1. Erkennen und Auffinden.

Fährt man an einem windstillen Tage auf einem unserer Seen oder Teiche

langsam am Rande des Schilfrohres hin, welches die Ufer oft auf lange

Strecken bis zu einer Wassertiefe von einem Meter und mehr einsäumt,

so gewahrt man an den Rohrstengeln nicht selten lebhaft grün gefärbte,

graue oder graubraune Massen. Sie sitzen fast immer nur an den

abgestorbenen Schilfstengeln, welche nach dem Rohrschnitt im Herbste

im Wasser stehen geblieben sind und sich noch Jahre lang an der Wurzel

aufrecht erhalten. Jene Massen am Rohr bieten ein verschiedenes Äussere

dar. Sie erscheinen entweder als dünne Überzüge oder als dickere

Krusten, oft sogar als dicke Klumpen, oder aber sie sind baumförmig

verzweigt und können in dieser Gestalt eine Länge von mehreren Metern

erreichen. Auch in unseren Flüssen, Kanälen und Flusshäfen sehen

wir sie, hier am Ufer an den Steinen, an lebenden Baumwurzeln, an

untergesunkenen Holzstücken, oder an den Wänden der Schleusen und

Mühlenzuflüsse, an Brückenpfählen oder an Mauern (selbst innerhalb der

Städte) wachsend. Aber wir brauchen sie nicht einmal in ihrem Elemente

mit den Augen zu suchen, wir finden sie auch, freilich meist zerrissen

und zerbröckelt, wenn wir an trüben, windigen Tagen im unklaren Wasser

mit einem Ketscher an Pflanzen, Steinen oder an ins Wasser geratenen

Gegenständen hinfahren. Selten findet man sie an Körpern angewachsen,

welche im Wasser flottieren. Ja, man hat sie sogar ohne irgend welches

sie tragende Substrat an der Wasseroberfläche schwimmend angetroffen;

in diesem Falle haben wir es aber sicher mit Stücken zu thun, die von

ihrer Unterlage losgerissen wurden.

Nehmen wir die auf die eine oder andere Weise erhaltene Masse in die

Hand und betrachten wir sie genauer. Es bietet sich uns eine mehr oder

weniger schleimige Substanz dar, die einen ganz eigentümlichen Geruch

besitzt. An der Oberfläche bemerken wir viele feine Spitzen, sehr

viele kleine Poren und eine geringe Anzahl grössere Löcher. Schon der

Unkundige erkennt an dieser Oberflächenbeschaffenheit eine Ähnlichkeit

mit dem Badeschwamm. Bemühen wir uns, ein unverletztes Stück

aufzufischen und möglichst schnell in ein Glas mit Wasser zu setzen!

Bald sehen wir, wie einige in das Wasser gestreute Karminkörnchen,

wenn sie in die Nähe der grösseren Löcher geraten, hier plötzlich weit

fortgetrieben werden.

Diese Massen, welche auf den ersten Blick so wenig Einladendes bieten

und die wohl viele von uns, ohne sie näher zu betrachten, schon

gesehen haben, sind +Schwämme+, und zwar im süssen Wasser die einzigen

Vertreter dieses in allen Meeren sehr verbreiteten Tierkreises. Um

so mehr haben diese Süsswasserschwämme oder Spongilliden schon seit

langer Zeit das Interesse der Naturforscher erweckt, und sie haben

infolgedessen ihre eigene Geschichte in der Wissenschaft. Man kann von

ihnen nicht sagen, wer sie entdeckt hat, da sie bei ihrem ungemein

verbreiteten Vorkommen und ihrer Häufigkeit wohl von jeher gekannt

waren. Es hat sehr lange gedauert -- eine Spanne von 140 Jahren --,

ehe man ihre wahre Natur erkannte, und diese konnte überhaupt erst

aufgedeckt werden durch das Studium des innern Baues, ein Verdienst,

welches sich +Robert Edmund Grant+ erwarb, als er im Jahre 1826 seine

Untersuchungen über die Organisation von „_Spongilla friabilis_“

bekannt gab (_Edinburgh Phil. Journal_, Vol. XIV, p. 270-284. 1826).

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 41 / 112 题