zählt im süssen Wasser zu der am wenigsten bedeutenden. Wie _Cyclops_
die einzige Gattung unter den Cyclopiden darstellt, so sind auch
die Harpactiden nur durch eine Gattung, _Canthocamptus_ (Fig. 71),
vertreten. Diese Form ist in mehreren Arten sehr weit verbreitet. Sie
wird besonders im ersten Frühjahr in Gesellschaft von _Cyclops_ in
allen unseren kleinen Weihern gefunden, viel seltener oder gar nicht im
Sommer. Der Körper von _Canthocamptus_ weist dieselbe Gliederung auf,
wie die von _Cyclops_, jedoch ist Vorder- und Hinterleib an Breite
nur wenig verschieden und beide sind nicht sehr scharf von einander
abgesetzt. Die ersten Antennen sind kürzer als das Kopfbruststück und
beim Männchen zu Greiforganen umgestaltet. Bei letzterem erleidet das
dritte Fusspaar eine demselben Zwecke dienende Formveränderung. Am
Hinterleib der Weibchen wird nur +ein+ Eiersäckchen angetroffen, neben
welchem häufig die langen flaschenförmigen Spermatophoren hängen.
_Canthocamptus_ ist ein schlechter Schwimmer und dreht sich bei seinen
Bewegungen um seine eigene Achse schraubenförmig durch das Wasser.
Die grösste bei uns vorkommende Art -- _Canth. minutus_ Müller oder
_staphylinus_ Jurine -- misst etwas über einen Millimeter; die meisten
anderen sind noch kleiner. Viel wichtiger und grösser ist die dritte
Familie der Süsswassercopepoden, die der
Calaniden,
obgleich auch sie nur mit wenigen Gattungen bei uns vertreten ist.
Diese sind nicht so allgemein verbreitet, wie die beiden vorhergehenden
Familien, sie kommen aber meist in grossen Massen vor, wenn sie einmal
in einem Wasser eingebürgert sind. Der Vorderleib der Calaniden ist
länger als der Hinterleib und bildet ein langgezogenes, nach hinten
abgestutztes Oval. Der ganze Körper ist annähernd cylindrisch. Die
meist 25gliederigen Antennen sind etwa so lang als der ganze Körper.
Die rechte ist beim Männchen wie auch der rechte Fuss des fünften
Beinpaares zu einem Greiforgan umgestaltet. Das Weibchen erzeugt nur
ein Eiersäckchen, welches wie bei _Canthocamptus_ an der Unterseite
des Hinterleibs klebt. Die am Ende der Furca aufsitzenden Borsten
haben ziemlich gleiche Länge und sind fächerförmig ausgebreitet.
Die hiehergehörigen Gattungen und Arten wurden in einer sehr
ausführlichen Arbeit von +Jules de Guerne+ und +Jules Richard+[116]
zusammengestellt. Hiernach werden neun bis zehn Gattungen mit über 70
Arten unterschieden. Am meisten Bedeutung hat das Genus _Diaptomus_,
von welchem allein an die 60 Vertreter beschrieben wurden. Gewöhnlich
findet man bei uns drei Arten an, d. h. nicht alle drei beisammen.
Die grösste Art ist _Diaptomus castor_ Jurine, welcher über 3½
_mm_ lang wird und meistens kleinere Gewässer bewohnt. Diesem sehr
ähnlich, jedoch kleiner, ist _D. coeruleus_ Fischer. Eine fast in allen
grossen Wasserbecken auftretende und als Fischnahrung sehr wichtige
Art ist der pelagisch lebende zierliche _D. gracilis_, welcher fast
keine Färbung hat und ganz wasserhell ist. Dem letzteren gleicht eine
durch +Lilljeborg+ entdeckte und früher nur im Norden gefundene Art,
_Diaptomus graciloides_ (Fig. 72), welche in einem der schon bei
_Cyclops maarensis_ erwähnten Maare der Eifel, in dem Gemünder Maar
und zwar nur in diesem ebenfalls durch +Zacharias+ gefunden, sonst
aber bis jetzt nirgends in Deutschland angetroffen wurde. Die Gattung
_Heterocope_ bewohnt auch nur grosse Wasserbecken und zeichnet sich
durch bedeutende Grösse und kräftigen Bau aus. Von den selteneren und
wie es scheint mehr dem Norden angehörigen Gattungen wäre noch als in
Deutschlands Nordwesten vorkommend _Eurytemora_ Poppe zu erwähnen.
[Illustration: Fig. 72.
_Diaptomus graciloides_ Lilljeborg. _a′_ Erste Antenne -- _a″_ Zweite
Antenne -- _E_ Eiersäckchen.]
Alle Calaniden sind vorzügliche Schwimmer. Sie lieben es, häufig mit
dem Rücken nach abwärts gekehrt sich im Wasser zu bewegen. Nicht
allein mit Füssen und Antennen vollziehen sie letzteres, vielmehr
erzeugt auch die rasche Thätigkeit der Mundwerkzeuge, welche zum Zweck
der Nahrungszufuhr ausgeübt wird, ein etwas langsames Fortgleiten.
Bei Diaptomus wurde beobachtet, dass er nachts in einen lethargischen
Zustand, eine Art Schlaf, verfalle.
* * * * *
Die +Nahrung+ aller freilebenden Copepoden besteht in kleinen Teilchen
tierischer und pflanzlicher Substanz, wie sie sich auf dem Grunde
der Gewässer, an Pflanzenstengeln und so weiter vorfindet. Vor allem
scheinen Urtiere und kleine Algen aufgenommen zu werden. Da stets
beides zusammen vorkommt, ist es schwer zu entscheiden, ob die Tiere
in der That Allesfresser sind oder ob der eine oder andere Bestandteil
etwa zufällig in den Darm gelangt. Nach einigen Beobachtungen fressen
die Mütter ihre eigenen Kinder, und dieses kannibalische Betragen würde
die Copepoden als Räuber oder reine Fleischfresser kennzeichnen. Es ist
sehr unterhaltend, den Tieren bei der Suche nach Nahrung zuzusehen.
Wenn der sie beherbergende Behälter etliche Pflanzen enthält, weiden
sie mit Vorliebe den daran sitzenden Detritus unter pickenden
Bewegungen regelrecht ab. Ist dann der Magen mit einem genügenden
Vorrat von Speisen versehen, so sucht das Tier wieder die Gesellschaft
der Genossen auf. Diese ist allen Arten, wie es sich schon aus der Art
des Vorkommens in grossen Scharen ergiebt, geradezu Bedürfnis. Mit
munteren Sprüngen haschen und jagen sich Alte wie Junge gegenseitig
und scheinen dies nur der Unterhaltung wegen zu thun. Mitten durch
dieses lebhafte lautlose Gewimmel stürzen dann oft die von den kleinen
lebhaften Männchen verfolgten Weibchen in wilden Sätzen. Eine Zeitlang
geht die Jagd durch das Gewirre der Wasserpflanzen, dann wieder über
freiere Stellen, bis das Weibchen durch eine geschickte Wendung dem
Verfolger sich entzieht oder, müde geworden, auf Gnade und Ungnade sich
ergiebt.
Schon früher wurde angedeutet, dass wir nur ausnahmsweise in einer wenn
auch noch so kleinen Wasseransammlung, falls sie nur schon einige
Zeit bestand, vergebens nach Copepoden fahnden. In Grönland so gut
wie unter den Tropen sind namentlich die stagnierenden oder langsam
fliessenden Gewässer oft in staunenerregender Weise damit bevölkert
und von dem enormen Reichtum des Meeres an diesen Tieren können wir
uns kaum eine Vorstellung machen. Ich selbst habe einen Fall erlebt,
wo ein kleiner Weiher, dessen auffallende Armut an Pflanzenwuchs
keine reiche Ausbeute versprach, durch die Masse einer einzigen
Copepoden-Art (_Diaptomus coeruleus_) geradezu gelb gefärbt war.
Mehrfach werden ähnliche Beobachtungen erwähnt, und manche Nachricht,
die für die auffallende Färbung eines Gewässers keinen Grund angiebt,
dürfte auf das massenhafte Vorkommen von Ruderfüssern (vielleicht im
Verein mit Daphnien) zurückzuführen sein. Ganze Wolken der ersteren
färben zu gewissen Zeiten weite Strecken des Meeres und die Fischer
bezeichnen diese Erscheinung als „Rotäsung“ und kennen sie als Vorboten
reichlichen Fanges.
So wenig als in horizontaler Richtung scheinen auch in vertikaler
dem Vorkommen der Ruderfüsser Grenzen gezogen zu sein, sofern
überhaupt Wasser vorhanden ist. Auf dem Kamme des Riesengebirges
fand +Zacharias+[117], in 2500 _m_ Meereshöhe +Imhof+[118] (im Val
di Brutto) noch Copepoden vor, während sie anderseits in unseren
grossen Binnenseen und im Meere die grössten bis jetzt erforschten
Tiefen noch beleben und einen wesentlichen Bestandteil der in
ewigem Dunkel lebenden Fauna ausmachen. Die reichste Abwechslung
in der Beschaffenheit ihrer Wohnorte ertragen entschieden die
Süsswasser-Copepoden. Die Temperatur des Wassers scheint nur insofern
von Einfluss auf die kleinen Körper zu sein, als im Winter unter
der Eisdecke die Vermehrung langsamer vor sich geht. Versuche haben
bewiesen, dass selbst durch längeres vollständiges Einfrieren die
Lebenskraft nicht erlischt. Wenn wir gerade im Winter und im Frühjahr,
nachdem die Macht der wiederkehrenden Sonne die Eisdecke weggetaut hat,
am meisten Ruderfüsser in unseren Tümpeln und Weihern antreffen, so ist
dies mehr dem Umstande zuzuschreiben, dass die Mehrzahl ihrer Feinde
entweder im vollständigen Winterschlaf liegt oder doch in einem solch
lethargischen Zustande sich befindet, dass das Bedürfnis nach Nahrung
nur ein geringes ist. Bei der allgemeinen Verbreitung kann es uns nicht
Wunder nehmen, wenn unter den Mitgliedern der Höhlenfaunen ebenfalls
Copepoden erwähnt werden. Zu den seltneren Fällen gehört es, dass ein
Angehöriger des süssen Wassers im Mineral-, Brack- oder gar Meerwasser
angetroffen wird. Überraschend ist dies bei der Anspruchslosigkeit
unserer Tiere und deren Widerstandsfähigkeit gegen äussere Einflüsse
nicht. Diese ebengenannten Eigenschaften im Verein mit der grossen
Vermehrung und raschen Entwickelung sind die einzigen Mittel, welche
den Ruderfüssern zu einem erfolgreichen Kampfe ums Dasein zur Verfügung
stehen. Schon innerhalb kleiner Wasserbecken sind die meisten Arten
manchmal gezwungen, von einer weitern Eigenschaft, welche für
gewöhnlich nicht in die Augen springt, Gebrauch zu machen: ich meine
die +Anpassungsfähigkeit+.
Wie im Meere, so kann man auch in unseren Seen dreierlei Regionen
nach den physikalischen und organischen Verhältnissen unterscheiden.
Jede derselben ist durch spezifische Tier- und Pflanzenformen von
den anderen verschieden und dies tritt gerade bei den niederen
Krebstieren am deutlichsten zu Tage. Wollen diese waffenlosen
Wesen in der Konkurrenz mit anderen Tierformen nicht unterliegen,
so müssen sie sich, ob sie nun in der Uferregion oder pelagisch
oder gar in der Tiefenregion leben, den jeweiligen Verhältnissen
anpassen. Es lässt sich schon zum voraus aus der Beschaffenheit der
Lokalität entnehmen, dass z. B. die reich mit Pflanzen bewachsene
Uferzone mit seichtem, warmem Wasser den Tieren bedeutend günstigere
Lebensbedingungen gewähren wird, als die scheinbar leblose Mitte des
Sees mit ihren verborgenen Tiefen. Dort kann ein Wesen auf engem Raum
seine Nahrung zusammenlesen und es hat nicht viel zu sagen, wenn
seine Schwimmwerkzeuge nicht erster Güte sind. Die reiche Ernährung
ermöglicht ein rasches Wachstum und reichliche Fortpflanzung. Die
kleinen Kruster müssten sich ins Unendliche vermehren und somit die
oben erwähnte Erscheinung, dass das Wasser durch ihre Massen sich
färbt, viel öfter verursachen, wenn nicht auch hier ein gewichtiges
Regulativ entgegenwirken würde. In dem so reich belebten seichten
Wasser haben nämlich die grössten Feinde der kleinen Krebse ihren
Wohnsitz aufgeschlagen und verschlingen unzählbare Summen derselben.
In einem aus verschiedenen Stoffen zusammengeklebten Häuschen
lauert die Larve der Köcherfliege, an den Pflanzenstengeln die der
Eintagsfliegen, im Schlamm halb versteckt die Libellenlarve mit ihrem
heimtückischen Fangapparat auf lebende Beute. Muntere junge Fischchen
schnappen spielend ganze Massen von Entomostraken weg und diesem
Vernichtungskriege schliesst sich auch der verschmitzt lauernde,
langsam die Beute erschleichende junge Triton an. Auf Schritt und
Tritt lauert Tod und Verderben, und wenn nicht die gütige Mutter Natur
immer reichliche Nachkommenschaft an der Stelle der im ungleichen
Kampfe Gefallenen eintreten liesse, so wären die Copepoden samt ihren
Verwandten schon längst aus der Liste der Lebewesen gestrichen. In der
+Uferregion+ also kann der Ruderfüsser sich nur dann erhalten, wenn er
sich rasch und reichlich vermehrt. Mit Waffen seiner Feinde sich zu
erwehren erlaubt ihm seine natürliche Ausrüstung nicht.
Ganz anders gestaltet sich das Leben und Treiben unserer Tiere in
der sogenannten +pelagischen Zone+ der Seen bei einer Wassertiefe
von mindestens 15-20 _m_ und einer oft mehrere hundert Meter
betragenden Entfernung vom Ufer. In dem beinahe immer klaren Wasser
fehlt, abgesehen von einigen winzigen Algen und Diatomeen, jeder
Pflanzenwuchs. Von dem von Urtieren reich belebten Detritus der
Uferregion führen Wind und Strömung nur noch Spuren hinaus und
diese bilden, auf weite Strecken verteilt, eine kärgliche Nahrung.
Temperaturschwankungen und Wellenschlag werden in +der+ Tiefe, welche
die Tiere gewöhnlich, namentlich während des Tages, bewohnen, kaum mehr
fühlbar; im übrigen sind jedoch die Verhältnisse für einen vom Ufer
her in diese Region verschlagenen Copepoden so ungünstig als möglich,
zumal auch jede Deckung fehlt, welche das Tier vor seinen Feinden
schützen könnte. Wenn wir trotzdem eben in der pelagischen Region
eine reiche Fauna von Entomostraken antreffen, so ist dies einzig und
allein der weitgehenden Anpassung, welche sich Generationen hindurch
während eines nicht allzukurz zu bemessenden Zeitraumes im Bau der
Kruster vollzog, zuzuschreiben. Als die auffallendste Eigenschaft,
welche alle pelagisch lebenden Krebstiere -- auch die des Meeres --
auf dem Wege der natürlichen Zuchtwahl erworben haben, bewundern wir
deren ausserordentliche Durchsichtigkeit und Farblosigkeit. Hierdurch
werden auch die Copepoden dem Auge ihrer Feinde entzogen, denen
sie bei dem Mangel an Verstecken und der den Verfolgern gegenüber
geringen Schnelligkeit auf der Flucht kaum zu entrinnen vermöchten.
Haut, Muskulatur und Nervensystem sind gewöhnlich wasserhell; nur der
Darm (durch seinen Inhalt) und die Geschlechtsorgane zeigen hie und
da noch Färbung. In zweiter Linie macht sich die Anpassung bei der
Fortpflanzung bemerklich; denn alle Copepoden tragen selten mehr als
vier Eier auf einmal in den Eiersäckchen mit sich herum. Der mühsame
Erwerb der im Wasser sehr verteilten Nahrung wirkt einer reichen
Fruchtbarkeit entgegen. Ausserdem sind die Tiere mit kleinen Eiersäcken
beim Aufsuchen des Futters weniger in ihren Bewegungen gehemmt, als
die mit grossen derartigen Anhängseln, und somit diesen beim Kampfe
ums Dasein überlegen. Den höheren Ansprüchen an die Beweglichkeit der
pelagischen Copepoden passten sich die Schwimmwerkzeuge (Fühler und
Beine) ebenfalls in vortrefflicher Weise an, indem sie entweder länger,
oder wenigstens kräftiger entwickelt sind, als bei den Uferformen.
Eigentümlich sind die periodischen Wanderungen der pelagischen Krebse,
indem sie bei Nacht an die Oberfläche steigen, bei Tag dagegen die
Tiefe aufsuchen.
Die als Anpassungserscheinungen zu deutenden Eigenschaften, welche
die Bewohner der pelagischen Region kennzeichnen, können auch den der
+Tiefenregion+ angehörigen von Nutzen sein. Nicht im Meere allein,
dessen tiefste Abgründe bis vor verhältnismässig kurzer Zeit für
unbelebt gehalten wurden, haben sich die Krebstiere und vor allem die
Entomostraken unter einem ganz enormen Wasserdruck eingewöhnt, auch
auf dem Grunde unserer grössten Seen bilden sie einen der wichtigsten
Bestandteile des dort noch herrschenden Lebens. Es sind dies meist
ganz bestimmte Arten, welche nie an der Oberfläche gefunden werden
und deren Verbreitung in allen grösseren Wasserbecken Deutschlands,
Frankreichs und Schwedens darum so schwer zu erklären ist, weil keines
der später zu erwähnenden Transportmittel bei Tieren, die immer in der
Tiefe leben, eine Rolle spielen kann.
Es gelang bis jetzt nie, alle bei uns einheimischen Copepoden in ein
und derselben Wasseransammlung, welchen Umfang diese auch haben mag,
beisammen zu finden. Oft beherrscht eine Art einzig und allein in
unzählbarer Menge irgend einen Weiher, noch öfter aber trifft man
(selbst in unscheinbaren Tümpeln) zwei bis drei Arten an und es ist
eine Seltenheit, wenn z. B. sieben Vertreter einer einzigen Gattung
beisammen leben. Es befremdet diese Unregelmässigkeit des Vorkommens um
so mehr, wenn man erfährt, dass oft ganz dicht nebeneinanderliegende
Weiher eine ganz verschieden zusammengesetzte Copepoden-Fauna aufweisen
können, selbst wenn sie durch kleine Wasseradern mit einander verbunden
sind. Bei seinen Untersuchungen über die Tierwelt der Eifelmaare fand
+Zacharias+ einen _Diaptomus_ (_graciloides_ Lilljeborg), welcher nur
in dem Gemündener Maar (Eifel) vorfindlich war, und bis jetzt nur in
Schweden und der russischen Halbinsel Kola angetroffen wurde. Wie
eine so hochnordische Form so ganz unvermittelt mitten in Deutschland
auftreten kann, bildet noch heute ein Rätsel, dessen Lösung aber für
die Wissenschaft in hohem Masse wichtig und interessant ist. Auch
der schon erwähnte _Cyclops maarensis_[XVIII] (ebenfalls aus der
Eifel) giebt uns manches zu denken. Wenn nicht nachgewiesen werden
kann, dass er auch in anderen Seen vorkommt, so müssen wir annehmen,
es sei entweder eine Form, welche durch allmähliche Anpassung an
die Lokalität entstanden ist und, selbst wenn sie verschleppt wird,
in anderen Wassern nicht fortkommt, oder am Ende eine Art, welche
überall ausgestorben nur hier sich erhalten hat. Ich unterlasse es,
weitere Gesichtspunkte aufzustellen; diese wenigen mögen genügen,
zu zeigen, wie vieles im Gebiete der Krustaceenkunde, selbst in den
verhältnismässig engen Grenzen der Süsswasserfauna, noch zu erforschen
ist und von welchen Gesichtspunkten man dabei auszugehen hat.
[XVIII] Vergl. die Anmerkung auf Seite 348.
Unsere Kenntnisse von der Art und Weise, wie die Copepoden und
andere niedere Tiere von einem Wasser in das andere, sofern beide
gänzlich abgeschlossen sind, gelangen, sind noch sehr mangelhaft
und wir können, da nur wenige genaue Beobachtungen bis jetzt
angestellt wurden, uns vorderhand fast nur in Vermutungen ergehen.
Man könnte daran denken, dass der Wind, welcher bei der Verbreitung
der Pflanzen eine so wichtige Rolle spielt, auch die Übertragung
der kleinen Copepoden vermittle. Allein der Körper derselben zeigt
so wenig wie die Eier irgend eine Einrichtung, welche einen solchen
Transport wahrscheinlich machte. Im Gegenteil, die ganzen Tiere und
deren Eier sind gegen Austrocknung ausserordentlich empfindlich und
sterben schon bei geringem Wasserverlust ab, und dass Wasserteilchen
mit eingeschlossenen Copepoden oder deren Keimen stundenweit durch
die Macht des Windes fortgerissen werden sollten, ist nicht wohl
anzunehmen. Viel wahrscheinlicher und durch die Untersuchungen der
unten genannten Forscher zumteil bewiesen ist eine andere Art der
„passiven Wanderung“ der niederen Süsswassertiere, welche durch
Schwimmvögel und Wasserinsekten bewerkstelligt wird. +Jules de Guerne+
hat nämlich aus am Gefieder und den Beinen von Wasservögeln hängenden
Schlammbrocken eine ganze Mikrofauna zu erziehen vermocht. Nicht nur
ganze Tiere, sondern in besonders reicher Anzahl deren manchmal durch
eine dicke Schale der Vertrocknung widerstehende Keime waren, an den
betreffenden Teilen klebend, auf dem Wege verschleppt zu werden. Kleine
Wasseransammlungen, welche für Vögel unzugänglich sind, werden nach
+W. Migulas+ Untersuchungen durch die Vermittlung der unscheinbaren
Wasserkäfer mit verschiedenen Pflanzen- und Tierarten belebt.
An eine +aktive+ Wanderung selbst über kleine Strecken darf, falls es
nicht im Wasser geschehen kann, bei der Konstitution und Lebensweise
der Copepoden nicht gedacht werden.
Am meisten Schwierigkeit bietet die Eigenartigkeit und gleichmässige
Zusammensetzung der sogenannten Tiefenfauna in den Süsswasserseen
für eine Erklärung dar. Wir finden zwar unter den Copepoden kaum
ausschliessliche Angehörige der Tiefenfauna, allein zugleich mit
Rücksicht auf die später zu behandelnden Daphniden mögen des
Zusammenhangs wegen einige Betrachtungen über die Verbreitung lebender
Wesen, welche in etwa 20-100 und mehr Metern Tiefe ihr Dasein fristen,
hier Platz finden.
Da unsere meisten Binnenseen nicht durch Wasseradern mit einander in
Verbindung stehen, so können die Tiere nicht auf direktem Wege von
dem einen zum andern gelangen, um so weniger, da sie die Tiefe nie
verlassen. Hierdurch ist auch der Transport durch Vögel ausgeschlossen.
Man nahm deshalb an, dass alle diese Seen, was auch zweifellos bei
vielen der Fall war, in früheren Zeiten vom Meer überdeckt gewesen
seien, beim Zurückgehen desselben übrig blieben und mit ihm eine Anzahl
von Tieren, welche der allmählichen Aussüssung dieser sogenannten
„Reliktenseen“ zu widerstehen vermochten. So plausibel diese Hypothese
ist, so giebt sie doch keinen Grund dafür an, warum unter den vielen
tausenden immer nur ganz wenige und überall beinahe dieselben Formen
eine solche Veränderung des Wassers ertrugen. Viel wahrscheinlicher und
neuerdings durch +Zacharias+[119] vertreten ist eine andere Ansicht.
Hiernach wanderten die in Frage stehenden Arten ganz allmählich aus dem
Meere in das süsse Wasser ein und zwar zu einer Zeit, wo der grössere
Wasserreichtum der Erde für eine solche Wanderung niederer Tiere
eine günstigere Verbindung darbot. Auch heute noch kann vielfach ein
Aufsteigen mariner Formen in unsere Flüsse und Seen beobachtet werden.
Eine plötzliche Überführung eines Mitgliedes der Süsswasserfauna ins
Meer, oder umgekehrt, wird nur von den Parasiten unter den Copepoden,
zu denen wir uns jetzt wenden wollen, ertragen, während die meisten
übrigen Krebse diesem raschen Wechsel erliegen.
+Schmarotzende Ruderfüsser.+ _Siphonostomata_[120].
Es wurde schon früher erwähnt, dass auf Grund ihrer Entwickelung die
parasitisch lebenden Copepoden zu den Eucopepoden gehören, ursprünglich
ein freies Leben führen und eine cyclopsähnliche Form besitzen. Mit
der Änderung der Lebensweise, welche gewöhnlich schon früh mit der
Auffindung eines entsprechenden Wirtes beginnt, bleiben einzelne
Körperteile in der Entwickelung zurück oder bilden sich, wie namentlich
manche Gliedmassen, zu so seltsamen Formen um, dass die Identität
derselben mit denen des freilebenden Tieres nur schwierig festzustellen
ist. Manchmal geht die Segmentierung des Leibes verloren oder es
verkümmert der Hinterleib. Da die Beine zum Schwimmen bei vielen
Arten nicht mehr benutzt werden, fehlen sie manchmal ganz oder sind
nur in Andeutungen vorhanden. Die Mundteile werden der Lebensweise so
angepasst, dass der Besitzer sich saugend von den Körpersäften seines
Wirtes ernähren kann. Ein Teil derselben, wie auch die zweiten Antennen
bilden gewöhnlich Klammerorgane, welche den Schmarotzer auf dem Körper
des heimgesuchten Tieres befestigen.
Die ersten Antennen sind meistens noch vorhanden, aber gewöhnlich sehr
klein, in etlichen Fällen fehlt eine Gliederung. Dass die zweiten
Antennen in der Regel als Haftorgan funktionieren, wurde oben gesagt.
Die Ober- und Unterlippe ist langgezogen. Jede stellt eine Halbrinne
dar und beide bilden sich aneinanderlegend eine kurze Röhre, in welcher
das erste, zu feinen stilettförmigen Gebilden umgewandelte Kieferpaar
liegt. Das zweite Kieferpaar kann ganz verkümmert sein. Von der
merkwürdigen Umwandlung eines Kieferfusspaares zu einem Haftapparat
kann Figur 73 einen Begriff geben, welche ein Tier darstellt, bei dem
die Kieferfüsse beider Seiten, _K_, an den Enden verwachsen.
Wollte man alle die Umbildungen, welche der Körper der parasitischen
Copepoden erleidet, aufzählen, so müsste man jede Art für sich
beschreiben. Das Angeführte mag jedoch in Verbindung mit der Abbildung
genügen, um wenigstens eine Vorstellung zu geben von dem, was Anpassung
an parasitische Lebensweise heisst.
[Illustration: Fig. 73.
_Achtheres percarum_ von Nordmann. Weibchen von oben mit Eiersäckchen.
_K_ Kieferfüsse verwachsen -- _D_ Darm -- _E_ Eiersäckchen.]
Weit weniger auffallend, allerdings auch nicht so sehr bekannt, sind
die Veränderungen, welche die inneren Organe erleiden.
Das Nervensystem ist im allgemeinen noch so erhalten, wie wir es
früher kennen lernten, allein die Sinnesorgane sind sehr spärlich
vorhanden. Vor allem fehlt meistens das Auge ganz. Hand in Hand mit
der Verkümmerung der Antennen geht eine solche der daran befindlichen
Sinnesorgane und Borsten. Den meisten Schmarotzern scheint ein Herz
ganz abzugehen. Die Muskulatur entspricht der geringen Beweglichkeit
der Tiere und ist vor allem in den Haftapparaten gut ausgebildet. Am
besten kommen bei den Parasiten der Darm und die Geschlechtsorgane
weg, denn beide zusammen füllen den ganzen Körper beinahe allein aus.
Letztere schwellen zur Zeit der Reife und Befruchtung der Eier oft
ungeheuer an und bedingen die wunderbarsten Gestaltveränderungen.
Das ganze Tier scheint nur noch der Ernährung und Fortpflanzung zu
dienen und bildet so den direkten Gegensatz zu den immer nur wenige
Eier produzierenden pelagischen freilebenden Copepoden. Nicht selten
erreicht oder übertrifft der Inhalt der Eiersäckchen den Umfang des
Körpers an Grösse.
Während so die geschlechtsreifen Weibchen oft eine für einen Copepoden
ganz ansehnliche Grösse erreichen (bis 1.5 _cm_), bleiben bei manchen
Arten die Männchen zwergartig klein und wurden früher gar nicht
gefunden oder nicht richtig erkannt. Sie halten sich in diesem Falle am
Weibchen auf.
Die schmarotzenden Copepoden bilden, wenn man die im Meere vorkommenden
Formen berücksichtigt, etwa die Hälfte aller bekannten Arten. Ihre
Bedeutung im süssen Wasser ist eine geringe, da sie trotz der enormen
Vermehrung doch selten ihren Wirt (zumeist Fische) am Leben bedrohen.
Manche Arten der _Siphonostomata_ leben nur auf der Haut der von ihnen
bewohnten Fische von den schleimigen Absonderungen derselben, andere
saugen mittels ihres Rüssels das Blut der Wirte und nur wenige bohren
sich geradezu in das Fleisch derselben ein. Besonders häufig trifft
man Parasiten auf den Kiemen an, wo sie immer reichliche Nahrung, sei
es Blut oder Schleim, und zugleich Schutz vor dem Abgestreiftwerden
finden.
Nicht bei allen Arten schmarotzen beide Geschlechter gleichzeitig. Die
Männchen der auf den Kiemen unserer Fische so häufig anzutreffenden
Gattung _Ergasilus_ leben gewöhnlich frei und die Weibchen selbst
zeigen an ihrer Körperform noch viele Ähnlichkeit mit einem Cyclops.
Die ersten Fühler sind gegliedert, ein Auge ist noch vorhanden. Die
beiden Eiersäckchen sind sehr gross und langgestreckt. Die Mundteile
sind, obwohl zum Stechen eingerichtet, von keiner Saugröhre umgeben.
Von den Parasiten, welche bei massenhaftem Auftreten dem Fischzüchter
unter Umständen Schaden verursachen können, ist die Gattung
_Lernaeocera_ bemerkenswert. Auf unseren Fischen leben mehrere Arten
derselben, welche sich oft tief in das Fleisch einbohren, wie beim
Karpfen, oder hässliche Anschwellungen (am Unterkiefer des Hechtes)
verursachen. Bis zur Begattung leben Männchen wie Weibchen frei; nach
derselben sucht dieses einen passenden Wirt und nun beginnen sich am
Körper des Copepoden eine Reihe von Umänderungen zu vollziehen, nach
deren Abschluss das Tier viel eher einem Wurm, denn einem Krebs ähnlich
sieht. Vor allem geht die Segmentierung des Körpers beinahe ganz
verloren, der Hinterleib verkümmert, die Beinpaare, vier an der Zahl,
rücken weit auseinander und sind ausserordentlich klein. Die ersten
Kiefer sind von einer, wie oben beschrieben, gebildeten Röhre umgeben.
Ein recht häufiger Bewohner der Kiemen unseres wohlschmeckenden
Flussbarsches ist der in Fig. 73 abgebildete _Achtheres percarum_ von
Nordmann. Die grossen nach vorn gebogenen Kieferfüsse, welche an der
Spitze verwachsen sind, geben dem Tiere ein Aussehen, als wollte es die
Hände ringen, und machen es sehr leicht kenntlich.
Wir nehmen hiermit von den echten Ruderfüssern Abschied und wenden uns
zu der zweiten Gruppe der Copepoden, den Karpfenläusen.
Kiemenschwänze (Branchiura).
Schon bei den parasitischen Eucopepoden mussten wir unsere
Vorstellungen über Bau und Gliederung des normalen Copepoden-Körpers
in vielfacher Hinsicht ändern. Auch bei den ebenfalls der Hauptsache
nach parasitisch lebenden Karpfenläusen treffen wir Gestalten an,
welche nur nach genauer Untersuchung den Ruderfüsser verraten. Die
Organisation der wenigen hierher zu rechnenden Formen ist trotz
der Lebensweise eine sehr hohe und den Verhältnissen vorzüglich
angepasst. Der ganze Körper des bis 6 _mm_ langen Tieres ist nahezu
eirund und ganz plattgedrückt. Der verkümmerte Hinterleib ist noch
durch zwei kleine Läppchen (Schwanzflosse) angedeutet. Dem Umstand,
dass diese zumteil als Kiemen funktionieren, verdanken die Tiere den
Namen „Kiemenschwänze“. Die Mundteile sind zum Saugen eingerichtet.
Die Nahrungsaufnahme wird mittels eines Stachels und einer Röhre
vollzogen. Mit den beiden Kieferfusspaaren hält sich das Tier auf den
von ihm bewohnten Fischen fest. Das erste ist zu diesem Zwecke zu zwei
grossen runden Saugnäpfen umgestaltet, das zweite mit scharfen Klauen
zum Festhaken versehen. Die beiden Antennenpaare sind sehr klein und
unscheinbar. Da die Karpfenläuse, namentlich während der Begattung,
frei umherschwimmen, sind ihre vier Paare von Schwimmbeinen noch ganz
gut ausgebildet. Zum ersten Mal unter den Copepoden treffen wir bei den
Branchiuren zwei komplizierte, weit auseinanderstehende Augen an. Das
Nervensystem ist hochentwickelt. Das Herz entsendet gegen den Kopf zu
das Blut durch eine Aorta; von dem Vorkommen gesonderter Vorrichtungen
zum Atmen war schon die Rede. Auch am Darm zeigt sich eine höhere
Entwickelungsstufe daran, dass die Leberzellen in grossen verästelten
Schläuchen enthalten sind. Die Weibchen hegen keine solche Sorgfalt für
die sich entwickelnden Jungen, dass sie die Eier mit sich herumtragen
würden, sondern entleeren diese einfach in das Wasser oder heften sie
an Gegenständen an. Am häufigsten trifft man die gemeine Karpfenlaus,
_Argulus foliaceus_[121], an.
Die Karpfenläuse bewohnen nicht ausschliesslich, wie etwa der Name
vermuten lassen möchte, unsere Karpfenarten, sondern kommen beinahe
auf allen im süssen Wasser, einige sogar auf im Meere lebenden Fischen
vor. Mit ziemlicher Gewandtheit bewegen sie sich auf der schlüpfrigen,
schleimigen Haut der letzteren herum und sind trotz ihrer Grösse nicht
leicht wahrzunehmen, da ihre grünliche Farbe sehr gut mit der der
Fische übereinstimmt und ausserdem die platte Gestalt den eigenartigen
Krebsen gestattet, sich so anzuschmiegen, dass ihre Anwesenheit kaum
auffällt.
Schaden und Nutzen der Entomostraken.
Da es nun einmal im Wesen unserer realistischen Zeitströmung liegt,
dass ein Gegenstand erst dann unser volles Interesse erregt, wenn wir
erfahren, ob er dem Menschen nützt oder schadet, so mag, ehe wir zu
den übrigen Entomostraken-Familien übergehen, zum Schlusse noch die
Bedeutung der Copepoden und zugleich der sonstigen niederen Krebse für
die übrigen Bewohner des süssen Wassers und die Beziehungen jener zum
Menschen kurz angeführt werden.
Es ist aus dem früher Gesagten zu entnehmen, dass die Parasiten nach
ihrer Lebensweise weder den anderen Süsswassertieren noch dem Menschen
Nutzen gewähren können. Sie schädigen vielmehr die Fische an Gesundheit
und Leben und damit indirekt den Menschen. Dieser immerhin unbedeutende
Schaden wird aber in reichlichem Masse durch die freilebenden
Ruderfüsser und die Entomostraken überhaupt aufgewogen. +Diese sind es,
welche das ganze unendlich reiche Material der kleinsten Lebewesen,
sowohl Pflanzen wie Tiere, für die höhere Tierwelt aufschliessen und
nutzbar machen und zwar unter Darangabe ihres Lebens.+ Unschätzbare
Massen kostbarer Nährstoffe gingen, wenigstens für den Menschen,
verloren, wenn nicht die Entomostraken in unermüdlicher Thätigkeit alle
die kleinsten Urtiere und einzelligen Algen, welche dem Auge unsichtbar
am Boden der Gewässer oder in diesen selbst suspendiert sich vorfinden,
zu sammeln und in ihrem Körper aufzuspeichern vermöchten.
Es würde zuweit führen, wollte man alle die Tiere, welche ganz oder
teilweise von Entomostraken leben, hier anführen. Der Anwesenheit der
Copepoden vor allem verdanken wir die wohlschmeckenden Blaufelchen
und Saiblinge unserer grossen Seen. Diese und andere nicht weniger
schätzbare Fische leben so ausschliesslich von Entomostraken, dass
sie von der Tafel verschwinden müssten, sobald diese einmal nicht
mehr in genügender Weise sich vermehren würden. Jährlich werden an
verschiedenen Meeresküsten die schon erwähnten Scharen von Copepoden
beobachtet, welche auf weite Strecken hin das Meer rot färben und darum
als „Rotäsung“ (Maidre) bezeichnet werden. Von dieser Erscheinung hängt
der tausende von Menschen ernährende und beschäftigende Heringsfang
ab. Sardellen, Sardinen, Makrelen, ja selbst das riesigste aller
Säugetiere, der Walfisch, leben oft ausschliesslich von den kleinsten
Krebstieren. Die Walfischjäger wissen, dass stets die Jagd in der
Nähe der roten Copepoden-Wolken gute Ausbeute liefert. Es mag, um zu
den Süsswasser-Entomostraken zurückzukehren, noch eines Umstandes
gedacht werden, welcher allein schon genügte, die Unentbehrlichkeit der
niederen Krebse für die Fauna der Seen und indirekt für den Menschen
darzuthun.
Die jungen Fische nämlich, d. h. die sogenannte „Fischbrut“, findet
kaum eine passendere Nahrung in der ersten Zeit nach dem Verlassen
des Eies als Entomostraken. Ob der Fisch später, wie der Barsch und
der Hecht, reiner Räuber, oder, wie der Karpfen, fast ausschliesslich
Pflanzenfresser wird, bleibt sich gleich, in der ersten Jugend frisst
er nur Entomostraken. Wer in rationeller Weise Fischzucht betreiben
will, kann auf einem ganz einfachen Wege sich dieses billigste und
zugleich beste Futter für künstlich erbrütete Fische beschaffen:
indem er nämlich geeignete Teiche trockenlegt, den Grund düngt, wie
der Landmann sein Feld, und nun im Frühjahr zur Laichzeit der Fische
den Teich wieder bespannt, d. h. mit Wasser füllt. Er hat damit alle
Bedingungen erfüllt, welche in kurzer Zeit eine geradezu ungeheuerliche
Vermehrung der wenigen Entomostrakenkeime, welche im Schlamme sich
noch vorfanden oder von aussen zugebracht wurden, ermöglichen. Auf
die grossen Vorteile einer solchen naturgemässen Fütterung weiter
einzugehen, ist hier nicht der Ort. Betont mag jedoch werden, dass
die eben geschilderte Methode einen wesentlichen Faktor für die
gedeihliche Entwickelung unserer Fischereiverhältnisse darstellt.
Man kann geradezu behaupten, dass eine erfolgreiche Aufzucht junger
Fische, sei es in den Räumen einer Fischzuchtanstalt oder im freien
Naturleben, an das Vorkommen von Entomostraken geknüpft ist. In noch
viel ausgedehnterem Masse werden solche Methoden Anwendung finden, wenn
erst die Wissenschaft auf dem so wichtigen Gebiet der Krustaceenkunde
dem praktischen Leben durch ein genaues Studium der Formen und der
Lebensweise der Tiere vorgearbeitet hat. Von den vielen Lücken, welche
hier noch auszufüllen sind, haben wir im Vorstehenden einige wenige
angedeutet. „Gleichmässige Würdigung aller Teile des Naturstudiums ist
aber vorzüglich ein Bedürfnis der gegenwärtigen Zeit, wo der materielle
Reichtum und wachsende Wohlstand der Nationen in einer sorgfältigeren
Benutzung von Naturprodukten und Naturkräften gegründet ist“, sagt
Humboldt in der Einleitung zu seinem „Kosmos“ und heute mehr als je
darf in Rücksicht auf das eben Mitgeteilte diese Mahnung den Männern
der Wissenschaft ins Gedächtnis gerufen werden.
Blattfüsser (Phyllopoden).
Diese Gruppe verdankt den Namen, wie die vorhergehende, der
eigentümlichen Form und Funktion der Beine, deren einer Ast blattförmig
verbreitert ist und teilweise als eine Art Kieme der Atmung dient.
Die Blattfüsser sind fast ebenso häufig wie die Ruderfüsser und nicht
selten ebenso zahlreich in einem Wasser vertreten wie diese. Nur im
Winter treffen wir sie nicht immer an. Trotzdem dass durch Parasitismus
umgeänderte Arten fehlen, umfasst diese Ordnung der niederen Krebse
dennoch eine bedeutende Anzahl recht verschieden gestalteter Wesen. Für
die Beobachtung des lebenden Tieres stellen die meisten Arten wegen
ihres seitlich komprimierten Körpers ein noch viel anziehenderes Objekt
dar als die Angehörigen der zuerst behandelten Ordnung. Nach der Zahl
der Beine und einigen anderen Merkmalen trennt man die Blattfüsser in
zwei Abteilungen. Die einen mit vier bis sechs Beinpaaren bezeichnet
man als
Wasserflöhe oder Cladocera.
Der Körper dieser wegen der Art ihrer Bewegung „Wasserflöhe“, wegen
der verzweigten Fühler (Hörner) „Cladocera“ genannten Entomostraken
ist nicht in deutliche Segmente geteilt. Nicht einmal immer ist der
Kopf durch einen kleinen Einschnitt vom Rumpfe abgesetzt. Letzterer
ist oft von einer Schale umschlossen. In dieser Schale, deren Form
die äusseren Umrisse des hinteren Körperteiles bedingt, liegt der
Leib frei beweglich. Die beiden Hälften der Schale sind am Rücken mit
einander verwachsen, auf der Oberfläche häufig mit feinen Skulpturen
versehen und gewöhnlich so durchsichtig, dass man die inneren Organe
beobachten kann. Nicht immer ist der Leib ganz in der Schale verborgen,
sondern oft nur zu einem ganz geringen Teil davon überdeckt. In wenigen
Fällen fehlt jede Andeutung einer Schale. Am Kopfe stehen wie zwei
Hörnchen die hinteren zweiästigen Fühler empor, welche zum Schwimmen
dienen. Das erste Paar ist zu kurzen Stummeln rückgebildet, welche
als Sinnesorgan mit sehr feinen perzipierenden Apparaten ausgestattet
sind und beim Männchen zugleich als Greiforgan funktionieren. Von
Mundteilen besitzen die Wasserflöhe jederseits einen Ober- und einen
Unterkiefer. Die Beinpaare sind wie bei den Copepoden zweiästig. Der
äussere Ast ist blattförmig verbreitert und vertritt die Stelle von
Kiemen. Die Zahl der Beinpaare schwankt zwischen vier und sechs. Die
das Zentralnervensystem darstellende Ganglienkette hat, da die Knoten
sehr nahe zusammenrücken, nur eine geringe Länge. Auffallend gross und
schön ist das einen bedeutenden Teil des Kopfes ausfüllende Auge. Es
ist in einem beständigen Zittern begriffen und besteht eigentlich aus
zwei verwachsenen Teilen. Ohne besondere Mühe vermag man die daran
sich ansetzenden Muskeln und Nerven zu sehen. Die lichtbrechenden
Körper (Linsen) glänzen sehr schön und heben sich scharf vom Pigment
der inneren Teile des Auges ab. Bei den meisten Arten verläuft der
Darm gerade durch den Körper und nur in wenigen Fällen bildet er eine
Schlinge. Noch im Kopfteil entspringen an seiner Oberseite zwei gegen
die Augen vorspringende kurze Schläuche, in welchen die Leberzellen
untergebracht sind.
Das Herz, welches keiner Art fehlt, liegt hinter dem Kopf und Rumpf
trennenden Einschnitt und pulsiert ausserordentlich rasch. Die Richtung
des Blutstromes lässt sich sehr schön an den in der Flüssigkeit
schwimmenden Körperchen verfolgen. Das Herz selbst ist ähnlich
gebaut wie das schon beschriebene von Diaptomus. Hinter dem Herzen
befindet sich zwischen Leib und Schale ein Hohlraum, welcher bei den
Weibchen nicht selten mit grossen Eiern in verschiedenen Stadien der
Entwickelung erfüllt ist. Die Eier werden in einer unter und neben dem
Darm liegenden Drüse erzeugt. Ganz eigentümliche Vorgänge spielen sich
bei der Vermehrung der Tiere ab. Die Wasserflöhe erzeugen nämlich zwei
Arten von Eiern, welche in Form, Grösse, Farbe etc. verschieden sind.
Während der günstigeren Jahreszeit bilden die reifen Weibchen kleine
dünnhäutige Eier, welche sich sehr rasch entwickeln und aus denen nur
Weibchen hervorgehen. So kann selbst, wenn in dem Wasser Männchen
vorkommen, eine ungeschlechtliche Vermehrung längere Zeit hindurch
fortgesetzt werden, allein nur dann, wenn die Lebensbedingungen für
die Tiere recht günstige sind, d. h. wenn genügend Wasser, Nahrung
und Wärme zu Gebote stehen. Beginnt das Wasser in dem von Daphniden
bewohnten Tümpel zu verdunsten oder droht mit Eintritt der kälteren
Jahreszeit den Tieren Gefahr, so werden sogenannte Winter- oder
Dauereier gebildet, welche nur nach vorhergegangener Begattung zu
stande kommen. Diese zeichnen sich durch bedeutendere Grösse und
dickere Haut, vor allem aber dadurch aus, dass sie, um äusseren
Einflüssen besser Widerstand leisten zu können, mit einer recht derben
Hülle, in welcher meistens zwei Eier zugleich eingeschlossen sind,
umgeben werden. Diese Hülle, den sogenannten „Sattel“ (Ephippium),
erhalten die befruchteten Eier erst nach dem Eintritt in den Brutraum.
Den durch das Ephippium geschützten Eiern fällt die wichtige Aufgabe
zu, die Art vor dem Aussterben in austrocknenden Tümpeln zu bewahren
und eine recht ausgiebige Verbreitung zu bewirken. Diese erfolgt
namentlich in Seen, die von wandernden Wasservögeln besucht sind, darum
sehr leicht, weil die Ephippien an der Oberfläche des Wassers schwimmen
und unschwer an anderen Gegenständen haften. Da die Wintereier ebenso
gut der Wärme und Trockenheit als der Kälte widerstehen, können sie
leicht mit dem zu Staub zerfallenden Schlamm austrocknender Gewässer
durch den Wind verweht werden, wie der Blütenstaub der Pflanzen.
[Illustration: Fig. 74.
_Daphnia (Simocephalus) sima_ (Liévin). _a′_ Erste (verkümmerte)
Antenne -- _a″_ Zweite Antenne -- _Au_ Auge -- _B_ Äusserer Ast der
Beine -- _Hi_ Hirn -- _L_ Leberschlauch -- _D_ Darm -- _H_ Herz --
_Brtr._ Brutraum -- _SE_ Sommerei im Brutraum -- _Est._ Eierstock.]
Über die Befruchtungserscheinungen am Eie hat +Weismann+[122] eine
Reihe gründlicher Untersuchungen angestellt. Die Wasserflöhe verlassen
das Ei in einer Gestalt, welche der der erwachsenen Tiere schon sehr
ähnlich ist, machen also kein freilebendes Cyclopsstadium durch.
[Illustration: Fig. 75.
_Leptodora hyalina_ Lilljeborg. _A′_ Erste Antenne - _a″_ Zweite
Antenne -- _Au_ Auge -- _Hi_ Hirn -- _H_ Herz -- _S_ Schale -- _E_ Eier
-- _Est_ Eierstock -- _D_ Darm.]
[Illustration: Fig. 76.
_Bythotrephes longimanus_ Leydig. _a′_ Erste Antenne -- _a″_ Zweite
Antenne -- _Au_ Auge -- _Brtr_ Brutraum -- _E_ Ei -- _D_ Darm -- _Sch_
Schwanzstachel, nur zumteil gezeichnet.]
Von den vier Familien, in welche die Wasserflöhe eingeteilt werden
und welche von +Leydig+[123] eingehend in einer Monographie
behandelt wurden, ist die der Daphniden am zahlreichsten vertreten.
Oft färben Angehörige der Gattung _Daphnia_ (Fig. 74) frisch
entstandene Regenwassertümpel durch ihre Massen rot. Die seltsamsten
und interessantesten Formen umfasst die Familie der grossäugigen
Polyphemiden, von denen Fig. 75 und 76 zwei Arten darstellen, welche
in vielen unseren grossen Seen, gewöhnlich in der Tiefe, angetroffen
werden. Der von +Leydig+ zuerst im Magen von Blaufelchen entdeckte
_Bythotrephes longimanus_ zeichnet sich durch seinen geradezu
abenteuerlich langen Schwanzstachel, welcher sich zum Körper des Tieres
wie 10: 2 verhält, und die verlängerten Beine des ersten Paares aus.
Der Brutraum ist wie bei der wegen ihrer Durchsichtigkeit so benannten
_Leptodora hyalina_ nur klein. Letztere übt, durch ihre Farblosigkeit
begünstigt, ihrem Opfer unsichtbar sich nahend, ihr räuberisches
Handwerk gegen die übrigen Mitglieder der Entomostrakenfauna aus und
entgeht zugleich der Verfolgung ihrer Feinde. Die Leptodora wird etwa
einen Centimeter lang.
Viel grössere Tiere bilden die zweite Unterordnung der Blattfüsser,
die sogenannten Kiemenfüsser (Branchiopoden). Während bei den
Wasserflöhen höchstens sechs Beinpaare vorhanden sind, treffen wir
bei den Kiemenfüssern von 10-40 Paare an. Der Leib ist manchmal, wie
bei den Daphnien, von einer Schale umschlossen und meistens deutlich
gegliedert. Die Ruderantennen sind bei manchen Arten verkümmert.
Die Tiere vermehren sich oft durch viele Generationen hindurch
parthenogenetisch und lange Zeit hielt man einige Arten, da die nur
ganz selten auftretenden Männchen nicht beachtet worden waren, für
Zwitter. Gewöhnlich kommen die zwei grössten Kiemenfüsser gleichzeitig
in kleinen Wasseransammlungen, welche zeitweise vertrocknen, vor. Der
grösste, _Apus_, verzehrt häufig den kleineren, _Branchipus_, weshalb
man beim Fange dieser im südlichen Deutschland nur ganz selten, dann
aber in grossen Mengen vorkommenden Krebse darauf bedacht sein muss,
beide in besonderen Behältern aufzubewahren. In der Gefangenschaft
dauern die Branchiopoden leider nur kurze Zeit aus, bilden aber während
des Lebens durch die Seltsamkeit der Form und Bewegung, welche einem
gleichmässigen Kriechen ähnelt, sowie die teilweise prächtige Färbung
ganz anziehende Objekte für die Beobachtung. Die kleinen Eier sind bei
Apus rot, bei Branchipus schön himmelblau gefärbt und entwickeln sich
unter günstigen Umständen in dem Gefäss, in dem die Tiere gehalten
werden. Der Entwickelung muss, wie es scheint, eine vollkommene
Austrocknung und ein Durchfrieren vorangehen, denn jahrzehntelang
sucht man in einem Tümpel vergebens nach diesen schönen Krustern,
trotzdem dass sie schon einmal darin beobachtet wurden. Erst wenn
derselbe einmal längere Zeit trocken lag treten sie wieder darin auf.
Der Leib des 6-7 _cm_ lang werdenden Apus ist mit einer schildförmigen
Schale bedeckt, auf welcher in der Kopfgegend die Augen unbeweglich
sitzen. Am Ende des Hinterleibes stehen zwei lange Schwanzborsten. Die
vielen verbreiterten Beine mit den Kiemenanhängen sind in beständiger
Bewegung. Drei lange Fäden, welche rechts und links die Seiten des
Kopfes überragen, gehören dem ersten Beinpaare an.
Dem nur 1½ _cm_ langen schlanken Branchipus fehlt die Schale gänzlich.
Die zweiten Fühler des Männchens sind zu Greifhaken umgeformt. Die
Augen sitzen auf Stielen und können bewegt werden. Der Vorderleib
besteht aus elf Segmenten mit ebenso vielen Beinpaaren, der der
Gliedmassen entbehrende Hinterleib aus neun Segmenten. Eine mit
Branchipus verwandte Art, _Artemia_, lebt nur in sehr salzhaltigem
Wasser und wird, wenn sie allmählich in süsseres übergeführt wird, nach
einer Anzahl von Generationen dem Branchipus ähnlich.
Alle Branchiopoden kommen nur in Binnengewässern, nie im Meere vor. Die
das Ei verlassenden Jungen besitzen die Naupliusgestalt.
Sowohl nach der Zahl der Arten als der Individuen ist in der
Entomostrakenfauna am geringsten die Ordnung der
Muschelkrebse (Ostracoda).
[Illustration: Fig. 77.
_Cypris fasciata._ _a′_ u. _a″_ Antennen -- _Au_ Auge -- _Ab_ Abdomen
-- _L_ Leberschlauch -- _Est_ Eierstock -- _m_ Muskeln -- _M_ Mandibel
-- _Sch_ Schale.]
Schon früher wurde die Art der Bewegung dieser kleinen Krebse
geschildert und erwähnt, dass der Name von der eigentümlichen
muschelähnlichen Schale herrührt, in welche der ganze Körper des Tieres
eingehüllt ist. Die beiden Hälften der hie und da Kalk enthaltenden
Schale sind am Rücken durch eine elastische Haut verbunden, welche den
Schliessmuskeln entgegenwirkt und bei einer Ausdehnung der letzteren
ein Öffnen der Schale verursacht. Der Körper ist nur sehr schwer in
seinen Umrissen erkennbar und undeutlich gegliedert. Von Gliedmassen
treffen wir wieder zwei Paar Fühler an, deren hinteres beinförmig
ist. Es folgen dann nach rückwärts ein Paar Oberkiefer und zwei Paar
Unterkiefer. Da nur zwei eigentliche Beinpaare vorkommen, versieht
ausser den hinteren Fühlern beim Männchen der Taster des zweiten
Unterkieferpaares die Funktion eines solchen und zugleich eines
Greiforganes. Das Ende des Hinterleibes ist wie bei den Wasserflöhen
nach vorn geschlagen. Der verwischten Segmentierung des Körpers und
der zusammengedrängten Gestalt entspricht ein verkürztes Nervensystem.
Es ist nur ein aus zwei verschmolzenen Augen entstandenes Sehorgan
vorhanden, von anderen Sinnesorganen treffen wir wieder blasse
Anhängsel an den Antennen. Das Herz fehlt. Der Darm ist nicht so
einfach wie bei den beiden früher beschriebenen Ordnungen, sondern er
besteht aus mehreren in Form und Bau scharf von einander abgesetzten
Abteilungen. Die Eier werden in zwei langen, nach hinten dünner
werdenden Schläuchen erzeugt. Die Männchen, welche bei manchen Arten
sehr selten sind, besitzen sehr komplizierte Fortpflanzungsorgane.
Die meisten Arten der bei uns vorkommenden Muschelkrebse vermehren
sich vorwiegend auf parthenogenetischem Wege. Die Jungen sind beim
Verlassen des Eies schon von der Schale umgeben. Am häufigsten finden
wir in unseren Tümpeln und Seen die Gattung _Cypris_ (Fig. 77) an.
Die Lebensweise dieser kleinen, höchstens bis 3 _mm_ lang werdenden
Entomostraken gleicht sehr derjenigen der früheren Ordnungen. Munter
zappelnd schwimmen sie zwischen den Wasserpflanzen umher, immer nach
kurz andauernder Bewegung wieder einen Augenblick mit den Fühlern sich
an festen Gegenständen anheftend, um auszuruhen. Die Nahrung besteht in
pflanzlichen und tierischen Stoffen. -- Zum Schluss wenden wir uns zu
den
Höheren Krebsen oder Malakostraken.