Sämtlich stark vergrössert.]

Nahe verwandt der Gattung Euglena ist die Gattung Colacium, jedoch

durch ihre Lebensweise von jener verschieden. Die Colacien setzen

sich nämlich auf kleinen Wassertieren fest, entwickeln einen

Gallertmantel und Gallertfuss, verlieren die Geissel und teilen sich.

Die Tochterzellen trennen sich jedoch nicht von einander, sondern

bleiben zu Kolonien vereinigt; sie sind eigentlich nur kolonienbildende

Euglenen.

Ebenfalls Kolonien bildend, aber von anderem Bau ist die Gattung

Anthophysa. Sie gehört zu der Gruppe der Heteromonadina, welche

sich durch die Entwickelung von einer Hauptgeissel und einer oder

zwei kürzeren Nebengeisseln auszeichnet. Bei der vorliegenden Art,

_Anthophysa vegetans_, ist nur +eine+ Nebengeissel vorhanden. Die

einzelnen Organismen sind klein, etwa ¹⁄₃₀ _mm_ lang, kegelförmig,

am Vorderende plötzlich abgestutzt und mit einem kurzen, spitzen

Anhängsel, nach unten zu in einen spitzen Stiel verschmälert.

Sie besitzen eine kontraktile Vakuole, einen Zellkern und eine

Mundöffnung zur Aufnahme fester Nahrung, ein Pigmentfleck fehlt,

ebenso Chromatophoren. Eine Anzahl dieser Einzelindividuen sitzen

kopfförmig auf einem Gallertstiel auf, welcher meist wiederholt

gabelig verzweigt ist und an jedem Ende ein derartiges Köpfchen trägt.

Diese Köpfchen können sich loslösen und umherschwärmen; sie zerfallen

dabei oft in die einzelnen Zellen, so dass schliesslich nur die reich

verzweigten Gallertstiele zurückbleiben. Diese sind in der Jugend

rein weiss und durchsichtig; im Alter färben sie sich durch Aufnahme

von Ocker gelb bis dunkelbraun. Der Organismus scheint namentlich in

eisenhaltigem Wasser häufig zu sein, wo er mit einer Alge, _Lyngbya

ochracea_ (Ockeralge), zusammen vorkommt. Die alten, stark mit Ocker

durchtränkten und inkrustierten Stiele der Flagellaten und die ebenso

aussehenden Fäden der Alge sind dann oft nur zu unterscheiden, wenn

man durch Salzsäure den Eisenbelag löst. Wo beide in grösserer Menge

vorkommen, kann man mit Sicherheit auf einen grösseren Eisengehalt des

Wassers schliessen. Die Einzelzellen der Anthophysa können übrigens

auch unter Umständen einen amöbenartigen Zustand annehmen; sie

verlieren dann Geissel und Form, senden Pseudopodien aus und kriechen

ganz wie jene umher. Eine Fortpflanzung ist bisher nur durch Teilung

der Zellen beobachtet worden (Fig. 35, 2a–b).

Zu derselben Hauptgruppe gehört auch die interessante Gattung

+Dinobryon+, welche in zwei Arten in unseren Süsswasseransammlungen

vorkommt. Die Dinobryen besitzen ebenfalls eine Haupt- und eine

Nebengeissel, einen Augenfleck, 1-2 kontraktile Vakuolen, einen

Zellkern und zwei schwach bläulichgrün gefärbte plattenförmige

Chromatophoren. Ihre Gestalt ist eiförmig, bald mehr länglich, bald

mehr rundlich, was sie aber noch ganz besonders auszeichnet, ist das

eigentümliche Gehäuse, welches jedes Einzeltier umgiebt. Dasselbe

besteht aus einer dünnen, farblosen Haut von becherförmiger Gestalt,

welches sich am Hinterende zuspitzt, am Vorderende aber abgestutzt und

geöffnet ist. Am Grunde dieser Gehäuse sitzen die Zellen und strecken

ihre Geisseln aus denselben hervor. Bei der Fortpflanzung teilt sich

die Zelle in zwei Tochterindividuen, von denen das eine am Grunde des

Gehäuses zurückbleibt, das andere sich an dessen Mündung ansiedelt und

ein neues Gehäuse entwickelt. So entstehen allmählich frei im Wasser

umherschwimmende, verzweigte Kolonien, welche aussehen, als ob eine

Anzahl Becher in einander geschoben wäre. Die Organismen können auch in

einen Ruhezustand eintreten; sie verlassen dann ihr Gehäuse, verlieren

die Geisseln, runden sich ab und umgeben sich mit einer dicken Membran.

Sehr ähnlich dieser Gattung ist das ebenfalls in unseren süssen Wässern

und oft in Menge vorkommende _Epipyxis utriculus_, dessen Individuen

sich jedoch nach ihrer Teilung von einander trennen und keine Kolonien

mehr bilden (Fig. 35, 3 a–b).

Ein Übergang der Flagellaten zu den Rhizopoden wird durch eine

Anzahl Formen vermittelt, welche man unter dem gemeinsamen Namen der

Rhizomastiginen zusammenfasst. Unter ihnen ist namentlich die mit

einigen Arten in unseren Gewässern vertretene Gattung Mastigamoeba von

Interesse. Sie kommt in zwei wesentlich von einander verschiedenen

Zuständen vor, als Flagellate und als Amöbe, welche in einander

übergehen können. Gewöhnlich tritt sie in der letztern Form auf, bildet

dabei mehrere bis zahlreiche (auch verzweigte) Pseudopodien, welche sie

bald einzieht, bald an anderen Stellen des eiförmigen Körpers wieder

hervorstreckt. In diesem Zustande kriecht sie an festen Gegenständen

umher und schwimmt nicht, obgleich sie auch als Amöbe eine Geissel

besitzt. Zuweilen ziehen jedoch die Individuen ihre amöbenartigen

Fortsätze ein, so dass nur die eiförmige Zelle selbst mit der Geissel

erscheint, mit vereinzelten Höckern oder Auswüchsen, welche die

Stelle der eingezogenen Pseudopodien andeuten. Jetzt kriechen sie

auch nicht mehr, sondern bewegen sich schwimmend wie Flagellaten

durch das Wasser. In der Nahrungsaufnahme liegt ebenfalls eine

Annäherung an die Rhizopoden: die Pseudopodien umfliessen nämlich,

ganz wie bei diesen, die verschiedenen als Nahrung dienenden Körper

und diese werden entweder mit den Pseudopodien eingezogen, oder der

Körper der Mastigamoeba fliesst selbst nach dem Gegenstande hin. Die

anderen hierher gehörigen Gattungen sind sehr ähnlich organisiert und

unterscheiden sich durch den Besitz von zwei Geisseln oder auch durch

das Fehlen derselben im Amöbenzustande (Fig. 35, 4 a–b).

Eine Gruppe der Flagellaten trägt den Namen der Heteromastigoda, weil

sie sich durch zwei verschieden gestaltete Geisseln auszeichnen. Beide

stehen am Vorderende des Körpers, aber nur eine und zwar die kleinere

ist auch nach vorn gerichtet, während die andere zurückgebogen ist

und bei der Bewegung nachgezogen wird. Es sind kleine farblose Wesen,

welche zuweilen amöbenartige Fortsätze entwickeln, aber ihre Nahrung

nicht durch Umfliessen der Gegenstände, sondern durch Aufnahme an

einer bestimmten Stelle, der Mundstelle des Körpers, die zuweilen zu

einem deutlichen Munde ausgebildet ist, zu sich nehmen. Hierher gehört

die Gattung Bodo, welche ovale oder längliche Formen enthält, deren

längere nach hinten gerichtete Geissel sehr häufig zur Anheftung an ein

Substrat dient. Bei dieser Gattung ist auch eine Vereinigung zweier

Individuen beobachtet, welche zur Bildung eines Ruhezustandes führt.

Aus dieser ruhenden Zelle gehen dann eine Anzahl neuer Individuen

hervor. Einige Arten dieser Gattung kommen im süssen Wasser vor,

eine (vielleicht aber auch mehrere) schmarotzen in anderen Tieren,

beispielsweise im Darm von Eidechsen. Die frei im Wasser lebenden Arten

ernähren sich meist auch parasitisch, indem sie andere Flagellaten oder

Algen anbohren, mit ihrem spitzen Vorderende eindringen und aussaugen.

So sind besonders Chlamydomonadinen, Volvocineen, Protococcaceen und

Palmellaceen den Angriffen des _Bodo caudatus_ ausgesetzt, und wo diese

Art in Kulturen einmal sich eingestellt hat, sind letztere auch in der

Regel verloren. Denn ihre natürlichen Feinde, grössere Infusorien,

ferner Cypris- und Cyclopsarten, welche in unserem Süsswasser der

Überhandnahme dieser parasitischen Flagellaten Einhalt thun, verzehren

auch die Algen, und da sie leichter zu entfernen sind als die

mikroskopischen Organismen und ebenfalls die Algen vernichten würden,

sucht man sie, wenn irgend möglich, sorgsam wegzufangen, und so bleibt

dann den kleinen Räubern freier Spielraum (Fig. 35, 5).

Noch mag darauf hingewiesen werden, dass es eine Anzahl sehr einfacher

Flagellatenformen giebt, welche eine entschiedene Verwandtschaft zu

den Bakterien zeigen. Es ist dies beispielsweise mit der Gattung Monas

der Fall, welche gewissen geisseltragenden Bakterien sehr ähnlich ist.

Ebenso kann die Gattung Oikomonas mit ihnen verglichen werden. Die

Flagellaten enthalten aber einen Zellkern und kontraktile Vakuolen,

welche den Bakterien entschieden abgehen. Manche grosse Formen, deren

Zugehörigkeit zu den Bakterien jedoch sehr fraglich ist, besitzen

nach +Bütschlis+ neuen Untersuchungen allerdings kleine Körperchen

im Zellinhalt, welche Zellkernreaktionen zeigen. So sind denn die

Flagellaten einerseits mit den Tieren, anderseits mit den Pflanzen nahe

verwandt und durch deutliche Übergänge verbunden; viele Formen zeigen

durchaus tierische Eigenschaften, viele mehr pflanzliche, und man

würde sie dem Pflanzenreich unbedingt einordnen müssen, wenn sie nicht

durch vollständige Formenreihen den echt tierischen Flagellaten weit

näher ständen, als den nächsten pflanzlichen Organismen. Noch heute

vertritt der eine Forscher die durchaus pflanzliche Natur gewisser

Organismen, während ein anderer sie unbedingt zu den Tieren stellt und

ein dritter beiden Wissenschaften, der Zoologie und der Botanik, die

Berechtigung zuerkennt, sie als Übergangsformen und Endglieder gewisser

Entwickelungsreihen in ihre Systeme aufzunehmen.

Mit dieser Schilderung verlassen wir das Gebiet der eigentlichen

Flagellaten und wollen uns noch Formen zuwenden, welche zu einer mit

diesen nahe verwandten Gruppe, den Dinoflagellaten, gehören. Auch sie

besitzen zwei Geisseln, welche wie bei den Heteromastigoden verschieden

ausgebildet sind, sie zeigen meist nur einen Zellkern im Innern und

ebenso wie gewisse Flagellaten Chromatophoren, aber, soweit bekannt,

keine kontraktilen Vakuolen. Von besonderer Wichtigkeit ist die

harte Schale, welche die Zelle umgiebt und, abgesehen von einigen

Übergangsformen, welche hier nicht berücksichtigt werden können, der

ganzen Gruppe ein einheitliches Gepräge verleiht. Diese Schalenhülle

zeigt ausser verschiedenartigen Grübchen oder Erhöhungen eine quer

verlaufende Furche, in welcher die eine der beiden Geisseln liegt und

durch sehr kurze wellige Bewegungen den Anschein erweckt, als ob in der

Furche eine Anzahl Wimpern in Thätigkeit wären, was man auch bis vor

kurzer Zeit thatsächlich geglaubt hat.

Wir wollen eine in unseren Seen nicht seltene Gattung +Ceratium+

mit vielen oft sehr schwer unterscheidbaren Formen auswählen, um an

ihr die Eigenschaften der Gruppe näher kennen zu lernen. _Ceratium

Hirundinella_ (Fig. 35, 6) zeigt einen mit verschiedenen, in Gestalt

und Ausbildung recht variierenden Fortsätzen versehenen Körper, welcher

eine Quer- und eine Längsfurche trägt. Die letztere ist bei der Gattung

überhaupt sehr entwickelt und fast ebenso breit wie lang, so dass

sie kaum noch den Namen einer Furche verdient. Im Gegensatz dazu ist

die Querfurche sehr schmal und läuft um den ganzen Körper herum. Auf

jeder Seite der Querfurche setzen eine Anzahl Täfelchen die harte

Zellhülle zusammen, von denen am Hinterende drei zu den erwähnten

Fortsätzen oder Hörnern auswachsen. Während aber am Hinterende jede

der drei Täfelchen ein eigenes Horn entwickeln, bilden drei Täfelchen

des Vorderendes gemeinsam ein meist sehr langes Horn, welches am obern

Ende eine Öffnung, die Apikalöffnung, trägt. Die Körperhülle, welche,

wie erwähnt, aus einer Anzahl kleiner Täfelchen zusammengesetzt ist,

zeigt ein poröses Aussehen und ist ausserdem mit kleinen Stacheln

besetzt. Im Innern der Zelle finden sich zahlreiche gelbbraune oder

bräunlichgrüne Chromatophoren, welche die Färbung des Organismus

bedingen. Ältere Schalen nehmen allerdings ebenfalls eine gelbe oder

bräunliche Färbung an. Die Fortpflanzung der Ceratien erfolgt auf

verschiedene Weise. Einmal ist es sicher, dass sich die Individuen auch

im beweglichen Zustande durch Zweiteilung vermehren, indem die feste

Hülle gesprengt wird und an dieser Stelle eine Einschnürung des Körpers

und schliesslich eine Loslösung der beiden Teile von einander erfolgt.

Wahrscheinlich entwickeln sich dann die fehlenden Zellhälften aus

den beiden Teilen in normaler Weise mit ihren Umhüllungen. Aber auch

in einem Ruhezustande, in welchen die Ceratien zeitweilig eintreten,

erfolgt eine Teilung, jedoch hier in mehrere Individuen. Ob eine

geschlechtliche Fortpflanzung vorkommt, lässt sich bis jetzt nicht mit

Sicherheit angeben, sie ist aber für einige Formen der Dinoflagellaten

wahrscheinlich. Die Bewegung der hierhergehörigen Formen ist derjenigen

der eigentlichen Flagellaten fast gleich. Die Ceratien nehmen keine

feste Nahrung auf und vermögen wohl mittels ihrer Chromatophoren

auch überhaupt aus anorganischen Verbindungen wenigstens teilweise

diejenigen Stoffe zu bereiten, welche sie zu dem Aufbau ihres Körpers

brauchen. Bei anderen Dinoflagellaten scheint aber die Aufnahme fester

Nahrung sicher vorzukommen. Da manche der Ceratien eine für Flagellaten

ziemlich ansehnliche Körpergrösse besitzen (bis ½ _mm_), so ist es wohl

möglich, sie unter Umständen mit blossem Auge zu erkennen, wenn man

das Ceratien haltende Wasser etwa in einer flachen Schicht auf einem

Porzellanteller vor sich hat.

Schliesslich mag noch darauf hingewiesen werden, dass eine Anzahl

mariner Dinoflagellaten zum Leuchten des Meeres beitragen, während

allerdings noch einige andere Organismen die Hauptrolle dabei spielen.

Dies ist der Fall bei der ebenfalls zu den Flagellaten im weitesten

Sinne gehörenden Gattung Noctiluca, welche mit noch einer andern

marinen Gattung zusammen die Abteilung der Cystoflagellaten ausmacht.

Auch einige Bakterienarten nehmen unter den mikroskopischen Organismen

teil an der Erzeugung des Meerleuchtens.

Litteratur.

Die drei wichtigsten Werke über Flagellaten sind:

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 37 / 112 题