeine -- _N_ Nebenast.]

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 102 / 112 题