Blatt der Venusfliegenfalle (_Dionaea muscipula_).]

Die +Blasenpflanze+ (_Aldrovandia vesiculosa_), deren eigentliche

Heimat die Gewässer des Südens von Südfrankreich und Italien bis

Indien und Australien sind, findet sich zerstreut in +Vorpommern+,

der +Mark Brandenburg+ und +Schlesien+, ferner in den Etschsümpfen

bei Bozen in Tirol und im Bodensee. Der submerse dünne Stengel

wird kaum 30 _cm_ lang und verästelt sich wenig; er ist dicht mit

wirtelständigen Blättern besetzt, deren Stiel gegen das Ende breiter

wird und in vier bis sechs steifen Vorsprüngen mit kurzen Borsten

endet. Die dazwischen befindliche Spreite selbst erscheint, wenn

sie geschlossen, blasenförmig. Abgesehen von den blasigen Blättern

erinnert die Aldrovandie im Habitus an das Ceratophyllum; die starren

Blattstacheln des letzteren sind wohl auch der Funktion nach den

spitzen Seitenfortsätzen am Grunde der Aldrovandiablasen gleich.

In einer anderen Hinsicht steht aber die letztere der prächtigen

+Venusfliegenfalle+ (_Dionaea muscipula_) sehr nahe, ja sie kann als

+eine kleine im Wasser wachsende Dionaea+ bezeichnet werden. Es ist

bekannt, dass diese hübsch blühende Sumpfpflanze Carolinas (Fig.

7), welche in unseren Gewächshäusern nicht selten zu finden ist,

auf breitem Blattstiel ein zweilappiges Blatt trägt, dessen Teile

klappenartig zusammenschlagen, wenn sich ein Tier auf die Blattfläche

setzt. Der Londoner Kaufmann +Ellis+, welcher die Dionaea benannte,

hatte bereits beobachtet, dass +auf jeder der beiden Blatthälften drei

starre Haare+ befindlich sind, und gemeint, dass beim Zusammenschlagen

des Blattes, dessen Randstacheln dann den Fingern der zum Gebet

gefaltenen Hände ähnlich ineinandergreifen, Fliegen nicht nur gefangen,

sondern durch die sechs messergleichen Spitzen durchbohrt würden, wie

einst die Verbrecher von der „eisernen Jungfrau“ in der Folterkammer zu

Nürnberg. Dies war ein Irrtum. Später fand man, dass die sechs Spitzen

die Tentakeln des Blattes sind, deren Berührung ein ausserordentlich

schnelles Schliessen des ganzen Blattes zur Folge hat, die aber selbst

dabei den Klingen eines Taschenmessers ähnlich sich zusammenlegen. +Das

Blatt der Dionaea selbst kann man zwicken, stechen, schütteln+, mit

Wasser übergiessen, +ohne dass es sich bewegt, stösst man aber einen

der sechs Tentakeln mit einem Strohhalm leise an, so schliesst sich

das Blatt im Nu+[13]. Wie bei uns Fliegen gefangen werden, so werden

in der Heimat an dem natürlichen Standort der Dionaea auch zahlreiche

grosse und kleine Käfer, Spinnen, Skolopender gefangen und -- verzehrt;

denn die Wissenschaft hat nunmehr unumstösslich festgestellt, dass

die Dionaea und ihre ganze Sippe der +Sonnentaugewächse+, nebst einer

Reihe anderer Familien „Fleischfresser“ sind, +Tiere fangen+, +durch

Ausscheidung einer unserem Magensaft ähnlichen Flüssigkeit verdauen+

und die +Verdauungsflüssigkeit als Nahrung aufsaugen+.

[Illustration: Fig. 8.

Blasenpflanze (_Aldrovandia vesiculosa_). _a_ Ganze Pflanze (nach

Schlechtendal-Schenk) -- _b_ Blattwirtel (vergr.) -- _c_ Offenes,

flachgedrücktes Blatt (_b_ und _c_ nach Cohn-Darwin).]

Bei den Landsonnentaugewächsen bewegen sich nur die Blattdrüsen,

während sich bei der Dionaea das ausserordentlich reizbare Blatt

selbst bewegt. Unsere +Aldrovandia+ (Fig. 8), die gleichfalls zu den

Sonnentaugewächsen zählt, verhält sich nun, wie +Stein+ 1873 entdeckte

und hernach +Cohn+ und andere festgestellt haben[14], ganz wie die

Dionaea. Das zweilappige Blatt, dessen Mittelrippe an der Spitze

mit einer kurzen Borste endigt, öffnet sich bei warmem Wetter etwas

weiter, bei uns gewöhnlich aber nur so viel als die beiden Klappen

einer lebenden Muschel. +Lange gegliederte Haare auf der Mittelrippe

und dem konkaven Teil der Blattlappen sind sensitiv wie die sechs

Dionaeahaare.+ Eine +Reizung+ derselben bewirkt ein +augenblickliches

Zusammenklappen+ des Blattes. Larven und andere Wassertiere, besonders

Krustentiere, werden nach den Untersuchungen von Cohn in grosser

Menge gefangen und verzehrt. +Neben den+ erwähnten in der Nähe der

Mittelrippe und auf dieser selbst befindlichen längeren +gegliederten

Tentakeln+ ist nämlich +das Blatt in dem+ der Mittelrippe zu gelegenen

+konkaven Teile+ (der eigentlichen Oberseite des Blattes) +mit

gestielten farblosen Drüsen+, die denen des Dionaeablattes gleichen

(aber einfacher als diese sind), dicht besetzt (vgl. die Figur). Die

Ähnlichkeit mit den entsprechenden genauer untersuchten Verhältnissen

bei der Fliegenfalle, wie auch Versuche mit Fleischaufguss und

verschiedene Beobachtungen machen es mehr als wahrscheinlich, dass

sie es sind, welche eine wahre verdauende Flüssigkeit absondern und

später die verdaute Substanz aufsaugen. Der +äussere+ und +breitere

Teil des Lappens am Aldrovandiablatte+ ist flach und sehr dünn

und wird nur aus zwei Zellschichten gebildet (der konkave Teil).

Seine Oberfläche (Innenfläche) trägt keine Drüsen, aber an ihrer

Stelle +kleine vierspaltige kreuzförmige Trichome+. Zwei der schräg

auseinanderlaufenden Arme derselben sind gegen die Peripherie gerichtet

und zwei gegen die Mittelrippe. Ein schmaler Rand des flachen äusseren

Teiles jedes Lappens ist einwärts gebogen, so dass, wenn die Lappen

geschlossen sind, die äusseren Oberflächen der eingefalteten Teile in

Berührung kommen. Der Rand trägt eine Reihe sehr zarter Spitzen, welche

aber nicht wie die peripherischen Spitzen bei Dionaea Verlängerungen

der Blattscheibe, sondern nur Hautgebilde sind. Sie, wie besonders die

+vierteiligen Trichome, dürften nach Darwin dazu dienen, faulende und

zerfallene+ tierische +Substanz aufzusaugen+, welche von der Konkavität

des Blattes abfliesst. Es würde, falls sich diese Ansicht bestätigt,

hier der merkwürdige Fall vorliegen, dass verschiedene Teile eines

und desselben Blattes sehr verschiedenen Zwecken dienen: der eine

zu wahrer Verdauung, ein anderer zur Aufsaugung der Fäulnisprodukte

der nicht verdauten tierischen Kadaver. Die Aussenseite des

Aldrovandiablattes ist mit sehr kleinen zweiarmigen Papillen besetzt,

die den achtstrahligen über Spreite und Blattstiel verbreiteten

Papillen von Dionaea und den Papillen auf dem Blatt des gemeinen

Sonnentaues analog sind. Für sie hat Darwin bei Drosera nachgewiesen,

dass sie nicht abzusondern, wohl aber zu absorbieren vermögen. Sie

könnten bei unserer Blasenpflanze die aus den Blasen ausgeflossenen

Zersetzungsprodukte, welche nicht verdaut wurden, noch aufnehmen.

Haben organische Körper den Reiz verursacht, so schliesst sich die der

klaffenden Austerschale vergleichbare Tierfalle der Aldrovandia nur auf

kürzere Zeit, 1–1½ Tage bei den Beobachtungen von Stein, während sie

bei organischen Körpern geschlossen bleiben bis dieselben verdaut sind.

Eine besondere Beachtung bei der +Venusfliegenfalle+, wie bei der

+Blasenpflanze+, verdient noch die +fast momentane Schliessbewegung

der Blattklappen+, die auch in der Tentakelbewegung einiger exotischen

Sonnentauarten beobachtet worden ist. Von zwei australischen

Sonnentauarten (_Drosera pallida_ und _Drosera sulfurea_) wie von einer

indischen (_D. lunata_) und mehreren afrikanischen Spezies (besonders

von _D. trinervis_) wird berichtet, dass sie ihre Blätter mit grosser

Rapidität über Insekten schliessen.

Bei unserer einheimischen _Drosera anglica Huds._ hat +v.

Klinggraeff+[15] sogar beobachtet, dass sich mehrere Blätter an dem

Fang grösserer Tiere zugleich beteiligen, eine Beobachtung, die ich

nach den Befunden an getrockneten Exemplaren einer australischen

Spezies (dieselbe wurde mir als _D. binata_ übersandt, weicht aber von

der von Darwin behandelten Spezies durch nur einfach gegabelte Blätter

ab) auch für diese glaube behaupten zu können. H. von Klinggraeff

schildert einen derartigen Fang eines Schmetterlings in folgender

Weise: ... „Nach kurzer Zeit bogen sich mehrere Tentakeln zusammen und

klemmten den das Blatt berührenden Aussenrand des Unterflügels ein,

hielten ihn so fest, dass bei dem heftigen Flattern derselbe einriss,

der Schmetterling sich aber nicht befreien konnte. Bei dem Flattern

wurde ein anderes Blatt mit dem Oberflügel berührt und, jedenfalls

dadurch gereizt, bog sich dasselbe langsam gegen den Schmetterling

hin, bis es den Körper desselben erreichte und umschlang. Während

dessen hatte auch das erste fangende Blatt sich um den Schmetterling

geschlungen, so dass dessen Bewegungen zuletzt ganz aufhören mussten.

Meistens sah ich Schmetterlinge, die nur von zwei Blättern umschlungen

waren, an einigen Exemplaren jedoch nahmen drei, auch vier Blätter an

der Umschlingung teil“. Die zahlreichsten Opfer waren immer _Papilio

Daplidice_, wie man sich auch an den vielen am Boden liegenden auf der

Unterseite grünlich marmorierten Flügeln überzeugen konnte, dann _P.

Rapae_; auch von einem muskelkräftigen Perlmutterfalter, _Argynnis

Latonia_, wurde ein Exemplar gefangen.

Diese +Bewegungen+ der ganzen Blätter wie auch der Tentakeln nach

der gereizten Stelle hin bei den Sonnentauarten sowohl, wie die

rapiden Bewegungen der Fliegenfalle und Aldrovandia, geschehen

+durch+ eine +eigentümliche Fortleitung des Reizes+ -- die nach

der hübschen Entdeckung Darwins unter dem Mikroskop durch die

+Zusammenballung+ („Aggregation“) des +roten Saftes von Zelle zu Zelle+

direkt +beobachtet werden kann+. Der Aggregation gehen indes, wie

+Burdon-Sanderson+, durch Darwin veranlasst (1874), aufgefunden hat,

+elektrische Ströme+ voraus. Das ungereizte Blatt ist oben positiv,

unten negativ elektrisch, bei der Reizung wird jedoch ein umgekehrter

Strom erzeugt. Bezüglich der sonst sehr komplizierten elektrischen

Erscheinungen, welche den Reiz des Dionaeablattes fortleiten und auch

bei den Sonnentauarten etc. eine wichtige Rolle spielen, sei hier

auf die bis in die neueste Zeit fortgesetzten Veröffentlichungen der

Resultate von Burdon-Sanderson[16] selbst verwiesen.

Die Bestäubung der Aldrovandia geschieht offenbar über Wasser durch

Insekten, doch ist Näheres über die Bestäubungsvermittler der

unscheinbaren, durch über das Wasser emporragenden Stiel getragenen

Blüten nicht bekannt geworden, zumal die Pflanze in Europa selten zu

blühen scheint. Die Früchte werden unter Wasser gereift. Den Bau des

Samens und die Keimung hat +S. Korschinsky+[17] neuerdings genauer

beschrieben. Der Keimling, welcher beim Auskeimen den besondern

Deckel der Samenhülle hervorstösst, hat noch ein rudimentäres

Würzelchen und rudimentäre Erstlingsblätter. Es deutet dies darauf

hin, dass +die später wurzellose Pflanze, welche in der Keimung noch

grosse Ähnlichkeit mit den Landformen der Sonnentaugewächse hat,

verhältnismässig spät ihr Wasserleben angefangen+ hat, während bei

der folgenden Gattung, dem +Wasserschlauch+, der Keimling durchaus

ungegliedert, ohne Wurzelanlage ist.

[Illustration: Fig. 9.

Wasserschlauch (_Utricularia_). _a_ _Utricularia intermedia_ -- _b_

Blatt (vergr.) -- _c_ Blattzweig von _U. vulgaris_ -- _d_ Blase davon

(vergr.) -- _e_ Aufgeschnittene Blase (stärker vergr.) -- _f_ Kleines

Stück der Innenseite der Blase von _U. neglecta_ mit den vierteiligen

Fortsätzen (s. Text) (_a_ nach v. Schlechtendal, _d_ und _f_ nach

Darwin).]

Die weitverbreiteten, in unseren Gewässern häufigen Arten des

+Wasserschlauchs+ (_Utricularia_), welche (mit einer fleischfressenden

Landpflanze, dem +Fettkraut+, _Pinguicula_) der Familie der

Lentibulariaceen angehören, haben in biologischer Hinsicht viel mit

der Aldrovandia gemein. Die häufigste der sechs bekannten deutschen

Arten ist der gemeine Wasserschlauch (_Utricularia vulgaris_). Bei

ihr tragen die langen, zarten, verzweigten Stengel, welche wurzellos

vom untern Ende aus absterben, haarförmig zerschlitzte Blätter in

wechselständiger, mehr oder minder zweizeiliger Anordnung. Das Blatt

des gemeinen Wasserschlauchs (Fig. 9) teilt sich in zwei grössere

mittlere und zwei kleinere seitliche Abschnitte, von denen jeder sich

mehrfach fiederteilig oder gabelspaltig in feine cylindrische Zipfel

auflöst. An letzteren treten die bekannten Blasen auf, welche von

älteren Autoren als Schwimmblasen gedeutet wurden, jedoch lediglich dem

Fang und der Verdauung kleiner Wassertiere dienen. Cohn[18] hat 1875

zuerst eine Darstellung der merkwürdigen Art und Weise gegeben, auf

welche die _Utricularia_ kleine Wassertiere zu fangen vermag, Darwin

hat sodann diese Beobachtungen bestätigt und erweitert. Seitdem haben

sich viele Forscher mit den Wasserschlaucharten in morphologischer

und biologischer Hinsicht beschäftigt, zuletzt am erfolgreichsten M.

Büsgen[19].

Die +Blasen+ (_Utricula_) haben die Grösse kleiner Pfefferkörner,

sind inwendig hohl mit einer Öffnung an der Seite, die durch eine

von oben herabhängende Klappe verschlossen ist; vor der Öffnung

befinden sich schleimige Härchen, von denen bereits Cohn vermutet,

dass sie den Köder für die Wasserinsekten enthalten. Zwei borstliche

Anhängsel an der Stirn geben dem ganzen Gebilde eine merkwürdige

_Ähnlichkeit mit einem Wasserfloh_ (_Daphnia pulex_), wie die +Blasen

der Aldrovandia+ grosse +Ähnlichkeit mit Muschelkrebschen+ etc.

haben. Cohn sagt: „+Scharenweise gehen die kleinen Wasserkrebse der

gefährlichen Lockung nach+, heben dabei unversehens die einwärts

leicht sich zurückschlagende Klappe; sobald sie aber ins Innere der

Blase geraten, verschliesst die Klappe, die nach aussen sich nicht

öffnen lässt, ihnen den Rückweg. Hierdurch lassen sich jedoch andere

nicht abhalten, bald darauf dem gleichen Schicksal zu verfallen, und

ich habe 1874, wo ich zuerst diese Beobachtung machte, in einzelnen

Blasen eine ganze Menagerie von kleinen Wasserkrebsen, Mückenlarven

und anderen Wassertierchen eingeschlossen gefunden, die vergeblich den

Ausweg aus ihrem grünen Kerker suchten; sie alle waren nach wenigen

Tagen dem Tode rettungslos verfallen; später findet man nur ihre

leeren Schalen, die Weichteile sind völlig aufgezehrt“. Cohn fand

ausser zahlreichen Krebschen (Daphnia, Cypris, Cyclops etc.) noch

Naïs elinguis, Planaria u. a. Würmer, Blattläuse von Wasserpflanzen

(Stratiotes), Rädertierchen, Infusorien und Wurzelfüsser gefangen.

Büsgen teilt mit, dass bei seinen Untersuchungen eine mässig grosse

Pflanze während eines anderthalbstündigen Aufenthaltes in Wasser, in

welchem sich viele Wasserflöhe (Daphnia) befanden, in einer einzigen

Blase zwölf Daphniden einfing. Eine andere Pflanze trug an jedem Blatte

durchschnittlich sechs Blasen. Nur ganz vereinzelte derselben waren

leer. Die meisten waren dicht erfüllt mit Exemplaren von Chydorus

sphaericus. Im ganzen hatte +die kleine+, etwa 15 _cm_ lange +Pflanze+

mit ihren fünfzehn entwickelten Blättern +etwa 270 ziemlich grosse

Krebschen zu sich genommen+. Dass der Wasserschlauch sogar +Fischbrut+

fängt und in Fischteichen nicht unbedenklich zu dulden ist, berichtet

H. N. Mosely[20]. Als ein Bekannter von ihm eine Pflanze in ein

Glasgefäss brachte, in welchem sich zahlreiche junge Rochen befanden,

die vor kurzem ausgebrütet waren, fand er, dass viele derselben in den

Öffnungen der Blasenfallen gefangen wurden und daselbst verendeten.

Mosely brachte nun selbst ein frisches Exemplar des Wasserschlauches

in ein Gefäss mit frischen jungen Fischen und Laich und fand nach

etwa sechs Stunden mehr als ein Dutzend Fische in Gefangenschaft.

Die meisten waren am Kopf gefasst, der bis zur Hinterwand in die

Blase hineingedrungen war, bei anderen war ein grosser Teil des

Schwanzes verschluckt. Drei oder vier Beispiele wurden beobachtet, in

denen ein Fisch mit seinem Kopfe von einer Blasenfalle und mit dem

Schwanze von einer benachbarten verschluckt war, ein Fall, der mit

dem von Klinggraeff[15] bei dem +britischen Sonnentau+ (_Drosera

anglica_) beschriebenen analog ist und die Frage nahelegt, ob die

verzweigten Stirnborsten, die „Antennen“, nach deren Aufrichten (bei

jungen Blasen sind sie über den Eingang nach unten gekrümmt) erst

„die Falle gestellt ist“, nicht doch auch eine Reizbarkeit besitzen.

Mosely fand beim Durchschneiden der fischgefüllten Blasen die Gewebe

des Fisches in einer mehr oder weniger schleimigen Verflüssigung,

wohl infolge seiner Zersetzung, +die vierfiedrigen Fortsätze der

Blasendrüsen+ reichten in die schleimige, halbflüssige, tierische

Substanz hinein und schienen sehr viel körnige Substanz zu enthalten,

jedenfalls das Ergebnis einer Resorption. Ch. Darwin kam bereits

im Anfang seiner Utricularia-Studien (1874) zu dem Resultat, dass

die +Utricularia ein Aasfresser+ und +nicht Fleischfresser+ ist; so

schreibt er[21] am 7. Juli 1874 an J. Hooker: ... „Die Blasen fangen

eine Menge Entomostraceen und Insektenlarven. Der Mechanismus zum

Fangen ist ausgezeichnet. Es findet sich aber vieles, was wir nicht

verstehen können. Nach dem, was ich heute gesehen habe, vermute ich

stark, dass sie +nekrophag+ ist, d. h. dass sie +nicht verdauen kann,

sondern zerfallende Substanz absorbiert+“, und am 18. Sept. 1874 an

Lady Dorothy Nevill: „... Denn Utricularia ist ein Aasfresser und

nicht streng genommen fleischfressend wie Drosera“. Auch später kommt

Darwin[14] zu dem Resultat, dass die Blasen +eine Verdauungsflüssigkeit

nicht ausscheiden, wohl aber Zersetzungsprodukte+ wie auch fauliges

Wasser und Ammoniaksalze +absorbieren+ und zwar +mittels der

vierarmigen Haare+, die allein dem Blaseninnern eigen sind und den

gleichgestalteten Haaren der Aldrovandia entsprechen dürften, wie die

echten fleischverdauenden Trichome des Fettkrautes (_Pinguicula_)

nur den farblosen Digestionsdrüsen der Konkavität der Aldrovandia

entsprechen. „Wir können auch hiernach verstehen“, sagt Darwin bei

Aldrovandia, „wie eine Pflanze durch den allmählichen Verlust einer

der beiden Fähigkeiten (Fleischverdauung und Aasverdauung) nach und

nach der einen Thätigkeit angepasst werden kann, mit Ausschluss der

andern; und es wird später gezeigt werden, dass zwei Gattungen,

nämlich Pinguicula und Utricularia, die zu derselben Familie gehören,

diesen zwei verschiedenen Funktionen angepasst worden sind.“ Büsgen

schildert auf Grund seiner neueren Untersuchungen den Fang bei dem

Wasserschlauch folgendermassen: „Die Antennen und sonstigen von der

Blase nach verschiedenen Seiten ausstrahlenden drüsenlosen langen

Haare bilden eine Art von Leitstangen, auf welchen man sehr oft kleine

Cypridinen nach der Blasenmündung hin wandern sieht. Dort angelangt,

treffen sie die den Eingang umstehenden Köpfchenhaare, welche aus

einer mehr oder minder langen Stielzelle, einer kurzen, besonders

dickwandigen Halszelle und endlich einer etwas dickeren, länglichen

oder runden Kopfzelle zusammengesetzt sind. In der letzteren bestehen

die inneren Schichten der Membran aus einer glänzenden Masse, die

sich mit Jod und Schwefelsäure blau färbt und mit Kalilauge stark

aufquillt, wobei das Protoplasma von der Spitze des Haares her nach

der Basis der Kopfzelle stark zusammengedrückt wird. Stellenweise

findet man die äusserste Membranschicht durch die beschriebene Masse

blasig aufgetrieben. Schon früh erscheint die ganze Kopfzelle von einem

Schleim umgeben, der in reinem Wasser nur sehr schwer sichtbar ist,

mit Methylviolett aber leicht nachgewiesen werden kann, da er sich

mit diesem Reagens hellviolett färbt. Manchmal findet man neben dem

Schleim am Grunde der Kopfzelle eine häutige, faltige Manschette. Aus

dieser und den vorerwähnten Beobachtungen ist zu schliessen, dass der

Schleim einer innern Membranschicht entstammt, die zu einer bestimmten

Zeit aufquillt und die Cuticula sprengt; eigentümlicherweise besitzen

aber auch die mit Schleim und Manschette versehenen Kopfzellen unter

einer festen Membranschicht jene glänzende, quellungsfähige Substanz

und anscheinend auch eine Cuticula. Es müssen diese Bildungen, wenn

obiger Schluss über die Entstehung des Schleimes richtig ist, sehr

rasch regeneriert werden, was übrigens auch sehr im Interesse der

Pflanze liegt, da der letztere als Köder dient“. -- Dass es der Schleim

ist, welchem die Kruster nachgehen, schliesst Büsgen daraus, dass sich

dieselben sehr bald an ins Wasser geworfenen Samen mit verschleimender

Aussenschicht ansammeln. Bei dem Besuch der Knöpfchenhaare öffnet sich

die Klappe meist ganz plötzlich mit weitem Spalt, um den vorwitzigen

Gast verschwinden zu lassen und vom nächsten Augenblick wieder dieselbe

Lage anzunehmen. Dieses Öffnen lässt sich jedoch ohne die Annahme

von Reizerscheinungen aus den Elastizitätsverhältnissen der Klappe

erklären. Die Tiere scheinen in ihrer Falle einen Erstickungstod zu

erleiden; wenigstens sah Büsgen noch nach 24 Stunden, Cohn noch nach 6

Tagen die gefangenen Tiere im Innern umherschwimmen. +Die in den Blasen

sich findenden+ symbiotischen Fäulnis-+Bakterien dürften+ sodann +bei

dem Wasserschlauch die Sekretion der Verdauungsflüssigkeit+ der echten

carnivoren Pflanzen +ersetzen+.

Auch für die Blatthöhlungen der Blätter unserer +Schuppenwurz+

(_Lathraea squamaria_) und der +Alpenbartsie+ glaubt Scherffel (Mitt.

d. bot. Inst. zu Graz, Heft II) gezeigt zu haben, dass die von Kerner

und von Wettstein[22] beschriebenen rhizopodoiden, die Drüsenzellwand

durchbrechenden Protoplasmafortsätze, die Jost für Wachsausscheidungen

hielt, aus Bakterien bestehen, so dass diese Pflanzen gleichfalls

Aaspflanzen wären. Büsgen hat bei den Kopfhaaren des Wasserschlauchs

diese rhizopodoiden Fortsätze gleichfalls gefunden und ist geneigt, sie

als aus Bakterien bestehend zu betrachten. Ob es sich aber hier wie bei

der Schuppenwurz und in den Blattbechern der +Weberkarde+ nicht doch

um Elemente des Protoplasmas, nämlich die nach den Untersuchungen von

Fayod[23] jedem Protoplasma eigenen, sich auch durch die Scheidewände

der Zellen erstreckenden Elemente handelt, die er Spirifibrillen und

Spirosparten nennt, bedarf jedenfalls noch der Untersuchung.

[Illustration: Fig. 10.

_A_ Schlauchtragendes Blatt von _Genlisea_, etwa dreimal vergr. _l_

Oberer Teil der Blattspreite -- _b_ Schlauch -- _n_ Hals -- _o_ Mündung

desselben -- _a_ Schraubig gewundene Arme (Enden abgebrochen). _B_

Teil der Innenfläche des in den Schlauch führenden Halses, stark

vergrössert, die Reussenhaare und Digestionsdrüsen zeigend. (Nach

Darwin.)]

+Den Beweis, dass unsere Wasserschlaucharten thatsächlich von dem

Krebsfange =leben=, hat Büsgen+ endgültig +durch vergleichende

Kulturversuche an gefütterten und nicht gefütterten Pflanzen erbracht+,

wie er für die echten Fleischfresser schon früher von Reess, Kellermann

etc. erbracht wurde. Der Zuwachs der gefütterten Pflanzen war etwa

der doppelte von dem der nicht gefütterten u. s. f. -- Im tropischen

Amerika und Asien leben auch Wasserschlaucharten auf dem Lande oder

auf dem Moos der Bäume, aber auch hier von den Tieren ihres Wohnorts.

_Utricularia nelumbifolia_ kommt in Brasilien auf den hochgelegenen

Felsen der Orgelberge vor, aber sie wird hier nur in dem Wasser

gefunden, welches sich auf dem Grunde der Blätter einer grossen

+Tillandsia+ ansammelt, sie gelangt ausser durch Samen durch Ausläufer

von einem Tillandsiabecken ins andere. Ihre Blasen fangen in gleicher

Weise Wassertiere, wie die unserer Wasserschlaucharten. Darwin fand

bei neun Utriculariaarten, die er untersuchte, allenthalben die

Blasen mit Tieren und Tierresten erfüllt. Von verwandten Gattungen sei

hier noch die merkwürdige _Genlisea ornata_ (Fig. 10) aus Brasilien

erwähnt, bei welcher das schlauchtragende Blatt die Beute nicht mittels

einer elastischen Klappe, sondern durch eine einer Aalfalle ähnliche,

wenngleich kompliziertere Vorrichtung fängt. Die schmale Blattscheibe

trägt nämlich am Ende eine Blase, die sich in eine etwa fünfzehnmal so

lange Röhre fortsetzt. Seitlich der Mündung der letztern entspringt

auf jeder Seite ein aus einem spiralig gerollten, linealen Blattzipfel

gebildeter Cylinder. Diese Seitenröhren wie die Hauptröhre sind

mit langen, nach abwärts gerichteten Borsten (Reussen) und mit den

vierzelligen Drüsen der Utricularia bekleidet. In Seitenhälsen und im

Hauptrohre fanden sich Überreste von Würmern und Gliedertieren.

Unsere Wasserschlaucharten sind +ausgeprägte Insektenblütler+, die ihre

+Blütentrauben mit gelben, auffälligen Blüten auf langem Stiel über

Wasser+ senden. Die Blumenkrone, deren Bau und Entwickelung zuerst

Buchenau[24] genauer untersucht und deren Bestäubungseinrichtung

Hildebrand[25] erläutert hat, birgt in einem Sporn den Honig zur

Anlockung der Insekten. Ein Insekt muss, wenn es zur Gewinnung des

Honigs seinen Rüssel unter die Oberlippe steckt, zuerst mit seiner

Oberseite einen die Staubgefässe überragenden, mit der papillösen Seite

nach unten umgebogenen Narbenlappen berühren, so dass dieser, wenn

das Insekt schon vorher eine Blüte besucht hat, mit Pollen derselben

behaftet wird, sodann die Staubgefässe, die es von neuem mit Pollen

behaften. +Der Pollenlappen ist+, ähnlich der in der Blüte der an

Flüssen und Bächen Deutschlands jetzt weit verbreiteten amerikanischen

Gauklerblume (_Mimulus luteus_) und weniger anderen Blumen, +reizbar,

sodass er bei der Berührung sofort nach oben umklappt+ und so eine

Übertragung des Blütenstaubes derselben Blüte auf die Narbe beim

Rückzug des Insektes unmöglich macht.[26] Die ausgeprägte Honigblume

wird vermutlich durch Hymenopteren und Schmetterlinge bestäubt, doch

ist hier wie bei den meisten Insektenblumen unserer Gewässer über

die Bestäubungsvermittler näheres nicht bekannt. -- Die Früchte

der Utricularien werden nicht, wie dies bei den meisten echten

Wasserpflanzen der Fall ist, unter Wasser gereift, sondern, wie auch

bei der Wasserfeder (_Hottonia_) und Lobelie (_Lobelia Dortmanni_),

über Wasser. Die vielsamigen Kapseln streuen ihren Samen ins Wasser

aus, wo er an der Oberfläche weit verbreitet und von wo er durch

Wassertiere auch von Gewässer zu Gewässer übertragen wird.

Eine +Verbreitung+ der vegetativen Organe durch die Larven der

Köcherfliegen (Phryganiden) hat Gilbert[27] beobachtet. Nach ihm

werden die Winterknospen des mittlern Wasserschlauchs (_Utricularia

intermedia_) von diesen Insekten zum Larvenköcher verwendet, wodurch

sie an andere Stellen gelangen, an denen sie zu weiterer Entwickelung

kommen können.

+Gegen Tierfrass+ besitzen die Wasserschlaucharten spitze Stacheln und

chemische Schutzmittel. Mit Alkohol oder heissem Wasser ausgelaugte

Pflanzenstücke wurden von kleinen Krustern bei einem Versuch Büsgens

bald gefressen, während frische Pflanzenteile gänzlich verschont

blieben. Der schützende Stoff schien Gerbstoff in einer schwachen

Lösung zu sein, da bei Behandlung mit doppeltchromsaurem Kali

eine nicht auswaschbare Färbung des Zellinhaltes auftrat. Nur die

Stachelhaare färbten sich intensiv braun.

Wie die Wasserschlaucharten hinsichtlich der Blüteneinrichtung eine

grosse Übereinstimmung mit ihren Verwandten auf dem Lande (dem

gleichfalls tierfangenden, aber fleischverdauenden, nicht aasfressenden

Fettkraut, _Pinguicula_) haben, so stimmt auch eine weitere submerse

Wasserpflanze, die +Wasser- oder Sumpffeder+ (_Hottonia palustris_),

welche aber zur Familie der Primulaceen gehört (Fig. 11 S. 92) mit

unseren +Schlüsselblumenarten+ in Bezug auf die Fortpflanzungsorgane

völlig überein, während sie im übrigen ganz die abweichenden

Vegetationsorgane der bisher betrachteten Wasserpflanzen hat. Es giebt

+kaum einen grelleren Gegensatz zwischen Land- und Wasserpflanze als es

gerade der zwischen der Schlüsselblume+ (und anderen Primulaceen) +und

der Wasserfeder ist+ -- dort grosse, einfache, ganze Blätter, die dicht

dem Wurzelstock entspringen, hier die feingeteilten Wasserblätter des

Hornblattes, der Tausendblätter (_Myriophyllum_) etc., an wurzellosem,

nur anfänglich im Schlamm steckenden Stengel.

[Illustration: Fig. 11.

Heterostylie der Wasserfeder (_Hottonia palustris_). _a_ Langgrifflige

Blüte -- _b_ Narbenpapillen derselben -- _c_ Kurzgrifflige Blüte -- _d_

Narbenpapillen bei gleicher Vergrösserung wie in _b_. (Nach H. Müller.)]

Zur Blühzeit steigt die Pflanze zur Oberfläche auf und streckt ihren

terminalen Blütenstand über das Wasser empor. +Die Sumpffeder ist,

wie unsere Schlüsselblumen, ausgeprägt heterostyl-dimorph, d. h. es

kommen zweierlei, wie männliche und weibliche Stöcke zusammengehörige

Sorten von Stöcken vor, deren eine lauter langgrifflige Blüten mit

tiefstehenden Staubgefässen trägt, während in den Blüten der andern die

Griffel kurz, tief in der Blütenröhre versteckt sind, die Staubgefässe

aber weit aus derselben hervorragen.+ Die Verschiedenheit zwischen den

beiden Formen hat bereits die Aufmerksamkeit des Vaters der heutigen

Blütenbiologie, Christian Konrad Sprengel, im Jahre 1793 erregt,

welcher sagt, dass er die Existenz der zwei Formen nicht für zufällig

halte, obschon er ihren Zweck nicht erklären könne. Bekanntlich

hat Darwin[28] die Bedeutung dieser Zwiegestaltigkeit bei Primeln

erkannt und durch Versuche festgestellt, dass erfolgreich allein die

Bestäubung der langen Griffel durch die Pollen der grossen Staubgefässe

der andern Form und die der kurzgriffligen Narben der letztern durch

die Staubkörner aus den Staubgefässen der erstern wirkt, dass mit

anderen Worten +die Bestäubung zwischen den Organen gleicher Höhe+

einzutreten hat, +wenn sie vollen Erfolg haben soll+. Andere als diese

„legitimen“ Bestäubungsweisen (also „illegitime“) haben bei vielen

heterostylen Pflanzen überhaupt keinen, bei anderen Arten nur einen

schwachen Erfolg. Nach der Entdeckung der heterostylen Pflanzen, zu

denen zahlreiche Arten, von Wasserpflanzen noch Arten der Gattungen

+Villarsia+, +Menyanthes+ -- unser dreiblättriger Fieberklee -- und

+Polygonum+, gehören, hat man noch die verwandten Gruppen der tristylen

oder lang-, kurz- und mittelgriffligen Pflanzen und die rechts- und

linksgriffligen entdeckt. Zu den ersteren gehört der an den Ufern

unserer Gewässer wachsende Färbeweiderich (_Lythrum Salicaria_) nebst

vielen ausländischen Sauerkleearten etc. Die Staubgefässe bilden in

derselben Blüte zwei Höhensätze, in Bezug auf welche bei den dreierlei

Stöcken der Griffel lang, kurz oder mittellang ist. Bei den rechts-

und linksgriffligen Pflanzen (Verwandte unserer Kartoffel, wie Solanum

rostratum, gehören dazu) sind zweierlei Stöcke da, in deren Blüten der

Griffel entweder links oder rechts von dem Staubgefässbüschel steht und

nach entgegengesetzter Seite gebogen aus der Blüte hervorsieht. Auch

hier gilt das Gesetz der legitimen Bestäubung, d. h. des erfolgreichen

Zusammenwirkens der Organe gleicher Lage. Dieses Zusammenwirken wird

ja unter gewöhnlichen Umständen das natürliche sein, wenn gewisse

Insekten alle Blüten in gleicher Weise besuchen, indem sie dann den

Blütenstaub an einer Stelle absetzen, an welcher sie ihn in den anderen

Blüten an ihrem Körper aufgenommen haben. Ein +honigsuchendes Insekt+

wird also +bei unserer Wasserfeder+ in der That am Vorderkörper den

Blütenstaub der tiefgelegenen Staubbeutel, am +Hinterleib den der

langen Staubgefässe mit sich führen; mit letzterem kann es aber nur

die Narbe der langen Griffel, mit ersterem die der kurzen Griffel+

bei seiner gewöhnlichen Art des Besuchs +erlangen+. +Anders+ ist es

mit +pollensuchenden Insekten+. Sie haben keinen Grund, die kurzen

Griffel zu besuchen, während beim Besuch der kurzen Staubgefässe

der staubbeladene Kopf gelegentlich die Narbe der langen Griffel

berühren wird. Stellen wir uns nun vor, dass bei der Ausbildung

einer Blüteneinrichtung +nur oder vorwiegend honigsuchende Insekten+

mitgewirkt haben, so würden Formen der Heterostylie zu stande gekommen

sein, wie sie sich thatsächlich häufig finden, bei denen +illegitime

(künstliche) Bestäubung+ fast +gänzlich wirkungslos ist+, während da,

+wo pollensuchende Insekten neben den honigsuchenden regelmässige

Gäste+ sind, eine Heterostylie entstanden sein wird, bei welcher

die +legitime Bestäubung zwar die erspriesslichste ist+, von den

+illegitimen Bestäubungen aber die der langen Griffel immerhin jener

nahekommt+. So ist es nach den künstlichen Befruchtungsversuchen von

John Scott und Herm. Müller[26] bei der +Sumpffeder+, bei welcher

nach Herm. Müller die Bestäubung durch +pollenfressende Fliegen+ in

ausgedehntem Masse ausser durch +saugende Hautflügler+ (Pompilus

viaticus) +und Fliegen+ (Empis, Eristalis, Rhingia) bewirkt wird. Bei

den Versuchen Müllers ergaben die zwei legitimen Verbindungen mit den

zwei illegitimen zusammen verglichen Samenkörner im Verhältnis von 100

zu 61. Es war die mittlere Zahl der Samenkörner auf die Kapsel bei

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 24 / 112 题